Kapitel 3

Ich laufe durch die Gänge des Krankenhauses. Meine Mutter ist zu Besuch und kümmert sich ein bisschen um die Zwillinge, sodass ich das Krankenhaus erkunden kann. Ich bin froh mal etwas Zeit für mich zu haben. Diana und Cara schreien schon den ganzen Morgen und mein Kopf schmerzt schrecklich. Ich bin nun auf der Suche nach einem Arzt oder einer Krankenschwester, um nach einer Tablette zu fragen.

Ich komme am Krankenhauskindergarten vorbei. Hier kann jeder im Krankenhaus, auch ein Arzt, sein Kind hinbekommen. Meine Töchter sind leider noch nicht alt genug, um alleine hier zu bleiben und ich habe auch keine Lust darauf mich den ganzen Tag in einem Raum mit vielen schreienden Kindern auf zu halten.

Plötzlich rollt ein rotes Feuerwehrauto aus dem Raum, doch ich sehe es nicht und stolpere darüber. Wie in Zeitlupe falle ich, doch kurz bevor ich auf dem Krankenhausboden aufschlage, werde ich aufgefangen. Zwei starke Arme halten mich fest und ich hebe den Kopf. Die Arme gehören einem Jungen mit dunkelbraunem Haar und grünen Augen. Er ist etwa in meinem Alter und lächelt mich freundlich an. Dann zieht er mich auf die Füße, lässt mich aber trotzdem nicht los:"Aufpassen, My Lady. Wir wollen uns doch nichts brechen, oder?" Ich kann ihn nur anstarren. Er ist so heiß. Ich schüttele meinen Kopf und:"N-Nein. W-Wollen wir nicht. D-Danke fürs r-retten." Er grinst charmant:"Jederzeit wieder. Sei beim nächsten Mal einfach vorsichtiger." Ich fange mich wieder und nicke. Dann lässt er mich los und strecke mir seine Hand hin:"Elliot." Ich ergreife sie und stelle mich ebenfalls vor:"Skye." Er drückt meine Hand. Diese kleine Geste gefällt mir und ich muss wie aus einem Instinkt heraus lächeln. "Was bringt dich denn hierher, Skye?", fragt er freundlich. Ich werde rot.

Oh nein, was soll ich denn jetzt sagen? Ich mag ihn und er ist echt nett zu mir. Wenn er aber weiß, dass ich mit 16 Jahren bereits zwei Kinder habe, wird er sich nicht mehr mit mir abgeben wollen. Jungs stehen nicht auf Frauen mit Kindern. Jedenfalls nicht in meinem Alter. Ich beiße mir auf die Lippe. Er sieht wie unangenehm es mir ist und sagt deshalb schnell:"Schon gut. Du muss es mir nicht sagen, wenn es dir unangenehm ist." Ich nicke dankbar und schlinge die Arme um meinen Körper.

Ich trage Krankenhauskleidung, eine hellblaue Strickjacke und Turnschuhe in der gleichen Farbe. Meine Haare habe ich zu einem unordentlichen Zopf gebunden und irgendwie ist es mir peinlich, dass er mich so sieht.

Er sieht jedoch auch nicht viel besser aus. Er trägt die gleiche Kleidung wie jeder Patient hier im Krankenhaus und schwarze Pantoffeln. Seine Haare sind zerzaust und er wirkt müde. Wieso ist er hier? Hat er vielleicht Krebs? Nein, dann wäre er nicht auf der Kinderstation.

"Wieso bist du denn hier?", frage ich ihn nun doch ziemlich neugierig. Er grinst:"Du bist ganz schön neugierig, Skye." Ich lache:"Ich weiß." Meine Unsicherheit ist sofort verschwunden. "Ich habe einen Darmverschluss", erklärt er mir. Ich sehe ihn schockiert an:"Oh, das tut weh oder?" "Ja schon, aber morgen ist meine OP und dann wird es ja wieder besser", er lächelt mich beruhigend an. Ich nicke:"Das ist gut."

Plötzlich höre ich die Stimme meiner Mutter, die meinen Namen ruft. Ich fahre herum und erblicke sie. Sie hat Diana und Cara auf dem Arm und winkt mich zu. Mist, wieso muss sie immer so ein mieses Timing haben? Ich versuche ihr mit einem Blick zu signalisieren, dass sie wieder gehen soll, doch sie schon es nicht zu bemerken.

Ich drehe mich wieder zu Elliot um:"Ich muss los. Tut mir echt leid, Elliot. Vielleicht sehen wir uns ja noch mal wieder?" Er blickt mich überrascht und etwas verwirrt an. Ich kann drauf aber keine Rücksicht nehmen. Er darf es aber einfach nicht wissen. Ich will einfach nicht, dass er genau das tut, was jeder andere auch tut. Ich könnt es nicht ertragen. Ich könnte es nicht ertragen, wenn er mich mit diesem Blick anschaut. Diesem angewiderten Blick, mit dem mich jeder versieht, der weiß, dass ich schon mit 16 zwei Kinder habe. Ich habe es satt als Schlampe, die zu dumm zum verhüten war behandelt zu werden.

Ich schaue ihn entschuldigend an und laufe weg. Ich laufe in die Richtung meiner Mutter, bleibe jedoch nicht bei ihr stehen, sondern laufe einfach weiter. Im vorüber Rennen sehe ich wie Cara, mein süße Cara, ihre kleine Hand nach mir ausstreckt. Als ich an ihr vorbei laufe, lässt sie ihre Hand sinken und bevor ich um die Ecke biege sehe ich, dass ihr Tränen in die Augen steigen. Ich wäre so gerne stehen geblieben, doch dann hätte Elliot es vielleicht verstanden. Verstanden, dass es meine Kinder sind und das kann ich nicht riskieren.

Ich biege um die Ecke und reiße die Tür irgendeines Raumes auf. Ich stolpere hinein und sinke an der Wand hinab. Der Raum ist ein Materialraum und ist voll mit Regalen. Tränen steigen mir in die Augen und ich halte sie nicht zurück. Ich beginne zu weinen und die Tränen tropfen schnell meine Wangen hinab. Das ist alles zu viel für mich. Vielleicht hätte ich Cara und Diana doch zur Adoption freigeben sollen. Vielleicht wäre es für uns alle besser gewesen.

Plötzlich öffnet sich die Tür des Raumes und meine Mutter kommt hinein. Diana und Cara hat sie nicht mehr auf dem Arm. Was hat sie mit ihnen gemacht? Hat sie die Beiden etwa allein gelassen? Ach was soll's? Hier sind überall Ärzte und Schwestern. Wenn etwas sein sollte, wäre sofort irgendwer zur Stelle und kümmert sich um meine Töchter.

Sie schließt die Tür hinter sich und ich blicke auf. Mom kommt zu mir und nimmt mich in den Arm. Sie sagt nichts und hält mich einfach nur. Ich weine einfach weiter.

Nach kurzer Zeit sagt sie doch etwas:"Was ist los?" "W-Wieso hast du das gemacht?", frage ich schniefend. Sie schaut mich überrascht an:"Diana und Cara haben sich einfach nicht beruhigen lassen. Sie haben ihre Mama gesucht. Sie wollten zu dir, Schatz." Ich funkele sie böse an:"Ich wollte aber nicht zu ihnen. Wieso hast du nicht einfach gewartet bis ich wiederkomme?" "Ich wusste ja nicht, dass es dich stört. Was ist denn dein Problem?", fragt sie nun streng. Ich schiebe sie weg:"Tut mir echt leid, dass ich nicht gerne Mutter bin, Mom. Ich habe auch noch ein eigenes Leben und will nicht, dass jeder weiß, dass ich zwei Kinder habe." Sie steht auf und geht wortlos weg. Ich bleibe sitzen. Sie versteh einfach nicht wie es mir geht. Sie sieht nur die schöne Seite. Als sie Mutter wurde, war sie viel älter als ich und hat es sich gewünscht. Ich wollte das alles nie. Sie ist einfach nur froh Enkelkinder zu haben. Ich hingegen bin gar nicht glücklich. Wieder beginne ich zu weinen. Ich hasse mein Leben!

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