Konservierende Leichenveränderungen


Eine natürliche Leichenkonservierung, durch eine Mumifikation, tritt dann ein, wenn der Körper schneller austrocknet als die Fäulnis der Leichenzersetzung eintritt. So eine Situation ist bei mageren Leichen in trockener, luftiger Umgebung gegeben. Eine Mitwirkung von Giften, Strahlung und/oder Bakterien ist nicht von Nöten.

Bereits kurze Zeit nach dem Tod liegen erste Vertrocknungserscheinungen vor. Hiervon sind die Hornhäute der Augen, die Lippen und zarte Hautpartien wie Hodensack, Vorhaut und Schamlippen.

Der Verlust von Flüssigkeit der Gesichtshaut lässt Bartstoppeln deutlich hervortreten, wie auch das eintrocknen der Finger- und Zehenkuppen die Nägel länger erscheinen lassen. Weder Barthaare noch Nägel wachsen nachdem Tod weiter.

Mit fortschreiten der Mumifizierung nimmt die Haut eine bräunliche Farbe und eine Beschaffenheit von derben Leder an. Die Weichteile schrumpfen, sodass sich Muskel- und Sehnenstränge deutlich sichtbar unter der Haut abzeichnen. Das Körpergewicht verringert sich durch den Wasserverlust immens. Auch eine Veränderung der Haarfarbe ist durch den Prozess der Mumifizierung möglich. In der Regel entsteht durch Mumifierzung ein rötlicher Farbton der Haare.

Mumifizierte Leichen sind in den mitteleuropäischen Breiten am ehesten auf einem zugigen Dachboden, in Schuppen oder Scheunen, in trockenen Gewölben, Grüften und im Freien (vor allem im Wald Erhängte) zu finden. Vollständige Mumifikation erfordert einen längeren Zeitraum von mindestens mehreren Wochen. Wesentlich häufiger sind teilweise Mumifikationen, die mit anderen Leichenveränderungen/zuständen einhergehen.

Gelangt eine auf natürliche Weise mumifizierte Leiche in feuchtes Milieu quellen die Weichteile rasch auf. Sodass eine kürzere Leichenliegezeit vorgetäuscht werden kann.

 

Die kriminalistische Bedeutung der Mumifikation ist darin begründet, dass...

...äußere Konturen erhalten bleiben und so eine Identifizierung der Leiche erleichtert werden kann

...bestimmte Verletzungen konserviert werden wie Strangfurchen, Stich-, Schnitt-, Hieb- und Schusswunden konserviert werden

...eine längere Liegezeit der Leiche angenommen werden muss

 

Eine Fettwachsbildung ist die Umwandlung der Weichteile, beginnend mit dem Körperfett, in eine grau-weiße, körnige zunächst feucht-pastenartige, später trocken-gipsähnliche Masse mit ranzig-erdigem Geruch. Das Fettwachs (Adipocire) ensteht durch eine hydrolytische Spaltung des Körperfetts in Glycerol und Fettsäuren. Hierfür notwendig Bedingungen sind ein feuchtes Milieu, Abschluss von Luft und die Mitwirkung spezifischer Bakterien.

 

Auch wenn es als Fettwachs bezeichnet wird, handelt es chemisch betrachtet beim "Fettwachs" nicht um ein Wachs. Das bei der Fettwachsbildung entstehende Endprodukt enthält kein Wachs und nur wenig Fett, Hauptbestandsteil sind gesättigte höhere Fettsäuren (insbesondere Palmitinsäure (C16H32O2) und Stearinsäure (C18H36O2)). Es wäre also sinnvoller nicht von Fettwachs, sondern von Leichenpeptid zu sprechen, allerdings hat sich das nicht durchgesetzt.

 

Bei Wasserleichen tritt eine Fettwachsbildung innerhalb weniger Wochen auf, im feuchten Erdgrab erst nach mehreren Monaten. Es leiten sich aus der Fettwachsbildung dieselben kriminalistischen Erkenntnisse wie bei der Mumifizierung ab.

 

Wird ein Verstorbener kurz nachdem Tod eingefroren, führt das ebenfalls zu einer Konservierung. Solche Eisleichen finden sich während Frostperioden, in Gletscherregionen oder Gebieten in Gebieten mit Permafrost.

 

Täter nutzen die Möglichkeit der Konservierung durch Einfrieren um eine Leiche oder Leichenteile zeitweise beiseite zu schaffen.

 

Die sog. Faulleichenkonservierung tritt ein, wenn eine Leiche oder Leichenteile über einen längeren Zeitraum in einer Luft- und wasserdichten Umhüllung verbringt. Dies ist der Fall in Plastiksäcken oder im Betoneinschluss. Die mikrobiellen Abbauprozesse setzen trotz der Bedingungen ein, kommen jedoch recht bald durch Anhäufung von Stoffwechselendprodukten zum Erliegen.

 

Die Konservierung von Leichen im Moor wird durch Humin- und Gerbsäuren bestimmt. Kälte und Luftabschluss sind dabei begünstigende Bedingungen. Die einzelnen Körpergewebe unterliegen bei der Moorleichenbildung verschiedenen Veränderungen. So wird die Haut gegerbt, die Weichteile und die inneren Organe verwesen, die Knochen werden entkalkt und so biegsam, dabei färben sie sich schwarz und erinnern an hartes Gummi.

In der Regel haben die meisten Moorleichen eine Archäologische Bedeutung, doch ist eine kriminalistische Bedeutung nie auszuschließen.

 

Durch zuführen von Salz, in gelöster oder fester Form, entstehen Salzleichen. Beispiel finden sich bei Verstorbenen in Salzwerken oder im Ertrunkene Solebecken. Entscheidet hier ist die Fähigkeit des Salzes einem Körper Wasser zu entziehen, der verstorbene wird so gesehen gepökelt.

 

Zu der natürlichen Konservierung gibt es auch die Konservierung durch den Menschen. Die Mumien des alten Ägyptens sind hierbei die bekanntesten Beispiele. Doch auch heute müssen Leichen und Leichenteile haltbar gemacht werden, zum Beispiel bei einer unklaren Identität der Leiche, zur Überführung der Leiche in einen anderen Staat oder für die Nutzung in medizinischen Präparatsammlungen.

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