Kapitel 3

Riley hielt Wort. Er berührte sie nicht, aber als Zyprin herzklopfend aus ihren hitzigen Träumen erwachte, lag er mit seiner Brust dicht an ihrem Rücken. Er strahlte Wärme und Geborgenheit aus, obwohl er tief und fest schlief. Zyprin schloss die Augen und atmete genießend seinen Duft ein. Wie konnte ein Mann nur so riechen? Als trüge er den Wald mit sich herum, gespickt mit der feinen Note von Tabak, frisch gegerbtem Leder und dem rauchigen Aroma von einem Lagerfeuer. Nie hatte der natürliche Geruch eines Mannes sie so verwirrt. Alle anderen Dinge, die über sie hereingestürzt waren, traten in den Hintergrund. Riley war allgegenwärtig und drängte jeden anderen Gedanken hinaus. Sie war eine junge Frau, in der Blüte ihres Lebens, natürlich dachte sie auch an Sex, selbst, wenn sie noch Jungfrau war. Es war nicht nur sein Geruch. Durch ihr dünnes Unterkleid registrierte sie seine Muskeln. Er lebte in einer harschen Welt, in der man Muskelkraft benötigte, selbstverständlich war sein Körper deshalb trainiert. Es fühlte sich gut an, irgendwie richtig, als würde sie in seine Nähe gehören.
Die Dunkelheit begann zu schwinden und Umrisse wurden langsam erkennbar. In wenigen Minuten würde Riley vermutlich auch aufwachen. Sie verzog den Mund, als sie daran dachte, dass er sie wieder aufs Pferd setzen würde, um sie durch die Gegend zu hetzen. Sei es drum, sie hatte sich ihr Schicksal ausgesucht, also würde sie sich jetzt auch nicht beschweren. Aber bis es so weit war, wollte sie die letzten Momente stillschweigend genießen. Zufrieden kuschelte sie sich noch einwenig näher an seinen Körper.
»Wenn du nicht willst, dass ich über dich herfalle, meine Liebe, solltest du dein prachtvolles Gesäß nicht so an meine Lenden reiben. Sonst kann ich für nichts garantieren.«
Erschrocken rückte Zyprin von dem vermeintlich schlafenden Mann ab und rief bestürzt: »Riley! Ich dachte, du schläfst noch.« Es war zum Glück noch so dunkel, dass er nicht sehen konnte, wie ihr die Hitze ins Gesicht stieg, sicher war sie rot wie die Abendsonne.
»Ich war bereits vor dir wach, wollte dich aber nicht wecken. Du hast so friedlich geschlummert. Außerdem ist es bis eben ohnehin noch zu dunkel gewesen, um weiter zu reiten. Was macht deine Verletzung?«
Erst jetzt erinnerte sich Zyprin an den Verband um ihre Beine. »Hm«, machte sie überrascht. »Ich merke nichts mehr, der Schmerz ist weg.«
Riley grunzte zufrieden und sagte: »Das klingt doch gut, trotzdem werde ich mir das noch mal ansehen, bevor wir weiter reiten.«
»Es ist doch noch viel zu dunkel«, widersprach Zyprin.
»In ein paar Minuten wird es hell. Ich bin am Fluss, hole frisches Wasser und wasche mich schnell.«
»Nein!«, rief Zyprin, bevor sie den Ausruf unterdrücken konnte. Sie wollte nicht, dass er diesen wunderbaren Geruch abwusch, aber das konnte sie ihm ja schlecht sagen. »Ich ... ich will nicht alleine sein«, stotterte sie unbeholfen.
»Du wirst nicht allein sein. Dein neuer Freund hat die ganze Nacht Wache gehalten.«
Überrascht fuhr sie hoch und schaute hinaus. Tatsächlich, da saß er auf der Schwelle, die Ohren des Tieres Ohren zuckten in alle Richtungen, als wolle es jedes Geräusch auffangen.
»Da bist du ja, Hund«, rief sie erfreut. Erst jetzt drehte sich das große Tier zu ihr um und musterte sie kurz. Er wedelte erfreut mit dem Schwanz und fegte dabei kleine Staubwölkchen auf.
Hmm, Hund war kein geeigneter Name für so ein eindrucksvolles Tier. Sie musste sich einen Namen überlegen, sollte das Tier ihnen folgen.
»Blackjack! Das passt doch super zu dir.«
Riley hob eine Augenbraue und sah das Tier zweifelnd genauer an. »Bist du sicher, dass ein männlicher Name zu ihr passt?«
Zyprin zog erschrocken die Luft ein. »Was? Er ist eine Sie?!«
Riley schüttelte schmunzelnd den Kopf. »Und bei der willst du wirklich bleiben, Hund?«
Das Tier gab einen kurzen kläffenden Laut von sich, als wolle es Rileys Frage bestätigend beantworten.
»Hmm«, gab Zyprin nachdenklich von sich und tippte sich grüblerisch ans Kinn. »Dann weiß ich es. Dass Erste was ich gesehen habe, als sie mich überraschte, waren die Funken in ihren Augen. Chispa, so will ich sie nennen.«
»Funke auf Spanisch. Nicht sehr einfallsreich, aber das Wort hat einen schönen Klang. So sei es. Dann heißt du ab jetzt Chispa, Hund.«
Aufmerksam bewegte Chispa ihren Blick zwischen Riley und Zyprin hin und her, während sie mit dem Schwanz wedelte.
Zyprin nickte zufrieden. »Ich finde, Chispa passt ausgezeichnet zu dir.«

******

Sie hatten die alte Hütte bereits einige Stunden hinter sich gelassen, als sie eine kleine Pause an einem schnell fließenden Bach machten.
»Hier werden wir kurz rasten, damit die Pferde sich ausruhen können und du deine Knie neu einbandagieren kannst. Ich mache mich auf die Jagd, vielleicht kann ich uns ein Mittagessen fangen«, sagte Riley und zog ein großes Messer aus der Scheide, das er in der Sonne aufblitzen ließ.
»Nettes Messerchen«, sagte Zyprin beeindruckt und ging einen Schritt zurück. »Fuchtel nicht so dicht vor meinem Gesicht damit rum, da bekommt man ja Angst.«
»Es ist ein Geschenk von der Herrscherin. Ich habe ihr einmal einen Gefallen getan und diese Klinge war meine Bezahlung. Etwas Wertvolleres habe ich nie besessen. Sie ist verzaubert. Die Schneide wird nie stumpf, und wenn ich damit töte, verspürt das Wesen keinen Schmerz, bevor es stirbt.«
Zyprin war sich nicht sicher, wie sie auf diese Information reagieren sollte. Ein Messer, das nie stumpf wurde, war sicher hilfreich, aber wenn man damit zu töten beabsichtigte, war das wieder etwas anderes. Sie hoffte, dass er die Klinge bisher nur bei Tieren eingesetzt hatte, aber danach fragen wollte sie ihn lieber nicht. Sie schluckte. Dies war eine völlig andere Welt mit anderen Regeln, sie wusste nicht, ob sie je damit klarkommen würde.
»Ich lasse Chispa bei dir, sie wird gut auf dich achtgeben. Wenn du ans Ufer willst, geh nicht zu tief ins Wasser, die Stromschnellen sind tückisch. Sonst ertrinkst du mir noch.« Riley schnürte seinen Sattel nach und stieg auf seine Stute.
»Halte dich bedeckt, mach keinen Lärm. Solltest du Geräusche hören, lass deine Stute stehen und versteck dich irgendwo in den Büschen. Du könntest Räubern nie davon reiten. Sie sind praktisch im Sattel aufgewachsen, außerdem würdest du dich vermutlich nur verirren, sodass ich dich nie mehr finde.«
Zyprin nickte. Ein ungutes Gefühl machte sich in ihre breit. Diese Welt machte ihr bereits Angst, auch ohne Rileys Warnungen. Dabei war bisher noch nicht einmal etwas Schlimmes passiert.
»Wir passen gut aufeinander auf, nicht wahr, Chispa?«, sagte Zyprin überzeugter, als sie sich fühlte. Riley nickte ihr zum Abschied kurz zu, lächelte sein aufmunterndes ›du schaffst das‹ Lächeln und war binnen Augenblicke aus ihrem Sichtfeld verschwunden.
Jetzt war sie allein. Diese Einsicht brach über sie herein und schnürte ihr den Hals zu. Sie war nicht nur allein an irgendeinem Bach, sie war komplett allein auf dieser Welt. Zumindest als Erdling. Das Gefühl der Einsamkeit und des verlassen worden seins legte sich wie Bleigewicht auf ihr Gemüt. Mit Mühe schluckte sie die aufkommenden Tränen runter. Sie tat oft, als wäre sie so taff wie diese Frauen aus den Abenteuerfilmen, die sie manchmal ansah. Diese Frauen waren todesmutig, unerschrocken und zweifelten nie an sich. Zyprin wollte auch so sein, aber Film und Realität waren zwei völlig verschiedene Dinge. Gott im Himmel, was hatte sie sich nur dabei gedacht, mit diesem Mann mitzugehen? Die anfängliche Neugierde und die Spannung aufs Ungewisse waren verfolgen. Sie dachte beunruhigt an ihre Eltern, sie würden umkommen vor Sorge. Ob sie wohl schon die Polizei gerufen hatten? Warum war sie auch so dumm gewesen und hatte sich überrumpeln lassen zu gehen, ohne wenigstens einer Person bescheid zu geben?!
Ach was nützte alles Bereuen und lamentieren. Sie dachte an das Gespräch im Wald, dass sie mit Riley geführt hatte. Ja, das Leben war ein Haufen Dominosteine, doch diesmal wünschte sie sich, die Steine wären einen Tick seitlicher gefallen. Sie schüttelte den Kopf, um die schwermütigen Gedanken aus dem Kopf zubekommen.
Ich krieg das hin!, dachte sie, um sich selber Mut zu machen. Meine Eltern werden es hinkriegen. Es wird alles gut werden!
Bedrückt kraulte sie Chispas Fell hinter den Ohren. Das Tier schien das zu genießen und Zyprin beruhigte es.
»Ich bin froh, dass du mich gefunden hast, Chispa«, sagte Zyprin leise. »Durch dich fühle ich mich nicht ganz so allein.«
Plötzlich schnaubte das Pferd kurz nervös auf und starrte in Richtung Straße. Auch Chispa sprang auf und knurrte kaum hörbar, die Ohren spitz nach oben gerichtete, wie eine Satellitenschüssel in Richtung des Geräusches gerichtet.
Erschrocken kauerte Zyprin sich ins Gras und zischte: »Verflucht, wenn ich dir doch nur befehlen könnte, dich ins Gras zu legen, Pferd.« Aber nein, natürlich hörte die Stute nicht auf sie. Im Gegenteil, nervös riss die Stute an den Zügeln, die locker um einen Busch geschlungen waren.
Besser sie erwischen das Pferd als mich, dachte Zyprin feige und löste den leichten Knoten. Augenblicklich riss die Stute sich los und trabte davon.
Verdammt, mein Schlafsack! Zyprin schlug sich stöhnend an die Stirn. Egal, es gab Wichtigeres. Mit dem Zeigefinger an den Lippen bedeutete sie Chispa das Knurren zu unterlassen und tatsächlich, die Hündin leckte sich kurz über die Lefzen und duckte sich still in den Dreck. Leise kroch Zyprin hinter den Busch, an dem noch kurz zuvor die Stute angebunden war, und versuchte ihr Hosenkleid so gut wie möglich von den Blättern zu verdecken.
»Bist du sicher, dass du was gesehen hast, Tapper? Hier ist doch alles ruhig.«
»Halt die Fresse, Loc. Wenn ich dir sage, ich habe einen Gaul gehört, dann habe ich einen Gaul gehört.
»Hast du dich mal umgesehen, du Vollidiot? Das Gras ist stellenweise mannshoch, das könnte eine Falle sein. Ramocks Gesellen treiben hier ihr Unwesen. Wer sagt dir, dass sie uns nicht an die Wäsche wollen?!«
Der andere lachte ein kehliges Lachen. »Als ob dir einer an die Wäsche will. Du bist so hässlich, dass sogar die Vogelscheuchen Respekt davor haben.«
Ein dumpfer Schlag, gefolgt von einem noch dumpferen »Autsch!«, folgte.
»Blödes Arschloch!«, murrte der angeblich hässliche. »Ich hau hier ab, mit Ramock ist nicht zu spaßen. Der häutet dich, nur um zu sehen, wie lange du das überlebst.«
»Hmpf«, es klang, als hätte sich der andere einen blutigen Zinken von seinem Kumpel eingefangen, jedenfalls tönte seine Stimme sehr nasal. »Hast recht, lass uns abhauen. Kein normaler Reisender wäre so dumm hier ein Päuschen einzulegen.«
Zyprin hätte vor lauter Erleichterung fast laut aufgeatmet, konnte sich aber im letzten Moment noch zurückhalten. Die zwei Halunken waren höchstens noch vier Meter von ihr entfernt, als sie stehen blieben. Sie konnte sogar bereits ihren Gestank ausmachen. Übel! Die Kerle hatten vermutlich noch nie in ihrem Leben ein Stück Seife gesehen, geschweige denn benutzt. Sie rochen nach Abfall, Schweiß, Fäkalien und Fäulnis, es trieb ihr die Tränen in die Augen. Trotzdem traute sie sich nicht vorzukriechen und kauerte noch eine ganze Weile unter den schützenden Blättern, bis ihre Beine taub wurden. Nervös streckte sie sich leise, als sie glaubte, dass sie wieder allein waren, was Chispa sofort auf den Plan rief. Freudig wedelte das Tier mit dem Schwanz, das bedeutete wohl, dass die Schufte tatsächlich ihres Weges gezogen waren, und sie sich in Sicherheit befand.
Sie begriff, dass sie wahnsinnig viel zu lernen hatte, wenn sie in dieser Welt bestehen wollte. Sie würde sich nicht immer verstecken können. Kampfsport kannte sie zwar nur aus dem Fernsehen, aber hey, wenn die das alle hinbekamen, dann sie doch wohl auch. Wäre doch gelacht ...

******

Bis zu Riley Rückkehr, gefühlte drei Tage - doch laut Sonnenstand höchstens ein oder zwei Stunden später, geschah nichts mehr Außergewöhnliches. Die Straßen blieben ruhig und außer einem Hasen, dem Chispa hinterher jagte und erfolgreich riss, war es still gewesen.
Rileys Pferd schritt leise schnaubend durch das hohe Gras zurück zu Zyprin, ihre verlorengeglaubte Stute brachte er gleich mit zurück. Hinten auf seinem Sattel hatte er einen großen, bereits gerupften und ausgenommenen Vogel festgebunden, der schön fett aussah und sie beide satt machen würde.
»Riley!«, erleichter stand Zyprin auf und kam ihm entgegen.
»Du siehst verängstigt aus, meine Kleine. Ist irgendetwas passiert? Ich muss dir wohl auch zeigen, wie man richtige Knoten bindet, deine Stute hatte sich selbstständig gemacht.« Riley stieg ab, band Zyprins Pferd an den Ast eines kleinen Bäumchens und machte sich an dem Lederband zu schaffen, mit dem er seine Jagdbeute festgebunden hatte.
»Ja, irgendwie ist schon etwas passiert«, sagte Zyprin und schaute mit einem mulmigen Gefühl über die Schulter zur Straße, die durch das hohe Gras nicht sichtbar war.
Stirnrunzelnd hörte Riley auf sich mit dem toten Vogel zu beschäftigen und starrte Zyprin argwöhnisch an. »Was meinst du? Entweder ist etwas passiert oder es ist nichts passiert.«
»Zwei Männer waren hier. Sie tauchten auf, nachdem du weg warst.«
»Was?! Erzähl mir genau, was geschehen ist.«
»Ich kauerte mich auf den Boden und versteckte mich unter dem Blätterwerk des Busches, als ich sie hörte«, sie deutete auf das Grünzeug am Bachufer. »Die Stute habe ich losbinden müssen, weil sie nervös wurde und laut zu wiehern anfing. Sie riss an dem Zaumzeug, also ließ ich sie laufen. Chispa versteckte sich mit mir und hörte aufs Wort. Sie knurrte erst, aber als ich sagte, sie solle still sein, war sie es auch. Keinen Moment zu früh, denn dann waren die Kerle auch schon zu hören. Zuerst habe ich nicht viel verstanden, weil sie noch weit weg waren. Aber dann unterhielten sie sich über einen Kerl namens Ramock.«
»Ramock?!«, rief Riley dazwischen, sein Blick wurde noch düsterer.
»Ja, er scheint hier in der Gegend das Sagen zu haben. Die zwei stinkenden Kerle sagten jedenfalls, dass kein Reisender so dumm wäre, hier in Bachnähe zu kampieren.«
Rileys Kiefer knirschten kurz. »Ich weiß, wer Ramock ist. Ich war lange Zeit nicht mehr in dieser Gegend. Ramocks Gebiet hat sich ganz schön ausgedehnt. Aber diese beiden Dreckskerle haben Recht. Kein Reisender, der auch nur einen Funken Verstand besitzt, würde freiwillig in Ramocks Gebiet sein Lager aufschlagen. Und wir werden das auch nicht. Los, rauf auf deine Stute, wir reiten weiter.«
Zyprin diskutierte nicht lange, zog ihr Cape tief über das Gesicht und ließ sich von Riley auf das Pferd helfen. Ein dumpfes Grollen in ihrer Magengegend machte ihr klar, dass sie sehr bald etwas essen musste und nicht sehr lange würde reiten können.
»Ich bin auch hungrig«, sagte Riley, der ihr Bauchgrummeln wohl vernommen hatte. »Und so bald wir auf sicherem Gebiet sind, brate ich uns den Vogel.«
»Wie lange werden wir brauchen, bis wir bei meiner Mutter sind?« Zyprin wollte taff sein, aber ihre Psyche war wohl doch nicht so stark, wie sie dachte. Reuevoll dachte sie an Joes Diner und an den Mega-Burger-Spezial mit Zwiebelringen und extra Käse. Wieder meldete sich ihr Magen sehr laut und beschwerte sich über das nagende Loch.
Du bist so schwach, Mädel, dachte sie und schämte sich vor sich selbst. Ist das dein Ernst? Ein paar Stunden nichts gegessen und du wirst zur Diva? Wie erbärmlich.
»Ich schätze noch drei Tage und zwei Nächte, wenn wir keinen weiteren unplanmäßigen Stopp vor uns haben«, sagte Riley, während er den Stand der Sonne beobachtete. »Es ist noch früh, wir werden ein gutes Stück vorankommen.«
»Wenn ich nicht vor lauter Schwäche aus dem Sattel kippe«, murmelte Zyprin ungehalten. Japp, die Diva in ihr rüttelte schon mächtig am Käfig.
Plötzlich ruckte Chispas Kopf nach oben und ihre Ohren zuckten unruhig hin und her. Riley sah allarmiert in die gleiche Richtung und unterdrückte nur mit Mühe einen Fluch. »Verdammt. Gib dem Gaul die Sporen und schaue nicht zurück, Zyprin. Reite wie der Teufel! Chispa, lauf weg und finde uns später, sonst töten sie dich auch noch! LOS!«
Chispas Kopf ruckte aufmerksam hoch, dann schaute sie kurz zurück, sprang ins Unterholz und war verschwunden.
Riley gab einen cowboyartigen Schrei von sich, auf den nicht nur sein Pferd hörte, auch Zyprins Stute fühlte sich angespornt.
Erschrocken griff Zyprin beim Aufbäumen ihres Reittieres fester in die Zügel und beugte sich reflexartig nach vorne. Sie hörte die Rufe hinter sich und glaubte die Blicke der Fremden auf ihrem Rücken zu spüren. Wilde Panik machte sich in ihr breit, ihr Herz schlug wie verrückt und die Angst hinterließ einen merkwürdig bitteren Geschmack in ihrem Mund. Sie machte sich keinerlei Illusionen, diese Männer kannten weder Recht noch Gesetz, sie würden Zyprin zum Frühstück verspeisen und Riley töte. Selbst wenn er ein oder zwei erledigen konnte, hinter ihnen erklangen mindestens fünf oder sechs Stimmen. Egal wie stark Riley war, diesen Kampf konnte er nicht gewinnen. Ihre Stute rannte Rileys Pferd instinktiv hinterher, Zyprin ließ einfach alles geschehen, denn sie hätte ohnehin nicht gewusst, wie sie das Pferd hätte lenken oder gar anhalten sollen. Sie hatte ihre liebe Mühe, sich einigermaßen auf dem Tier zu halten, denn ein Tag auf dem Rücken des Tieres machte noch lange keine geübte Reiterin aus ihr. Sie hüpft auf dem Pferderücken auf und ab und hielt sich verzweifelt an Zügel und Mähne fest.
Bitte, bitte, fall nicht runter. Oh lieber Gott im Himmel, bitte hilf mir. Mehr konnte sie nicht denken, der Reitwind wehte ihr nicht nur die Kapuze vom Kopf, er schien ihr auch das logische Denken zu nehmen.
»Schneller, Zyprin, gib deinem Tier die Sporen!!«, rief Riley energisch, der kurz zurückschaute. Sein Gesichtsausdruck versetzte Zyprin ein noch größeres Horrorgefühl. Die fremden Männer mussten dichter an ihnen kleben, als es ihm lieb war. Zyprin stiegen Tränen in die Augen.
Sie verkrampfte vor Schreck, als sie schon beinahe neben sich eine Männerstimme vernahm, die rief: »Ich hab sie gleich, Boss!«
Zyprin schrie panisch auf, einem der Männer war es gelungen, sein Pferd dicht neben ihres zu treiben. Sein harter Stiefel prallte gegen ihr Bein. Doch ihr Entsetzen war größer als der Schmerz, denn nun beugte er sich herüber und seine haarige Hand packte ihren Zügel und riss daran. Ihre Muskeln waren völlig verkrampft. Sie wollte sich mit einer Hand von der Mähne lösen und nach dem Angreifer schlagen, aber es ging nicht, sie musste hilflos mit ansehen, wie ihre Stute langsamer und schließlich von dem Strauchdieb ganz angehalten wurde.
Zyprin wollte nicht aufsehen, sie hielt ihre Lider geschlossen und weinte schluchzend. Das fiese Lachen ihres Gegners schnitt tief in ihre Seele. War es das schon? War es tatsächlich so schnell vorbei? War sie vom Schicksal nur hergebracht worden, um vergewaltigt und mit zerschundenem Körper zum Sterben weggeworfen zu werden?
Erst als sie Riley schmerzerfüllt aufschreien hörte, öffnete sie ihre Augen. Riley war von einem der Halunken aus dem Sattel gezerrt und in den Dreck getreten worden. Mit schnellem Blick zählte Zyprin sieben Schurken, die sich im Kreis um sie gescharrt hatten, um ihnen jeglichen Fluchtweg abzuschneiden.
Unangenehm schwer lasteten die lüsternen Blicke der Dreckskerle auf ihr. Einige machten anzügliche Bemerkungen und obszöne Bewegungen mit ihren Händen und Zungen. Sie benahmen sich wie Wilde, die einen erfolgreichen Beutezug beweihräucherten.
Einer von den Kerlen, ein großer Mann um die dreißig, mit braunen, langen Haaren, die zu einem lockeren Pferdeschwanz zusammengebunden waren, bedeutete den anderen zu schweigen. Er schnalzte kurz mit der Zunge, löste sich aus dem Kreis und kam dichter an Zyprin heran geritten, um sie genauer zu betrachten. Seine Augen waren von einem goldenen Braun und sein Blick wirkte wach und intelligent auf Zyprin. Er war sicher dieser Anführer namens Ramock. Der, der seine Gegner nur zum Spaß häutete. Das trieb Zyprin den Angstschweiß auf die Stirn. Durch ihre hektischen Atemzüge wurde ihr schwindelig. Jetzt in Ohnmacht zu fallen, war das Letzte, was sie brauchen konnte. Hoffentlich fasste er sie nicht an, sonst würde sie anfangen hysterisch zu schreien, ohne etwas dagegen tun zu können. Die Angespanntheit sirrte in ihr wie die zu straffe Saite einer Gitarre. Oh Riley, wo hast du mich da nur reingezogen?, dachte sie, bevor der Anführer das Wort ergriff.
»Was haben wir denn hier Hübsches? So ein niedliches Ding wie dich habe ich ja schon lange nicht mehr gesehen. Bist du eine kleine Adelige?«
Er beugte sich etwas weiter vor, um ihr besser ins Gesicht schauen zu können. Zyprin dachte nicht daran den Kopf zu heben, stur starrte sie mit tränengefüllten Augen auf den Sattelknauf. Das konnte einfach nicht so enden, nicht auf diese Art und Weise. Plötzlich kam ihr eine Idee, sie musste an den Bauern von gestern denken, der alles Interesse an ihr verloren hatte, als Riley sie eine ... eine ... verdammt! Wie hatte er sie genannt? Es hatte etwas mit Hitze zutun. Richtig!
»Werter Herr, natürlich wisst Ihr nicht, wer ich bin. Aber wenn Euch Euer Leben lieb ist, werdet ihr meinen Begleiter und mich auf der Stelle gehen lassen. Dann, und auch nur dann, werde ich davon absehen, mir Euren Kopf auf einem Silbertablett servieren zu lassen.« Sie wollte bissiger klingen, resoluter, aber die Angst schürte ihre Kehle zu und daher klang es eher fiepsig, als bestimmt. Man hörte ihr an, dass sie nur mit Mühe die Tränen zurückhielt.
Natürlich fingen die Männer laut an zu lachen und auch der Anführer grinste anerkennend. »Mutig ist die Kleine, das muss man ihr lassen, was Männer? Sie wird sicher einen wilden Ritt für mich abgeben. Ich freue mich schon darauf, ihr meinen dicken Schw-«
»Ich würde an deiner Stelle nicht so große Töne spucken, Ramock!«, unterbrach Riley ihn scharf, der immer noch im Dreck lag und gleich darauf den Staub der Straße aushustete. »Sie hat Recht. Sie wird dafür Sorgen, dass dein Kopf rollen wird, denn sie ist die neue Wärmende der Königin. Sieh sie dir doch genau an. Sie ist etwas Besonderes. Glaubst du wirklich, die Königin würde jemand anderen als mich für so eine wichtige Aufgabe beauftragen?«
Seine Worte lösten ein unruhiges Gemurmel unter den Männern aus. Nervös sahen sie zu ihrem Anführer, dessen Gesichtsmimik regungslos blieb.
»Was du nichts sagst, Riley«, sagte er mit ruhiger Stimme. Mit einer Handbewegung bedeutete er seinen Leuten, von Riley abzulassen. »Und warum weiß ich nichts davon? Die Königin lässt mir immer ausrichten, wenn sie eine besondere Lieferung erwartet.«
Zyprin wusste, wenn sie jetzt ein falsches Wort sagten, war es vorbei. Ramock war versucht ihnen zu glauben, aber noch fehlte ihm der letzte Kick zur Überzeugung.
»Ach ja?«, sagte Zyprin mit verbitterter Stimme. »Und wie viele Leute habt ihr in den letzten Tagen umgebracht, bevor sie auch nur andeuten konnten, dass sie Boten sind?«
Bingo! Ramock sah zu seinen Männern, von denen einige verlegen auf den Boden starrten, um ihrem Anführer nicht Rede und Antwort stehen zu müssen. Genau darauf hatte Zyprin gehofft. Sie hatte hoch gepokert und jetzt würde sich zeigen, ob Ramock auf diesen Bluff reinfallen würde.
Genervt verdrehte Ramock die Augen und grummelte ein paar unverständliche Worte, die sich nach einer bösartigen Verwünschung anhörten, die gegen seine Männer gerichtet war.
»Also gut, ich werde garantiert nicht den Zorn meiner Königin auf mich ziehen, besonders nicht, da wir so eine wunderbare Abmachung haben. Ich kann tun und lassen, was ich will, solange ich nichts anfasse, was ihr oder ihrem Hofstaat gehört.« Er schnalzte leise mit der Zunge, sein Blick streifte gierig über Zyprins Ausschnitt. »Sehr schade, dich hätte ich wirklich gerne eingeritten. Aber in einem Jahr hat dich die Königin satt und dann darfst du mich gerne wieder besuchen, meine Hübsche.«
Zyprin schluckte trocken die Abscheu runter, die sich ihren Hals als Magensäure hochquälte. Aber sie behielt ihr Pokerface so gut sie konnte aufrecht.
»Dürfen mein Begleiter und ich unsere Reise nun ungehindert fortsetzen?« Ihre Stimme war ruhiger geworden, aber das ängstliche Zittern ließ sich nicht unterdrücken.
»Fürchte dich nicht, meine Zauberhafte. Ich verspreche euch sicheres Geleit, bis ihr mein Gebiet verlasst, das garantiere ich dir. Ihr dürft unbehelligt rasten und eure Nachtruhe einlegen. Aber ich verlange etwas als Gegenleistung von euch.«
Zyprin spürte, wie ihr das Blut aus den Wangen wich und Eiseskälte ihre Beine emporkroch.
»Ich verlange eines eurer Pferde. Dann sind eure Schulden bezahlt.«
»Einverstanden«, mischte Riley sich ein, griff nach den Zügeln seines Pferdes und löste seine Habe vom Rücken des Tieres. »Aber meine Schlaffelle und den Vogel behalten wir, wir haben den ganzen Tag noch nichts gegessen.«
Einer der Männer war auf Riley zugegangen, jederzeit bereit auf Befehl seines Anführers zuzuschlagen, aber Ramock scheuchte ihn mit einem düsteren Blick wieder weg.
»Einverstanden, ich will ja, dass ihr heil bei der Königin ankommt. Dafür reicht euch ein Gaul. Der Sattel bleibt auch bei mir, den brauchst du sowieso nicht mehr.«
Riley nickte. »So soll es sein.«
Zyprin blieb auf dem Pferderücken, während Riley seinen Rucksack und das Schlaffell hinter ihr befestigte. Dann schob er sie ein Stück vor und schwang sich geschickt mit einem Satz hinter sie.
Ramock tippte an seinen Hut. »War mir eine Freude Geschäfte mit dir zu machen, Riley. Wir sehen uns wieder. Möge der Himmel jederzeit blau, die Sonne stets hell und der Wind zu jeder Zeit lau für eure Reise sein.«
Riley grunzte eine unverständliche Antwort, tippte ebenfalls kurz an seinen Hut und schnalzte mit der Zunge. Das Pferd trabte davon und ließ die wenig vertrauenserweckenden Männer zügig hinter sich zurück.
»Das war knapp«, sagte Zyprin, als sie sicher sein konnte, dass die Kerle sie nicht mehr hören konnten. Sie hielt sich verkrampft am Sattelknauf fest, als würde das harte Leder ihr die Sicherheit geben, die diese Halunken ihr genommen hatten.
»Ich fürchte, es ist auch noch nicht vorbei. Sollte ein echter Kurier vorbeikommen, den sie ausquetschen können, werden sie unsere Lüge durchschauen und schneller hinter uns her sein, als Katzen hinter den Mäusen.«
Zyprin schluckte. Ihr Kopfkino hatte sich noch längst nicht beruhigt und sie sah sich selbst geschändet und geschält wie eine Orange an einen Pfahl gebunden.
»Vielleicht sollten wir dann etwas schneller reiten?« Sie hasste es, dass sie sich verängstigt wie ein kleines Häschen anhörte. Sie drehte sich zu Riley um und ein kleiner Stromschlag der angenehmen Sorte durchfuhr ihren Körper, als sie bemerkte, wie nah sie seinen Lippen war. Verstört schaute sie schnell wieder nach vorne, doch sie spürte seine Präsenz jetzt wesentlich deutlicher, als noch vor ein paar Augenblicken.
Riley verneinte. »Wir können nicht schneller reiten. Die Stute muss nun unser beider Gewicht tragen, sie würde zu schnell müde, wenn ich sie antriebe. Wir werden uns nicht aus der Ruhe bringen lassen. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Räuber auf einen Kurier treffen, ist sehr gering. Also machen wir weiter wie geplant und hoffen einfach das Beste.«
Besorgt beobachtete Zyprin die Umgebung. Sie glaubte zwar nicht, dass die Diebesbande sie noch verfolgten, jedoch fürchtete sie, Chispa verscheucht zu haben und dass sie nicht mehr zurückkommen würde. Sie konnte das Tier sogar verstehen, aber es fühlte sich trotzdem an, als hätte sie eine Freundin verloren.

Als es zu dämmern anfing, erreichten sie eine größere Siedlung. Häuser aus Stein und Holz, Fachwerkhäusern der Erde nicht unähnlich, standen dicht gedrängt aneinander, verbunden durch verschlungene, holprige Wege, die bei Regen sicher zu matschigen Stolperfallen wurden. Zyprin fragte sich, warum gerade Wanderer nicht auf die Idee kamen, Neurungen aus anderen Welten preiszugeben und so diese Welt aus dem Mittelalter zu führen. Aber vermutlich widersprach das irgendeinem Kodex oder so, sie war zu müde, um Riley danach zu fragen.
»Wir werden heute Nacht im Wirtshaus übernachten. Mit etwas Glück werden wir es von nun an von Dorf zu Dorf schaffen und brauchen nicht mehr im Freien zu schlafen.«
Das war Zyprin nur recht, sie war ein Stadtmensch und hasste Ungeziefer.

Riley stoppte vor einem größeren Gebäude - vermutlich die Wirtschaft - stieg ab und band die Stute am vorgesehen Balken fest, dann half er Zyprin abzusteigen. Sein Gesicht hatte eine tiefe Sorgenfalte zwischen seinen Augen bekommen, bemerkte Zyprin, als er ihr das Cape sorgfältig über den Kopf zog und sanft über ihre Wange strich.
»Wir haben es bald geschafft«, sagte er, als wolle er ihr Mut zusprechen, aber tatsächlich schien es nur dazu zu dienen, ihn selbst zu beruhigen. »Bald sind wir bei deiner Mutter.«
Zyprin hob ihre Hand und berührte seine, die noch auf ihrer Wange lag. »Ich weiß, ich wirke wie ein ängstliches Huhn und, ehrlich gesagt, fühle ich mich auch meistens so. Aber eines weiß ich, der Mensch ist stärker, als er selber weiß. Ich kriege das schon hin. Auch wenn ich Momente habe, an denen ich vor Heimweh aufgeben möchte, aber ich werde das durchstehen. Es ist doch wie bei jeder Umstellung, wenn man sich erstmal mit der neuen Situation vertraut gemacht hat und eine gewisse Routine eingekehrt ist, kann man sich an fast alles gewöhnen.«
Unergründlich blickte Riley ihr in die Augen, schienen ihr so viel sagen zu wollen und war doch zum Schweigen verurteilt. Seine Hand blieb auf ihrem Gesicht und sein Daumen strich ihr über die Haut. Es war ein schönes Gefühl, das Zyprin nicht verlieren wollte. Sie schloss die Lider und schmiegte sich an seine rauen Finger. Der Geruch von gegerbtem Leder stieg ihr in diese Nase, vermutlich, weil sie den ganzen Tag im Sattel verbracht und er die Zügel gehalten hatte.
»Besser, wir gehen rein, sonst kann ich hier niemandem die Geschichte der Wärmenden verkaufen, die ich zur Königin bringen soll.« Seine Stimme hatte einen rauen Unterton bekommen, als würde er sich beherrschen müssen. Zyprin öffnete die Augen und ihr Herz schlug schneller, als sie bemerkte, wie dicht er vor ihr stand und sie genau beobachtete. Wie seine Lippen wohl schmeckten? Waren sie genau so wild und rau, wie er es war? Oder würden sie sich sanft und fordernd auf Ihren anfühlen?
Doch der zauberhafte Moment war vorbei, bevor sie ihn richtig auskosten konnte. Er riss seinen Blick von ihr fort und ließ seine Hand sinken.
»Folge mir in zwei bis drei Schritten Abstand. Sieh niemanden an und sprich mit keinem. Na ja, du kennst das ja schon.
Zyprin hob pikiert eine Augenbraue, sagte aber nichts und nickte nur ergeben.

Das Wirtshaus erinnerte Zyprin eher an einen Saloon, denn an ein Wirtshaus, jedenfalls, wenn sie an die Cowboyfilme dachte, die sie kannte. Es roch angenehm nach Seifenlauge, frischem Braten, Bier und gerauchten Zigarren. Die Musik kam aus einer hinteren dunklen Ecke von einer kleinen Musikantengruppe, die ungewöhnliche Streichinstrumente spielten, die sie nie zuvor gesehen hatte. Nichtsdestotrotz war die Melodie flott und eingängig. Sie sollte die Menschen wohl schon früh zum Feiern und Trinken animieren. Auch das unterschied sich nicht wirklich von der Erde.
Riley stoppte abrupt und drehte sich leise flüsternd zu ihr um. »Ich habe dir doch davon erzählt, dass es auf dieser Welt noch andere Spezies gibt, als die Menschen. Du wirst hier gleich auf Arweener treffen, als starr sie ja nicht an, mach keine erschrockenen Geräusche oder sonst irgendwas, verstanden? Die sind hier so normal, wie verschiedenen Hauttypen auf eurem Planeten. Es käme komisch, wenn du so tätest, als hättest du nie einen gesehen, verstehst du? Wir wollen nicht unnötig mehr Aufmerksamkeit, als nötig.«
»Ist ja gut, ich bin schließlich nicht ganz verblödet. Wie sehen sie denn aus?«
»Glaub mir«, Riley konnte ein Grinsen nicht unterdrücken. »Du wirst sie sofort erkennen.«
Zyprin runzelte die Stirn und versuchte so unauffällig wie möglich, den Saal zu inspizieren. Das war gar nicht einfach, da sie den Kopf immer noch gesenkt halten musste, aber sie starb vor Neugierde. Doch egal, was Riley ihr gesagt hatte, darauf hätte er sie nie vorbereiten können. An einem der Tische im abgedunkelten Bereich, gleich bei den Musikanten, saßen ... Engel am Tisch. Es ging nicht, das leise Keuchen kam Zyprin über die Lippen, ohne dass sie etwas dagegen hätte tun können. Heiliges Federvieh! Engel?!? Zyprin riss die Augen auf und versteinerte mit offenem Mund. Riley reagiert schnell, er ging hinter sie und schob sie sanft, ohne Aufhebens zum nächstgelegenen Tisch.
»Setz dich!« Pfiff er sie durch die Zähne an. »Hör auf Maulaffen feilzuhalten und schließe deinen Mund, das sieht nicht besonders intelligent aus.«
Mit einem leisen ›Klapp‹ schnappte ihr Mund wieder zu, aber ihr Herz schlug wie wild. Engel! Sie konnte es noch immer nicht fassen. Wunderschöne Wesen mit ebenmäßigen Gesichtszügen, gelocktem Haar und weißen, eleganten Flügeln, saßen da, tranken und lachten. Ein Szenario wie aus einem Traum, surreal und fantastisch.
»Ich kann es einfach nicht fassen. Engel!? Echte Engel, wie die aus unserer Mythologie?« Zyprin wollte weiter vor sich hinstammeln, aber Riley griff ihre Hände, die zitternd auf dem Tisch lagen.
»Du musst dich beruhigen, Kleines. Das meine Ich ernst. Und ja, eure Mythologie beruht auf genau dieser Rasse. Früher gab es auch unter den Arweenern Wanderer, aber einige nutzen es aus, weil die unterentwickelten Menschen auf der Erde anfingen, ihnen zu huldigen. Die Macht stieg einigen zu Kopf, sie erhoben sich zu gottähnlichen Wesen und ließen sich anbeten. Doch nach einem grausamen Krieg der anderen Wanderer gegen die Arweener wurde der Rasse die Fähigkeit zum Wandern genommen. Es gab maßlose Verluste auf beiden Seiten. Seit dem gibt es kaum noch Wanderer.«
»Glaubst du, dass einige von den Eng-«, Zyprin räusperte, sich, »ich meine Arweenern noch heute auf der Erde leben?«
Riley verzog kurz nachdenklich die Lippen. »Klar, davon bin ich überzeugt. Sie sind unsterblich und haben die Fähigkeit, ihr Flügel vor anderen Wesen zu verbergen. Es gibt eine unausgesprochene Abmachung. Lasst die Menschen in Ruhe und wir lassen euch in Ruhe. Sie halten sich nun schon seit knapp 2000 Jahren daran. Vereinzelte Ausreißer werden von ihnen selber gejagt und zur Rechenschaft gezogen. Sie halten sich komplett aus den Belangen der Menschen raus und alle sind glücklich. Sie wissen, wenn sie hierher zurückkämen, würden sie als Verräter hingerichtet. Also ist die Alternative auf der Erde zu leben, die einzig Mögliche für sie, selbst, wenn sie in den Schatten agieren müssen.«
Zyprin nickte. Das erklärte auch all die Engelsgeschichten, die bis vor 2000 Jahren noch fast als normal galten und die vereinzelten Sichtungen bis in die heutige Zeit, an die, dank der Wissenschaft, ohnehin kaum noch einer glaubte.
»Aber, mein Gott, sind die schön. Ich habe noch nie in meinem Leben so schöne Menschen gesehen.«
»Es sind keine Menschen, sie sind nur menschenähnlich. Wir haben den gleichen gemeinsamen Vorfahren, vermute ich mal.«
»Na? Und was darf ich euch Süßen bringen? Das Dunkelbier ist stark und gut und um den Magen zu füllen, gibt es heute einen schönen, knusprigen Schweinebraten mit frischgebackenem Brot.« Eine freundliche Dienstmagd war hinter ihnen aufgetaucht und lächelte sie strahlend an. Zyprin zuckte erschrocken zusammen, zu sehr waren ihre Gedanken noch bei diesen Engelwesen.
»Oh! Entschuldige, Herzchen, ich wollte dich nicht erschrecken«, sagte die Frau, die ihre Bestellung aufnehmen wollte, und lachte herzlich.
»Ist schon gut«, sprang Riley direkt ein. »Sie darf nicht mit Fremden sprechen.«
Die Bedienung sah Zyprin verstehend an und wieder kam dieses begreifende »Ohhhhh«, das Zyprin zu hassen anfing.
»Bitte sei so gut und bring uns einen Krug mit kaltem Wasser, ein gutes Stück von dem Schweinebraten mit ein paar ordentlichen Brotscheiben und gesalzener Butter.«
»Selbstverständlich, Herzchen. Ich bin schon unterwegs.«
Zyprin spürte einen letzten neugierigen Blick der Dienstmagd, wagte sich aber nicht den Kopf zu heben, geschweige denn, das Cape herunter zu ziehen.
»Sie ist weg«, sagte Riley und Zyprin schaute wieder auf.
»Soll ich dir was sagen, Riley? Ich fühle mich innerlich betäubt. Ich habe das Gefühl, ich würde träumen und mein Körper läge noch immer in meinem Bett. Ich denke, ich schreite hier durch eine Traumwelt und nichts ist wirklich real. Ständig muss ich daran denken, was meine Eltern jetzt wohl durchmachen müssen. Sie werden glauben, ich sei entführt und ermordet worden. Das ist jedenfalls, was ich denken würde.«
Riley nickte verständnisvoll. »Ich werde mir etwas einfallen lassen. Wir haben Leute von uns in hohen Positionen auf der Erde sitzen. Das dient dem Zweck, um auch mal bei Patzern etwas vertuschen zu können. Du warst zum Beispiel so ein Patzer. Deshalb gab es keine Untersuchung, wo du so plötzlich herkamst oder wer deine Eltern waren. Unsere Leute bei den Geheimdiensten werde ein Dokument ausstellen, das bezeugt, dass du eine Kronzeugin bist und weshalb du nun im Zeugenschutzprogramm bist. Oder irgendetwas in dieser Richtung. Da wärst du nicht die Einzige.«
»Willst du mich verarschen?!?« Zyprin verschluckte sich beinahe, so sehr versuchte sie, die Worte nicht zu schreien. Aufgeregt beugte sie sich vor, um ihrem Zorn Luft zu verschaffen. »Meine Eltern werden nicht ein Wort davon glauben! Zeugenschutzprogramm? Du hast doch einen Knall!«
»Sie werden. Glaube mir, wir können sehr überzeugend sein.«
Für Zyprin fühlte es sich an, als würde sich eine eiserne Hand um ihr Herz legen und langsam aber beständig zudrücken. Ihre Brust fühlte sich zu eng und gespickt mit Nadeln an, die bei jedem Atemzug ihre Lunge und ihr Herz durchbohrten. Sie vermisste ihre Eltern so unsagbar, dass sich Tränen in ihren Augen sammelten. »Sie haben es nicht verdient, so zu leiden. Sie waren die besten Eltern, die sich ein Kind nur wünschen kann.« Unbemerkt hatte sie die Vergangenheitsform benutzt und erneut wurde ihr klar, dass sie die Erde und alle Menschen die sie liebte, so schnell nicht wiedersehen würde. Salzige Tränen tropften auf den Tisch und ihre Hände, die sie zitternd vor sich knetete. Sie versuchte, das Schluchzen so gut es ging zu unterdrücken, aber die Tränen liefen, das war eben so. Sie war ihren Emotionen hilflos ausgeliefert, seit sie hier aufgewacht war. Sie, die sonst eher für ihre kühle, introvertierte Art bekannt war, entwickelte sich hier zum völligen Gegenteil.
»Es ist schon in Ordnung«, sagte Riley mitfühlend. »Deine Hormone sind durch deine erste Wanderung völlig ins Ungleichgewicht geraten, daher deine Gefühlswallungen. Du wirst lernen damit klarzukommen. Aber ich sage dir gleich, als Wanderer empfindet man alles etwas anders. Wenn du dich freust, blüht dein Herz auf wie eine Blume bei den ersten Sonnenstrahlen, wenn du traurig bist, weint deine Seele ein Meer der Traurigkeit. Und wenn du liebst«, er zögerte kurz und ein Schatten schien über sein Gesicht zu fallen. »Wenn du liebst, dann liebst du, als wärest du eins mit der anderen Person. Eine Seele, ein Herz, ein Körper. Doch wenn du diese Person verlierst, stirbt der Teil von dir, der sich mit der anderen Person verbunden hat.«
»Das klingt, als würden wir nur einmal lieben können«, sagte Zyprin, überwältigt von der Traurigkeit in seiner Stimme.
»Nein. Wanderer können heilen, selbst wenn die Heilung bei Herzensangelegenheiten länger dauert. Aber ich kenne keinen, der sein Herz öfter als zwei Mal geöffnet hat. Und das ist bei unserer Lebenspanne nicht sehr oft.«
Bevor Zyprin darauf antworten konnte, kam die Wirtshelferin mit einem vollbeladenen Tablett und schob es lautstark zwischen die beiden auf den Tisch.
»So«, sagte sie und zog das ›O‹ ganz lang. »Hier kommt eure Bestellung. Das Fleisch ist frisch vom Grill, also Vorsicht, sonst verbrennt ihr euch noch. Und hier sind das Brot, die gesalzene Butter und der Krug mit dem kalten Wasser.«
Lieber Herrgott, es duftete himmlisch nach dem frischen Bratfleisch und dem würzigen Brot! Zyprin lief das Wasser im Mund zusammen, aber noch dampfte es zu sehr, einen kurzen Augenblick würde sie sich noch gedulden können.
»Warte«, sagte Riley schnell, bevor die Frau wieder verschwinden konnte. »Wir haben es uns überlegt, bring uns doch jeweils einen Krug von eurem Starkbräu.«
Die Frau grinste, das Lächeln erreichte ihre großen, blauen Augen, was sie frech und verschmitzt aussehen ließ. »Aber sehr gerne, mein Süßer. Ich bin sofort wieder da.«
Zyprin hätte es zum Verrecken nicht zugegeben, aber ja, auch sie hatte jetzt Lust auf ein starkes Bier.
»Die Realität wird dich noch einholen, Zyprin und schon bald wird sich all das hier realer anfühlen, als alles, was du bisher erlebt hast. Mit den Jahren wirst du zwar nicht vergessen, aber du lernst, Unwichtiges beiseitezuschieben. Denn es wird immer Dinge geben, die gerade relevanter sind, als die Vergangenheit.«
»Das klingt nach einem echten Knochenjob«, sagte Zyprin trocken.
»Ja, das kann man so sagen«, sagte Riley. »Aber du wirst sehen, es ist kein Beruf, es ist deine Berufung. Du wirst schon bald nicht mehr verstehen, wie du je etwas anderes tun konntest, denn der Wanderer steckt dir in den Genen, er ist deine Bestimmung, deine Vergangenheit, deine Gegenwart und deine Zukunft. Dein ganzes Leben wird sich nur auf diese Tatsache stützen und du wirst schon sehr bald anfangen, es zu lieben. Ich war, bin und werde immer ein Wanderer sein und nichts, egal, auf welcher Welt, wird mir das noch nehmen können, solange ich mich an die Gesetze halte. Und dir auch nicht. Du bist etwas Besonderes, du bist speziell. Genieße diese Einsicht, aber lasse sie dir nicht zu Kopf steigen, denn auch wir haben Regeln, an die wir uns halten müssen. Du schaffst das, denn du bist die Tochter deiner Mutter.«
Zyprin spürte die Motivation hinter Riley starken Worten. Sie fühlte, wie er ihr Mut machte und sie wieder anfing, an sich zu glauben. Er dämpfte ihre Trauer und die Tränen hörten auf zu fließen. Sie nickte angespornt und presste ihre Lippen entschlossen zusammen. Ja, sie war traurig, dass sie ihre Eltern nicht mehr sehen würde, aber sie wusste auch, dass sie darüber hinwegkommen würde - früher oder später. Natürlich, all diese neuen Dinge, die in den letzten beiden Tagen auf sie eingeprasselt waren, ließen sich nur schwer fassen, sie brauchte Zeit und die würde sie sich auch nehmen.
Die Bedienung kam erneut mit zügigen Schritten zurück zu ihrem Tisch und stellte die Krüge ab, die einen starken, aromatischen Duft verströmten, der sogar den leckeren Geruch des gegrillten Fleisches übertönte. Lautstark knurrte Zyprins Magen und sie griff erschrocken und beschämt unter das Cape, um sich auf den Bauch zu pressen und so die Geräusche zu unterdrücken. Doch die Dienstmagd lachte nur laut und sagte: »Ich liebe hungrige Reisende. Esst und labt euch an den erstklassigen Speisen, sie werden euch stärken und gut tun.«
Oh, und ob sie sich das Essen schmecken lassen würde, sie musste sich eher etwas zurückhalten, um nicht wie ein Tier über die gut gefüllte Platte herzufallen.
Was für ein Genuss! Sie riss kleine Stücke vom Fleisch und tunkte die schmalgeschnittenen Brotstücke in die salzige Butter. Die Wirtshelferin hatte nicht übertrieben, das Fleisch war außerordentlich gut gewürzt und auch das frische Brot war eine Offenbarung. Nie hatte sie so einfach aber zeitgleich so gut gegessen. Zyprin scherte sich in diesem Moment nicht um mögliche Regeln, sie aß, bis ihr Magen kurz vor dem Platzen stand.
Stöhnend ließ sie sich schließlich zurück in den Stuhlfallen und trommelte gesättigt auf ihren Leib.
»Noch ein Bissen oder ein Schluck zu trinken und ich esse alles rückwärts. Das war das beste Essen, das ich je gegessen habe.«
»Das hört man doch gerne!« Eine etwas kräftigere Frau im fortgeschrittenen Alter hatte sich neben dem Tisch aufgebaut und ihre Arme in ihre Seite gestellt. »Ich freue mich, wenn Fremde zu mir finden und sie nie mehr vergessen, dass sie eine Reisepause bei Moweras Taverne eingelegt haben.«
Die Frau ergraute bereits langsam, aber ihr Gesicht wirkte noch immer jugendlich, was vermutlich ihrer fröhlichen Art geschuldet war.
»Gute Frau«, sagte Riley, der zufrieden den Mund verzog. »ich werde überall im Lande Kunde von deiner hervorragenden Taverne tun. Ich werde allen Reisenden empfehlen, ihre Goldstücke großzügig in dieser Wirtschaft zu verteilen.«
Die ältere Frau lachte laut und grölend. »Guter Mann, du brauchst mir keinen Honig um den Mund zu schmieren, bezahlen wirst doch genau so viel, wie alle anderen auch, die nur murrend in der Ecke sitzen.«
Riley grinste, man sah ihm an, dass er die Wirtin sympathisch fand. »Und ich gedenke sogar noch mehr meiner hart verdienten Goldstücke hier zu lassen, denn ich denke, bei euch sind sie in warmen und guten Händen.«
Das breite Grinsen der Wirtsfrau war ansteckend, sodass auch Zyprin die Mundwinkel anheben musste.
»Dann nehme ich an, du wünschst eines unserer Gästezimmer für euch?«
Riley nickte. »Zwei wären mir sogar noch lieber.«
Die Wirtin schüttelte bedauernd den Kopf. »Es ist leider nur noch eines frei, dafür aber unser Größtes. Es hat eine Abtrennung in der Mitte für mehr Privatsphäre und zwei unglaublich bequeme Betten. Die Sittlichkeit dürfte daher auch für eine Wärmende gewährleistet sein.«
Riley nickte zum Einverständnis und reichte der Wirtin ein kleines ledernes Säckchen mit klimpernden Münzen und sagte: »Ich bin sicher, dass diese Aufwandsentschädigung für das Essen, die Nacht und ein gutes Frühstück reichen wird.«
Die Besitzerin der Taverne nahm ihm das Säckchen ab. Hob es abwägend an und warf einen kurzen Blick hinein.
»Guter Mann, für das Gold bekommst du auch ein Schäferstündchen mit meiner Moyrie, wenn dir danach ist.« Sie sah kurz zu der Wirtshausbedienung, die sie zuvor versorgt hatte.
Riley nickte anerkennend zu der schönen, jungen Frau, verneinte aber bedauernd. »Gute Frau, an einem anderen Tag werde ich dieses Angebot herzlich gerne annehmen, doch die Reise war anstrengend und wir sind nur mit knapper Not einem Trupp Banditen entkommen. Wir haben nur überlebt, indem wir eines unserer Pferde zurückgelassen haben. Ich bin erschöpft, werde vermutlich wie ein Stein ins Bett fallen und erst im nächsten Tageslicht die Augen wieder öffnen.
Verständnisvoll klopfte ihm die ältere Frau auf die Schultern. »Ja, das Diebesgesindel hat uns schon so manchen Gast vergrault. Ich bin froh, dass ihr überlebt habt. So sei euch beiden die Nachtruhe mehr als vergönnt. Ich werde dafür sorgen, dass ihr nicht gestört werdet, bis ihr ausgeschlafen habt.«

Ein Bett! Bei allem, was Zyprin heilig war, noch nie hatte sie so eine Vorfreude empfunden, dachte sie, als sie das Gästezimmer betraten. Sich nicht vor Räubern fürchten zu müssen. Keine Angst mehr vor Ungeziefer in jeder Ritze, denn das Bett sah frisch und sauber mit seinen weißen Laken aus. Aber leider auch kein Riley, an den sie ihren Körper würde reiben können, denn jeder hatte sein eigenes Bett. Es war dämlich, aber diese Tatsache dämpfte ihre Freude tatsächlich doch einwenig.
Ein Waschzuber aus Holz, gefüllt mit dampfendem Wasser und duftendem Schaum stand hinter einem Paravent in der Nähe eines Fensters, das aber zum Sichtschutz mit einem dünnen Tuch verhangen war.
»Dem Herrn sei es getrommelt und gepfiffen, endlich etwas Hygiene«, murmelte Zyprin und sah sich schon in dem wunderbaren Nass sitzen.
Riley hob erstaunt die Augenbrauen und lachte laut. »Was ist das denn für ein Spruch?«
Zyprin hob leichthin die Schulter. »Meine Großmutter sagte das immer, wenn sie wegen etwas ganz furchtbar erleichtert war.«
Riley grinste und schüttelte den Kopf. »Das Bad sei dir gegönnt. Ich muss sowieso nochmal raus, weil ich sehen will, ob ich ein weiteres Pferd für uns auftreiben kann.«

Riley hatte die Tür noch nicht richtig hinter sich zugezogen, als sich Zyprin auch schon aus den Kleidern schälte und wohlig seufzend ins Wasser sinken ließ. Es war etwas sehr heiß, aber das machte gar nichts, es war, als würde ihr Straßendreck weggebrannt und vom Badeschaum aufgenommen werden - einfach wunderbar.
Suchend schaute sie sich um, ob die Menschen hier über so etwas wie Shampoo verfügten? Ein Stück gelblicher Seife lag auf einem zusammengefalteten Stück Stoff, das sich auf einem kleinen hölzernen Hocker neben dem Badezuber befand. Oh nein, das sah aus wie schnöde Kernseife. Unzufrieden verzog Zyprin ihren Mund, griff nach der Seife und roch daran. Sie hatte recht gehabt, das Seifenstück war recht einfach gemacht und roch ziemlich neutral. Egal, ihr Haaransatz begann zu fetten, also blieb ihr nichts weiter übrig. Vermutlich würde das Haar völlig stumpf und glanzlos werden. Aber vielleicht hatte das auch seine Vorzüge und sie brauchte sich nicht mehr unter dem Cape zu verstecken.
Genüsslich schloss Zyprin die Augen und erlaubte sich für einige Momente alles hinter sich zu lassen. Sie dachte nicht an das, was ihr geschehen war, verdrängte, wen sie zurückgelassen hatte und verbot ihrem Kopf an die kommenden Tage zu denken. Sie lebte jetzt und hier und alles andere blendete sie stur aus. Dieser Augenblick gehörte ihr allein und den würde ihr niemand nehmen können.

Comments

beta
Fairy Dust

Navigation

Languages

Social Media