Kapitel 3

Tonys Sicht
Ich schlendere mit meinem Taco in der Hand durch die Stadt und checke zum zweiten Mal meine Nachrichten. Wo bleibt Natasha nur? Ich mache mir langsam ein wenig Sorgen. Obwohl das sicher nicht nötig ist. Sie ist schließlich Natasha. Die mutigste und furchtloseste Frau, die ich kenne. Doch obwohl sie das alles ist, kann ich ihr nicht vertrauen. Sie hat ihn verschwinden lassen. Den elenden Verräter Rogers und seinen Mörderfreund Barnes. Wegen ihr konnten sie entkommen, doch trotzdem kann ich sie nicht loslassen. Ich will sie im Avengers Tower haben und sie um mich haben. Ich will das Vertrauen zu ihr wieder gewinnen und dann werden wir Seite an Seite kämpfen. Das haben wir im Civil War getan und es hat mir gefallen. Ich hätte es nicht zugegeben, doch ich will nie wieder ohne sie kämpfen. Aber die Beziehung zu Natasha ist nicht die Einzige, die vermisse. Ich will, dass es so wird wie früher. Ich will meine Freunde zurück. Ich will, dass Rhodey wieder laufen kann und dass Bruce wieder mit mir im Labor arbeitet. Ich will, das Vision mir verzeiht. Er soll mir verzeihen, dass Wanda weg ist. Zwar sagt er es nie, doch er gibt mir innerlich die Schuld dafür. Ich habe mir schon oft die Frage gestellt, ob er sie liebt. Für einige Menschen ist er sicher nur eine Maschine, doch für mich ist viel mehr. Er ist mein Freund. Einer der Einzigen, die noch übrig sind. Doch er ist nicht der Einzige. Da ist noch jemand. Peter. Peter Parker, der Junge, der von einer radioaktiven Spinne gebissen wurde und nun alles tut, um New York zu beschützen. Ich sage es ihm zwar nicht, doch ich bewundere ihn.

Als ich ihn einmal besucht, ich glaube es war ein verregneter Dienstag, hat er mir seine Geschichte erzählt. Von der radioaktiven Spinne. Von seinem Onkel Ben. Ich weiß nicht mehr jedes Detail, doch ein Satz hat sich in mein Gehirn eingebrannt. "Aus großer Kraft, folgt große Verantwortung!" Dieser Satz hat mir eins klar gemacht. Ich habe große Kraft, doch meistens trage ich nicht die Verantwortung dafür, was ich tue. Ich lebe einfach vor mich hin und bestreite zwischendurch kämpfe, doch ich übernehme nie wirklich Verantwortung. Feiere Partys, habe One-Night Stands und mache Spritztouren, doch Verantwortung übernehme ich nie. Ich muss etwas ändern und wenn der richtige Zeitpunkt da ist, werde ich das Richtige tun. Ich übernehme Verantwortung und das nicht nur für mich, sondern auch für einen anderen Menschen.

Plötzlich stolpere ich. Ich war so in Gedanken verloren, dass ich gar nicht mehr auf meine Umgebung geachtet habe. Zum Glück schaffe ich es noch mich an einer Hauswand fest zu halten und meinen Fall so zu verhindern. Meinen Taco hat es aber leider schlecht erwischt. Er liegt in einer dreckigen Pfütze. Der Salat ist herunter gefallen und der Teig ist mit dreckigem Wasser durchtränkt. Schade, mein schöner Taco.

Ich drehe mich um, um zu sehen, was daran schuld ist, dass mein wundervoller Taco nun aufgeweicht in einer Pfütze liegt. Dort auf dem Boden sitzt ein Mädchen. Plötzlich ist mein Taco vergessen und ich betrachte das Mädchen, welches da im Dreck auf dem Boden vor mir sitzt. "Passen sie doch auf wo sie hintreten", sagt das Mädchen wütend. Ich verschränke die Arme vor der Brust:"Ich soll aufpassen? Wer sitzt denn hier auf dem Boden?" Sie verschränkt die Arme vor der Brust:"Wo soll ich mich denn hinsetzen? In den Park?" "Nach Hause", sage ich mit Nachdruck. "Ich habe kein Zuhause", sagt sie und zieht die Beine an ihren Körper. Ich lege den Kopf schief:"Wie meinst du das?" "Ich habe kein Zuhause", sagt sie erneut und da verstehe ich. Sie ist obdachlos. Oh mein Gott, was hab ich nur getan? Ich habe sie einfach angemeckert, obwohl sie nichts anderes gemacht hat als hier gesessen. Ich war derjenige, der nicht aufgepasst hat. Ich will mich gerade entschuldigen und weitergehen, da höre ich wieder Peters Stimme in meinem Kopf. Aus großer Kraft, folgt große Verantwortung. Ich drehe mich nochmal zu ihr um und setze mich dann neben sie auf den Boden. Das Mädchen schaut mich fragend an:"Ist noch was?" Ich betrachte sie. Ihre dunkelbraunen Haare sind, genau wie die Kleidung, die sie trägt, verdreckt und ihre Augen wirken müde. Wahrscheinlich schläft sie nicht viel. Sie trägt weder eine Jacke, noch dicke Schuhe, die sie irgendwie warm halten könnten. Übernimm Verantwortung, Tony! Ich halte ihr die Hand hin:"Du hast kein Zuhause, aber ich kann dir eines geben, wenn du mich nur lässt und mir vertraust." Sie lacht:"Wieso sollte ich das tun? Ich soll mit keinem fremden Menschen mitgehen." "Ich bin Iron Man", sage ich selbstsicher und klinge wahrscheinlich ziemlich überheblich, doch das ist mir egal. Ich will, dass sie mit mir kommt. Ich will, dass ihr helfen, doch ihr Blick sagt mir, dass sie keine Ahnung hat, was ein "Iron Man" ist. Ich lasse den Kopf hängen:"Schaust du keine Nachrichten?" "Nein, wie auch. Ich lebe auf der Straße", sagt sie mit Nachdrück. Ich ziehe mein Handy aus der Tasche und zeige ihr meinen Speerbildschirm. Darauf bin ich selbst als Iron Man zu sehen. "Das sind sie?" "Jap. Leibhaftig", sage ich selbstsicher. "Sie haben sich selbst als Hintergrund?" "Nein", sage ich schnell:"Als Speerbildschirm!" Das Mädchen verdreht die Augen. "Also? Würdest du mit dem berühmten Iron Man mit gehen, wenn er dir anbietet bei sich zu wohnen?", sage ich freundlich. Hoffentlich sagt sie ja. Irgendwie sehe ich in ihr ein Stück weit mich selbst. Sie hat wahrscheinlich keine Eltern, sonst würde sie ja nicht obdachlos sein. Auch ich habe meine Eltern verloren. Doch trotz allem wirkt sie nicht so als hätte sie aufgegeben. Sie macht auf mich einen unglaublich mutigen, klugen und tapferen Eindruck. "Wie kann ich sicher sein, dass sie es wirklich sind?", fragt sie misstrauisch. Ich öffne meine Jacke und deute auf den blauleuchtenden Arc-Reaktor in meiner Brust. Dann zeige ich auf den Arc-Reaktor auf dem Bild. Nun muss sie mir aber wirklich glauben, denn sonst weiß ich echt nicht mehr, was ich tun soll. Sie seufzt:"Na gut. Ich komme mit ihnen...Mr...äh..." "...Stark! Ich bin Tony Stark", stelle ich vor. Ein leichtes Lächeln huscht über ihre Lippen:"Okay Mr Stark. Ich bin Dayton!" "Hallo Dayton", sage ich freundlich und sehe zu wie sie mir ihre Hand gibt. Ihre Hand ist so viel kleiner als meine und leider auch eiskalt. Ich drücke ihre Hand fest und ziehe sie vom dreckigen, kalten Boden hoch. "Bereits?", frage ich sie noch ein letztes Mal. Als sie unsicher nickt, ziehe ich sie mit mir durch die volle Stadt. Das wird sicher noch witzig, wenn ich Natasha und Vision erklären darf, wer sie ist und warum sie sich im Avengers Tower befindet, doch das ist mir jetzt egal. Endlich übernehme ich Verantwortung!

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