Kapitel 7

Am Morgen wurde Jeanne als letzte geweckt.
„Fräulein...“ ihre Zofe stoppte. „Jeanne es ist so spät. Du solltest langsam aufstehen. Das Frühstück ist bereits im Gange.“
Langsam wurde Jeanne wach und setzte sich auf. Völlig verschlafen schaute sie ihre Zofe an.
„Frühstück?“
Sie nahm sich ihr Haar aus dem Gesicht.
„Ja ich sollte frühstücken.“
Ihre Zofe lächelte sie verwirrt an. Einen kurzen Moment verharrten die beiden so.
„Ich möchte ja nicht unhöflich werden, aber wie wäre es dann mit aufstehen?“
Jeanne schaute sie an und musste lachen.
„Ja das wäre eine gute Idee, Maiga.“
Nun musste auch ihre Zofe lachen. Jeanne stand aus ihrem Bett aus und zog sich etwas an. Sie ging in den Speisesaal, während Maiga ihr Bett wieder herrichtet.
Das Frühstück war bereits fast fertig, aber es blieben noch alle anwesend bis Jeanne fertig war.
Nach dem Frühstück wollte die Zeit überhaupt nicht vorbei gehen bis es Zeit für das Mittagessen ist. Aber auch die Zeit ging um.
Nach dem Mittagessen war es endlich so weit sich für den Ball herzurichten. Jeanne ging in ihr Zimmer, in dem Maiga schon auf sie wartete. Sie half ihr das Kleid an zuziehen. Ein blaues Kleid bestehend aus einer Korsage und einen vorne knielangen Rock. Hinten war dieser fast bodenlang. Dazu trug sie dunkle hohe Schuhe. An den Armen, Ellenbogen hohe Handschuhe.
„Du siehst wundervoll aus.“, bemerkte Maiga.
„Vielen Dank. Das Kleid ist der Schneiderin wirklich gelungen. Machst du mir mein Haar?“
Maiga nickte nur. Jeanne setzte sich vor ihr auf einen Stuhl. Sie begann das lange rote Haar von Jeanne zu bürsten, was schon eine Zeit in Anspruch nahm. Nach dem bürsten begann sie die vorderen Haare zu flechten und diese nach hinten zu binden. Den Rest ließ sie lang hinunter hängen. Maiga liebte es, wenn Jeanne ihr Haar offen trug. Immerhin war dies ein seltener Anblick. Jeanne betrachtete sich im Spiegel und ihr gefiel dieses schlichte einfache.
„Danke.“
„Nicht dafür.“
„Wie lange ist noch Zeit bis der Ball beginnt?“
„Ich weiß nicht, aber so langsam sollten die Gäste eintreffen. Wo ist deine Maske?“
Jeanne holte ihre Maske aus einer Schatulle, in die sie diese am Abend zuvor legte. Vor dem Spiegel stehend setzte sie sich diese aufs Gesicht. Es war eine silbern schimmernde Maske mit blauem Rand, die ihre Augen verdeckte.
„Sie ist sehr schön. Woher hast du die?“
„Ich habe sie von der Schneiderin bekommen.“
Draußen wurde es immer lauter. Die beiden Mädchen begaben sich auf den Balkon und schauten den Gästen beim eintreffen zu. Wie sie beobachten konnten, gab es natürlich zwischen den prunkvollen teuren Kleidern auch einige schwarze Schafe. Allerdings sahen diese nicht arm aus.
„Erstaunlich wie viele Menschen sich hier einfinden.“, sagte Maiga.
„Ja das stimmt. Man glaub gar nicht, dass so viele Menschen in der Stadt wohnen.“
Maiga nickte. Sie schaute über die Menge und zeigte auf einen Gast. „Schau mal dort.“
„Was ist denn?“
Jeanne schaute in die Richtung, aber konnte nichts entdecken.
„Ein Gast mit Hörnern. Sind `Wesen´ denn willkommen?“
Nun konnte Jeanne diesen Gast auch entdecken.
„Ja, das sind sie. Ich hoffe, dass er kein Ärger macht. Aber vielleicht gehört es auch zu seiner Maskerade und es ist ein normaler Mensch.“
Maiga schaute Jeanne an und lächelte. Sie selbst hoffte nur, dass dieser kein Ärger macht, sollte er ein `Wesen´ sein.
„Ich sollte langsam hinunter gehen.“, stellte Jeanne fest.
Maiga und Jeanne gingen hinunter zum Festsaal. Maiga entfernte sich von ihr und half den anderen Bediensteten. Der Saal war reich besucht.
„Jeanne… Lass mich bei dir bleiben. Ich kommen mit einen solchen Aufmarsch von Menschen nicht zurecht.“
Ahanu konnte es schon immer gut einfach aufzutauchen, wo Jeanne war ohne das sie es merkte.
„Hast du es denn schon versucht?“
„Natürlich habe ich das. Aber ich fühle mich einfach unwohl.“
Der König trat zusammen mit seiner Frau an die beiden heran.
„Ihr sollt euch doch vergnügen und nicht hier herum stehen.“, sagte er lächelnd.
„Aber ich fühle mich nicht wohl.“, nörgelte Ahanu.
„Komm mit. Wir mischen uns unter das Volk.“, sagte die Königin und schnappte sich dabei Ahanus Arm, um ihn mit zu ziehen.
„Ob das gut geht?“, kicherte Jeanne.
„Ich hoffe doch. Und jetzt geh. Hab Spaß.“
Jeanne nickte und begab sich die Treppe hinunter. Beim runter gehen konnte sie Ahanu und ihre Mutter sehen, wie sie sich zu der Musik bewegten. Kurz darauf wurde sie abgelöst und Ahanu stand alleine dort. Jedoch nicht lange. Ein Mädchen kam zu ihm und sprach ihn an. Am Fuße der Treppe angekommen, konnte sie die beiden nicht mehr sehen.
„Darf ich euch um diesen Tanz bitten?“, sagte eine fremde Stimme zu ihr.
Jeanne drehte sich zu dieser um und schauten einem Jungen mit Rabenmaske, wie Ahanu sie trug ins Gesicht. Es war der Junge mit den Hörnern, den Maiga und sie von Balkon aus gesehen haben.
„Ja sehr gerne.“
Sie nahm die Hand, die der Junge ihr entgegen hielt. Die beiden begannen zu tanzen. Die ganze Zeit über wurde Jeanne von dem Jungen angelächelt, was sie verlegen werden ließ. Er stoppte als das Lied zu Ende war und lächelte weiter.
„Ihr könnt sehr gut tanzen.“, lobte er Jeanne.
„Danke, dass kann ich nur zurück geben.“
Schweigen herrschte über sie bis Jeanne es brach.
„Nun denn werde ich mich den anderen Gästen widmen.“
Sie machte einen Knicks und wollte ihn verlassen, doch der Junge hielt sie fest. Erstaunt schaute sie zu ihm.
„Verzeihung Prinzessin, aber bitte schenkt mir noch ein paar Tänze.“
Jeanne errötete. Scheinbar wollte er unbedingt, dass sie bei ihm bleibt. Wer war dieser Fremde? Auch wenn sie sich unsicher war und skeptisch wurde, willigte sie ein.
Die beiden widmeten sich wieder einander und folgten der Musik.
Ihre Eltern beobachteten Ahanu und Jeanne zufrieden aus der Ferne.
Nach einer Weile legten sie eine Pause ein.
„Wollen wir an die frische Luft gehen?“, fragte sie der Fremde.
„Sehr gerne. Ich denke es wird ganz gut tun.“
Gemeinsam gingen die beiden auf die große Terrasse. Auf diesen Schien der Mond, wodurch es hell erleuchtet war.
„Das ist ein sehr schöner Schlossgarten.“, merkte der Fremde an.
„Ja meine Königsmutter hat ihn so hergerichtet. Unser Gärtner durfte nur sehr wenig helfen.“, sagte Jeanne etwas kichernd.
„Durftest du ihr dabei helfen?“
Jeanne schaute ihn an. Du ? Wieso sprach er auf einmal so vertraut mit ihr? Auch wenn sie sich diese Frage stellte, stören tat es sich nicht. Sie hasste es so förmlich angesprochen zu werden. Ihren Blick richtete sie wieder zu dem Garten.
„Ja durfte ich. Das herrichten des Gartens hat uns zusammen gebracht.“
„Ist diese Familie nicht deine richtige Familie?“
„Nein… Ich wurde vor neun Jahren von ihnen aufgenommen, weil meine Eltern verstarben.“
Der Junge schaute schweigend über den Garten. Er wirkte auf mal so nachdenklich.
„Was ist los mit dir?“, wollte Jeanne wissen.
„Nichts… ist nicht so wichtig.“
„Nun sag schon!“, forderte sie ihn auf.
„Na ja… ich wurde gerade daran erinnert, wie ich mich vor neun Jahren von meiner besten Freundin trennen musste. Seit her habe ich sie nie wieder gesehen und ich denke sie hat mich vergessen.“
„Das tut mir leid… Aber sie hat dich ganz bestimmt nicht vergessen.“, sagte Jeanne lächelnd und versuchte ihn auf zu muntern, aber ihn ließ dies völlig kalt. So schaute er sie auch an.
„Sie hat mich vergessen, dass weiß ich. Und selbst wenn sie es nicht tut, wird sie mich ohne hin ab heute hassen.“
„Wie meinst du das?“
Bevor der Junge noch etwas sagen konnte, hörte Jeanne eine Aufruhr aus dem inneren des Schlosses.
„Was ist das los?“, fragt sie.
Jeanne wollte hinein gehen, aber wieder hielt der Junge sie fest.
„Was soll das? Lass mich los!“, fauchte sie ihn an.
„Nein… Es ist sicherer, wenn du hier bleibst. Glaub mir.“
„Damit ich es hinterher bereue? Garantiert nicht!“
Sie riss sich aus seinem Griff los und lief hinein. Der Junge schaute ihr nach. Dann folgte er ihr.
Im inneren kämpften Wachen gegen `Wesen´. Die normalen Bürger suchten sich mit Hilfe den Bediensteten Schutz vor dem Angriff.
Jeanne konnte nicht fassen, was sie zu sehen bekam.
„Jeanne hier dein Schwert.“
Der König warf ihr das Schwert zu. Er hatte die Chance gehabt die Schwerter zu holen. Ahanu hatte seines bereits und war mitten im Kampf.
„Danke Vater.“
Jeanne nahm das Schwert fest in ihre rechte Hand und wollte sich mit in das Getümmel stürzen um den Fadenzieher ausfindig zu machen.
„Frey!“, rief eine Stimme.
Bevor Jeanne los gehen konnte, stellte sich der Junge mit in Flammen gehüllten Händen ihr in den Weg.
„Warum stellst du dich mir in den Weg? Verschwinde!“
„Ich habe die Aufgabe dich von den anderen fern zu halten.“
„Du gehörst zu ihnen?“
„Ja...“
In Jeanne breitet sich Zorn aus. Das also war sein Plan. Zum ablenken wollte er mit ihr nach draußen gehen.
„Du mieser…“
Ohne ein weiteres Wort zu verlieren holte sie mit dem Schwert aus und schlug zu. Der Junge jedoch wehrte es ab. Das hielt Jeanne nicht auf und sie schlug immer wieder zu. Frey jedoch wehrte es nur ab ohne zu kontern.
„Frey was soll das? Greif sie an!“, rief ihm eine Stimme zu, die sich danach wieder Ahanu widmete.
„Warum greifst du mich nicht an?“, wollte sie wissen.
„Ich will nicht kämpfen...“
„Das wirst du aber müssen, wenn du nicht sterben willst!“
Frey seufze. Leider hatte sie recht, aber er wollte sie einfach nicht verletzen. Trotz dessen begann er ihre Hiebe zu kontern, musste aber schnell fest stellen, dass sie gleich stark sind und dies keinen Zweck habe. Die einzige Möglichkeit für ihn wäre sie mit seinen Flammen anzugreifen, aber das würde sie ernsthaft verletzen.
„Frey komm! Wir haben genug Information!“
Frey drehte sich zu der Stimme, die vom Dunkelelf kam, wie auch alle anderen Anweisungen.
„Auf wiedersehen Fräulein Chevalier… Vielen Dank für diesen schönen Abend.“, sagte er mit einer Verbeugung vor ihr. Dann verschwand er mit den anderen.
Jeanne schaute verwirrt in die Menge. Er hat sich gerade für den Abend bedankt… Aber woher kannte er ihren Namen?
Nun war der Kampf also beendet.
Sie sah jemanden auf sie zu kam. Ahanu war mittelschwer verletzt. Anscheinend hatte er es mit einen der stärksten zu tun. Jeanne lief ihm entgegen, um ihn zu stützen.
„Ich bringe dich zur Medikus.“
„Geht es denn dir gut Jeanne?“
„Ja mit mir ist alle in Ordnung.“
Während die beiden zur Medikus gingen, beruhigte das Königspaar die Gäste. Einige von ihnen wurde von Wachen nach Hause begleitet, damit sie sich sicher fühlen.
In dem Krankenzimmer waren ein paar wenige Wachen bereits behandelt worden. So konnte sich der Medikus um Ahanus Wunden kümmern.
„Wie konntet ihr zu zugerichtet werden?“, fragte der Medikus ihn.
„Ich war wohl etwas zu unvorsichtig.“
„Ich frage mich, warum sie ausgerechnet jetzt angegriffen haben.“, sagte Jeanne.
„Sie haben wohl gedacht, dass wir heute unachtsam genug wären damit sie uns stürzen könnten.“
Während die beiden sich unterhielten wurden Ahanu seine Wunden verbunden.
„Sie werden bestimmt erneuert angreifen. Ahanu wir müssen die Wachen darauf vorbereiten.“
„Ihr solltet euch erst einmal ausruhen. Ahanu wird erst einmal nicht trainieren, dass könnte sonst seinen Zustand verschlimmern.“
„Wie lange darf er denn nicht?“
„Eine Woche sollte genügen.“
Das zu hören gefiel Jeanne überhaupt nicht. Genauso wie Ahanu. So hinnehmen mussten sie es jedoch beide.
Seine Wunden waren versorgt und die beiden konnten gehen.
„Lass uns schlafen gehen.“, schlug Ahanu vor.
„In Ordnung. Begleitest du mich morgen zum Markt?“, fragte Jeanne.
„Es wäre mir eine Ehre Jeanne.“
Ahanu begann zu grinsen. Auch Jeanne musste etwas lächeln. Die beiden wünschten sich eine gute Nacht und verschwanden in ihren Gemächern.
Jeanne machte sich fürs zu Bett gehen fertig und legte sich dann in ihres. Jedoch konnte sie nicht schlafen. Sie musste an den Dämonen denken. Er wurde Frey genannt. Dieser Name. Er kam ihr so seltsam bekannt vor. Aber sie wusste nicht woher. Ihr überkam das Gefühl, dass sie in all den Jahren etwas wichtiges vergessen hat. Aber auch da wusste sich nicht was es war. Bevor sie weiter grübeln konnte, schlief sie letztendlich doch ein.

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beta
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