Kapitel 4

Ich liege schon seit einer Stunde wach und schaue aus dem türgroßen Fenster. Tony liegt schlafend neben mir. Als ich geschlafen habe, hat er seinen Arm um mich herum gelegt. So liege ich da als. Wach in Tonys Armen und unfähig wieder ein zu schlafen. Der Vollmond auf das Bett und ich betrachte die Haus gegenüber von unserem Appartement. Hier ist es eigentlich echt schon. Ich war zwar schon mal hier, aber leider nur für einen Tag. Zwar mache ich keinen richtigen Urlaub, doch es kommt dem schon ziemlich nahe. So ist es halt, wenn man als Agent für S.H.I.E.L.D. arbeitet. Ich frage mich, was die Anderen gerade machen? Wahrscheinlich ist Bruce gerade in seinem Labor und arbeitet. Ich kann mir diese Situation sogar bildlich vorstellen.

Bruce umgeben von Mikroskopen, Lasern und Papierstapeln. Seine Haare sind zerzaust und der Schweiß läuft ihm die Stirn runter. Die anderen Avengers sitzen währenddessen wahrscheinlich im Avengers Tower und schauen einen Film. Auch dieses Szenario sehe ich vor meinem Inneren Auge. Sie haben sich Pizza bestellt und sitzen mit Alkohol in den Händen auf dem Sofa. Tony würde das wahrscheinlich nicht gefallen. Er hasst es, wenn wir sein Sofa dreckig machen. Ich weiß noch wie sehr er sich aufgeregt hat, nachdem Clint sich auf seinen Sessel übergeben hat.

Da fällt mir ein, dass die Anderen ja gar nicht zuhause sind. Wohin musste Clint nochmal reisen? Ach ja stimmt, er musst mit Steve nach Deutschland. Ich wünschte er hätte mit Tony getauscht, dann würde ich mich hier jetzt viel wohler fühlen und die Mission mit Sicherheit auch genießen können, aber Tony wollte ja unbedingt mit mir zusammen arbeiten. Ich lege Tonys Arm vorsichtig zur Seite und klettere aus dem Bett. Für einen Moment bleibe ich auf dem Bett sitzen und denke an Clint. Ich vermisse ihn. Dann erhebe ich mich und werfe noch einen Blick auf Tony. Er schläft nach wie vor und wird auch sicher nicht aufwachen, schließlich wurde ich darauf trainiert mich leise an Andere anzuschleichen. Es würde mich wundern, wenn das hier nicht von Vorteil ist.

Vom Nachtisch nehme ich mein Smartphone und stecke es in meine Tasche. Dann schleiche ich still und heimlich weiter zur Balkontür. Mit einem letzten Blick auf den Milliardär, mit dem ich mir zu meinem Unmut ein Bett teilen muss, schlüpfe ich durch die Tür nach draußen auf den Balkon.

Es ist kühler als in New York zu dieser Zeit und ein kräftiger Luftzug fährt durch meine roten Haare. Es riecht auf den Straßen Budapests nach Popcorn, da sich in der Nähe des Hotels ein Theater befinden. Ich würde wenn ich ehrlich bin auch mal gerne eine Theatervorstellung besuchen. Vielleicht kann ich Tony ja überreden. Am besten ziehe ich Fury erst auf meine Seite. Dann kann Stark gar nicht erst nein sagen. Und falls doch wird Fury ihn vermutlich zwingen.

Ein Lächeln huscht über meine rosigen Lippen. Ich entsperre mein Handy und schreibe eine Nachricht. In der Nachricht frage, ich was er davon hält wenn Tony und ich eine Theatervorstellung besuchen. Schließlich ist das etwas, was echte Paare auch tun und wir tun ja so als wären wir gerade auf unserer Hochzeitsreise, was zum Glück nicht so ist.

Dann wähle ich Clints Nummer. Ich habe ihn unter "Clint <3" eingespeichert. Während der gewöhnte Tuten zu hören ist, betrachte ich sein Profilbild. Darauf sind Clint und ich bei unserer letzten Mission zu sehen. Wir waren auf Bali und abgesehen von der Tatsache, dass ich fast gestorben bin, war es total schön und es hat mich ein wenig an einen echten Urlaub erinnert. Gerade wäre ich so gern bei Clint. Wie spät ist es bei ihm gerade eigentlich. Ich kenne mich mit den Zeitzonen in Europa leider gar nicht aus.

Nach wenigen Sekunden nimmt Clint ab:"Hallo? Nat?" Ein breites Lächeln erscheint auf meinen Lippen:"Clint! Schön deine Stimme zu hören." Ich kann es zwar nicht sehen, doch ich weiß, dass er gerade lächelt. Wir kennen uns eben besser als irgendwen Anders. Er kennt alle meine Geheimnisse und ich ebenso sein. "Finde ich auch. Geht es dir gut?", fragt er und versucht fröhlich zu klingen, doch ich höre seine Besorgnis. Für ihn muss es merkwürdig sein, dass ich ihn anrufe. Das tue ich nur, wenn ich in Schwierigkeiten stecke. "Ja alles gut. Ich hatte nur Sehnsucht nach dir", gebe ich zu. "Dann sind wir ja schon zu zweit", er seufzt. Dann fragt er vorsichtig:"W-Wie läuft es mir Tony? Ist es so schlimm wie ich vermuten?" "Na ja. Bisher geht es noch. Abgesehen davon, dass wir uns ein Ehebett teilen müssen und er sich beschwert hat, weil wir Bus gefahren sind, ist alles okay", verkünde ich gleichgültig. "Ehebett?!", ich höre die Empörung und Wut in seiner Stimme. Mist, das hätte ich vielleicht nicht sagen sollen! "Clint?! Nicht ausrasten", ich versuche ihn zu beruhigen, doch meine Versuche bleiben vergeblich. "Weiß Fury das?", fragt er. Etwas Bedrohliches schwingt in seiner Stimme mit. "Ja. Er meinte, dass das sein muss, weil wir ein Ehepaar spiele müssen und das machen frisch verheiratete Leute halt", erkläre ich und versuche dabei so gleichgültig zu klingen. Ich höre sein wütendes Schnauben:"Du und Stark? Dass ich nicht lache. Bei dem Gedanken muss ich fast ein bisschen kotzen!" Ich verdrehe die Augen. "Bist du etwa eifersüchtig?", frage ich misstrauisch. Nach einer kurzen Zeit antwortet er:"N-Nein?" Ich hebe eine Augenbrau:"Ist das eine Frage oder eine Antwort?" "E-Eine Antwort?", sagt er, doch es klingt wieder wie eine Frage. Es scheint so als würde er gar nicht wissen, was er will.

"Was tust du da?", fragt plötzlich jemand hinter mir. Ich fahre herum und erblicke ihn. Tony steht mit verschränkten Armen im Türrahmen und schaut mich gleichzeitig belustigt und fragend an. Ich schaue ihn wütend an:"Nach was sieht es denn aus?" "Keine Ahnung!", sagt er schulterzuckend und sagt dann ganz beiläufig:"Vielleicht hast du ja Telefon Sex mit Barton." Ich werfe ihm meinen typischen Noch-ein-Wort-und-ich-bring-dich-um-Blick zu. Von Clint kommt nur ein verächtliches:"Sie wissen, dass ich alles hören kann, was sie sagen, Stark?" Anscheinend scheint es Tony gerade einfach zu viel zu werden, weshalb er lieber wieder nach drinnen verschwindet.

Ich rolle mit den Augen:"Ich leg jetzt lieber auf, Clint." Ich nehme ein enttäuschtes Seufzen von dem Assassinen war:"Na gut. Hab dich lieb, Nat!" "Ich dich auch", gebe ich zurück und lege auf. Dann folge ich dem Playboy.

"Es gehört sich nicht die Telefonate von anderen Leuten zu belauschen", rufe ich wütend. Er steht vor dem Spiegel und fährt sich durch die Haare:"Ja, davon habe ich schon einmal gehört." Ich balle die Hände zu Fäusten. Er dreht sich zu mir um:"Reg dich ab! Ich habe doch nur einen Witz gemacht." "Das ist aber ganz und gar nicht witzig, Stark. Ich dachte sie wissen wie man mit Frauen um geht", gebe ich zurück. Er sieht nervös aus:"Ähm...du das stimmt auch, aber bei ihnen...ist es etwas Anderes, Romanoff." "Wie ist das gemeint, Stark. Zähle ich für sie nicht als Frau", frage ich. Meine Stimme bebt bedrohlich. Er schüttelt schnell den Kopf:"Natürlich! Wenn nicht sie wer dann?" Es überrascht mich, dass er das sagt und ich lege den Kopf schief. "Was ist dann das Problem?", frage ich weiter. Stark schaut zu Boden und sagt dann:"I-Ich geh jetzt duschen. Wollen sie mit?" Ich kneife meine Augen zu kleinen Schlitzen zusammen:"Nein!" Er verschwindet. Ich hasse es, wenn jemand meine Fragen nicht zu Ende beantwortet.

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