Kapitel 6: Die erste Strafe

Dominicus erwartete Luzifer bereits, als dieser in den Himmel zurück kehrte. 
"Du kannst direkt wieder umkehren. Kleines Licht, Kleines Feuer! Für dein jämmerliches Versagen wirst du für die Dauer eines Erdenmonats aus dem Himmel verbannt. Leg deine Waffen ab und geh!"
Luzifer kam gar nicht dazu, irgend etwas zu sagen, denn schon standen zwei schwer bewaffnete Engel der Wächtertruppe neben ihm und sahen ihn grimmig an. Luzifer legte wortlos seine Waffen auf den Boden, die Wächter packten ihn hart bei den Oberarmen und brachten ihn zurück auf die Erde. Dort, inmitten einer öden Wüste, ließen sie ihn zurück.
Luzifer setzte sich in den Sand und verarbeitete die Geschehnisse der letzten Stunden. Die Begegnung mit Asmodeus setzte ihm zu. Seiner Meinung nach hatte sie wirklich nichts Böses getan. Was war schon dabei, wenn die Sterblichen ein bisschen feierten?! Sicher, wenn man bedachte, dass das Verhalten der Sterblichen im Himmel als Sünde galt, ergab es natürlich Sinn, dass man es unterbinden musste, um ihre Seelen zu retten, aber wie kamen die Engel dazu, etwas zu verdammen, das sie selbst praktizierten? Diese Doppelmoral war verwerflicher als die Sünden selbst, fand Luzifer. Es wurde dunkel und er rollte sich im Wüstensand zusammen und versuchte, etwas zu schlafen. Aber immer, wenn er die Augen schloss, sah er Asmodeus vor sich...

Am nächsten Morgen machte Luzifer sich daran, einen Weg aus der Wüste zu finden. Stundenlang wanderte er durch die flirrende Hitze, ohne einem Lebewesen, und sei es noch so klein, zu begegnen. Er versuchte zu fliegen, aber eine Verbannung aus dem Himmel war, wie er feststellte, mit dem Verlust der Engelskräfte identisch. Hunger und Durst plagten ihn und seine Füße schmerzten. Außerdem machte ihm die Hitze zu schaffen. Irgendwann setzte er sich einfach hin und wartete. Auf irgendetwas. Die Stunden vergingen, doch nichts passierte. Nur die Sonne wanderte ein Stückchen weiter. 
Schließlich rappelte Luzifer sich wieder auf und wanderte weiter. Am Fuße einer großen Düne blieb er stehen, beschattete die Augen mit der Hand und sah an der Düne hinauf. Auf ihrem Kamm stand ein kleiner Mann, ganz in grau gekleidet. Er sah Luzifer an, schien auf ihn zu warten. Erschöpft, aber neugierig machte Luzifer sich daran, die Düne zu erklimmen. Nach einer gefühlten Ewigkeit hatte er den Mann erreicht, der ihm lediglich bis zur Hüfte reichte. Luzifer konnte erkennen, dass er ein faltiges Gesicht und eine Glatze hatte. Nicht nur seine Kleidung war grau, auch seine Haut. Eine Weile sahen die beiden sich an, dann sagte der Fremde:
"Sieht aus, als hättest du Schwierigkeiten, Kleines Licht, Kleines Feuer."
Luzifer war völlig überrascht, als er mit seinem himmlischen Namen angeredet wurde.
"Wer bist du, und woher kennst du meinen Namen?", fragte er. Der Fremde sah ihn ein wenig herablassend an und sagte:
"Ich kenne ihn eben. Und was mich angeht: ich bin Atropos!"

Comments

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    Meiner Meinung nach ist die Strafe viel zu streng! Aber was weiß ich schon... Als Gott kann man sich wohl alles erlauben.

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    Warum bitte schön wird Luzifer jetzt verbannt. Ist sie überhaubt dass für was die Menschen sie halten.? Gott ist doch eigentlich gütig. Was is mit dem Vaterunser. Vergib uns unsere Schuld kennt sie wohl nicht. Ich fange an diesen Komischen Himmel zu Mögen.

beta
Fairy Dust

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