Kurz nach vier Uhr am Morgen fahren die wenigsten Autos unsere Straße hinab, das habe ich letzten Sommer festgestellt.
Ich fühle mich so zurückversetzt in diese Zeit voller Sonne, Schweiß und Glück. Als ich genauso viel Zeit hatte wie jetzt, aber doch so viel mehr.
Mein Blick richtet sich durch das offene Fenster, mein Mund öffnet sich, doch die Luft ist nicht kühl genug um mich zu erfrischen.
Der Himmel blasshell, zwar ist es erst kurz nach um zwei in der Nacht, doch das einzige das ich höre, über dem vertrauten Rauschen der Stadt, das sind Deine ruhigen Atemzüge neben mir. 
Ich drehe den Kopf und betrachte Dich.
Die dunklen Brauen, die vollen Wimpern. Sommersprossen auf den hellen Wangen und der leicht geöffnete Mund. Das hellblonde Haar unordentlich, trotzdem bist Du wunderschön; oder deshalb. Diese Haut, die einlädt zum liebkosen.
Es ist ein so angenehmes und wärmendes des Gefühl, jemanden neben sich liegen zu haben. Den man schätzt und kennt und wahnsinnig gern hat. Es ist ein so atemraubendes Gefühl, Dich neben mir liegen zu haben.
Ohne zu zögern würde ich Dir mein Leben in die Hände geben, es hätte kaum einen Sinn ohne Dich.
Trotzdem fühle ich mich oft so leer oder halb. Es fehlt etwas in mir um mich komplett zu erfüllen, oder es ist etwas zu viel. Ich weiß es nicht.
Du könntest mir sicher gut darauf antworten. Mut machen, etwas schlaues sagen. Gefühle in Worte fassen, wie Du es so oft tust. 
Es ist nicht Deine Schuld, wenn ich mich nicht wohl fühle. Ich versuche dagegen anzukämpfen, gegen diese Unzufriedenheit nach einiger Zeit. Diesen Hunger nach Einsamkeit, oder besser: danach, allein zu sein mit mir.
Es gehört sicher genauso zu mir wie zu jedem anderen Menschen, doch bring ich es nicht über die Lippen.
Dir zu sagen, dass ich Deine 
Nähe manchmal einfach nicht ertragen kann. 
Ich habe Angst ich könnte Dich verletzen, und das möchte ich nicht. Lieber ertrage ich dann und wann diese seltsame Befangenheit, als dass ich zuließe Dir Schmerzen zu bereiten; und sei es nur ein kleiner Stich.
Gibt es denn nicht diese Menschen, mit denen man jede Sekunde teilen möchte? Ist das denn nicht die romantische Vorstellung von 'wahrer Liebe'?
Leise schlüpfe ich aus dem Bett, darauf bedacht, weder Geräusche zu machen, noch Dich zu berühren. Ich möchte nicht, dass Du aufwachst.
In der Küche fülle ich kaltes Wasser in ein warmes Glas. 
Sanft und kühl umspielt es meine Hand, als ich sie unter den Strahl halte.
Gierige Schlucke, als ich das Gefäß zum Mund führe.
Wie könnten zwei Leben zu einem verschmelzen, wenn eines immerzu leicht entrückt wäre? Wenn man nur allzu wenig miteinander teilen kann, geschweige denn Zeit.
Ich spüre, wie die Flüssigkeit meinen Rachen hinunter fließt.
Ich fühle mich verloren in dieser​ Welt aus Liebe; in diesem Leben, das von Gemeinschaft bedeckt wird wie Efeu eine Hauswand erobert.
Du bist mir sehr wichtig, doch Zuneigung lässt sich nicht in Stunden messen.
Meine nackten Füße schleichen über die Dielen und zurück zwischen die Decken.
Ich blicke auf die weiße Wand über mir, die Kirchglocken höre ich halb drei schlagen.
Meine Gedanken rauben mir den Schlaf.
Ich wende mich zur Seite und sehe Dein ruhiges Gesicht, in dem sich diese zarten Nasenflügel leicht aufblähen und wieder zurücksinken.
Meine Finger wandern sacht über Deine Wangen und ich spüre Deine weiche, sanfte Haut. Während mein Kopf zu laut ist, bist Du schon längst in Deinem Kosmos aus Träumen verschwunden.
Unwillkürlich beginnt mein Mund zu lächeln. Über meinen ganzen Gedanken vergesse ich manchmal wie schön Du doch bist.
Und egal was ich für Allüren habe, ich bin doch so froh Dich bei mir zu haben.

Comments

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    Liebe Dauphin, ich weiß aus eigener Erfahrung wie Du dich fühlst. Es ist das Streben nach der vollkommen Liebe nach dem miteinander verschmelzen, eins zu sein. Man kann sich zufrieden geben mit ein bisschen Liebe, oder man läßt sich finden von der vollkommenen Liebe.LG Carmen

  • Author Portrait

    Deine Worte sprechen mir aus der Seele. Umwerfend schön und treffend formuliert. Gefällt mir sehr gut. (Und da es ja eine Aufnahme gibt: Du hast eine wunderschöne Stimme und einen sehr sympathischen, angenehmen Ausdruck. Wenn man dir bewerten könnte, würdest du dafür nochmal 5 Sternchen kriegen!) :-) Rundum ganz toll.

  • Author Portrait

    Wunderschön und tiefsinnig, Dauphin! Ich hoffe und wünsche dir, dass du den Mut findest, dir deine Zeit für dich zu nehmen! Solche Auszeiten nähren dich und letztlich auch die Beziehung!

beta
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