Kapitel 6

Ich stapfte durch den Schnee nach Hause. Cole ist schon weg, da ich noch ein bisschen in der Schule geblieben bin. Eigentlich bin ich, im Gegensatz zu den meisten Leuten, gern dort. Ich bemerke, dass ich Durst habe und setze mich auf eine, an einigen Stellen zugeschneite, Bank. Deine Schultasche stelle ich neben mich und nehme meine Trinkflasche heraus. Dann setze ich sie an meine Lippen an und trinke eifrig einige Schlucke. Das Wasser hat die Außentemperatur angenommen und rinnt kalt meine Kehle hinab. Ich liebe Eiswasser.

Eigentlich liebe ich alles, was mit Schnee zu tun hat. Der Winter war früher immer meine Lieblingsjahreszeit. Ich hatte immer das Gefühl, dass in dieser Jahreszeit der Stress vergeht und die Gemütlichkeit in jedem Haushalt ein ständiger Begleiter ist. Dieses Gefühl ist mir geblieben auch wenn fast jeden Tag eine andere Jahreszeit meine Heimatstadt, eine kleine Stadt in West Virginia, auf trapp hält. Seit sich das Wetter so verändert hat, haben sich auch die Menschen verändert. Ob eher ins Positive oder ins Negative weiß ich nicht genau.

"Hallo", sagt plötzlich jemand hier mir und ich hätte mich vor Schreck fast verschluckt, so sehr in Gedanken war ich. Die Stimme kommt mir so bekannt vor. Ich drehe zu der Person, die mich so erschreckt hat um. Es ist Chase, der Junge in den ich schon seit der 7. Klasse verliebt bin. Ich habe das Gefühl, dass ich für ihn unsichtbar bin und wundere mich umso mehr darüber, dass er mich angesprochen hat.

"Hallo", gebe ich zurück. Er schenkt mir ein charmantes Lächeln und fragt:"Darf ich mich setzen?" Chase will sich setzen? Da sage ich nicht nein. Ich nicke:"K-Klar." Ich werde etwas rot. Als er meine roten Wangen erblickt, lächelt er mir aufmunternd zu und plötzlich ist es mir gar nicht mehr so peinlich mit ihm zu reden. Er ist so...nett.

Ich rutsche ein Stück zur Seite, damit er sich setzen kann. Er setzt sich neben mich und nimmt sein Handy aus der Jackentasche. Dann tippt er irgendetwas hinein. Was tut er da? Schreibt er vielleicht seine Freundin, von der ich nichts weiß? Ich scharre mit meinen Füßen nervös im kalten Pulverschnee herum und warte was geschieht.

Er hebt den Kopf und streckt mir sein Handy hin:"Wollen wir vielleicht unsere Nummern austauschen?" Nummern? Austauschen? Ich kann ihn einfach nur anstarren. Dieser Tag wird ja immer besser? Erst redet Chase mit mir und jetzt will er auch noch meine Nummer haben. Ich nehme perplex sein Handy und schau nach dem Feld in dem ich meine Nummer eintragen kann. Ich tippe sie langsam ein, um klar keinen Fehler zu machen. Dann fällt mir auf, dass er zu meinem Namen einen Smiley hinzugefügt hat. Ich muss lächeln. Als ich fertig bin, gebe ich ihm das Handy zurück. Dann gebe ich ihm meines, damit er seine Nummer einspeichern kann. Er tut es und gibt mir dann mein Handy zurück. Ich stecke es wieder in meine Jackentasche. Dann drehe ich mich zu ihm zurück. Er lächelt mich charmant an. Auf einmal klingelt sein Handy und er liest seine Nachricht. Ich sehe ihm zu wie er dies tut und frage mich, wer ihm geschrieben hat. "Meine Mom braucht mich dringend zuhause. Tut mir leid", sagt er entschuldigend und steht von der Bank auf. Ich bin enttäuscht, lasse es mir aber nicht anmerken. Schließlich kann er ja nichts dafür, dass seine Mutter will, dass er nach Hause kommt. Ich nicke mit einem matten Lächeln und stehe auch auf:"Ich versteh schon." Er schaut mich entschuldigend an. Nun muss ich wirklich lächeln und bin ihm nicht mehr so böse:"Meine Eltern brauchen mich auch oft für irgendwas. Geh ruhig. Wir sehen uns ja vielleicht morgen nochmal." Er nickt zufrieden:"Danke." Mit diesem Worten dreht er sich um und geht. Als er fast am Tor angekommen ist, dreht er sich noch einmal zu mir um und winkt mir zum Abschied:"Tschüss, Elena." Ich werde rot und winke zurück. Er ist so süß. Als er weiter geht, kann ich mich nicht mehr beherrschen. Ich hüpfe auf der Stelle und kann nicht anders als mich zu freuen. Plötzlich dreht sich Chase noch einmal um. Ich höre sofort auf damit und werde rot wie eine Tomate. Oh Gott wie peinlich. Er grinst und verschwindet um eine Ecke, sodass ich ihn nicht mehr sehen kann.

Als er weg ist renne ich schnell nach Hause, um mit Karina zu telefonieren und ihr von dieser unglaublichen Begegnung zu erzählen. Wegen dieser langen Gespräche muss ich leider auch immer ein Viertel unserer Telefonrechnung bezahlen.

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