Elias schloss die Wohnungstür hinter sich und ging einige Schritte in die Nacht hinaus. Er hatte einen langen Tag hinter sich gebracht und war gerade mit seinen Aufgaben fertig geworden. Nun genoss er die Dunkelheit und die kalte Nachtluft. Er beschloss, einen kleinen Spaziergang zu unternehmen und dabei die Gedanken des Tages zu sortieren.

Elias hatte einen Brief an einen guten Freund geschrieben. Mit dem hatte er sich lange nicht mehr unterhalten. Deshalb erzählte er vieles über seine momentane Situation. Am Anfang hatte er noch sachlich berichtet, was sich in seinem Leben so alles entwickelt hatte, nachdem sie sich das letzte Mal gesehen hatten. Der sachliche Bericht war ihm gut gelungen, doch mit der Zeit schrieb er immer persönlicher. Immer mehr Gefühle und Empfindungen bahnten sich den Weg durch den Füller auf das Papier. Er schrieb von seinen Sorgen und seinen Zweifeln. Und während er das alles seinem Freund schilderte, kamen diese Gedanken in ihm wieder hoch. Er hatte gedacht, dass er sie in die hinterste Ecke seines Gehirns verbannt hatte. Doch jetzt musste er schmerzlich feststellen, dass sie immer noch da waren. Sie waren nicht schlimmer als vorher und er hatte sie auch nicht wirklich als Zweifel im Kopf. Aber ein schlechtes Gefühl hatte er doch. Wie als wenn diese Gedanken seinen Kopf in Nebel tauchen würden.

Diese Gedanken hatte er den Tag lang unterdrücken können. Doch jetzt, in der Nacht, kamen sie wieder zum Vorschein. Dieses Gefühl hatte er schon manchmal gehabt, als er zu viel über sich selbst nachgedacht hatte. Er wusste, dass es durch Ablenkung verschwinden würde. Aber er wusste auch, dass es dann irgendwann wiederkommen würde.


Mel hatte gehört, wie Elias aus dem Haus gegangen war. Zuvor hatte er sich ein wenig seltsam benommen. So wie manchmal, wenn er in Gedanken versunken war. Doch heute war ihr aufgefallen, dass es Elias noch schlechter ging als sonst. Deshalb entschloss sie kurzerhand, ihm zu folgen. Sie zog ihren Mantel an, nahm die Wohnungsschlüssel und ging aus der Tür. Nachdem sie die Tür abgeschlossen hatte, ging sie ein paar Schritte weiter in die Nachtluft hinaus. Nirgendwo konnte sie ihren Mann sehen. Kurz überlegte sie, welchen Weg er am liebsten ging, um diesen dann einzuschlagen. Als sie schließlich einige hundert Meter gegangen war, sah sie Elias auf dem Bürgersteig entlanggehen. Er sah nicht so aus, als ob er es eilig hätte und schaute meist auf den Boden vor sich. Mel ging ein wenig schneller, um ihn einzuholen. Als sie ihn dann schließlich erreicht hatte, drehte er sich zu ihr um. In seinen Augen sah sie den leichten Schimmer von Tränen. Er hatte nicht geweint, aber sie sah ihm an, dass ihm wohl danach zu Mute wäre. Sie ging einen Schritt vorwärts, sodass sie direkt vor ihrem Mann stand, und nahm ihn daraufhin in die Arme. Es war eine sternklare Nacht.

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  • Author Portrait

    Gedanken können einen manchmal wirklich erdrücken, gerade als jemand mit kreativen Neigungen erliegt man dem. Und ich kenne es nur zu gut, wie leicht unterdrückte Gedanken wieder hochkommen und brodeln, wenn man sie zu Papier bringt ... schön geschrieben, der emotionale Zustand wurde gut transportiert.

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