Kollaps

Die Dunkelheit zieht in die City. Alle warten darauf so scheint mir. Die Nacht ist der neue Tag geworden. Ein Bier als ständiger Begleiter beim durch die Strassen ziehen. Es ist hip geworden, eine Selbstverständlichkeit. Bier und Kippen und Blättchen und Tabak gibt es an jeder Ecke. Vorbei die Zeit wo man seine Einkäufe bis 19:00 erledigt haben oder einen Freund fragen musste ob er einen zur Tanke bringt. Vorbei die Zeit als man noch als Nicht-Gast in eine Kneipe geschlichen ist um hinten am Klo die Münzen zusammenzukratzen für genau die Sorte Zigaretten die man nicht wollte, weil die eigene Marke hier nicht erhältlich war. Die Kneipen sind weg, daraus sind Bars geworden, oder ein Imbiss. Jeder kennt den besten Asia, das beste Sushi, den besten Drink. Alles gleich. Alles irgendwie Shabbi, alles irgendwie Vintage, alles irgendwie abgerockt. Für die Betreiber leichtes Spiel hat man das Gefühl. Niemand will mehr nach Hause, ich habe manchmal sogar das Gefühl, die haben kein Zuhause. Immer irgendwo sitzen, trinken, quatschen, irgendwas in den Mac tippen. Die Stadt ist voll geworden, der Verkehr hat zugenommen obwohl doch immer so viele erzählen das man hier kein Auto braucht. Wo kommt der Verkehr her? Immer Menschen, alle sehen gleich aus. Sehen aus wie die Bars und die Restaurants, irgendwie Shabbi, irgendwie Vintage, alles irgendwie abgerockt. Es ist eine Kultur geworden so scheint mir aber es ist keine Subkultur. Einige Strassenzüge definieren eine ganze Stadt. Beklemmend Kiez, gewollt, konstruiert. Alle Sprachen, alle Kulturen, alle Hintergründe einigen sich auf einen Nenner. Feiern gehen. Die Clubszene scheint zu explodieren, die Feierkultur scheint einen neuen Höhepunkt zu erreichen. Die Immerverfügbarkeit von allem scheint hier definiert zu werden. Es stimmt nicht, es konzentriert sich nur. Alles was da war lebt neu auf, Filterkaffee ist wieder Trend, Walkman ist der letzte Schrei, Stonewash Parka und Blousons kosten selbst bei Humana wieder dreistellig. Viele lachen sich darüber kaputt weil es so einfach ist wieder im Geschäft zu sein. In Lagerhallen im Wohnwagen übernachten mit Kunstpflanzen als Naturersatz, wie bei „SAW“ im Film in stockfinsteren Räumen sich fast unlösbaren Aufgaben stellen für den Thrill, beim Techno 72 Stunden durchtanzen bis spät in den Montag hinein, egal was, alles ist da, alles ist teuer, alles ist ausgebucht oder man muss anstehen. Verrückte Stadt, wahnsinniges Tempo und unfassbar wenig Produktivität. Wann kommt der Kollaps?

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