Kapitel 3

Zügig kleidete Thranduil sich an und legte dann sein Schwert um.
Als er aus seinem Gemach trat, hörte er unzählige Stimmen von irgendwoher und die Gänge seines Palastes erschienen ihm nicht mehr so duster, wie sonst. Aufgebracht kam ihm sein Sohn Legolas entgegen: „Was ist geschehen, Vater?“
Thranduil lauschte konzentriert und sah sich suchend um: „Ein fremdes Wesen ist im Palast. Es sieht aus wie ein dunkelhaariger Mensch. Doch es ist unglaublich schnell und stark. Vermutlich werden wir es nicht aufspüren können.“ Aufmerksam ging er weiter: „Wenn es überhaupt noch hier ist. Im Wald werden wir es nie finden.“
Der König und der Prinz erreichten schließlich das Palasttor, wo sie zu ihrem Erstaunen feststellten, dass es einen großen Spalt offenstand.
Thranduil stammelte entsetzt: „Wie…. hat er es aufbekommen?“ Eine gewisse Ehrfurcht erfasste ihn und er konnte anscheinend wirklich dankbar sein, dass er noch am Leben war.
Legolas runzelte die Stirn: „Was wollte das Wesen von uns?“
Sein Vater konnte seine Schwäche nicht eingestehen und erwiderte daher: „Vermutlich unsere Schätze.“
Er trat vor den Palast hinaus und blickte in den Wald hinein. So viele Geräusche drangen an seine Ohren und er konnte viel weiter sehen als sonst. Lag das an dem Blut des Wesens?
Und er hatte ein merkwürdiges Gefühl in sich, wie wenn es in seiner Brust vibrieren würde. Wahrscheinlich konnte er das Wesen nun spüren. Es war noch in der Nähe.
Legolas riss ihn aus seinen ganzen neuen Eindrücken: „Siehst du etwas?“

Tiberius stand weit oben in einer Baumkrone und blickte lächelnd auf den Elbenkönig und dessen Sohn hinab. Der Vampir hatte gewusst, dass dem Elb die Wirkung gefallen würde. Sie waren doch alle gleich. Für mehr Macht taten sie alles. Da war es gleichgültig, was für ein Wesen man vor sich hatte.
Wie herrschaftlich Thranduil aussah, mit seinem Gewand, dem Schwert und den wehenden Haaren. Er erinnerte Tiberius wirklich sehr an Magnus, seinen keltischen Krieger. Der Elbenprinz war ebenfalls sehr hübsch.
Er war nun äußerst gespannt auf die sagenumwobene Wirkung des Elbenblutes. Hatte diese Menge schon ausgereicht?
Für ihn, mit seinen 2000 Jahren, vermutlich schon. Er würde es vorsichtig testen.
Mit Leichtigkeit könnte er die Beiden mitsamt den Wachen, die nun hinter ihnen auftauchten, mit seinen mentalen Kräften zerschmettern. So wie er die Torflügel hatte zurückweichen lassen. Wenn er die unsichtbare Faust auf sie schleudern würde, würde es ihr Inneres zerreißen und sie würden an inneren Blutungen sterben. Deshalb belustigte ihn Thranduils Bestreben ihn finden zu wollen.

Dem Elbenkönig erschien es, als würde der Wald nach ihm rufen. Ein unerklärlicher Drang und Unruhe bemächtigte sich seiner. Er starrte auf den Pfad, der vom Palast aus in das Dickicht führte und dann rannte er plötzlich los.
Seine Füße berührten kaum noch den Boden, die Bäume huschten an ihm vorbei und diese unbändige Energie in ihm musste irgendwie hinaus. Nur nebenbei registrierte er den Ruf von Legolas: „Vater, warte auf mich! Du kannst nicht allein gehen.“
Thranduil stieß sich aus dem Lauf vom Boden ab und landete weit oben auf einem dicken Ast. Als er hinunter blickte, breitete sich ein schelmisches Grinsen auf seinem Gesicht aus. So hoch war er ansonsten nicht gekommen.
Übermütig setzte er seinen Weg durch die Bäume fort, doch plötzlich ließ ihn ein Lachen inne halten. Er blickte sich erschrocken um und zog vorsorglich sein Schwert.
Da erkannte er das Wesen nicht weit entfernt von ihm, ebenfalls auf einem Ast stehen. Es lachte wieder: „Du scheinst Gefallen an meinem Geschenk zu haben.“
Der König richtete seine Schwertspitze auf sein Gegenüber und erwiderte drohend: „Komm mir nicht zu nahe, Bluttrinker!“
Tiberius schüttelte tadelnd den Kopf: „Ist das dein Dank.“
Das Schwert wurde Thranduil von Etwas aus der Hand gerissen und bohrte sich in das Holz des Baumes, dann riss ihn eine Kraft von den Beinen und er lag langgestreckt auf dem breiten Ast. Der Bluttrinker sagte ruhig: „Du siehst, ich muss dir nicht nahe kommen.“
Erschrocken blickte der Elb zu Tiberius und rappelte sich schnell hoch. Abschätzend musterte er ihn: „Sag mir, warum du mein Blut wolltest.“
Tiberius lächelte: „Nun, ich hatte gehört, es solle überaus schmackhaft sein und es mache immun gegen das Sonnenlicht.“
Die Sonne also‘, dachte Thranduil. Es gab also doch etwas, was dem Wesen Schaden zufügen konnte.
Tiberius fuhr fort: „Für meine Spezies bin ich bereits sehr alt und mein Körper kann die ersten Sonnenstrahlen aushalten. Doch mit dem Elbenblut wird es nun viel länger sein. Ich Ich will wissen, ob dieser Mythos wahr ist.“ Damit wandte sich der Vampir wieder ab: „Dann noch viel Vergnügen mit meinen Kräften.“
Und die Stelle, an der der Bluttrinker eben noch gestanden hatte, war leer.
Thranduil blickte sich suchend um. Wo war der Bluttrinker so plötzlich hin, aber er konnte mit seinen schärferen Sinnen nichts entdecken. Ärgerlich zog er mit einem Ruck das Schwert aus dem Ast und steckte es in die Scheide zurück.
Da hörte er Legolas rufen: „Vater, Vater! Wo bist du?“
Verärgert antwortete Thranduil: „Was ist?“
Legolas blickte zu ihm hoch: „Hast du es gesehen?“
Der König sprang herunter: „Ja, aber es verschwand. Geh zum Palast zurück.“
Sein Sohn fragte verwundert: „Und du?“
„Ich bleibe noch“, entgegnete Thranduil und spähte zwischen den Bäumen hindurch.
Legolas widersprach: „Ich lasse dich mit so einem mächtigen Wesen nicht allein hier.“
Der Ältere wandte sich zu ihm um, sah ihn tadelnd an und meinte: „Tu was ich sage. Geh zurück und lass mich allein!“
Zögernd machte der junge Elb kehrt, immer wieder wandte er sich um, aber sein Vater war kurz darauf verschwunden. Ihm war gar nicht wohl bei der Sache zumute.

Thranduil genoss weiterhin seine gesteigerten Kräfte, eilte durch den Wald und lauschte den Geräuschen überall.
Auf einmal fühlte er wieder die Aura des Wesens. Er blieb abrupt stehen und rief gebieterisch: „Wo bist du, Bluttrinker? Ich kann dich spüren.“
Wie aus dem Nichts stand der dunkelhaarige Mann auf einmal vor ihm, so dass der König vor Schreck zurück wich.
„Hier“, entgegnete Tiberius und konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. Thranduil erschauerte wieder, als er die spitzen Eckzähne erblickte.
Der Vampir ging einige Schritte umher: „Du hast Fragen an mich?“
Der König bezwang seine Furcht, die dieses Gebiss ausgelöst hatte. Schnell hatte er seine Emotionen wieder unter Kontrolle und entgegnete mit fester Stimme: „Wo kommst du her? Aus was für einer Welt?“
Tiberius antwortete bereitwillig: „Aus einer Parallelwelt. Dort leben Menschen, wir Unsterbliche und Mischlinge zwischen uns und noch die Tiere. Jedoch andere Tiere als hier beziehungsweise sind sie viel kleiner. Zum Beispiel die Spinnen.“
Das hörte sich für den Elb sehr interessant an: „Erzähl weiter!“
Tiberius setzte sich auf einen großen Ast: „Nun, ich herrsche über eine sehr große Stadt. Du hast sie bei unserem Bluttausch gesehen und auch meine Gefährten Helena und Magnus. Wir Unsterbliche müssen uns vor den Menschen verbergen, weil sie uns sonst vernichten würden. Wir trinken ihr Blut.“
„Dann seid ihr das Böse in eurer Welt“, bemerkte Thranduil.
Tiberius schüttelte den Kopf: „Für die Sterblichen schon. Sie können kein überlegeneres Raubtier akzeptieren. Das wollen sie nicht wahrhaben.“
Der Elb fragte weiter: „Und du bist der Herrscher über deine Art dort?“
Der Vampir nickte: „Ja, in dieser Stadt.“
Thranduils Wissensdurst war noch nicht gestillt: „Und wie kamst du in meine Welt?“


Comments

beta
Fairy Dust

Navigation

Languages

Social Media