Kapitel 4

Natashas Sicht
Ich stehe gegen die Wand gelehnt im Aufzug und warte. Oben angekommen ertönt das gewohnte "Ping" und ich steige aus. Sofort merke ich, dass etwas nicht stimmt. Wo sind alle? Ich spüre einen Schauer meinen Rücken herunter laufen. Hoffentlich ist Nichts Schlimmes passiert. Ich laufe so schnell ich kann durch den breiten Flur ins Wohnzimmer. Dort sitzt Tony still. Neben ihm sitzt Vision. Ich sehe die Beiden fragend an:"Was ist denn hier los?" Plötzlich höre ich wie sich eine Tür hinter mir öffnet und beide Männer ihren Blick zur Tür wenden. Ich schaue die Beiden nach wie vor fragend an und drehe mich dann um, um zu sehen, was die Aufmerksamkeit der Männer auf sich zieht. Als ich mich umgedreht habe, erblicke ich sie. Ein etwas 16-jähriges Mädchen steht dort. Ihr dunkelbraunes Haar ist zwar nass, doch ihre Kleidung ist trocken. Sie trägt ein schwarz-blau gestreiftes T-Shirt, eine schwarze Strickjacke und eine schwarze Jeans. An den Füßen hat sie graue Boots. Aus ihren grünen Augen sieht sie mich überrascht und auch ein wenig eingeschüchtert an. Bin ich denn so einschüchternd? "Wer ist das und was mich sie hier?", frage ich und drehe mich wieder zu den Jungs. Tony weicht meinem Blick aus, während Vision den Arm hebt:"Ich weiß es. Darf ich bitte auflösen?" Tony und ich schaue Vision vorwurfsvoll an. Dieser lässt seine Hand daraufhin wieder sinken und schaut peinlich berührt zu Boden. Das ist war ziemlich untypisch für ihn. Ich hebe eine Augenbraue und werfe Tony einen fragenden Blick zu:"Tony? Hast du mir was zu sagen?" Dieser erhebt sich vom Sofa und kommt auf mich zu, um die nahende Katastrophe abzuwenden. Er weiß ganz genau, dass wir nicht einfach irgendwelche Leute mit in den Avengers Tower bringen sollen. Es scheint manchmal so als würde er vergessen, dass er nicht mehr der Einzige ist, der hier wohnt. Ich nehme diese Regel ziemlich ernst. Schon schlimm genug, dass er früher immer seine Bettbekanntschaften mit gebracht hat. Zum Glück ist das besser geworden und er schläft nur noch einmal im Monat mit einer Fremden. Tony steht nun vor mir und nimmt meine Hände in seine:"Natasha. Das ist Dayton. Sie ist obdachlos. Ich habe sie auf der Straße getroffen und überredet mitzukommen." Mir fällt die Kinnlade hinunter:"Was? Wieso?" "Aus großer Kraft, folgt große Verantwortung", zitiert er:"Ich übernehme endlich Verantwortung, Natasha." Ich muss mir ein Lachen verkneifen:"Du und Verantwortung? Das ist doch nicht dein Ernst. Du kannst nicht einfach irgendwelchen Obdachlosen anbieten hier zu wohnen." Das Mädchen scheint ihre Sprache zurück gewonnen zu haben:"Hey. Ich bin nicht irgendeine Obdachlose. Ich bin Dayton Campbell und es war Schicksal, dass Tony mich mitgenommen hat." "Sowas wie Schicksal gibt es nicht", sage ich kühl. Langsam erkenne ich, warum Tony sie mitgenommen hat. Er sieht in ihr sich selbst. Sie ist ein wenig wie einen weiblicher Mini-Tony. Möglicherweise ist sie nett und auch mutig, doch an sowas wie Schicksal glaube ich nicht. Habe ich nie und werde ich nie. Ich befreie meine Hand aus Tonys und ziehe Vision mit mir:"Ich habe mit dir zu reden, Vision." Tony und Dayton schauen mich mit eins zu eins demselben Blick an und Vision zuckt nur mit den Schultern, während er mir folgt.

Ich ziehe Vision schnell in mein Zimmer und schließe die Tür hinter mir. Sofort fragt er:"Was wird das, Natasha." "Ich muss dir etwas erzählen, du musst aber versprechen, dass du es niemandem, auch nicht Tony, erzählst." Er schaut mich der Lilane fragend an. Dann nickt er:"Ich verspreche es." Das reicht mir nicht, also harke ich nochmal nach:"Schwöre es." Er legt eine Hand aufs Herz und die Andere hebt er schwörend:"Ich schwöre auf Wanda." Ich lasse mich aufs Bett fallen:"Damit wären wir schon beim Thema." "Wanda? Was ist mit ihr?", fragt er sofort vollkommen durcheinander und in seiner Stimme zittert leicht. Ich deute neben mich und er setzt sich. Ich nehme alle meinen Mut zusammen:"Ich habe..." Er schaut mich gespannt und etwas ängstlich an. Wow, so viele Emotionen hätte ich gar nicht von ihm erwartet. Ich fahre fort:"...Wanda, Scott, Clint und Sam aus dem Gefängnis befreit." Vision ist sprachlos. Heute übertreffe ich mich echt selbst. Ich habe ihn noch nie zuvor sprachlos gesehen und wahrscheinlich ist es für ihn selbst auch das erste Mal. Ich warte mehrere Sekunden lang darauf dass er etwas sagt, doch nichts geschieht. Ist er etwa abgestürzt. "Vision?", frage ich vorsichtig. Er legt seine Hände auf meine Schultern und schaut mir tief in die Augen:"Wo ist sie? Bitte sag mir, dass es ihr gut geht." Ein glückliches Lächeln huscht über meine Lippen:"Sie ist in Sicherheit. Ich habe sie und die Anderen an einen geheimen Ort gebracht von dessen Existenz nur Clint und ich wissen. Und vielleicht noch ein paar Wandere. Clint passt auf sie auf." Es wirkt fast so als würde Vision eine Träne wegblinzelt. Wenige Sekunden später liege ich in seinen Armen und werde mich Dankesreden überhäuft. Dann löst er sich wieder von mir und schaut mich tief und eindringlich in die Augen:"Ich möchte zu ihr." Ich schüttele sofort den Kopf."Das geht nicht. Tony schöpft Verdacht, wenn wir jetzt verschwinden und ihm verbieten mitzukommen. Zumal er sich von uns nichts sagen lässt. Ich musste mir heute Morgen schon eine Ausrede einfallen lassen und irgendwann habe selbst ich keine Ausreden mehr in petto." "Was ist mit der Fury Ausrede?", fragt Vision. Ich schüttele verneinend den Kopf:"Die habe ich heute schon mal gebracht. Außerdem besteht die Chance, dass er Fury irgendwann anruft, wenn wir ständig sagen, dass er uns für irgendeinen Vortrag braucht." Der Schmerz in Visions Gesichtsausdruck zerreißt mich innerlich, doch es geht nicht anders. Ich nehme seine Hand und versuche ihn damit zu trösten:"Wenn der Zeitpunkt günstig ist, werden wir sie besuchen gehen. Das verspreche ich dir. Bis dahin musst du dich aber gedulden und Tony einfach anlügen, wenn er dich etwas diesbezüglich fragt." "Also muss ich einfach nur das tun, was ich immer tue? Ruhig bleiben und Tony belügen", fragt er nochmal nach. Ich nicke:"Ja, genau wie immer." Plötzlich herrscht still. "Ruhig bleiben und Tony belügen", ich durchbreche die Stille:"Das sollte man echt auf Becher drucken lassen."

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