Ob ich Atme, weiß ich nicht.

Ich stehe einfach nur hier und spüre den Schmerz.

Aber nicht körperlich.

Nein, nein.

Nur den Schmerz der in der Luft liegt.

Dass es schon ganz stickig ist.

Ganz neblig.

Kaum noch Sauerstoff.

Hier in dieser abgestandenen, schmerzenden Luft.

Wieso soll ich weiter Atmen.

Wenn die Luft,

so furchtbar abgestanden schmeckt.

Und in diesem Moment.

Würde ich lieber frieren.

Oder hinfallen.

Und mir das Knie aufschürfen.

Einfach um zu wissen.

Dass ich noch am Leben bin.

Dass ich noch real bin.

Oder auch einfach.

Nur so.

Es gibt doch gar keinen Sinn.

Ich trage eine viel zu enge Hose.

Die mir die Luft abschnürt.

Aber ich werde sie nicht ausziehen.

Kann sie nicht ausziehen.

Aus Angst, nichts mehr zu fühlen.

Aus Angst, mich befreit zu fühlen.

Aus Angst, dann einfach davon zu fliegen.

Abzuheben.

Oder vielleicht.

Unterzugehen.

Oder mich aufzulösen.

Dann werde ich auch Luft.

Zu unsichtbarer, abgestandener Luft.

Die keiner Atmen will.


Mit diesen Gedanken in meinem Kopf, laufe ich weiter, raus aus diesem Raum.

Hinein ins freie.

Der wohltuenden Freiheit entgegen.

Aber Luft.

Luft bekomme ich immer noch nicht.

Blöde Hose, denke ich.

Der warme Frühligswind bläst in mein blasses Gesicht.

Bringt meine grünen Augen zum tränen.

Und meine Lippen zum lächeln.

Und dann.

Dann renne ich.

So schnell.

Wie noch nie.

Alles verschwimmt vor meinen Augen.

Alles durcheinander.

Ich schließe die Augen.

Und dann.

Ganz plötzlich.

Spüre ich keinen festen Boden mehr unter den Füßen.

Nur noch Leere.

Und Glück.

Ich öffne die Augen.

Die Sonne strahlt mich an.

Blicke umher.

Bunte Blumen.

Rosenduft liegt in der Luft.

Weiches, grünes Gras unter mir.

Und ich,

Ich trage ein luftiges, purpurfarbenes  Sommerkleid.

Ich will diese Luft wieder atmen.

Weil ich den Rosenduft.

So gerne mag.


Und da,

wie aus dem nichts,

wird mir klar.

Die Luft die wir zum atmen brauchen,

ist immer da.

Nur sehen wir sie nicht.

Sie schwirrt um uns herum.

Und egal wie sie riecht.

Ob sie uns schmeckt oder nicht.

Der Wind vertreibt sie irgendwann.

Und dann,

dann lernen wir die frische Luft zu lieben.

Weil sie unseren Lieblingsgeschmack hat.

Comments

  • Author Portrait

    Es ist unglaublich, was du mit deinen Texten bewirkst! Ich habe gleich Bilder und körperliche Empfindungen, wenn ich sie lese! Wundervoll!

  • Author Portrait

    Danke, tausend Dank dafür, dass du meinen Schmerz mit deinen Worten vertonst. Wie ein Katalysator... Ließ mal mein Gedicht "So leer", was ich gerade hochgeladen habe. Ich glaube, wir sind gerade voll auf einer Wellenlänge. Danke meine kleine LIeblings-Jo für diese Teilnahme an deinem Herzen

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