Kroatien

"Weißt du, Liebes, da ist noch was, was mir Sorge bereitet. Bertie hat mich gestern in Massachusetts angerufen, weil jemand auf meinen Konten Millionenbeträge hin und herbucht." - "Bist du denn so reich?" - "Nein, Silvie, aber ich bin auch nicht arm. Meine Erfindungen und Patente bringen gutes Geld, aber ich krieg auf allen Konten zusammen noch keine ganze Million zu Wege. Die Frage ist, wer die Macht hat, mir nix-dir nix auf meinen Konten Beträge zu jonglieren und vor Allem: Wozu?" Bertie meint, dass ich ins Visier der Erdöl- und Energiemagnaten geraten bin. Und er hält das für eine reale Bedrohung. Er meint, dass die Lobby der Energiewirtschaft mit ernsthaften Konkurrenten nicht zimperlich umgeht. Aber lassen wir das jetzt. Bertie kümmert sich um meine Konten und wir müssen uns klar werden, was wir mit dem Wochenende anfangen. Wie und wo möchtet ihr das Wochenende verbringen?" - "Beides völlig egal, Hauptsache mit dir, mein Schatz!" - "Gut, dann pack deine Sachen und deinen Sohn. Wir fliegen nach Kroatien. Das Wetter wird übers Wochenende schlecht bei uns!" - "Waas?" - "Ein Geschäftsfreund von mir hat eine Privatmaschine in München stehen und fliegt heute Abend nach Pula. Er hat mir angeboten, für uns in Porec zwischenzulanden und uns dort am Sonntag Abend wieder abzuholen. Ich hab gestern noch mit ihm telefoniert, wir brauchen nur noch zuzusagen." - "Aber... Aber... "  - "Das freut mich, dass dir die Idee gefällt und ich bin sicher, Tommy gefällt das auch!" - "Ich bin noch nie in Urlaub gefahren!" - "Das ist kein Urlaub, das ist ein Ausflug. Mira hat eine schöne Suite für uns reserviert und wenn es euch dort gefällt, kann sie gleich für den nächsten Urlaub reservieren. Und? Was sagst du?" - "Ich liebe dich, mein verrückter Erfinder..." Sie trennten sich erst gegen vierzehn Uhr. Silvia fuhr gleich zu Omi und Tommy. Frau Weber freute sich für die beiden, war aber etwas enttäuscht, dass sie Michael dieses Wochenende wohl noch nicht kennenlernen würde.
Michael holte die beiden gegen siebzehn Uhr in Silvias Wohnung ab und fuhr mit ihnen nach München. Er hatte kaum Zeit gehabt, denn er hatte zu Hause nur schnell ein paar Sachen gepackt, das Auto gewechselt (Er war heute mit einem Mercedes gekommen) und war schon wieder aufgebrochen. Tommy freute sich voll auf das Meer und auf den Flug. Er konnte sich gar nicht mehr einkriegen, dass er mitfliegen durfte. Michaels Geschäftsfreund war ein freundlicher, sympatischer Mittvierziger, der sich gleich mit dem Vornamen als Alfred vorstellte und sie über das Fliegen ein Wenig aufklärte. "Alfred, ich möchte mich nochmals für dein Angebot bedanken. Du siehst ja, was der Junge für eine Freude hat. Die Landegebühren für Porec und den Sprit kannst du ohne Weiteres an mich weiter verrechnen." - "Mach dir keine Gedanken Michael. Ich muss von unten etwas mitnehmen, also ist es ein Botenflug und damit bereits bezahlt. Und außerdem bist du auch nicht zimperlich mit Preisnachlässen. Du hast mir kürzlich wirklich einen Gefallen getan als mein Geschäft so schlecht ging, aber jetzt läuft mein Laden wieder gut und ich freue mich, wenn ich mich mit dem Flug revanchieren kann!" - "Das ist nett von dir Alfred. Du weißt ja, mit dem Auto zahlt sich der Trip nicht aus..."
Das Flugzeug, ein zweimotoriger Tiefdecker war sechssitzig. Tommy durfte vorne beim Piloten sitzen und Michael setzte sich mit Silvia in die zweite Reihe, für ein verschmustes Pärchen ideal. Der Flug mit dieser Maschine war für alle ein absolutes Highlight. Tommy wäre am Liebsten gar nicht ausgestiegen, als sie knapp hinter Porec/Funtana landeten. Michael hatte kurz vor der Landung Mira angerufen. Mira war die Hauswirtin, die das Trio nun persönlich von dem kleinen Flugplatz abholte. Nachdem sie ausgestiegen war, ging sie auf Michael zu und umarmte ihn herzlich. "Schön, dass du wieder mal zu uns kommst, mein Junge!" Mira war um die fünfzig und sprach fast akzentfrei deutsch. Michael kannte sie seit seiner Kindheit. Sie hatte damals in Deutschland gelebt und mit seiner Mutter gearbeitet. Sie war immer für ihn da gewesen, im Gegensatz zu seiner eigenen Mutter, mit der er keinen Kontakt mehr pflegte. Er hatte diese Frau sehr gern, was man auf den ersten Blick erkennen konnte, weil beide feuchte Augen hatten, als er sich aus ihrer Umarmung löste, um ihr seine Begleiter vorzustellen. Silvia gefiel der offene Blick und der feste Händedruck dieser Frau, die Michael offenbar viel bedeutete. Sie begrüßte auch Tommy. Auch er schien diese Frau sofort zu mögen. "Michael, ich habe für euch meine allerschönste Suite gerichtet. Wenn ihr wollt, könnt ihr auf dem Balkon mit Meerblick frühstücken. Du kannst übrigens gern mit Mirkos Boot rausfahren, um deinen Lieben unsere schönen Inseln zu zeigen." - "Mira, du hast mich schon als Kind verwöhnt! Du hast mir gefehlt! Und ich fürchte, du wirst mir noch mehr fehlen, wenn wir wieder abgereist sind." - "Denk einfach nicht dran, ihr seid ja grade erst gekommen! Und ich möchte, dass du bald wiederkommst! Du weißt, in unserem Haus ist immer Platz für dich und deine Lieben." - "Ich weiß Mira. Und ich danke dir!"

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