Lauf nie wieder davon

BEN

„Shit, ich bin so ein Idiot" verfluchte ich mich selbst. Noch beschissener hätte das ja jetzt nicht laufen können, wäre ja auch zu einfach! Ich griff nach meinen Handy und rief Noah an „Hey Ben, was ist los?" fragte er „ich hab Mist gebaut, kann ich vorbei kommen?" Zwanzig Minuten später saß ich bei Noah und er holte uns gerade zwei Bier „also was ist passiert?" fragte Noah als er aus der Küche kam. „Meine Mutter war da und fing mal wieder mit dem Thema an und ich habe sie raus geschmissen als ich Ella in der Tür stehen sah und danach ist alles aus dem Ruder gelaufen" begann ich zu erklären, Noah sah mich fragend an „Und wo ist das Problem? Ihr streitet euch doch ständig". Meine Mutter war wirklich nicht mein Problem, auch wenn ich wegen ihr keine richtige Beziehungen einging, aber ich war auch nie ernsthaft daran interessiert gewesen. Aber Ella war anders ich wollte sie nicht verletzen und doch tat ich es ständig. „Ben bist du noch da?" holte Noah mich zurück „Was? ja... als meine Mutter gegangen war..." fuhr ich fort und erzählte ihm was geschehen war. „Und jetzt? Was willst du jetzt machen?" Tja wenn ich das wüsste, ich zuckte nur mit den Schultern. „Also wenn du mich fragst, solltest du mit Ella reden und ihr alles erklären. Du magst sie doch offensichtlich und ganz egal was ihr da am laufen habt solltest du dich entscheiden ob du das willst oder nicht und dann auch dazu stehen! Scheiß auf deine Mutter" teilte mir Noah seinen Standpunkt mit. Aus seinem Mund klang das alles so einfach und sicher hat er auch recht „So einfach ist das nicht Noah, egal wie ich zu ihr stehe es würde nicht funktionieren ich könnte sie nicht glücklich machen" ehrlich gesagt glaube ich auch nicht das sie überhaupt noch mit mir spricht. „Woher willst du das wissen, wenn du es nicht probierst? Wenn du nicht langsam anfängst deiner Mutter die Stirn zu bieten, bist du am Ende der einzige der nicht glücklich ist und das ist sie echt nicht wert." Wow, so offen hat Noah noch nie mit mir gesprochen, für gewöhnlich hört er zu oder macht blöde Späße.

Noah griff nach dem Controller und schaltete die Playstation ein, damit war das Thema für ihn beendet. Nach vier Stunden FIFA brachte ich meine Sachen in das Gästezimmer, da ich diesmal tatsächlich die nächste Zeit hier bleiben würde. Vielleicht sollte ich einfach hier einziehen und Ella vergessen. Ich brauchte Abstand zu Ella und zu meinen Gefühlen die ich nicht zuordnen konnte. Die nächsten Tage waren nicht die besten, Nachts träumte ich noch schlimmer als sonst, oder schlief gar nicht. Ich glaube ich sollte ein paar Dinge in meinem Leben klären, damit ich wieder klar komme. Und am besten fange ich bei Ella an, weil das doch am meisten an mir nagt. Aber was sollte ich ihr sagen, wie viel ihr erklären? Wenn sie wirklich was für mich empfindet, kann ich dann verlangen das sie sich meinem Leben und vor allen meiner Mutter stellt? Und was empfinde ich überhaupt für sie? Ich schnappte mir meine Laufschuhe um eine Runde durch den Park zu joggen. Damit ich den Kopf frei bekam, bevor ich mich auf den weg zu Ella begeben würde. Ich lief durch den Citypark und war mit meinen Kräften bereits ziemlich am Ende, ich versuchte Zeit zu schinden das war mir durchaus bewusst. Wem mache ich eigentlich etwas vor, ich habe gar nicht den Mut mich Ella gegenüber zu öffnen. Es ist Mitte Juli und die Sonne schien der Welt beweisen zu wollen das sie uns alle Grillen könnte, wenn sie wollte. Der Schweiß lief mir übers Gesicht, ich zog mein Shirt aus und tauchte es in den Brunnen um mich damit abzukühlen. Ich rang das Shirt aus und zog es mir wieder über. Ich genoss die Abkühlung und ließ meinen Blick durch den Park schweifen. Überall waren Leute zusehen, das wilde treiben sah aus wie aus einem Kinderbuch, die reinste Idylle zu mindestens auf den ersten Blick. Denn sieht man etwas genauer hin, erkennt man anhand der Gestik das nicht alles perfekt ist. Ein Mann sieht gestresst aus, während er wild mit den Armen gestikuliert und in sein Headset spricht. Das Paar auf der Bank wirkt bei näherer Betrachtung auch nicht mehr ganz so verliebt. Mein Blick stoppt an zwei Frauen die auf einer geblümten Decke liegen und einen Picknickkorb bei sich hatten.

ELLA

Es war ein wunderschöner Tag und ich beschloss mit Anna in den Citypark zu gehen um zu picknicken. Wir lagen auf der Decke und genossen die Sonne, wie viele andere auch. Ich schaute durch den Park und sah eine Gruppe die Fußball spielten eine andere Gruppe schien Karten zu spielen. Mein Blick viel auf den Brunnen und auf den Typen der gerade davor stand und sein Shirt auszog um es dann in den Brunnen zu tauchen, er war recht trainiert und sah aus als wäre er zum joggen hier. Ich konnte meinen Blick nicht von ihm lösen und dachte sofort an Ben, an seine Lippen und das Gefühl wie sein Körper sich an meinen presste. Ben war seit ein paar Tagen wie vom Erdboden verschluckt, aber ich hatte auch nichts anderes erwartet. Im davon laufen war er einsame Spitze. Langsam drehte sich der Typ am Brunnen in meine Richtung. „Mist" fluchte ich, als ich Ben erkannte „Was ist denn los, hast du einen Geist gesehen? Du bist ganz blass!" fragte Anna mich überrascht. „Wenn man Ben als Geist bezeichnen kann, dann habe ich wohl soeben einen gesehen" sagte ich und deutete unauffällig in seine Richtung „Oh!" gab Anna von sich, ich hatte ihr natürlich erzählt was passiert war und sie war außer sich vor Wut gewesen. Ich hoffe sie zerfleischt ihn nicht, denn er scheint auf uns zu zukommen. Hat er uns entdeckt? „Anna er kommt auf uns zu, bitte bekomme keinen Anfall und schreie den ganzen Park zusammen" bat ich sie, denn ihr Temperament war mir bereits bekannt. Ben schien uns tatsächlich entdeckt zu haben, denn er wirkte verkrampft und etwas unsicher. „Ella ich kann dir nichts versprechen, ich hoffe für ihn das er eine gute Erklärung hat" das hoffe ich auch. Denn auf seine schwachen Ausreden hatte ich keine Lust, ich wollte richtige Antworten und vor allem wollte ich das er aufhört davon zu laufen. Um so näher er uns kam um so mehr beschleunigte sich mein Puls. Die letzten Tage hatte ich mir immer wieder vorgestellt, was ich ihm sagen würde wenn er vor mir steht. Doch nun schwindet mein Mut mit jedem Meter den er uns näher kam.

BEN

Das war echt nicht mein Tag, wir leben in einer riesigen Stadt und ich treffe auf Ella?! Sie sitzt mit Anna auf der geblümten Decke und sieht genau in meine Richtung, hat sie mich entdeckt? Und was mache ich jetzt? Am besten ich haue ab, aber Noah hat Recht wem mache ich hier eigentlich etwas vor? Ich fühle mich von Ella angezogen wie ein Metallstück zu einem Magneten und schaffe es nicht meine Finger von ihr zu lassen, also würde wegrennen auf Dauer nicht funktionieren. Bei ihr hab ich das Gefühl, alles wäre möglich. Ich hatte sowieso vor mit ihr zu reden, also warum es noch länger aufschieben. Ich weiß nicht genau was ich mir von diesem Gespräch erhoffe. Ich will Ellas nähe, ich weiß nur nicht ob ich ihr das geben kann was sie sich von mir erhofft. Ich nahm meinem Mut zusammen und lief zielstrebig auf Ella zu. Ich würde das jetzt klären und hoffentlich gibt sie mir eine Chance dazu. Um so näher ich ihr kam um so nervöser wurde ich, vielleicht hätte ich mir vorher ein paar anständige Sätze zurecht legen sollen. Ella sieht nun direkt in meine Richtung. Sie hat mich ebenfalls entdeckt, also umdrehen kommt jetzt nicht mehr in Frage, ich bezweifle das sie mir glauben würde, wenn ich behaupten würde ich hätte sie bei den vielen Menschen nicht gesehen. Als ich sie fast erreicht hatte sah ich ihren ausdruckslosen Blick und wollte schon fast einen Rückzieher machen. Ich hatte sie verletzt und das ist mir durchaus bewusst, jetzt fürchtete ich mich vor der Konsequenz die Ella aus meinem Verhalten ziehen könnte. Ich atmete tief durch und suchte ihren Blick, ich stellte mich genau vor sie. Ella schaute erwartungsvoll zu mir rauf.

„Hi" sagte ich und auch Anna sah mich jetzt an, allerdings wirkte sie nicht sehr erfreut mich zu sehen, Ella hatte ihr wohl einiges erzählt. „Hey" antwortete Ella und in ihrem Ton schwang die Frage >was willst du?< deutlich mit. „Können wir reden? Bitte" bat ich sie. „Ich wüsste nicht worüber, du hast bereits alles gesagt und wie du siehst ist es gerade eher ungünstig". Bähm!! das nenne ich eine Abfuhr, aber die habe ich verdient „Ach schon okay, ich wollte mich sowieso noch mit Jan treffen" quatschte Anna dazwischen, Ella sah sie verwirrt an, half Anna mir etwa gerade? Im nächsten Moment stand Anna auf und nahm ihre Tasche um zu gehen. Sie blieb auf meiner Höhe stehen und flüsterte mir ins Ohr „Wenn du sie noch einmal verletzt, mache ich dich fertig" und ich hatte keinen Zweifel daran das sie das ernst meinte. Danach ließ sie uns allein. Ich sah Ella an und suchte nach den richtigen Worten doch Ella war schneller.

ELLA

Tolle Freundin, das kann doch nicht ihr ernst sein das sie mich hier mit ihm allein lässt. Ben sieht mich an als suche er nach den richtigen Worten. Eigentlich wollte ich gar nicht wissen was er mir zu sagen hatte, denn ich hatte keine Lust mehr auf dieses hin und her. Deswegen fing ich das Gespräch an „Also Ben, hör zu ich habe keine Lust auf deine Spielchen. Du kannst mich nicht wegstoßen und dann wieder ankommen um die Nähe zu mir suchen, du verletzt mich damit! Denn im Gegensatz zu dir bin ich der Meinung das da zwischen uns etwas ist, auch wenn ich nicht genau weiß was. Da du das allerdings anders siehst bin ich der Meinung das wir uns nicht mehr sehen sollten und deshalb habe ich meinen Dad gebeten, das er mir eine kleine Wohnung in der Nähe der Uni besorgt." Ben sah mich mit großen Augen an „Du musst nicht ausziehen, wir können doch..." ich hob abwehrend die Hand und ließ ihn nicht ausreden „Nein können wir nicht, denn du willst mich nicht und ich kann mich nicht von dir fernhalten." So nun war es raus, aber ich würde ihn eh nur noch in der Uni sehen sobald ich ausgezogen war und bis dahin könnte er ja vielleicht bei Freunden wohnen. Ben setzte sich neben mich und sah auf seine Füße. „Das stimmt nicht" sagte er leise. Was wird das denn jetzt? Was stimmt nicht? Mein Herz klopfte als würde es jeden Moment aus meiner Brust springen, ich hoffe das er nicht merkt wie nervös ich plötzlich war.

BEN

Wie kann sie denken das ich sie nicht will, ich dachte das wäre auf dem Sofa mehr als offensichtlich gewesen. Ich weiß das ich hier einen riesigen Fehler mache, ich sollte mich von ihr fernhalten, ihr sagen das ich kein Interesse an ihr habe. Aber ich kann nicht anders, ich will Ella und zwar jeden Zentimeter von ihr. „Das stimmt nicht" sagte ich in der Hoffnung das sie mich verstand, tat sie natürlich nicht, oder sie wollte es nicht. „Was stimmt nicht?" fragte sie, was soll ich jetzt sagen, wie wäre es mit der Wahrheit du Idiot! „Das ich dich nicht will" sagte ich so leise das ich befürchtete das sie mich gar nicht hörte. Ella riss die Augen auf und sah mich an „Wie meinst du das?" sie war sichtlich verwirrt, ich zwang mich sie anzusehen „Ich weiß ich bin ein Idiot und ich hoffe du gibst mir eine Chance dir zu beweisen das ich es ernst meine, Ella ich will mit dir zusammen sein, ich habe versucht mich von dir fern zu halten aber ich kann es nicht. Meine Gedanken kreisen nur noch um dich und es treibt mich in den Wahnsinn, wenn ich nicht in deiner Nähe bin" sagte ich und es war die Wahrheit „Ben wie stellst du dir das denn vor? Wenn du jedes mal davon läufst sobald wir uns näher kommen" in ihren Augen sah ich Hoffnung. „Ich weiß es nicht, es wird nicht einfach aber ich will nicht ohne dich sein! Ich verstehe das du Angst hast, aber bitte gib mir eine Chance ich kann dir nichts versprechen. Für mich sind diese Gefühlen völlig neu und ich habe keine Ahnung wie ich mit ihnen umgehen soll" Ella lächelte mich an und legte ihren Kopf an meine nasse Brust. Ich legte ihr einen Arm um die Schultern und zog sie näher zu mir heran, ich schien tatsächlich mal etwas richtig gemacht zu haben „Lauf nie wieder davon Ben!" das war keine Bitte, dafür lag zu viel Nachdruck in ihren Worten. Ich konnte es ihr nicht versprechen, weil ich mir selbst nicht traute, aber ich würde es versuchen.


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