Kapitel 7

Auf seinem Gesicht war das Jugendliche Gemüt verschwunden. Er sah müde aus. Man sah dass die Erinnerung immer noch schwer lag. Das Bild war bestimmt eingebrannt. Der Sichere Kellerbunker war zu Staub zerbröselt. Ich konnte mir kaum vorstellen wie seine damalige Lage war. Auch ich war geschockt – obwohl er es mir nur erzählt hatte. Das Gesicht war eingefallen. Er wirkte viel älter als vorher. Man sah deutlich, dass er mit den Tränen kämpfte. Ich glaube, ich hörte einen kleinen Schluchzer. Eine Träne lief ihm über die Wange. Ich stand langsam auf und ging um den Tisch herum. Und fing an ihn liebevoll über das Gesicht zu streicheln. Das tat ihm sichtlich gut. Er legte das Gesicht in meine Arme und fing an leicht zu weinen. „Das ist so schrecklich gewesen.“ Schluchze er. „Lange hatte ich das Verdrängt. Und ich konnte leben, jetzt kommt es wieder. Ich fühle mich so hilflos wie damals.“ Ein Polizei Wagen fuhr vorbei. Da fing er an zu zittern. „Hilf mir. Sie dürfen nicht herkommen. Sie haben schon alles genommen. Was wollen sie noch?“ Ich beruhigte ihn, dass dies nur ein Polizeiwagen sei und dass niemand ihm irgendetwas nehmen werde. Er fragte mich, ob ich sicher sei und ich antwortete dass ich ihn beschützen würde. Das beruhigte ihn sichtlich. Und nach und nach kam wieder das Jugendliche, verschmitzte lächeln auf sein Gesicht zurück. Dann erzählte er weiter. Dass er einen großen Zeitsprung machte kann ich ihm nicht verübeln.
„Mit dem Schiff kamen wir nach England. Wir waren nun noch mehr zusammengewachsen. In London suchten wir Schutz, doch den bekamen wir nicht. Zumindest nicht so, wie wir ihn uns vorgestellt hatten. Mein Vater war damals sehr gut in Englisch gewesen und deshalb wurden wir aufgenommen. Schnell fand ich heraus, dass die Familie die uns aufgenommen hatte die Bunker in der King Charles Street, London SW1A 2AQ, gebaut hatte. Der Ingenieur und Mein Vater wurden enge Freunde. Sie spielten immer Karten jeden Abend. Doch dann begann der Luftkrieg um England. Ein Mal sah ich Sir Churchill. Er hat mir Mut zugesprochen und die Finger gespreizt. Wie ein V. Dann lächelte er und steckte sich eine Zigarre an. Ich habe ihn sehr gemocht. Er war wie ein Held. Jedoch von der anderen Sorte. Er war ruhig, gut organisiert und strukturiert. Immer um seine eigene Bevölkerung und vor allem um die Soldaten besorgt. Im Gegensatz zu Stalin oder Hitler. Von England aus konnten wir nun besser denn je den Krieg verfolgen.


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