Er wusste nicht wie es dazu gekommen war. Klar war nur, sie hatten es getan. Sie hatten Sex miteinander gehabt. Was war dabei? Könnte man denken, wenn sie keine Brüder wären. Doch das waren sie nun mal. Sie waren Brüder und nun war geschehen, was niemals hätte passieren dürfen. Was hatten sie nur getan? Diese Frage ging Torben nun schon seit Stunden durch den Kopf. Kein Wort hatten sie miteinander gesprochen seit der letzten Nacht. Nicht mal angesehen hatte Mark ihn. Er ging ihm ganz eindeutig aus dem Weg. Jetzt saßen sie in Marks Auto und starrten beide stur geradeaus auf die Straße. Irgendwann mussten sie doch miteinander reden.

In der vergangenen Nacht hatten sie mal wieder in einem Motel irgendwo am Rande eines kleinen Kaffs halt gemacht. Sie mussten schließlich irgendwo übernachten. Nächte im Auto kannten sie nämlich nur all zu gut. Das brachte ihr Job mit sich. Als Geisterjäger wurde man leider selten bezahlt. Die meisten Menschen glaubten nämlich weder an Geister und Dämonen, noch an andere übernatürliche Wesen, wie Vampire oder Guhle. Dennoch hatten es sich die Dunkens schon vor Jahrzehnten zur Aufgabe gemacht eben jene Wesen zur Strecke zu bringen. Schon Torbens Ur-Ur-Großvater jagte diese übernatürlichen Kreaturen. Irgendjemand musste es ja schließlich tun. Es starben immerhin Menschen wegen diesen Mistviechern. So war es auch nicht verwunderlich, dass Torben und sein älterer Bruder Mark sich der Jagd nach dem Übernatürlichem ebenso verschrieben hatten, wie schon ihr Vater, Großvater, Ur-Großvater und Ur-Ur-Großvater. Sie waren echte Dunkens und sie waren verdammt stolz darauf! Selbst, wenn man sie für verrückt hielt und selbst wenn sie nicht bezahlt wurden und deshalb durch Kreditkartenbetrug ihr Leben finanzieren mussten. Sie würden weiter machen. Sie würden kämpfen. Für sich selbst, für ihre Familie, ihre Freunde und für alle Anderen. Bis es sie irgendwann umbringen würde. Und das würde es sie zweifelsohne. Irgendwann.

Jedenfalls, in dieser Nacht, die auf einen Tag folgte an dem, Mark mal wieder einen hohen Alkoholpegel auf Dauer hielt, hatte Torben es wohl irgendwie geschafft seinen Bruder so lange zu reizen bis... nun ja, bis sie miteinander im Bett gelandet waren. Das er das irgendwann schaffen würde, hätte ihm eigentlich klar sein müssen. Immerhin hatte sein Bruder, seit dem Tod ihrer kleinen Schwester, ein nicht zu unterschätzendes Alkohol Problem. Kein Wunder, wenn er so darüber nachdachte. Immerhin machte er sich wegen Linas Tod immer noch Vorwürfe. Nicht nur er um genau zu sein. Selbst ihr gemeinsamer Vater, war der felsenfesten Überzeugung er wäre Schuld an ihrem Ertrinken. Eigentlich dachte das die ganze Familie. Nur er nicht. Nicht Torben. Er glaubte an seinen großen Bruder. Er hatte immer an ihn geglaubt. Und selbst wenn er es nicht tun würde, so wusste er es besser. Mark konnte nichts für den Tod ihrer einzigen Schwester. Nicht dafür und auch nicht an dem Selbstmord ihrer Mutter. Sie hatte einfach den Tod ihrer geliebten Tochter nicht verkraftet. Nach dem Tod ihrer Mutter hatten die beiden Dunkenbrüder nichts mehr, was sie noch zu Hause hielt. Also zogen sie los um zu jagen. Genau wie ihr Vater vor ihnen. Heimatlos und ohne jegliche finanzielle Mittel. Doch all das war jetzt nicht wichtig.

Torben gab sich einen Ruck. Er räusperte sich. "Mark." Stille. Wenn Torben ehrlich zu sich selbst war, hatte er auch nichts anderes erwartet. "Mark", versuchte er es wieder. Diesmal lauter. Mark drehte das Radio auf. Das konnte doch wohl nicht sein Ernst sein! Hatte er etwa vor, ihn den Rest ihres Lebens zu ignorieren? Torben versetzte der Gedanke einen Stich. Er schluckte. Doch er fasste einen Entschluss. Er würde die Sache jetzt klären. Das war Mark ihm schuldig! Immerhin ging die Sache von ihm aus. Ja, sie hatten beide getrunken, aber geküsst hatte er ihn!

Torben konnte noch immer Marks Lippen spüren, die sich sanft gegen die Seinen bewegten. Seine Zunge die sich einen Weg zwischen sie bahnte. Die, die Seine anstupste, forderte. Er konnte ihn immer noch schmecken. "Mark, verdammt!", rief Torben und drehte die Musik aus. "Wir müssen darüber reden, was passiert ist!" Sein Bruder fuhr den Wagen an den Straßenrand und blieb mit quietschenden Reifen stehen. Dann drehte er sich schnaubend zu dem Jüngeren. "Du willst allen Ernstes darüber reden? Torben. Wir sind Brüder verdammt nochmal! Es ist NICHTS geschehen! Überhaupt nichts!" Der große Blonde stieg aus dem Wagen aus. Torben tat es ihm gleich, bevor er, wütend über die Naivität seines Bruders die Autotür zu schlug und ihn fast schon anbrüllte. "Das nennst du nichts? Ich versteh dich nicht, Mark! Erst fällst du in der vergangenen Nacht fast über mich her und dann tust du so als wäre nichts gewesen, ignorierst mich aber den ganzen Tag über! Ich weiß nicht, was in deinem kranken Hirn vor sich geht, aber um es dir begreiflich zu machen, sage ich es dir gerne ganz deutlich, damit dir die Lage, in der wir uns grade befinden bewusst wird. Du hast mich gevögelt! Deinen eigenen Bruder!"

Mark hatte ihn berührt. Überall. Seine Hände und Finger an Stellen an Torbens Körper gehabt, die selbst er kaum berührte. Und schließlich war er in ihm eingedrungen. Marks harter Schwanz hatte sich tief in sein Inneres geschoben. In ihn gestoßen. Ihn zum Schreien gebracht. Die Erinnerungen waren noch zu frisch. Zu Intensiv. Mark stützte sich auf das Autodach. Er seufzte tief, bevor er leise zum Sprechen ansetzte. "Torb, ich ... Gott, ich kann das nicht. Bitte Torben, zwing mich nicht dazu darüber nachzudenken. Darüber zu reden. Ich...Ich kann nicht." Torben starrte ihn an. Er musste es sich eingestehen. Das Mark nicht darüber reden wollte, oder konnte, versetzte ihm einen Schlag. Denn er, Torben, musste darüber Reden. Verdammt nochmal, das was passiert war, hatte sich so richtig angefühlt! Und er war in dieser Nacht so unendlich glücklich, als er in den Armen seines Bruders lag. Er hegte schon lange heimliche Gefühle für den Älteren. Verbotene Gefühle. Er hatte lange genug versucht sie zu unterdrücken. Lange genug um zu verstehen, dass er sie nicht unterdrücken konnte. Jede noch so simple Berührung, ob nun beabsichtigt oder nicht, jedes Lächeln, dass Mark ihm zu warf, ließ Torbens Herz schneller schlagen und seinen Puls rasen.

Er erinnerte sich noch bildhaft, an die Zeit in der alles begann. So lange war es her und dennoch wusste er genau, wie er sich damals gefühlt hatte. In seinem letzten Jahr an der Oberschule. Mark ging damals schon zur Uni. Torben ging morgens los zur Schule und wenn er Glück hatte, was meistens der Fall war, dann nahm ihn sein großer Bruder mit dem Auto mit. Er hatte den Wagen von ihrem Großvater geerbt und war sehr stolz darauf. Er lies kaum jemanden mitfahren, aber Torben durfte immer mit. Das war ein Privileg, dass er für sich beanspruchte. Und er freute sich jedes Mal tierisch, wenn Mark für ihn die Autotür öffnete und sie ihm aufhielt, wie für ein schönes Mädchen. Manchmal machte er einen Knicks bevor er einstieg. Nur so als Gag. Mark lachte jedes mal. Es war diese Lachen, dass ihn an diesem Morgen verzauberte. Ihm war einfach nie zuvor aufgefallen, wie schön es war. Doch das war es. Es war das schönste Lachen, das er je gehört hatte. Und immer wenn, Mark lachte strahlten seine Augen, wie tausend Sterne.Vorher, war es ihm nie aufgefallen. Jetzt jedes mal. Ohne, dass Torben es bewusst war, verliebte er sich Stück für Stück. Erst in dieses Lachen, dann in Marks Augen. Und irgendwann in den ganzen Mann.

Torben drehte sich um. Ging ein paar Schritte in das nahegelegene Waldstück. Marks Blick in seinem Rücken. Der nächste Baum war dazu auserwählt Tritte und Schläge einzustecken und der nächste Busch musste Torbens Erbrochenes ertragen. Schließlich lehnte er an einem Baum und versuchte krampfhaft die Tränen zu unterdrücken. Er zitterte. Es schüttelte ihn förmlich. Dann vernahm er Schritte hinter sich. Er sah nicht auf. Nicht einmal als Mark ihn sanft in seine Arme zog und ihn fest an sich drückte.

"Gott, Torb was soll ich denn sagen? Was willst du hören?" Fragte Mark leise, fast flüsternd. Der Kleinere schluchzte. Er klammerte sich fester an den großen Bruder, der ihn immer beschützt hatte. Schon als er ein kleiner Junge war. Er hatte ihn damals , beim Brand in ihrem Ferienhaus aus dem Brennenden Haus getragen. Ihn fest an sich gedrückt und hatte ihn selbst Stunden später nicht loslassen wollen. Er war noch ganz klein gewesen. Vielleicht 3 oder 4. Der Brandt hatte sich schnell im ganzen Haus ausgebreitet. Die Brandursache konnte nie geklärt werden. Mark hatte ihn bestimmt hunderte Male von Dämonen, Vampiren und anderem gerettet. Er war immer da gewesen. Sein Beschützer. Sein Bruder. Seine Familie.

Torben fühlte sich so schuldig. So unendlich schuldig.Er hatte in der vergangenen Nacht auch getrunken. Aber so betrunken war er nicht gewesen. Nicht genug um es auf den Alkohol schieben zu können jedenfalls. Es war alles seine Schuld. Als er gemerkt hatte wie der Alkohol, den sein Bruder, seit dem frühen Nachmittag in sich rein geschüttete hatte, seine Wirkung zeigte, hatte er es einfach ausgenutzt. Hatte sich Mut angetrunken und ging dann in die Offensive. Er hatte es förmlich darauf angelegt. Wenn auch nicht allzu bewusst. Jetzt Mark die Schuld zu zu weisen war nicht richtig.

Er würde so etwas niemals tun, hatte Torben gedacht. Nicht Mark, der große Frauenheld. Und dann hatte er ihn doch dazu getrieben. Hatte ihn solange gereizt, bis er auf seine Avancen eingegangen war. Verdammt, er musste das wieder grade biegen! Er konnte nicht zulassen, dass auf Grund seiner Fehler das gute Verhältnis zwischen ihm und Mark zerbrach. Das war einfach schon zu oft geschehen. Zu oft hatte er ihn enttäuscht.

Als Lina damals starb, hatte nicht nur Marks damit zu kämpfen. Auch ihre Elten hatten Probleme. Sie stritten sich ständig und all das belastete Torben. Es belastete ihn so sehr, dass er begann Drogen zu nehmen. Irgendwann erwischte ihn Mark in einer eindeutigen Situation. Er schrie ihn an und trotzdem erzählte er es nicht ihren Eltern. Unter einer Bedingung. Er würde sofort mit den Drogen aufhören. Aber Mark konnte nicht. Zu sehr lenkten ihn die Drogen von dem Kleinkrieg zu Hause ab und vor seiner Trauer. Als ihn Mark ein weiteres Mal erwischte, sagte er gar nichts mehr. Aber der Schmerz der Enttäuschung stand ihm ins Gesicht geschrieben.

Torben versuchte sich aus Marks Umklammerung zu lösen. Sich zu befreien. Doch dieser hielt ihn fest. "Mark", versuchte es Torben. "Mark, lass mich! Ich kann das jetzt nicht. Nicht nach dem was passiert ist. Mark!" Doch Mark hielt ihn noch immer. "Nein, Torben. Du wolltest reden, also reden wir. Du hast Recht. Wir können das nicht so stehen lassen. Ich hätte das nicht zulassen dürfen. Es tut mir leid, Torb! Es tut mir so unendlich leid, kleiner Bruder." "Was?" Torben löste sich nun mit sanfter Gewalt von dem Älteren. Er brachte ein paar Schritte Abstand zwischen sie. "Aber du bist doch gar nicht Schuld! Du warst betrunken, Mark. Ich hab es ausgenutzt. Ich habe mich von meinen Kranken Gefühlen leiten lassen. Ich war so dumm. Es hätte mir klar sein müssen, dass ich damit alles kaputt mache. Es tut mir leid." Torben wurde immer leiser während er sprach. Zum Schluss waren seine Worte nur noch ein Flüstern. Ein Hauchen im Wind. Kaum hörbar.

Comments

beta
Fairy Dust

Navigation

Languages

Social Media