Leonora

Avery schaute ihn an, als hätte er gesagt, dass Elefanten fliegen können. "So ein Unsinn! Schaut mich an, ich bin ein Nicht's. Niemand beachtet mich. Ihr irrt euch!" Ihre Stimme war lauter geworden als beabsichtigt. Kelsey zuckte überrascht zusammen.

"Unwahrscheinlich. Unsere Mutter leitet den Lichten-Zirkel, also sind wir quasi Königskinder. Deshalb wurden wir an diese Schule geschickt. Normalerweise haben Unseresgleichen eine eigene Schule. Der Zirkel sucht schon seit 10 Jahren nach dir. Seit es die Prophezeiung gibt. Du kannst was sonst keiner kann und wir haben dich geholt, um dich zu beschützen." Nate's Stimme wurde immer leidenschaftlicher. Man könnte meinen er hält eine weltbewegende Ansprache. Vermutlich war es auch genau das für ihn.

 "Wenn ich angeblich so mächtig bin, dann müsst ihr mich doch nicht beschützen!" Sie konnte, nein wollte einfach nicht glauben, was ihr da aufgezwungen wurde. "Sicher, aber bis du alle deine Gaben vollständig ausschöpfen kannst, musst du üben und das geht nur an Dreamschool!" Sie runzelte die Stirn. "Dreamschool? Sehr einfallsreich." verächtlich betrachtete sie die zwei Personen vor ihr und versuchte abzuwägen, in wie weit sie ihnen trauen konnte.

"Die Schule gibt es bereits seit tausenden von Jahren, also haben die Menschen damals einfach den Namen genommen, den man sich am Besten merken konnte. Jedenfalls musst du mit uns dorthin!" sagte Nate nüchtern.

Avery musste missbilligend lachen. "Wie soll das gehen? Selbst wenn ich die bin, die in eurer Prophezeiung gemeint ist, was ich nicht bin, kann ich meine Eltern nie dazu bringen, mich auf diese Schule zu lassen. Und ganz nebenbei seit ihr gerade erst auf unsere Schule gekommen. Wie wollt ihr den erneuten Wechsel, nach einem Tag, erklären?"

Kelsey war offenbar wieder aufgetaut. "Mach dir da mal keine Sorgen. Unsere Mutter besitzt die Gabe, die Leute von etwas zu überzeugen. Praktisch zu manipulieren."

"Dann wollt ihr meine Eltern manipulieren mich auf diese Dreamschool zu schicken und die ganze Schule euch zu vergessen?" Beide nickten, als wäre es das normalste auf der Welt.

"Man spielt nicht in den Köpfen von anderen herum!" Sie hatte plötzlich das Gefühl, sie müsste Moralapostel spielen.

"Ja... natürlich, aber was sollen wir anderes tun. Auf die Schnelle können wir uns keine glaubwürdige Geschichte ausdenken." Kelsey tippte nervös mit einem Finger auf dem Tisch.

"Man Kels was ist los? Hast du Hummeln im Arsch?" Nate fuhr sie genervt an.

"Tut mir Leid..." schlagartig hielt sie alles still.  

Nate schaute auf einmal auf und blickte zur Tür, wie ein Reh, das im Wald ein Geräusch hört. "Mutter kommt!"

Kelsey sprang auf und schwang kurz die Hand durch die Luft. Ein leises Klick verriet Avery, dass die Tür nun wieder offen war. Kurz überlegte sie ob sie aufstehen und wegrennen sollte, besannte sich dann aber eines Besseren. Keine fünf Herzschläge später schwang die Doppeltür zur Küche auf und eine große, schlanke Frau trat herein. Sie hatte langes blondes Haar, hellblaue Augen, die so hell waren wie ein Sommerhimmel und ein freundliches Lächeln. Unter ihren Augen bildeten sich kleine Lachfältchen, was sie nur noch hübscher machte. Sie strahlte etwas magisches aus.

Kurz schaute sie verwirrt auf die Szene, die sich ihr bot. Dann lächelte sie ihre Kinder an: "Wie ich sehe haben wir Besuch." Ihre Stimme klang so ruhig und seidig. Avery wollte ihr einfach nur lauschen.

"Mutter, das ist Avery!" Die Zwillinge waren ein Stück zurück getreten.

Ihre Mutter bewegte sich langsam auf sie zu. Avery stand auf. Sie fand es unhöflich zu sitzen, während jemand vor ihr stand und auf die herab sah.

"Mein Kind, ich bin Leonora. Es freut mich dich kennenzulernen." Sie ergriff ihre Hand. Ihre hellen blauen Augen leuchteten und durchbohrten sie förmlich. Avery erwiderte den Händedruck und spürte, dass Leonora eine kühle Haut hatte. Hätte sie sich auch denken können. Leonora war so blass, dass man fast die Adern durchsehen konnte.

"Wie lautet dein vollständiger Name Avery?"

Wie, als stünde sie unter Drogen antwortete sie träge: "Avery Cox."

Leonora lies ihren Blick los und schaute zu ihren Kindern. Erleichtert atmete sie aus. Wahrlich, Leonora konnte manipulieren.

"Siehst du!" Nate grinste. "Wir sagten die Wahrheit."

"Nate, Liebes, halte dich aus den Gedanken von Avery raus!" Leonora's Stimme war sanft, aber mit einer merkwürdigen Bestimmtheit. Dann wandte sie sich wieder an Avery. "Wie ich merke, haben meine Kinder dir bereits alles erklärt. Wir können dich nicht zwingen mitzukommen, dennoch wäre es sinnvoll! Was denkst du? Was soll jetzt geschehen?"

Avery wusste, dass sie recht hatte. Sie vertraute ihr, genauso wie ihren Kindern jetzt. Sie glaubte was sie sagten, bis auf die Tatsache, sie sei allmächtig. "Ich werde mitkommen!"

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