Es ist mal wieder soweit. Das Jahr neigt sich dem Ende zu und alles was in meiner unmittelbaren Umgebung zwei Beine hat, wandelt mit einer Erkältung umher. Bislang konnte ich diesem jährlich wiederholten Ereignis standhaft wiederstehen. Kaum dachte ich so bei mir das dieser Kelch der Grippe erfolgreich einmal vorüber gehen würde, schlug sie mir mit einer grinsenden Faust mitten ins Gesicht und machte so einen gewaltigen Strich durch meine Pläne der letzten zwei Wochen des Jahres.

An sich ist mein Imunsystem ganz gut in Schuss. Die Ernährung ist kalorienarm und eiweißreich. Täglich verzehre ich durch den Arbeitstag zwei bis vier Äpfel und ich fühle mich gut. Nun ist es jedoch so, dass zwei meiner netten Kollegen bereits mit einer schleichenden Erkältung auf Du und Du stehen. Sie schlossen wann immer Ihnen möglich sämtliche Türen und Fenster, da Ihnen kalt war und Sie froheren. Nun, augenscheinlich ersticken sie lieber als das sie erfrieren. Jedesmal wenn ich in das Büro kam entgegnete ich:"Hier stinkt es wie in einem Pumakäfig." und riss mein Fenster für mehrere Minuten weit auf. "Ich brauche Sauerstoff und Luft." sagte ich laut während meine Kollegen voller Inbrunst gähnten und müde über ihrer Tastatur hingen. Einen Tag später spürte ich dieses Kratzen im Hals und wusste, nun bin ich auch an der Reihe. Arbeitgeberfreundlich wie ich nun mal bin erwischte mich die Grippe zum Wochenende hin und ich hoffte diese zwei Tage würden genügen um sie wieder abzuschütteln. Wie sehr ich mich doch irrte. Die ganze darauf folgende Woche hielt sie mich in Schach und ich fühlte mich wahrlich mies, wechselte mehrfach tagsüber meine Kleidung da diese wiederholt erfolgreich durchgeschwitzt war.

Langsam ging es mir etwas besser. Tagsüber versuchte ich viel zu schlafen was zur Folge hatte das ich abends im Gegensatz zu meiner Frau eher wach als müde war. An jenem Abend, es gab schmackhaften Grünkohl mit Mettenden und einer ordentlichen Portion Senf dazu, saßen wir noch bis zum Ende der tagesaktuellen Nachrichten nebeneinander gekuschelt auf dem Sofa bevor wir schließlich zu Bett gingen. Alle Lichter und Gerätschaften wurden ausgeschaltet und wie jeden Abend überzeugte ich mich persönlich über den ordnungsgemäßen Zustand der doppelt abgeschlossenen Eingangstür. Erst dann folgte ich meiner Frau die Treppe hinauf. Jeden Abend gibt es als Einschlafhilfe ein Hörbuch oder auch ein Hörspiel. Meine Frau hört so gern "Der Wind in den Weiden". Sie mag Tiergeschichten weil sie so schön einfach lieb, nett und einfach schön sind. Dies entspricht dem totalen Gegenteil im Leben unserer Gesellschaft. Meine Frau liebt ein Leben voller Harmonie und Glückseeligkeit. Soweit mir möglich, tuh ich mein bestes um diesem Wunsch nach zukommen.

Nun, an diesem Abend konnte ich nicht schlafen. Ich hustete und musste mir mehrfalls die Nase schnäuzten. Irgendwann steigerte sich mein Husten in krampfartiges würgen und röcheln. Nachdem ich mich aufrecht ins Bett setze und mich zu beruhigen versuchte, entschied ich mich dazu für einige Zeit herunter und die Stube zugehen, damit meine Frau ungestört weiterschlafen konnte. Auf leisen Sohlen verließ ich das Schlafzimmer und gelangte in den Flur. Ein lautes patschen, verriet mir das meine Frau, auch wenn sie noch schlief inzwischen mitbekommen hat das ich nicht mehr neben ihr liege und somit tastete Ihr Arm nach mir und vielen ins leere. Einen Moment innehaltend verharrte ich bevor ich die Schiebetür zur Treppe langsam öffnete und mich anschickte die Treppe hinab zugehen. Die einzelnen Stufen bestanden aus dicken Mahagonieholzbrätern wobei die eine oder andere bereits knarrte wenn man auf sie trat. Nachdem ich den Flur als auch den Treppenabgang hinter mich gebracht hatte, löschte ich das Licht. Lediglich in der Stube habe ich eine kleine Lampe mit warmen Lichtton eingeschaltet und tat irgendwelche Dinge an meinem Computer. Ein Glas Wasser nahm ich noch zu mir und so verbrachte ich auf dem Sofa die eine oder andere Stunde.

Langsam wurden mir schließlich die Augen schwer und der Gedanke nun doch wieder zurück ins Bett zugehen schien mir wieder attraktiver. "Schaaatz !?" Ertönte es lauthals empört durch das Haus. Meine Frau ist wach geworden und hat festgestellt das ich nicht neben ihr liege. "Ich komme gleich." antwortete ich lauthals jedoch freundlich, woraufhin sie "Sofort !" entgegnete. Einige Zeit war es nun ruhig. Also, so ungefähr fünf Minuten. Ein lautes Poltern direkt über mir und eine deutliches auftrampeln schwerer Füße schnellen Schrittes liefen über meinem Kopf hinweg in die Richtung wo der Flur begann. Und dann, ... Ruhe ... weitere Minuten später passierte nichts. Bis ein eher schleifendes Geräusch als ob jemand eine Tür ganz langsam auf schob an mein Ohr drang. Schritte, in merkwürdigen verzögerten Abständen, die die Treppe hinab führten, wurden hörbar. Die Stufen knarzten unter der Last die auf Ihnen lastete. Doch da war noch etwas, so ein Doppelklackel, wie von zu lang geratenen Fingernägeln zweier Finger, die demonstrativ auf Holz geschlagen wurden. Es schien eine Ewigkeit zu dauern bis diese merkwürdigen Geräusche erstarrten. Erneut Stille, auf das ein schweres atmen folgte. Eine unsägliche Kälte kroch in den Raum und wurde deutlich spürbar.  Die Stubentüre wurde langsam quietschend geöffnet was zur Folge hatte, das das schwere atmen nun stärker zu hören war. Mir stiegen inzwischen die Nackenhaare hoch, zitterte am ganzen Körper und ich vermochte nicht mich auf dem Sofa zu bewegen. Selbst den Atem hielt ich vor lauter Anspannung an. Angestrengt lauschte ich in die Dunkelheit. Die Stubentür war von meiner Position aus nicht direkt zusehen, sondern wurde von einer eingezogenen Wand verdeckt, die dem Raum eine abgetrennte Ecke verschaffte, in der das Sofa stand auf dem ich mit weit aufgerissenen Augen regungslos saß. Das patschen von nackten schweren Füßen mit noch schwererem Atem rückte näher. Schemenhaft stand dort eine gestallt im Dunkel und wand seinen Kopf in meine Richtung. Mir wurde schlagartig kälter und ich fing an am ganzen Körper zu stärker zu zittern. Aus dem Mund der Gestalt entstieg kalter Atem und schlug sich in Form von kleinen Nebelschwaden nieder. Die Gestalt stand vollkommen im Dunkel. Durch das kleine Licht in meiner Nähe waren lediglich die Umrisse als auch dieses tiefe schwarze Nichts erkennbar was an dieser Stelle den Raum füllte und mir vorkam als wäre ich blind wenn ich auf die Stelle schaue. Nur die lebendigen kleinen Nebelschwaden die wiederholt in den Raum krochen waren Zeuge davon, das ich nicht alleine in diesem Raum war. Gerade wollte ich was sagen als mich eine tief dunkle Stimme bestimmt ansprach und vorwurfsvoll sagte: "Du wolltest doch gleich wieder hoch kommen !". Irritiert und starr vor Schreck blickte ich auf die Gestalt die minimal und sehr langsam ihren Kopf zu mir wand. Abermals wollte ich antworten doch es kam nicht dazu. Die Augen der vor mir stehenden Gestalt begannen von innen her in einem tiefen Grün zu glühen. Das Glühen wurde intensiver und verliehen den  weiteren Worten an mich :"los jetzt !" einen unbarmherzigen Nachdruck.

Ich fühlte mich wie zweigeteilt. Mein Körper war starr vor Schreck und nicht im Stande aus eigenem Antrieb sich zubewegen. Mein Geist jedoch, wurde durch die an mich gerichteten Worte und dem glühenden Blick aus dem Dunkel meinem Körper entrissen und die Treppe hinauf geschickt.

Schließlich lag ich in meinem Bett. Wie ich dahin gekommen bin, weis ich nicht. Meine Frau legte ihr Bein sowie einen ihrer Arme um mich und kuschelte sich an, als wolle sie mich niewieder los lassen. Langsam drehte ich meinen Kopf in die Richtung in der Ihr Kopf liegen müsste. Ein genüssliches wohliges schnalzen von jemanden der schläft und eine schönen Traum hat, bestätigte mir das es meine Frau war die neben mir lag. Nur, ein kurzes plötzliches grünes glühen aus ihren Augen, wie ein aufflackern riet mir auf der Huht zu sein. Gute Nacht.

Comments

  • Author Portrait

    Hahahahaha, du hast die Rubrik Humor vergessen. Ich mußte doch lachen über die Macht deiner Frau. Herrlich was Frauen in den Männern bewirken können. Ähnliche Erfahrungen sind mir bekannt.

beta
Fairy Dust

Navigation

Languages

Social Media