Neue Bekanntschaften

Die beiden Typen schienen immer noch nicht zu wissen wie sie mit mir umgehen sollten, denn sie trauten sich kaum mir in die Augen zu sehen. Cam und ich waren sehr amüsiert darüber, Cora schien das nicht einmal mitzubekommen, da sie seit deren Auftauchen ihren Blick von Luke nicht abwand.

Wir saßen in einem kleinen Café. So ein richtiger Hipster-Laden eigentlich, sehr gemütlich eingerichtet. Viele Gäste waren jedoch nicht hier, klar alle Studenten schlafen für gewöhnlich Samstags Vormittag. Während wir auf dem Weg zu diesem Laden durch die Stadt fuhren, wurde uns erklärt, dass hier ausschließlich junge Leute wohnten. Überrascht war ich nicht, denn die Straßen waren genau so leer wie der Parkplatz am Campus.

Ich schlürfte an meinem Matcha-Latte und erwischte Blondie dabei wie er mich anstarrte, doch anstatt verlegen wegzusehen zwinkerte er mir zu. Plötzlich überkam mich ein mütterliches Gefühl und ich wurde stolz auf Blondie, er war wohl doch nicht so schüchtern wie angenommen. Prinzipiell konnte ich generell nicht verstehen warum Menschen schüchtern sind, für mich war das so als würden sie sich unterordnen. Meistens hatten sie sogar Angst ihre eigene Meinung zu sagen, das ist doch lächerlich. Schüchternheit war für mich immer schon ein Fremdwort, nur viele können damit nicht umgehen. Das war aber nicht mein Problem.

Eine Weile sprachen nur Cam und ich, Blondie kicherte ab und zu, Cora und Luke hielten ihren Blickkontakt alle paar Minuten nur für wenige Sekunden und erröteten danach sofort. Heiliger Bimbam, wo waren wir hier?

Ich konnte dem Drang nicht widerstehen, also kniff ich ihr leicht in den Arm und flüsterte ihr zu.

„Na los doch, rede mit ihm..."

„Sophia, ich warne dich...", drohte sie mir und sah mich mit zusammen gekniffenen Augen an.

So verging unser Frühstück wenig unterhaltsam und wir verließen das Lokal. Draußen warteten die Jungs schon auf uns, denn Cora und ich entschuldigten uns noch kurz auf die Toilette.

„Sie ist wie...", begann Blondie als er mich ansah.

Ich zog eine Augenbraue hoch und wartete skeptisch auf das Ende seines Satzes.


„Wie Tommy, hm? Ich hab's euch ja gesagt", vervollständigte Cam ihn und legte mir einen Arm um die Schulter.

Die beiden anderen Jungs nickten zustimmend und oh Wunder, Blondie kicherte mal wieder. Er war ja echt süß, aber dieses Gekichere ging mir langsam auf den Zeiger.

„Wer zum Teufel ist Toby?" fragte ich unwissend.

Cam's Anhängsel rissen die Augen auf als hätte ich das verbotene Wort gesagt.

„Tommy, er heißt Tommy...", sagte diesmal Luke so leise, dass es fast ein Flüstern war.

Ich sah zu Cora, doch sie zuckte nur mit den Schultern, anscheinend wusste sie genau so wenig wie ich über diesen Tommy. So ehrfürchtig wie sie über ihn sprachen, würde es bestimmt ein Spaß werden ihn kennenzulernen.

„Du wirst ihn schon noch kennenlernen, keine Sorge", versprach mir Cam mir grinsend.

-

Am Abend half Cora mir meine Bücher einzuordnen, doch sie brachte mich zur Weißglüht, denn sie befolgte nicht die richtige Anordnung. Nach einer Weile bat ich sie einfach sich auf das Bett zu setzen oder meine Kleidung in den Schrank zu räumen, was sie Gott sei Dank dann auch tat.

„Dieser Luke ist süß, nicht?"

„Ist er das?", antwortete ich ihr mit einem teuflischen Grinsen.

„Naja, ich finde schon irgendwie..."


Und schon wieder wurde sie rot. Ich schüttelte den Kopf und machte einen Schritt auf sie zu. Sie sah mich ganz verlegen an also nahm ich ihr Gesicht in die Hände und sah ihr tief in die Augen.

„Dann schnapp ihn dir!" befahl ich ihr.

Sofort begann ich zu lachen und sie schickte mich mit einer Handbewegung wieder weg. Sie erklärte mir, dass sie ihn ja kaum kenne und es sei viel zu früh bla bla bla...

„Naja mir wäre er jedenfalls zu ruhig...", gestand ich ihr ehrlich.

„Dir ist jeder zu ruhig, der nicht mindestens genau so viel redet wie du. Deswegen bin ich schon so gespannt auf diesen Tommy."

„Oh auf den freue ich mich auch schon, weißt du was über ihn?"

„Nein, eben nur, dass er genau so sein soll wie du!"

Sie wackelte mit den Augenbrauen und wir grinsten uns wie Dämliche an.

-

Am nächsten Morgen, es war Sonntag, wachte ich erst gegen 10Uhr Morgens auf. Erschrocken starrte ich auf den Wecker. Ich blinzelte mehrmals, denn ich konnte nicht glauben, dass ich meine erste Nacht hier ohne Alptraum überstand.

Ein wenig verunsichert, aber doch erleichtert stieg ich aus meinem Bett und ging ins Wohnzimmer. Cora saß bereits auf der Couch und grinste mich breit an. Ihr schien aufgefallen zu sein, dass ich es schaffte eine ruhige Nacht hinter mich zu bringen. Sie wusste von meinen Alpträumen, immerhin wachte sie wahrscheinlich jedes Mal von meinem Geschrei auf. Ich wollte eigentlich in eine eigene Wohnung ziehen, denn ich hatte die Sorge Cora würde wegen mir bald an Schlafstörungen leiden. Doch mit diesem Vorschlag kam ich bei ihr nicht weit, sie wollte partout weiterhin mit mir zusammenwohnen.

Cora rutschte auf ihrem Stuhl herum und sah sich in der Wohnung um. Ich sah ihr dabei zu wie sie alles skeptisch unter die Lupe nahm, was mich zum Schmunzeln brachte. Sie war der Inbegriff einer Perfektionistin und war nie zufrieden, selbst mit ihren besten Leistungen nicht.

„Denkst du wir sollten die Wände doch..."

„Wir lassen alles so. Es sieht großartig aus!"

Ich musste sie unterbrechen, bevor sie wieder auf die Idee kam, die ganze Wohnung neu einzurichten. Sie nickte nur skeptisch und ich konnte mir mein Grinsen nicht verkneifen.

Später schrieb Cam uns eine SMS, dass heute eine „Pre-Semester"-Party in seinem Verbindungshaus steigen würde und er unsere Anwesenheit erwartete.

Cora wollte zuerst mal wieder nicht hingehen, sie meinte es käme nicht gut wenn wir jetzt schon auf Partys gehen würden, aber mir war das egal. Sie wusste, dass ich auch ohne sie gehen würde, also versuchte sie nicht mal mich umzustimmen und ließ sich selbst überreden.

Cora sagte zwar immer wieder, dass sie mich begleiten wolle, doch in Wahrheit ging sie bestimmt nur wegen diesem Luke auf die Party. Doch, mir sollte es Recht sein.

Wir kochten Spaghetti, während wir aßen verglichen wir unsere Stundenpläne. Erstaunlicherweise hatten wir zweimal pro Woche die selben Kurse, denn ich studierte Literaturwissenschaften, nicht wie sie Psycho. In den Programmheften stand ziemlich viel unnötiges Zeugs, aber hin und wieder fanden wir doch interessante Informationen. Wie zum Beispiel eine Einladung zum großen Feuerwerk am Ende des Monats. Jedes Jahr wird am letzten Samstag im September eine Party am Campus veranstaltet um die Geburtsstunde der Uni zu feiern, ein bisschen übertrieben fand ich, würde aber bestimmt lustig werden.

Der Nachmittag verging schnell und ich räumte schon meine Tasche für meinen ersten Tag als Studentin ein. Das tollste an dieser Uni war, dass man Montags erst ab 12Uhr mittags Kurse hatte. Ein Traum.

Wir spekulierten lange was wir anziehen sollten, doch da ich der Meinung war, dass auf eine Verbindungsparty sowieso nur die Campus-Flittchen gingen, entschied ich mich für eine Jeans-Short und einem weinroten Shirt. Cora sah das ein wenig anders und so zog sie ein knielanges cremefarbenes Sommerkleid an, in dem sie aber wirklich süß aussah. Mein Problem war, ich wollte nicht süß aussehen.

Nachdem ich Cora noch ein wenig wegen diesem Luke ärgerte, war es dann auch so weit. Wir gingen auf den Parkplatz vor unserem Wohngebäude, wo Cam schon hupend auf uns wartete. Wirklich nett von ihm, dass er uns abholte, aber wie wir wieder nachhause kommen würden war wohl unser Problem.

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