Leben

Ich wache auf, doch ich bin zu erschöpft um die Augen zu öffnen. Mindestens eine Sonne steht bereits hoch am Himmel und es hat die ganze Nacht wohl keinen Tropfen geregnet. Meine Lippen sind spröde und kleben aneinander, mein Magen ist leer, und an meinen Haaren zieht etwas.

Moment, was zieht da an meinen Haaren?!

Ich reiße die Augen auf und wische etwas von meinem Kopf, was sich wie ein kleine Gruppe Insekten anfühlt.

Beinahe wäre ich dem Impuls gefolgt, aufzuspringen, da bemerkte etwas seltsames auf dem Teil meines Körpers, der aus dem Wasser ragt - es hatte sich über Nacht eine zentimeterdicke, schlamm-ähnliche Kruste auf meiner Haut gebildet, die inzwischen von der Sonne hart gebrannt worden war.

Auf dieser Kruste waren offenbar eine Reihe kleiner Gebilde entstanden, welche nun die Form von kleinen Türmchen, Hügeln und Höhlen haben.

Dazwischen befinden sich - und bei dieser Entdeckung schlägt mir das Herz bis zum Hals - viele kleine, lebendige Wesen. Sie sind winzig, nicht größer als der Nagel meines kleinen Fingers. Und was immer sie sind... sie wirken nicht wie Insekten.

Vielmehr scheint es sich um eine winzige, humanoide Lebensform zu handeln, die man trotz vieler sehr offensichtlicher Unterschiede auf den ersten Blick für kleine Menschen hätte halten können.

Doch nicht nur ich bin wie gelähmt vom Schreck dieser Entdeckung - Mein plötzliches Erwachen scheint auch bei den kleinen Wesen eine regelrechte Panik ausgelöst zu haben.

Sie rennen wie wild durcheinander, die einen verkriechen sich in ihren den auf mir gebauten Höhlen, andere springen Hals über Kopf ins Wasser, wiederum andere scheinen sich auf den Boden zu werfen und mich... anzubeten? Eine zugegeben nicht ganz unangemessene Reaktion, wenn die vermeintliche Insel, auf der man sein kleines Heim errichtet, aus heiterem Himmel zum Leben erwacht.

An meinem Knie ist etwas festgebunden, das auf den ersten Blick wie ein Miniatur-Schiff aussieht, welches nur aus kleinen Zweigen und Pflanzenfasern zusammengebastelt worden war. Die meisten der Kreaturen haben sich so schnell sie konnten dorthin zurückgezogen.

Als sie die dünnen Leinen kappen und ihr Schiff gerade beginnt, von mir wegzutreiben, hebe ich meine Hand und greife danach, wobei ein paar der auf meiner Schulter errichteten Gebäude zerbröckeln und ins Wasser fallen.

»Nicht so schnell, ihr kleinen Racker«, sage ich, während ich vorsichtig ihr Schiffchen aus dem Wasser hebe, um es etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. »Ich werd' euch schon nicht gleich auffressen«  

Comments

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    Spannende Geschichte und wie immer ganz toll geschrieben! Ich hoffe, da kommt noch mehr ;)

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    Gulivers Reisen, lässt grüssen ;-) Toll geschrieben! Aber das sind wir uns von unserer Meg auch nicht anders gewöhnt! :-)

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    Sehr interessant, bin gespannt wie es weiter geht :-)

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    Wow! Echt super!

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