Nachricht an den Puppenspieler

"Guten Morgen, Tauril!", die spöttische Stimme von Claude verdarb der Dunkelelfe den Tag schon, bevor er richtig begonnen hatte.
"Es tut mir Leid das ich dich gestern umbringen wollte! 2 mal.", seine Entschuldigung klang nicht besonders echt.
"Es tut mir Leid, das du zu blöd dafĂŒr warst und dir den Kopf gestoßen hast!", Tauril lĂ€chelte ihn gespielt freundlich an.
"Das war genug der Worte!", Deseis stellte sich zwischen die beiden, um zu vermeiden, dass sie aufeinander losgingen.
"Wie schön, dass wir alle so gute Freunde sind.", spottete Loki, "Wo ist denn das PĂŒppchen? Hat sie euch traurige Irre nicht ertragen?"
Tauril fand es unfassbar in was fĂŒr einem Haufen eigenartiger VerrĂŒckter sie gelandet war. DafĂŒr, dass sie angeblich eine sehr böse Organisation sein sollten waren sie höchst amĂŒsant.
"Ich hoffe ihr musstet nicht zulange warten!", Tauril betrachtete, zugegeben ein wenig neidisch, wie Sassy sich langsam auf sie zu bewegte. Sie wusste nicht genau woran es lag, aber egal wie ĂŒbertrieben die Aufmachung der Vampirin war, sie wirkte immer wunderschön und perfekt. Sie trug eine enge schwarze Hose und einen schwarzen Blazer, darunter ein schwarzes Spitzentop der Hut mit der großen Krempe rundete das Bild mit dem Blutroten Lippenstift ab.
"Claude, ich kann deine schmutzigen Gedanken förmlich sehen, du denkst zu offensichtlich!", Loki duckte sich gerade noch rechtzeitig, um dem darauf folgenden Schlag das Druiden auszuweichen.
"Was fĂŒr ein Kindergarten!", Trauril verdrehte die Augen und wurde daraufhin von Loki, der allem Anschein nach einen Clown gefrĂŒhstĂŒckt hatte, in die Backe gekniffen.
"Atep, beeil dich!", rief Deseis dem Jungen zu, der sich allem Anschein nach nicht von dem Anblick der Ruine losreißen konnte.
"Wird ER auch dort sein, Meister?", wollte er dann wissen, seine Augen blickten angsterfĂŒllt zu Deseis auf.
Sassy entging das nicht, der Junge erinnerte sie an jemanden. Wahrscheinlich aufgrund der tĂŒrkislichen Augen an Finn und Shanora.
"Ja, aber du musst ihn nicht fĂŒrchten!", Deseis legte dem Jungen sanft die Hand auf die Schulter.
"Wenn meinst du den? Wer wird dort sein?", fragte Tauril den Jungen. Sie fand ihn eigentlich, bis auf die Tatsache das er Deseis anbetete, ganz nett, sie hatten gemeinsam gefrĂŒhstĂŒckt und sich unterhalten.
"Dieser Mann, er ist mir so unheimlich.", beklagte Atep sich und verschrÀnkte trotzig die Arme.
"Wir haben jetzt keine Zeit fĂŒr so einen MĂŒll!", fauchte Claude, was ihm einen bösen Blick von Deseis bescherte.
"Ich beschĂŒtze dich vor dem bösen Mann, was hĂ€ltst du davon?", fragte Sassy und lĂ€chelte den Jungen an.
"Denkst du ein Vampir könnte ihn töten?", fragte Atep Deseis unglÀubig.
Dieser lachte nur: "Dieser Vampir kann jeden töten, wenn sie auf dich aufpasst, kann dir nichts passieren!"
Das schien Atep zufrieden zu stellen, Loki schaffte es, faszinierender Weise, einen nach den anderen nach Buldarak zu bringen, durch eine bloße BerĂŒhrung.
Sie landeten direkt in der Festung, wo noch Blutspuren von dem Massaker zu sehen waren, welches vor einigen Jahren hier stattgefunden hatte. 
Ansonsten machten die dicken Mauern außen ein falscher Eindruck, auf das war sie im Inneren erwartete.
Hell erleuchtete Decken und warme, verzierte HolzvertĂ€felungen an den WĂ€nden. Alte ÖlgemĂ€lde von Hexen und Schatten, die einst diese Hallen bewohnt hatten. Die Feuer in den Kaminen gingen nie aus und die Tische deckten sich selbst drei mal am Tag. Der Zauber der Hexen des Gurenclans hatte noch immer nicht seine Macht verloren.
Darum war diese Festung so beliebt gewesen, auch nach der Auslöschung der Guren. Endlose Versorgung und WÀrme im Winter, man konnte einer Belagerung also bis in alle Ewigkeit standhalten.
"Wie machst du das mit dem Teleportieren?", zischte Tauril Loki zu als sie durch die GĂ€nge bis zur großen Halle gingen. Er winkte nur ab und lachte ĂŒber ihre Frage.
"Wir gehen vor und erklĂ€ren dem Anderen, dass wir GĂ€ste mitgebracht haben, wartet bitte hier!", erlĂ€uterte Deseis als sie vor der FlĂŒgeltĂŒr, hinter der sich die Halle befand, halt machten.
Sassy nickte lĂ€chelnd und blieb mit Tauril vor der TĂŒre zurĂŒck. “Wie stellst du das an? Liegt es daran das du ein Vampir ist? Man könnte meinen jeder Mann der dir begegnet verliebt sich sofort in dich!”, Tauril warf dem undurchschaubaren Gesicht von Sassy einen Blick zu.
“MĂ€nner wollen alle dasselbe!”, war die knappe Antwort, welche sie von der Vampirin erhielt.
“Nein, dich sehen sie anders an. Als wĂŒrden sie alles dafĂŒr tun um in deiner NĂ€he sein zu dĂŒrfen!”, Tauril versuchte doch noch weiter an diesem GesprĂ€ch zu arbeiten.
“Glaub mir, es ist eher ein Fluch als ein Segen!”, erklĂ€rte Sassy, merklich unwillig, “Und wenn du wissen möchtest ob auch Church einer der MĂ€nner war, nein! Aber du solltest ihn dir sowieso aus dem Kopf schlagen!”
Tauril zuckte erschrocken zusammen: “Was Church? Wie kommst du auf Church? Was...”
Sassy lĂ€chelte zufrieden: “Du hast fast die Fassung verloren, als du ihn gesehen hast. Ich habe keine Ahnung woher du so viel ĂŒber seine Lebensgeschichte weißt, aber sei dir sicher, du weißt nicht alles!”
Tauril spĂŒrte wie ihre Wangen erröteten, sie konnte sich nicht helfen, Church war, selbst bevor er seine neue Erscheinung bekommen hatte, fĂŒr sie ein wunderschöner Mann gewesen.
“Warum meinst du soll ich ihn mir aus dem Kopf schlagen?”, fragte sie kleinlaut, “Nicht das er in meinem Kopf ist, ich meine, rein theoretischer Natur!”
Sassy lĂ€chelte wieder: “Er war lange mit Saphira zusammen wie du weißt, das ist aber nicht der Grund. Er hat ein Kind, welches es zu suchen gilt. Außerdem, wie alt bist du eigentlich? Zu jung fĂŒr jemanden der so viel erlebt hat!”
Tauril empörte sich: “Ich habe auch viel erlebt, also komm mir nicht so! Nur weil ich nicht so alt bin wie du oder Saphira!”
Sassy wollte ihr gerade antworten, als sie von Atep hereingebeten wurden. Der Saal schien bereits von allen Kampfspuren gereinigt worden sein, er wirkte warm und einladend. Der Duft verschiedener Speisen lag in der Luft und Tauril betrachtete fasziniert die schönen GemÀlde und den Stuck an der Decke.
Sie prallte plötzlich gegen Sassys ausgestreckte Hand, die sie daran hinderte weiter zu gehen.
“Hey was...”, setzte Tauril an, ein Blick in Sassys Gesicht ließ sie allerdings verstummen. Die Vampirin fixierte den Mann, der gerade Atep an der Schulter berĂŒhrte. Auch Deseis bemerkte Sassys Blick, der eine Mischung aus Hass, Angst und Mordlust wieder spiegelte. 
“Was hast du?”, wollte er wissen.
“Ja, was hast du, du siehst aus, als hĂ€ttest du einen Geist gesehen!”, Loki erschien hinter Sassy und Tauril, was letztere auch erschreckte.
Sassy aber starrte immer noch auf diesen fixen Punkt, wie ein Raubtier, das seine Beute fixierte.
“Sassy, so sieht man sich wieder!”, die raue, dunkle Stimme des Mannes mit den schwarzroten Haaren ließ nun doch auch Tauril erschaudern.
“Sassy?”, fragte Claude aufgeregt, “So wie die Sassy die mit dem DĂ€monenengel zusammenarbeitet?”
Tauril bemerkte wie sich so ziemlich jeder Muskel in Sassys Körper verspannte, wer auch immer der Mann mit den roten Augen war, sie kannten sich wohl. Und schienen keine Freunde zu sein.
"Sassy wer ist das?", flĂŒsterte Tauril der Vampirin zu.
"Kein Grund zu flĂŒstern!", der Mann lĂ€chelte Tauril an und deutete ihr nĂ€her zu kommen. Was sie auch tat, noch bevor Sassy sie aufhalten konnte.
Tauril betrachtete den Mann genauer, sein Haar war schwarz, schimmerte aber rot wie seine Augen. Sein Blick war durchdringend, stechend. Seine Körperhaltung strahlte unglaubliche Dominanz aus und sie fĂŒhlte sich, nach einem direkten Blick in seine Augen, benommen.
"Du wirst ab jetzt genau tun, was ich dir sage, haben wir uns verstanden?", hörte Tauril seine Stimme, aber es waren nicht einfach Worte, es waren die Worte Gottes, ein Befehl, dem man folgen musste.
"Ich werde ab jetzt genau tun was du mir sagst, Meister!", murmelte sie, ihr Geist war plötzlich wie leer gefegt.
"Vincent!", Sassy hatte nun doch ihre Sprache wieder gefunden, "Lass sie sofort in Ruhe, hör auf mit ihr zu spielen!"
Vincent lachte nur verÀchtlich: "Atep, komm zu mir!"
Der Junge kam verunsichert zu ihm, Vincent packte ihn am Arm, damit er sich nicht entfernen konnte.
"Lass ihn los oder ich behebe den Fehler, den ich bei unserer letzten Begegnung gemacht habe!", Sassy schien angestrengt nachzudenken.
"Du meinst, du wirst mich wieder töten?", Vincent lachte verÀchtlich, "Ich denke nicht. Diesmal wirst du keine Gelegenheit dazu bekommen!"
Sassy schien einen Blick ĂŒber den Raum schweifen zu lassen, indem sich alle in Puppen des Hexenmeisters verwandelt hatten.
"Denk gar nicht daran, wir wissen beide, dass ich keine Skrupel habe dem Jungen die Kehle durchzuschneiden!", Vincent schien zu wissen, was Sassy vorhatte.
"Was willst du?", fragte sie schließlich.
"Das ist ein Schritt in die richtige Richtung. Man sagt du kannst durch das Blut sehen, im ĂŒbertragenen Sinn!", Vincents Blick wanderte von Sassy zu dem Jungen, den er immer noch am Arm gepackt hatte.
"Tauril, SchÀtzchen, schneide Atep doch in den Arm und bring unserem schönen Ehrengast einen Kelch von seinem Blut!", befahl er der immer noch völlig apathischen Tauril, die Willenlos handelte.
"Nein, lass das Kind in Ruhe du ehrloser Hundesohn!", Sassys Augen funkelten vor Zorn, als Atep die TrÀnen in die Augen stiegen.
Tauril tat genau, was Vincent ihr aufgetragen hatte, Atep biss die ZÀhne zusammen und Sassy erhielt, unter dem wachsamen Blick von Vincent, den Kelch.
"Trink schon!", Vincent hob seinen Kelch und prostete ihr zu, "Du wirst mehr sehen als der Junge selbst weiß!" 
Sassy wusste, dass sie keine andere Wahl hatte, also nippte sie an dem Blut und konzentrierte sich.
Nach einem kurzen Moment riss sie die Augen auf: "Lass sie gehen! Alle!" 
Vincent lachte verÀchtlich: "Das kommt mir bekannt vor, nur das letzte mal warst du denke ich gefesselt!" Sassys Körper pulsierte und das erste mal, seitdem Treplew sie verwandelt hatte, zuckte ihr rechter Arm wieder.
"Diesmal willst du aber gleich 5 Leben gegen deines!", Vincent blickte sie ernst an, "Was machen wir da nur?"
Sassy stiegen die TrÀnen in die Augen: "Lass sie gehen, ich werde tun was auch immer du verlangst!"
Der Hexenmeister schnippte, Tauril schien aus ihrer Trance zu erwachen und starrte schockiert auf das Messer in ihrer Hand. "Du kannst zur TĂŒre gehen.", Vincent deutete Tauril zu verschwinden, diese bewegte sich langsam und blieb vor Sassy stehen.
"Du musst hier verschwinden!", Sassys Blick wirkte so leer und verzweifelt, Tauril hÀtte sie am liebsten in den Arm genommen.
"Was passiert hier?", flĂŒsterte sie der Vampirin möglichst leise zu.
Aber der Hexenmeister schien es trotzdem gehört zu haben: "Deine blonde Freundin spielt wie erwartet den Helden, das passiert hier! Und ich werde dafĂŒr sorgen, dass sie diesmal nicht entkommt!"
"Geh endlich!", Sassy packte Tauril am Arm, reichte ihr einen Moment die HĂ€nde und schubste sie dann in Richtung TĂŒre.
Eine Sekunde spÀter bohrte sich ein Holzpfahl durch Sassys Bauch, ihr schmerzverzerrter Blick wendete sich wieder dem Hexenmeister zu.
"Nur eine Maßnahme zu meiner Sicherheit, wer weiß was dir sonst einfĂ€llt.", erklĂ€rte dieser mit spöttischem Blick, "Deseis, bring sie in den Kerker, unser Gast wird ein paar Tage DiĂ€t halten, bevor ich mich um sie kĂŒmmere!"
Tauril wollte zu Sassy eilen, aber Claude stellte sich ihr in den Weg. Auch sein Blick war leer wie der von Deseis.
"Und du, kleine Tauril!", rief Vincent, "Lauf nachhause zu Church, und bring dem Puppenspieler eine Nachricht von mir! Ich habe mir zurĂŒckgeholt was er mir einst gestohlen hat. Und als Bonus habe ich was er sucht! Er soll seine FlĂŒgel loswerden und sich mir stellen!" 
Tauril wendete sich zur TĂŒre und rannte los, zurĂŒck durch den Gang, in dem sie mit Sassy gewartet hatte. Sie wollte gerade im die Ecke eilen als sie gegen jemanden prallte.
"Silas!", rief sie aus und starrte auf die weiße Maske.
"Ich sollte etwas sagen, bevor ich mich materialisiere und ein Hindernis darstelle, du hast ja so recht!", der Maskierte seufzte. "Du bist normal, du stehst nicht unter diesem komischen Bann!", stellte sie verwirrt fest, "Warum hast du nicht eingegriffen?"
Silas zuckte mit den Schultern: "Mir wurde zu Beginn des GesprĂ€chs langweilig, also habe ich mich verdĂŒnnisiert und kam gerade erst wieder zurĂŒck!"
Tauril seufzte, sie hatte keine Ahnung, was mit ihrem neuen Freund nicht stimmte, aber er hatte auf jeden Fall einen Dachschaden vom feinsten.
"Kannst du mich hier wegbringen?", fragte sie, "nach Katzus in Argenshire?"
Silas legte den Kopf schief: "Warum weg, wir sind doch gerade erst gekommen! Lass uns etwas essen und..."
"Bitte Silas, wenn du mein Freund bist, dann tu das fĂŒr mich!",flehte Tauril ihn an, sie wollte diesen Ort so schnell wie möglich verlassen, um Hilfe zu holen.
"Aber sie werden mich töten wollen, fĂŒr den kleinen Streich, den ich dem Dunkler-Kind spielte!", seine ĂŒbertrieben erschrockenes Getue nervte Tauril.
"Als ob sie das könnten, wenn nicht einmal ich das schaffe!", stellte sie harsch fest, "Was ist, hilfst du mir jetzt oder nicht?"
"VerrĂ€tst du mir dann was du in deiner linken Hand hinter dem RĂŒcken versteckst?", wollte Silas wissen.
Tauril hatte zwar keine Ahnung woher er davon wusste, aber Sassy hatte ihr, als sie sie Richtung TĂŒre geschubst hatte, etwas in die Hand gedrĂŒckt.
Einen eigenartigen schmiedeeisernen SchlĂŒssel, sie hatte keine Ahnung zu was er gehören könnte.

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