Ma-ish-na

"Wir sind da, das ist der Ort an dem wir das Tor finden werden." bemerkte Usongu trocken, als wir am nächsten Vormittag eine längere Strecke hinter uns gebracht hatten.

Doch die Art, wie er das sagte, gefiel mir nicht. Angst und Mutlosigkeit waren herauszuhören. Erstaunt bemerkte ich, dass wir nicht gerade vor einem Tor standen, sondern eher vor einer weiteren  undurchdringlichen Mauer aus schwarzen Ästen und Baumstämmen, die sich von den bisherigen Hindernissen unseres Weges nur in ihrer scheinbar absoluten Unzerstörbarkeit unterschied.

"Und jetzt? Da kommen wir nie weiter." resignierend stand ich da und starrte auf die dunkle Wand aus Holz.

"Los Leute, Augen verbinden und Ohren zuhalten!" brüllte Marselion und ignorierte mich völlig.

"Sehr witzig." murmelte Relkúag sarkastisch, hielt sich aber die Ohren zu.

"Ma-ish-na!" rief Usongu beschwörend, auch er hatte die Augen geschlossen. Die lebende Mauer erbebte und mitten zwischen den Ästen tauchte ein seltsamer Kopf auf. Ein wunderschönes Mädchen und ich wäre ihr verfallen, hätte mich Usongu nicht an Cenishenta erinnert: "Wir suchen das 'Tor des Verderbens' um eine Fürstin zu retten. Gewährt uns Eintritt, oh Wächterin." Und dann hörte ich ihre Engelsstimme und es war, als hätten meine Ohren noch nie solch schöne Klänge gehört: "Passwort?"

"Ma-ish-na la-jolie", antwortete Usongu mechanisch. Und die Wand verschwand! Und mit ihr das schöne Mädchen...da kam ich wieder zu Bewusstsein und merkte, dass ich in einer Art Trancezustand gewesen sein musste.

"Alles in Ordnung?" wollte Usongu wissen. "Du hast wohl vergessen die Augen zuzumachen..."

Ich schämte mich fürchterlich, weil ich der Versuchung nachgegeben hatte, anstatt auf den Zwerg zu hören und dann auch noch fast diesem Trugbild verfallen wäre.

"Mach dir wegen Ma-ish-na keine Gedanken, mich hatte sie auch schon beinahe aus der Fassung gebracht...das macht sie mit jedem."

"Dich? Du warst völlig ruhig und konzentriert! Wieso?"

"Weil ich genauso wie du schon jemand anderen habe." grinste er, während die anderen sich die Augenbinden abnahmen.

Dunkelheit breitete sich um uns herum aus. Ein riesiges Tor erhob sich vor uns und fast schien es mir, als würde alle Düsternis allein von diesem gigantischen Bauwerk ausgehen. Es war kohlschwarz und schimmerte ein bisschen im fahlen Mondlicht, das durch die Lücken der Lichtung hinter uns schien. Verziert war es mit großen dämonischen Fratzen, auch einer von der Art der Cenishenta entführt hatte, und machte einen mächtigen Eindruck auf mich. Hier waren wir also nun und ich hatte noch nie in meinem Leben so viel Angst gehabt wie jetzt.

"Es ist geschlossen." Nach dieser Tatsache griff ich, wie nach einem Strohhalm in der Hoffnung, Usongu würde es als Anlass nehmen um zu kehren. Aber das tat er nicht, im Gegenteil:

"Geht mal alle einen Schritt zurück, bitte." Wir wichen zurück, soweit wir konnten, nur Bruno und der Boss blieben vor dem Tor stehen.

"Bist du bereit, Bruno?" Langsam zog sich Usongu sämtliche Kleidungsstücke vom Leib, bis auf seine Hosen. "Mist, ich hab Bammel..." zischte der Söldnerkönig. "Na gut, also auf drei. 1...2...3! Ruahhhhh!"

Der Riese stand vor dem Tor und unter ihm sein Boss. Während der Große mit gewaltiger Kraft das Tor aufschob, hatte sich Usongu gegen die Torflügel gelehnt und so viel Hautkontakt wie möglich hergestellt. Er murmelte vor sich hin, wie im Wahn.

"Bruno, beeil dich, er verbrennt gleich!" schrie Káilanba verzweifelt und versuchte dabei von Aglurs Rücken zu kommen. Doch in diesem Moment krachte es fürchterlich und die Tore gaben nach. Mit einem unvorstellbarem Lärm öffnete sich das 'Tor des Verderbens'.

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