Kapitel 8

Pünktlich um neun Uhr treffe ich mich mit meinen Freunden vor der Bar. Jenny ist meiner Einladung gefolgt. Im Gegensatz zu Matt, der heute Abend keine Zeit hat. Ich stehe vor der Bar und warte auf die Anderen. Sie kommen ein paar Minuten nach mir an. Sie finden mich sofort und wir begrüßen und freundlich. Dann betreten wir die Bar. Das Licht ist schummerig und wir setzen uns in eine Sofaecke. "Also ich finde es super hier", sagt Jenny. Ich nicke. Es ist ganz nett hier und um ehrlich zu sein, sind die Jungs hier auch ganz süß. Ich lasse meinen Blick durch die Bar schweifen. Es gibt viele dunkle Sofaecken in denen andere Jugendliche in meinem Alter sitzen und sich unterhalten. Es gibt auch eine Theke an der ein paar Jugendliche auf Barhockern sitzen und hinter der Theke steht ein Barkeeper, der Drinks verteilt. Alle hier haben ein Lächeln auf den Lippen und sehen glücklich aus. Ob das wohl am Alkohol liegt? Mein Blick wandert zum Eingang. Dort steht ein Junge mit nachtschwarzem Haar, das ihm lässig in die Augen fällt. Er trägt Lederkleidung und eine schwarze Sonnenbrille. Als er bemerkt, dass ich ihn mustere nimmt er die Sonnenbrille ab, um mich richtig sehen zu können. Seine Augen, die ich ohne Sonnenbrille mühelos sehen kann, sind dunkelbraun fast schwarz und wirken gespenstisch und kalt. Er wirft mir ein Lächeln zu, das wohl charmant sein soll, doch mir jagt es nur einen Schauer über den Rücken. Ich schaue schnell weg und betrachtet stattdessen das Glas Cola vor mir auf dem Tisch. Dieser Junge macht mir angst. "Was ist los?", fragt Kaya mich. Ich sage nur:"Nichts nichts." Warum sage ich ihr nicht, dass dieser Junge mir angst macht? Im Hintergrund läuft Musik, die ich aber ignoriere. Im Laufe des Abends fordert ein Junge Jenny zum Tanzen auf und sie folgt der Einladung. Ich glaube ihn schon einmal in der Schule gesehen zu haben. Er hat kurzes blondes Haar und ozeanblaue Augen. Jenny scheint ihn zu mögen. Etwas später teilt Kaya mir mit, dass sie mal zu Toilette muss und geht. So alleine am Tisch wird mir schnell langweilig und deshalb nehme ich meine Tasche und erhebe mich vom Sofa. Die Getränke haben wir schon am Anfang bezahlt, deshalb ist es auch kein Problem einfach auf zu stehen. Ich gehe nach draußen, um etwas frische Luft zu schnappen. Ein Stück von der Bar entfernt in einer kleinen Gasse, von der aus ich die Lichter der Bar gerade noch sehen kann, setzt sich mich auf den Boden und lehne mich mit dem Rücken gegen eine Steinmauer. Ich streife meine Lederjacke ab und lege sie neben mich. Die kalte Nachtluft tut, im Gegensatz zu der stickigen Bar Luft, gut und ich komme entspanne mich.

Nach wenigen Minuten erhebe ich mich wieder und will zurück zur Bar gehen, doch irgendwie beschleicht mich das ungute Gefühl beobachtet zu werden. Deshalb drehe ich mich nach einigen Schritten um und erblicke einen Schatten in der engen Gasse nah hinter mir stehen. Er macht einige Schritte auf mich zu und ich taumele zurück. Wer ist das? Er kommt immer näher und ich weiche synchron immer weiter zurück. Dann spüre ich plötzlich die kalte Steinmauer in meinem Rücken. Ich sitze in der Fall. Der Junge kommt nach wie vor näher und macht erst halt, als er unmittelbar vor mir steht. Als das helle Mondlicht auf ihn fällt, erkenne ich die Person. Es ist der Junge aus der Bar, der mir so einen Schrecken bereitet hat. Was tut er hier? Hat er mich etwa verfolgt? Im Mondlicht sieht er noch gespenstischer aus. Als er merkt, dass ich ihn erkannt habe, zuckt sein rechter Mundwinkel kaum merklich nach oben. Ich atme schwer. "Was willst du von mir?", zische ich und versuche dabei ruhig zu klingen, doch das ist schwerer als gedacht. Mein Herz pocht wild und ich verspüre einen tiefen ekel in mir aufsteigen. Er beugt sich zu meinem Ohr herab und flüstert mit seiner Stimme, die mich bis auf die Knochen erschüttert:"Ich will dich!" Diese drei kleinen Worte lassen mich frösteln. Er hält meine Hände fest, sodass ich mich nicht bewegen kann. Ich fluche leise. Er beginnt meinen Hals mit seinen kalten rissigen Lippen zu küssen und ich habe das Gefühl gleich kotzen zu müssen. Er fährt meinen Hals hinab. Jetzt reicht es mir. Ich ramme ihm mit meiner übrigen Kraft mein Knie in den Bauch. Doch er lacht nur:"Netter Versuch." Ich fühle mich hilflos. Er lässt eine meiner Hände los und greift mit seiner freien Hand in seine Jackentasche. Heraus zieht er ein kleines im Mondschein glänzendes Klappmesser. Ich quicke auf. Er lacht nur fies und hält mir das Messer an den Hals:"Jetzt kommst du ganz brav mit, Püppchen." Ich schlucke, nicke dann aber da ich hoffe doch noch irgendwie abhauen zu können. Er reist mich von der Wand weg und schiebt mich nach wie vor mit dem Messer an der Kehle vor sich her. Als wir schon fast am Ende der Gasse angekommen sind, sehe ich plötzlich ein kurzes Aufleuchten im Augenwinkel. Plötzlich bohrt sich das Messer in meinen Hals. Ich schreie vor Schmerzen laut auf. Was ist geschehen? Dann lässt der Junge hinter mir das Messer plötzlich fallen und stößt mich von sich. Ich stolpere und falle mit den Händen voran auf das Straßenpflaster. Setzt mich auf und werfe einen Blick auf meinem Entführer. Er steht in der Mondlicht gefluteten Gasse und hält sich den Bauch. Als ich ihn genauer betrachte erkenne ich, dass ein langer gebogener Dolch zischen seinen Rippen steckt. In diesem Moment wird mir klar, dass der Dolch der Gegenstand sein muss, denn ich aufleuchten gesehen habe. Das weiße T-Shirt des Jungen ist blutrot. Ich kann meinen Blick von diesem Szenario einfach nicht abwenden. Plötzlich werde ich von jemandem in die hoch gehoben und dann wenige Sekunden später spüre ich ein paar starke Arme, die mich fest an sich pressen. Ich wende meinen Blick von meinem Entführer ab und auf meinen Retter. Die dunkelbraunen Haarspitzen meines Retters funkeln und glitzern durch das Mondlicht und seine grünen Augen leuchten noch intensiver als am Vortag. Sie erinnern mich an frisch geschnittene Rosen Stängel. Das Blut rinnt über meinen Hals und auch meine Hände und Unterarme sind blutüberströmt, doch das interessiert mich nicht im Geringsten. Ich habe nur Augen für meinen heldenhaften Retter. Dann wird alles vor meinen Augen plötzlich nachtschwarz und ich werde mit den Worten "Danke Jackson" ohnmächtig.

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