Kapitel 4

Sonnenstrahlen wärmten mein Gesicht und streichelten sanft über meine Wange.

Der Duft von Kiefernnadeln, Hund und Moschus stieg mir in die Nase, eine Mischung die mir wage bekannt vorkam. Ich realisierte schlaftrunken das ich auf einem Bett lag. Unter meinem Körper spürte ich eine Matratze, mein Kopf lag auf einem weichen Kissen und ich war mit einer Fleece Decke zugedeckt die nach Moschus und herben Aftershave duftete.

Träge nahm ich leise Stimmen war, die sich flüsternd unterhielten. Einzelne Wortfetzen drangen an mein Ohr, doch mein benebeltes und schlaftrunkenes Gehirn verstand nicht den Sinn des Gespräches. Müde und benommen war das einzige was ich wollte Schlaf.

Tonnen schwer fühlten sich meine Glieder an. Mein Kopf war wie benebelt doch mein Verstand drängte mich dazu aufzuwachen, doch es schien als würde mich die Matratze auf der ich lag festhalten.

Schritte hallten über den Holzboden und die leisen Stimmen kamen näher.

„Seit drei Tagen ist sie bewusstlos. Ihr seid sicher, dass sie aufwacht?" knurrte eine tiefe Männerstimme missmutig.

„Die Heilerin sagte es könne ein paar Tage dauern und das sie sich am Anfang schwach und dösig fühlen wird," antwortete eine warme tiefe Männerstimme.

Die einzelnen Worte flatterten durch meinen Verstand. Langsam bildeten sich Sätze aus dem gehörten. Doch noch ergab das gehörte keinen Sinn. Träumte ich? Es muss ein Traum sein so seltsam wie es sich anhörte.

„Sie hat einiges Mitgemacht, Damon. Hab Verständnis," meldete sich eine dritte Männerstimme zu Wort.

Die Worte nahmen langsam Gestalt an und begannen einen Sinn zu ergeben. Mein dösiges Gehirn wurde hellhörig: Sprachen diese Männer von mir? Wo war ich und warum war ich hier? Angespannt lauschte ich auf das kryptische Gespräch der Männer.

„Das kannst du laut sagen. Ein paar Minuten später und wir hätten nur noch ihren blutleeren Körper gefunden wie den ihrer Freundin," brummte wieder der erste Mann und trat ebenfalls näher heran.

Dunkle Bilder erschienen in meinem Kopf: ein schwachbeleuchteter Parkplatz bei Mitternacht, ein kalter Windzug der mir Gänsehaut über den Körper jagte und zwei Dunkle Gestalten in schwarzen langen Umhängen die auf mir zu traten.

„Die Vampire waren gezielt hinter ihr her, da kannst du sagen was du willst, Damon. Ich bin immer noch dieser Meinung," ertönte wieder die warme Stimme des zweiten Mannes neben mir und vertrieb die Bilder aus meinem Kopf. Ich hörte wie er sich umdrehte und einige Schritte im Zimmer ging.

Das Bett senkte sich plötzlich auf Höhe meines Bauches. Der Duft des Aftershaves wurde stärker.

„Es war nur ein blöder Zufall, Duncan. Nichts weiter. Niemals hätten diese beiden verstanden, dass das ein Hybrid ist. Das ist lächerlich," feixte Damon und das Bett vibrierte unter mir. Seine Belustigung war für mich körperlich spürbar. Seine Glückseligkeit fuhr mir wie Stromschläge durch die Glieder. Angestrengt versuchte ich mich ruhig zu verhalten während kleine Stromschläge unter meiner Haut kitzelten.

„Wie hast du verstanden, dass sie ein Hybrid ist?" fuhr ihn der Mann der den Namen Duncan trug an. Ich fragte mich im Stillen was zum Teufel ein Hybrid sei. Was für eine kranke Sekte war das hier? Vampire, Hybriden, ... fehlten nur noch Werwölfe.

Neben mir ertönte nur ein brummen als Antwort das ich tief bis in meinen Bauch fühlte. Es schien als wolle Damon sich nicht näher dazu äußern. Das Quietschen von Stuhlbeinen und langsame knarzende Schritte durchbrachen die Stille.

„Ja, ihr Duft war durch den ganzen Club zu vernehmen. Es war also ein leichtes für die Vampire sie ausfindig zu machen," räumte der dritte Mann mit der sanften Stimme ein. Tiefe Ruhe erfasste mich als er vor mir stand und mich betrachtete. Ich spürte wie sein Blick nachdenklich über mein Gesicht wanderte. Da ging mir schlagartig ein Licht auf: Diese Männer sprachen über mich. Ich war der Hybrid, was auch immer das sein sollte.

„Es wäre uns fast zum Verhängnis geworden, Ronan," fauchte Duncan verärgert. „Es hätte nicht viel gefehlt und sie wäre nicht mehr unter uns."

Der Mann mit der sanften Stimme, dem ich den Namen Ronan zu ordnete, seufzte. „Wir wussten, dass es gefährlich werden würde. Es war ein Fehler."

„Da gebe ich dir vollkommen Recht," stimmte ihm Duncan brummend zu.

„Der Fehler lag nicht bei uns. Es lief alles nach Plan. Bis sie Damon sah und ihre Freundin kopflos auf das Klo lief. Von da an lief alles aus dem Ruder. Jemand muss ihre Freundin verhext haben. Es war seltsam."

„Wir mussten abhauen, haben die Vampire verloren und dann lief dieses Weibsstück auch noch in die Falle der Vampire," grummelte Damon neben mir verärgert. Über welches Weibsstück sprachen sie jetzt schon wieder.

Fieberhaft begann ich nachzudenken: Ich erinnerte mich, dass ich den Club meiner Mutter betrat. Für diesen Abend hatte ich mir nur eines vorgenommen: Skyler, hab Spaß! Du hast es dir verdient! Es war mein erster Urlaubstag.

Also ließ ich mir von Joe, dem Barkeeper Cocktails mixen und setzte mich zu einem der Tische. Nach einiger Zeit wurde es langweilig den Menschen auf der Tanzfläche zu zusehen und so begann ich mich im Pub umzusehen.

Ich hatte Charlie mit einem Kumpel gesehen. Die beiden hatten sich seltsam benommen, erinnerte ich mich. Ich verdrängte die Erinnerung an das seltsame Gefühl gerufen zu werden und ließ mich weiter treiben.

Mir fuhr es heiß durch die Glieder als ich mich an den Mann mit den grünen Augen und seinem durchdringenden Blick erinnerte. Ich verdrängte den Gedanken und zerbrach mir weiter den Kopf. Was kam danach? Komm schon Sky? So schwer kann das doch nicht sein?

Siedend heiß fiel es mir ein: Clary.

Clarissa kam zu mir an den Tisch als ich die zwei Typen an der Bar beobachtete. Sie war es die mir angetrunken erzählte sie hätte diese Männer belauscht wie sie über seltsame Dinge sprachen. Mit ihr hatte ich um drei den Club verlassen da sie sich nicht wohlfühlte.

Die Bilder des dunklen Parkplatzes kamen wieder hoch: Die Suche nach dem Schlüssel, die umgekippte Handtasche, meine Sachen verstreut auf dem Asphalt, der kalte Windstoß, die verschwundene Clary.

Panik stieg wieder in mir hoch: Ich hatte sie aus den Augen verloren. Warum hatte ich nicht besser auf sie aufgepasst?

Die Erinnerungen prasselten auf mich ein wie ein plötzlicher Regenschauer: Meine verzweifelte Suchaktion, das klingelnde Handy, die zerrissene Handtasche mit dem gesuchten Handy darunter, mein Zusammenbruch und die beiden Fremden im langen Mantel

Kalter Schweiß bedeckte inzwischen meinen Körper. Es war kein Traum gewesen. Es war passiert.

Plötzlich bemerkte ich das die Stimmen um mir verstummt waren. Stille umhüllte mich und verwirrte mich.

Ich riss meine Augen auf.

Helligkeit blendete mich. Stöhnend rieb ich meine Augen.

„Du bist also Wach," erklang eine tiefe Stimme die mir inzwischen sehr vertraut war.

Blitzschnell setzte ich mich auf.

Verwirrt zuckte der Mann, der auf einem Stuhl neben dem Bett Gesäßen war, zurück.

Schnell packte ich ihm am Kragen seines Shirts und hielt ihn mit aller Kraft die ich aufbringen konnte fest.

Seine grünen Augen weiteten sich irritiert.

„Was...?" begann er doch ich unterbrach ihn.

„Was ist mit Clary passiert?" fauchte ich.

„Lass mich los du verrücktes Weibsbild," knurrte er.

„Erst wenn du mir sagst was mit Clarissa geschehen ist."

Seine Hände packten meine, doch ich zog ihn nur näher an mein Gesicht.

„Lass mich los." Entgegnete er wieder ruhig und packte stärker zu.

„Sie ist tot, habe ich recht?" stellte ich trocken fest. Meine Augen fühlten sich mit Tränen. Verschwommen sah ich sein Gesicht vor mir. Die harten Linien seiner Wangen verschwammen vor mir.

„Ja," brummte er.

„Warum?" fragte ich mit erstickter Stimme.

Er seufzte nur.

„Warum?" schluchzte ich.

„Ich würde sagen sie war zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort," kam seine knappe Antwort.

Seine Hände lagen inzwischen sanft auf meinen. Ein trockenes Lachen entkam meiner Kehle.

„Das hatte sie so an sich," murmelte ich.

„Es tut mir leid," platzte es aus ihm heraus.

„Was tut dir leid?" fragte ich ihn verwirrt.

„Das ich ihr nicht mehr helfen konnte," flüsterte er betreten. Schmerz lag in seinen Augen. Er bereute es wirklich. Erschöpft ließ ich ihn los und er lehnte sich zurück.

Stille breitete sich zwischen uns aus in der ich die Chance nutzte mich umzusehen. Ich lag in einem großen Bett in einem sporadisch eingerichteten Zimmer. Vor dem Fenster sah ich Tannen und Fichten in die Höhe ragen.

„Warum lebe ich noch?" durchbrach ich schließlich die Stille und wandte meinen Blick wieder zu dem jungen Mann den ich für Damon hielt, der erschrocken zusammenzuckte. „Sie waren doch hinter mir her, oder? Die zwei Männer? Warum habt ihr mir geholfen?"

„Du bist anders," antwortete er mir kurz angebunden.

„Was soll das heißen ich bin anders?"

„Das wirst du noch früh genug erfahren," gab er mir zur Antwort, erhob sich und verlies ohne ein weiteres Wort den Raum.

Bedrückt legte ich mich wieder zurück in die Kissen und fiel nach kurzer Zeit in einen unruhigen Schlaf.


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