"Nein, nein, was du f├╝hlst, ist keine Liebe, sondern Besessenheit, eine Illusion." Irgendwie kommt mir das Lied in den Sinn, als ich zum 18. Mal mein Handy raushole und meine Nachrichten checke. Nat├╝rlich hast du nicht geschrieben, denn ich habe meine letzte Frage auch erst vor ungef├Ąhr einer Minute abgeschickt. "Hey, wie geht's dir?" Die gr├╝ne Sprechblase verh├Âhnt mich jetzt. Am liebsten w├╝rde ich sie einfangen, wie die Seifenblasen, denen man als Kind hinterhergelaufen ist, nur damit sie beim ersten Kontakt mit dem Zeigefinger unwiederbringlich zerplatzen.

Ich dr├╝cke auf "Nachricht l├Âschen", als k├Ânnte ich damit auch die Worte auf deinem Telefon wieder zur├╝ckholen. Zumindest f├╝hle ich mich jetzt nicht mehr ganz so l├Ącherlich, denn ich kann so tun, als w├Ąre das alles nicht passiert. Ich lege meine Telefon mit dem Display nach unten. So kann ich wenigstens nicht sehen ob du antwortest, zumindest in der Theorie. Ich muss aufs Klo. Wenn ich lange genug wegbleibe, hast du mehr Zeit mir zu antworten. Ich lasse mir extra viel Zeit, wasche meine H├Ąnde die vorgeschriebenen 30 Sekunden lang, ziehe meinen Lidstrich nach und hole mir auf dem R├╝ckweg noch einen Kaffee aus der K├╝che. Als ich mich wieder auf die Couch setze klopft mein Herz, als w├Ąre ich eben einen Marathon gelaufen und ein bisschen schlecht ist mir auch. Ehrf├╝rchtig hebe ich mein Telefon hoch und beleuchte das Display. Es bleibt leer. Keine neuen Nachrichten.

Ich wei├č nicht, wie du das immer machst. Du antwortest nie sofort. Wenn du mir schreibst, dann schaffst du es immer, dass ich direkt neben meinem Telefon sitze und mit mir k├Ąmpfen muss auch nur eine Sekunde mit meiner Antwort an dich zu warten. Aber anders herum, Stille. Ich lese mir unsere alten Nachrichten durch und suche nach dem Hinweis, dass du nichts mehr mit mir zu tun haben willst. "Ich vermisse dich," schreibst du da. An einem anderen Tag ist es: "Schade, dass du nicht da bist," und dann tagelang nur belangloses Zeug. Die letzte Nachricht von dir ist. "Bis bald". Ich w├╝nschte es w├Ąre endlich "bald". Gerade will ich mein Display wieder schwarz werden lassen, als ich sehe, dass du online bist und die zwei verr├Ąterischen Haken hinter deinem Namen aufblinken. Mein Daumen hinterl├Ąsst einen nassen Abdruck auf dem Telefon, als ich ihn ganz vorsichtig wegnehme, so als k├Ânnte er dich daran hindern mir zu antworten. Ich warte eine Minute, zwei Minuten und du bist wieder offline. Tr├Ąnen schie├čen mir in die Augen und ich schmei├če mein Telefon in die Ecke. Ganz sanft nat├╝rlich, denn ich m├Âchte ja nicht doch aus Versehen eine Nachricht von dir verpassen.

Ich glaube der Schl├╝ssel ist es, einfach nicht vor dem Telefon zu warten, also gehe ich Joggen. Ich bin mittlerweile wahrscheinlich so fit wie schon lange nicht mehr. In der Hinsicht, hast du mir wirklich sehr geholfen. Als ich verschwitzt nach Hause komme, habe ich es sogar wirklich geschafft mal 10 Minuten nicht an dich zu denken, aber das ├Ąndert sich, als ich meine Wohnung betrete. Ich zwinge mich erst zu duschen bevor ich mich wieder meinem Verderben widme.

Mein Display blinkt: "Gut, und dir?". Erleichtert atme ich aus und setze mich auf die Bettkante. "Super, was machst du heute?". Du bist offline. Ich lege das Handy aus der Hand und warte genau eine Minute bis ich das Spiel von vorne beginne.

Comments

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    Diese Situation, die wohl jeder von uns kennt, wurde von dir in wundersch├Ânen Worten beschrieben. Ein sehr sch├Âner Text!

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    Wie sehr doch die Handys unser Leben mittlerweile bestimmen... Wie immer sehr sch├Âner Text! :)

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    Super!

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