Kristine

Ich habe die Liebe gefunden. Sie ist mir begegnet. Genau in dem Moment, indem ich am wenigsten mit ihr gerechnet habe. In dem ich sie am wenigsten erwartet habe. Und indem ich sie am wenigsten gewollt habe. Sie schoss mir mit alles ausfüllender Lichtgeschwindigkeit durch sämtliche Fasern, Zellen, Knochen, Adern, Nerven, Hirnwindungen und was man sonst noch so im Körper hat, durch das man irgendetwas, und sei es auch nur ein Minibisschen, fühlen kann. Heiß und kalt war mir.

Gleichzeitig. Nacheinander. Ständig.

Und kalte Panik krallte sich mein Herz.

Ich wollte es nicht. Will es jetzt immer noch nicht.

Und doch steht der abgeklärte, kühle, vernünftige Verstand dem fühlenden, heißen, hoffenden Herzen machtlos gegenüber.

Meine Liebe. Ich weiß es und kann doch nicht glücklich darüber sein. Sie steht unter einem unglücklichen Stern. Einem Stern, der kurz vor dem Verlöschen steht. Der von einem meteoritenkraterriesigen, nachtschwarzen Loch verschlungen zu werden droht. Und ich sehe gelähmt und unfähig zu handeln zu. Zur Salzsäule erstarrt bekomme ich alles mit. Fühle jedes schrecklich jämmerliche Gefühl. Und kann doch nichts dagegen tun.

Meine Liebe wird nicht erwidert. Er kann nicht.

Und er will nicht.

Kein bisschen ist er bereit, dagegen anzugehen. Sich aufzulehnen. Zu kämpfen. Zu hoffen. Ein Zukunft zu sehen.

Für mich.

Für uns.

Ich weiß nicht, was er vor mir zu verbergen versucht. Was er verschweigt und immer wieder in seinem tiefsten Innersten vergräbt, kurz bevor es dieser kalten Schwärze gelingt, aus ihm hervorzubrechen. An Tageslicht zu kommen. Zu mir. Damit ich ihm, meiner Liebe, einen Weg aus dieser alles verschlingenden Öde, dieser unendlichen Düsternis zeigen kann.

Es gibt Tage, da könnte ich die Welt umarmen und lauthals herausrufen, wie gut es mir mit ihm und bei ihm geht. Wie herrlich das kleine Grübchen in seiner linken Wange meine Laune hebt, mein Trübsal verschwinden lässt.

Nur weil er lächelt.

Mit mir.

Um mich fünf Minuten später zu Tode betrübt auf den kalten, harten Boden zu werfen.

Nein. Um ihn drei Minuten später mir unter meinen wackeligen, unsicheren Füßen lautstark wegzureißen.

Unerbittlich.

Ich kann nicht mehr. Und ich will so auch nicht mehr. Es zerfrisst mich innerlich wie ein vor sich hin waberndes, lautloses, aber immer präsentes schmerzhaftes Geschwür.

Das nur ich spüre.



Nun ist es an mir.

Schließlich gibt es wichtigere Dinge als die Liebe.

Meine Liebe.

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