Es ist kein Zittern, wenn die Hände unkontrolliert auf und ab wippen. Aber in Deinen Augen auffällig. Ob ich nervös bin, fragst Du mich.
"Nein, gar nicht" lächle ich Dich an und spüre wie sich mein Magen windet. Es ist auch kein Zeichen von Unsicherheit oder Aufregung. Es ist nur ... mein Kopf, der zu viel denkt. 
Du streckst Deine Hände nach mir aus.
"Komm schon, Du brauchst warme Finger" meinst Du und umschließt sie behutsam. Gern würde ich einfach in Deine Augen sehen und das Strahlen erwidern, aber da ist zu viel in mir. Zu laut.
Ich beiße mir auf die Lippen und versuche mich zu beruhigen. Es ist nicht wichtig und nicht schlimm und wenn doch, dann sowieso schon zu spät. Ob es besser wird dadurch, das ausgerechnet Deine Haut nun über meine streicht?
"Das geht vorbei" sagst Du. Ich weiß. Genau das ist der Grund dafür, doch das kann ich Dir nicht verraten.
"Ach was", würdest Du sagen. "Du weißt doch, dass ich das nicht zulasse, dass ich Dich nicht aufgeben werde."
Als ob ich Dich nicht gut genug kennte. Wahrscheinlich kenne ich Dich tatsächlich nicht.
Und wir werden still sein, weil man sich nichts zu sagen hat, wenn man sich nicht kennt. Spätestens in einem Jahr werde ich hier sitzen und mich fragen, wo Du bist.
"Es geht los" sagst Du und hilfst mir auf. Durch Gänge, durch Türen. In den Saal hinein, wo Leute sind, so viele Leute.
Du schenkst mir ein Lächeln, das ich aber nur mühsam erwidern kann. Du wirst sagen "zum Glück haben wir das jetzt hinter uns." Du wirst mich umarmen und sagen wie schön es war. Und dann werden wir aufhören uns zu kennen. Im Winter vielleicht treffen wir uns noch einmal, es wird schön sein, lustig, vertraut aber irgendwann still, denn worüber soll man lachen, wenn man sich nichts zu sagen hat. Wir werden beide, irgendwann, dort sitzen und uns fragen was der andere wohl macht, wir werden wissen, dass es uns beiden so geht, wir werden wissen, dass wir uns aufgegeben haben. Wir werden wenigstens einen der Scherze vermissen. Dann wirst Du mir vielleicht noch einmal schreiben, ich werde mich freuen, aber nicht wissen was ich antworten soll. Du wirst schweigen, weil wir uns eben doch nicht kennen. Und ich werde zügig an Dir vorbei gehen, wenn ich Dich zufällig auf der Straße sehe. Du wirst denken ich hätte Dich nicht bemerkt und froh darüber sein.
Du beugst Dich zu mir herüber, greifst nach meiner Hand und Dein Mund streift mein Ohr, als Du sagst "mach Dir mal keine Sorgen". Ich spüre Deinen heißen Atem und meine Hand zittern. Ja, tatsächlich zittern, weil ich nicht verstehe, was Du mir bedeutest.
Wir sehen uns an. Deine Augen, die tiefer sind als mein Blick sich vorwagt. 
Deine goldenen Lippen, die so wunderschön Dein Gesicht formen.
Und der salzige Geschmack auf meiner Zunge, als du ein Jahr später nicht mehr als eine blasse Erinnerung bist.

Comments

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    Liebe Dauphin, es gelingt Dir immer wieder, Gefühle auszudrücken. Hut ab, vor soviel Talent. LG. Carmen

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    Wie immer total schön geschrieben, wenn auch das Thema sehr traurig ist. Dein Text hat mich besonders berührt, weil mir sie beschriebenen Gefühle so unglaublich gut bekannt sind. Fühl dich gedrückt!

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    Ganz große Klasse! Magnifique!

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    Gefällt mir ^^, vor allem die Großschreibung der Pronomen in 2.Person Singular :D

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Fairy Dust

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