Kapitel 5

Meine Füße trommelten im gleichmäßigen Tempo über den weichen Waldboden. Wie ein grüner Schleier zogen die Bäume an mir vorbei. Mein Puls raste, Adrenalin schoss durch meine Adern und meine Muskeln schmerzten von der Anstrengung.

Unter einer alten Weide am Ufer eines kleinen Sees blieb ich vollkommen außer Puste stehen.

Mit geschlossenen Augen atmete ich die kühle Luft des Morgens ein, spürte wie meine Lunge sich ausbreitet um der frischen Luft Platz zu machen und sich zusammenpresst um die verbrauchte loszuwerden. Jeder Muskel meines Körpers entspannte sich während ich nur da stand und meinen steten Atem verfolgte. Mein Herzschlag verlangsamte sich und wurde mit jedem Atemzug ruhiger.

Konzentriert lauschte ich in den Wald: Blätter knisterten im Wind, Eichhörnchen sprangen von Baum zu Baum, zwei Vögel stritten sich und ein Specht klopfte an einem Stamm. Doch etwas stimmte hier nicht. Ein Geräusch fehlte.

Angespannt horchte ich weiter in den Wald hinein, versuchte das gesuchte mir so vertraute Geräusch zu finden.

Ein leises rascheln hinter mir lies mich herumfahren. Mit vor Spannung angehaltenen Atem starrte ich in das Gestrüpp vor mir. War es so weit?

Leuchtend eisblaue Augen, umrandet von einem weißbraunen Fell, starrten mir zwischen den Blättern entgegen. Mein Herz machte einen Salto vor Glück.

Langsam trottete der Wolf auf mich zu. Ich kniete mich in das Gras und streckte zitternd meinen Arm aus. Zärtlich schmiegte der Wolf seinen Kopf an meine offene Hand. Lächelnd fuhr ich mit meiner Hand durch sein warmes weiches Fell, das mir so vertraut war wie meine eigene Haut.

„Ich dachte schon du würdest nicht kommen," flüsterte ich in sein Ohr das zuckte.

Der Wolf knurrte zur Antwort und verschwand wieder im Gestrüpp.

Enttäuscht ließ ich mich mit angezogenen Knien in das Gras sinken. Ich drehte mich zum See und starrte auf dessen Oberfläche, die spiegelglatt vor mir lag.

Sanft umschlang mich ein starker Arm und zog mich zärtlich in eine Umarmung. Der vertraute Duft von Flieder und Wolf drang an meine Nase. Ich schloss meine Augen und lehnte mich an seine Brust während er sein Gesicht in meinen Haaren vergrub.

„Wie könnte ich nicht? Für diese Momente lebe ich," wisperte er mir sanft ins Ohr.

Ein Lächeln huschte über mein Gesicht.

Einige Minuten verharrten wir in dieser Position aneinander gekuschelt. Ich genoss es und nahm jede Minute in mir auf.

„Ich wünschte es könnte für immer so sein," seufzte ich und vergrub mein Gesicht an seinem Hals und atmete seinen Duft ein.

„Wir könnten daraus ein für immer machen, Sky."

„Du weißt, dass das nicht geht. Es ist verboten."

Er schnaubte verächtlich. „Dieses Verbot ist lächerlich, das weißt du."

„Ich sollte gar nicht hier sein," seufzend befreite ich mich sanft und widerwillig aus seiner Umarmung.

„Sag so was nicht, Sky. Du hast mein Leben zu einem besseren gemacht."

„Aber zu welchem Preis? Ich habe es nur komplizierter und gefährlicher gemacht," stellte ich nüchtern fest und erhob mich ohne einen weiteren Blick auf ihn zu werfen. Nachdenklich und mit verschränkten Armen schaute ich auf den See.

Warum konnte nicht alles so ruhig verlaufen wie das Wasser hier in diesem See? Fragte ich mich im Stillen.

Warme Arme legten sich um meine Taille und zogen mich an eine starke Brust. Heißer Atem streifte meine Wange.

„Fällt ein Stein ins Wasser ist es nicht mehr ruhig, Skyler. Der Stein durchbricht die stäte Oberfläche und bringt das Wasser in Bewegung," drang seine sanfte Stimme an mein Ohr. Sein Atem kitzelte an meinem Ohr.

„Soll das heißen ich bin ein Stein?" lächelte ich.

„Und ich bin das Wasser. Du hast mein stätes Leben in Bewegung gebracht," flüsterte er in mein Haar. Mein Herz begann schneller zu schlagen und in meinem Bauch begann es zu flattern.

Ich drehte mich in seiner Umarmung um. Seine eisgrauen Augen trafen wieder auf meine.

„Das tut mir leid," flüsterte ich und lehnte mich an seine Schulter.

„Das muss es nicht. Ich bin froh darüber," widersprach er und streichelte mit seinem Daumen über meine Wange und meinem Kinn zu meinen Lippen.

Frech biss ich mir auf meine Unterlippe und beobachtete wie seine Pupillen sich weiteten. Langsam wanderte seine Hand in meinen Nacken und zog meinen Kopf näher zu seinem Gesicht. Wenige Millimeter vor seinen Lippen hielt er plötzlich inne.

„Ich liebe dich. Skyler. Bedingungslos," hauchte er und sein warmer Atem streifte mein Gesicht.

„Ich liebe dich auch. Bedingungslos," wisperte ich.

Ein Lächeln huschte über sein Gesicht.

„Du musst jetzt aufwachen." gluckste er.

Verwirrt schüttelte ich den Kopf. Seine Stimme klang auf einmal anders

„Was?"

„Du musst aufwachen, Süße."

„Aber ich schlafe doch gar nicht," stellte ich verständnislos fest. Warum klang seine Stimme auf einmal so verändert.

Sein Lachen drang wie durch tiefes Wasser zu mir hindurch. Langsam dämmerte es mir und der Wald verschwamm vor meinen Augen.

Blinzelnd öffnete ich meine Augen. Helles Licht blendete mich. Ein Stöhnen entfuhr meinem Mund. Es war nur ein Traum.

„Haben wir was Schönes geträumt, Sonnenschein?" drang eine sanfte männliche Stimme an mein Ohr. Eine Stimme die mir sehr vertraut vorkam.

Erschrocken riss ich meine Augen auf und fuhr herum.

Auf der linken Seite des Bettes saß ganz lässig mit einem angewinkelten Bein der Mann aus dem Club. Augenblicklich war ich wach. Hitze stieg in mir hoch als seine karamelfarbenen Augen ganz langsam über meinen Körper glitten. Erst jetzt wurde mir bewusst das ich nicht mehr meine Klamotten trug. Alles was ich trug war ein übergroßes schwarzes T-Shirt mit AC/DC Aufdruck und meine Unterwäsche.

„W...w...was?" stotterte ich, vollkommen überrascht darüber den Mann aus dem Club hier leibhaftig vor mir zu haben und da mir nichts Besseres einfiel. Der Kerl grinste mir ganz frech und selbstgefällig ins Gesicht. Ich spürte wie mir Hitze ins Gesicht stieg. Mit knallroten Gesicht saß ich nun vor ihm. Beschämt drückte ich meine Knie zusammen und bis mir auf die Unterlippe.

Seine Pupillen weiteten sich und er hielt kurz die Luft an.

Mit einem räuspern senkte er den Blick.

„Ich würde sagen wir beginnen mit den Grundlegenden Dingen, bevor wir zu den W-Fragen kommen. Ich heiße Duncan," stellte er sich mir mit rauer Stimme vor.

„Skyler," wisperte ich.

„Gut, Skyler. Darf ich dich Sky nennen?"

Ich nickte nur zur Antwort. Mit einem kurzen nicken fuhr er fort.

„Wie alt bist du?"

„Einundzwanzig seit einem Monat," antwortete ich leise und fragte mich was das ganze sollte.

„Das ist ganz einfach Sky: Wir wollen wissen wer du bist und warum dich Vampire angegriffen haben. So lange wir das nicht wissen sind wir alle in Gefahr."

Ich starrte Duncan mit offenem Mund an. Hatte er grade Vampire gesagt? Sind wir hier bei der Versteckten Kamera? Erlaubte sich jemand mit mir einen Scherz?

Auf Duncans Gesicht erschien ein müdes Lächeln.

„Leider ist das kein Scherz, Sky. Ich wünschte es wäre so."

„Was soll das heißen, Vampire hätten mich angegriffen? Vampire existieren doch nur in Büchern und Filmen," spottete ich ungläubig.

„Sie existieren leider doch."

„Ja klar, und ich bin die Frau vom Weihnachtsmann," murrte ich.

Darauf brach Duncan in schallendes Gelächter aus. „Der Weihnachtsmann existiert wirklich nicht, Sky."

„Ach ja? Aber Vampire existieren? Was für eine verdrehte Welt."

„Ja, das ist sie wirklich," sein Blick wurde nachdenklich.

„Nehmen wir mal an Vampire würde es wirklich geben, was bist dann du und Hulk, der vorhin hier war? Feen? Elfen?" witzelte ich.

„Hulk? Du meinst Damon? Ich und Damon gehören nicht wirklich derselben Spezies an," begann er langsam.

„Welcher ‚Spezies' gehört ihr den an?"

„Damon würde man wohl als Werwolf bezeichnen, nur das er sich in einen Wolf verwandeln kann wann er möchte und nicht nur, wenn Vollmond ist. In unserer Welt nenn man das einen Wolfswandler oder Wächter," erklärte er langsam.

Vor meinen Augen erschien ein Bild: ein Schneeweißer Wolfskopf mit silbergrauen Schecken und leuchtend Grünen Augen erschien vor meinem Gesicht. Sanft stupste seine Nase an meine Wange und sein warmer Atem streifte mein Gesicht.

„Der weiße Wolf," sprudelte es aus mir heraus.

Duncan nickte. „Genau. Das ist Damon."

„Also hat er mich vor diesen Typen gerettet? Und das waren Vampire?"

„Er war nicht alleine. Es wäre Selbstmord sich alleine mit zwei Vampiren anzulegen auch wenn es zwei solch dämliche Exemplare sind wie diese," lachte er.

„Duncan? Bist du auch ein Wolf?" fragte ich neugierig als vor meinem inneren Auge das Bild eines grauschwarzen Wolfes mit karamelfarbenen Augen erschien. Dieselben Augen in die ich gerade schaute. Duncan lächelte nur.

„Wir sind von der selben Spezies, Sky. Wir sind Hybriden."

„Also bist du der grauschwarze Wolf?"

„Ja, der bin ich. Aber nicht nur."

„Was soll das bedeuten? Was ist ein Hybrid und was habe ich damit zu tun?"

Duncan seufzte. „So viel Fragen auf einmal. Ein Hybrid ist eine Mischung aus zwei magischen Spezien. Ich bin ein Wolf und ein Feuerbändiger."

„Woher willst du wissen, dass ich das auch bin?" wollte ich wissen.

„Das ist die einzige logische Erklärung. Wir haben dich schon gesucht."

„Du sprichst in Rätseln, Duncan."

Duncan erhob sich lächelnd. „Das ganze Leben ist ein einziges Rätsel, Sky." Mit diesen Worten ließ er mich nachdenklich zurück.


Comments

beta
Fairy Dust

Navigation

Languages

Social Media