Montag mit blauem Sofa

Die Sonne kitzelt noch geschlossene Augenlider, vorsichtiges Blinzeln zum Wecker hin. Schon elf?! Oh je, der Tag ist schon halb herum, ohne daß ich dabei gewesen wäre. Ich springe aus dem Bett, schwanke kurz auf noch müden Füßen, strecke gähnend die Arme zur Decke, hüpfe dreimal auf und ab und bin bereit für den Tag – den Rest des Tages, na ja.

Kräutertee und Brei? Nein, nach einem faulen Wochenende braucht ein dynamischer Start in die neue Woche anderes – Kaffee, Käsebrot, Obst. Ja, ich weiß, das klingt nicht besonders dynamisch, bin halt Vegetarierin.

Mit einem Umweg durch die Küche, um den Wasserkocher für den Kaffee anzustellen, gehe ich ins Wohnzimmer. Ich schaue mich um; habe ich gestern Abend aufgeräumt oder bin ich direkt vom Sofa ins Bett getaumelt? Der Fernsehapparat ist abgestellt, mehr als zwei Bücher liegen nicht auf dem Couchtisch, das Glas von gestern steht noch da, egal, die Reste des mitternächtlichen Snacks habe ich weggeräumt, gut; das Sofa sieht aus wie immer,  vier blaue Kissen hocken brav in einer Reihe auf der Rückenlehne. Moment, vier? Ich habe doch nur drei. Ich schaue genauer hin - Kissen, Kissen...und was ist das? Eindeutig kein Kissen, es sei denn, es seien ihm eine spitze Nase, riesige Ohren, ein Wust von Haaren und ein Grinsen von einem riesigen Ohr zum anderen gewachsen. Nur blau ist es noch.

Es springt auf, dieses eigenartige Wesen, streckt sich, kurze Arme und Beine, der dicke Bauch steckt in einer Art Rock, die Füße in Pantoffeln, der Oberkörper in einem geknöpften Hemd, alles zusammen ist so groß wie mein Sofakissen.

Ich schließe die Augen, zähle bis fünf, reiße sie wieder auf – es ist immer noch da.

Na gut – „Willst Du auch Kaffee?“ Heftiges Nicken, die Haare fliegen. „Käsebrot, Obst?“ Heftiges Kopfschütteln. „Würstchen, Frikadellen, zwei Koteletts, eine Chilischote.“ „Gibt’s hier nicht, bin Vegetarierin.“ Hat es tatsächlich verächtlich geschnaubt?

Es? Er? Sie? Es ist nicht zu sehen. Solche Pantoffeln hat mein Großvater getragen, wenn er mit der Zeitung in seinem großen Sessel saß; der Rock könnte ein Rock, aber auch ein Kilt sein. In meiner Ahnenlinie gibt es in weiter Ferne einen Schotten. Ich versuche es mal : „Großvater, bist Du das?“ Er/sie/es reißt Mund und Augen auf – ach nein, diese Zähne habe ich nicht sehen wollen – und bricht in kreischendes Lachen aus. „Großvater?!!! Hihihi! Kannst Du Deinen Großvater nicht von einem Sofakissen unterscheiden? Ich lach’ mich kaputt!”

Wißt Ihr was, ich gehe zurück in mein Bett und versuche es in einer Stunde nochmal mit dem Aufwachen.

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