Part 14

Neugierig betrat ich den Raum, doch die Neugierde legte sich bereits nach wenigen Sekunden. Die Wände, die Decke ja sogar der Boden waren mit schwarz-weiß- Zeichnungen ausgestattet. Zeichnungen von jungen Mädchen, alle in etwa ein Alter, mein Alter. Einsam, ja gar verlassen lagen sie auf dem Boden mit einem Schwert im Herzen.

Eingehüllt in ihr eigenes Blut.

Als sich meine Gedanken zu einem logischen, roten Faden verknüpft hatten, als ich begann zu verstehen wie real das alles war, sammelten sich Schweißperlen auf meiner Stirn.

Mir wurde heiß und ein paar Sekunden später verspürte ich eiserne Kälte. Mir lief es eiskalt den Rücken hinunter, als ich in die detailliert gestalteten, schmerzhaft, verzerrten Gesichter der Mädchen blickte. Meine Stimme war verschwunden und ich stand wie angewurzelt auf einem Fleck.

Meine Blicke schweiften über die zahlreichen ermordeten Mädchen.

Hat es sie gegeben? Oder waren das nur die Phantasien, eines Verrückten? Waren sie wirklich tot? Sie wirkten so real, als hätte es diese Mädchen wirklich gegeben. Sie und ihre ganz eigenen Geschichten. Dann aber rutschte mir mein Herz fast in die Hose.

Ich erblickte mich. Am Ende der Wand mir gegenüber hing ein weiteres Bild. Es stach nicht hervor, es war bedeutungslos, wie jedes Andere.

Aber ich erkannte mich. Es war mein Bild! Es zeigte mich! Tot! Wer hatte es gezeichnet? Wer wollte mich so sehr tot sehen? Aber was noch viel wichtiger war.

Wie war es in mein Zimmer gelangt?

Wer war in meinem Zimmer gewesen? Wie oft ich versucht hatte diese Frage zu unterdrücken, doch jetzt konnte ich sie nicht weiter verstecken, sie kam unbewusst auf und ich wusste keine Antwort auf sie. Nur weitere ungeklärte Fragen, die sich ihr anschlossen und mich noch mehr in Schrecken versetzten. Was hat es für einen Sinn, dass ich hier bin? Was hat das mit mir zu tun? Zu viele Fragen, aber keine Antworten!

Die Tür viel hinter mir ins Schloss. Ich schluckte, drehte mich dann aber unsicher um. Ich blickte in mir vertraute, blaue Augen. Ein verschmitztes Lächeln eingehüllt in volle, blutrote Lippen kam mir entgegen. Er war es, der Junge. Erleichterung machte sich in mir breit und ich viel ihm in die Arme.

Doch diese Erleichterung blieb nicht lange.

Wieso war er hier? Hatte er mich gesucht oder hatte er etwas hier mit zu tun? Wie hatte er mich gefunden? Ich löste mich aus seiner Umarmung und starrte in seine wunderschönen Augen. Alle Fragen waren vergessen.

Die Angst, die Befürchtungen legten sich, wurden nebensächlich. Was auch immer seine Augen mit mir versuchten anzustellen, es funktionierte.
"Was machst du hier Prinzessin?" Prinzessin? Noch nie hatte mich jemand so genannt. Durfte er mich so nennen? Sollte er mich so nennen? War es nicht ein Name der unsere Beziehung enger wirken ließ, als sie sein sollte?
"Ich ähm.", stotterte ich und versuchte dem Bann seiner Augen zu entkommen.
"Du siehst gut aus." Was? flirtete er gerade mit mir?

Ich wollte mich dagegen wehren, aber seine Ruhe, seine Fürsorge sie ließen mein Herz schmelzen. Dieses Lächeln unglaublich charmant, unwiderstehlich. Ich wollte ihm näher sein, näher als ich es hätte sein dürfen. Ich durfte nicht einmal diese Gedanken haben.
"Darf ich bitten?", lachte er unschuldig und reichte mir seine kalte Hand.
In Schwärmerei versunken starrte ich ihm entgegen und konnte meine Blicke von seinen muskulösen Körper nicht abwenden.

Aber es war falsch, es war unfair. Ich brach alles was ich meinem Freund selbstsicher versprochen hatte. Es war so falsch, aber zugleich verlockend.

Doch er ließ mir keine Wahl. Langsam schritt er auf mich zu, griff nach meiner schwitzigen Hand und zog mich mit sich. Die Treppe runter, durch die Anlage, über den Friedhof und dann direkt in den Wald. In den Wald mit einer schrecklichen Erinnerung. Mit einem schrecklichen Geheimnis, das ihm sein Lächeln nehmen könnte.

Draußen wurde es schummrig, immer weiter zog er mich in den düsteren Wald. Wo war meine Skepsis? Meine Angst?

Ich wäre verloren, würde er mich einsam im Wald stehen lassen und ich wusste diese Macht besaß er. Woher kam dieses große Vertrauen, dass ich ihm schenkte? Dem Jungen, dessen Namen ich immer noch nicht kannte? Ich kannte ihn nicht im Geringsten und trotzdem verspürte ich einen Hauch des verliebt Seins... wem mache ich hier etwas vor?

Ich brauche es nicht mehr leugnen. Es war kein Hauch, ich war verliebt. Unsterblich verliebt! Mittlerweile befanden wir uns tief im Wald, eingehüllt von Bäumen die einander glichen. Plötzlich viel mir auf, dass ich mich selbst gar nicht bewegte. Zwar liefen meine Beine und ich kam vorwärts, aber ich strengte mich keineswegs an.

Als würde ich schweben?

Auf einmal blieben wir ungeahnt stehen und er riss mich damit aus meinen Gedanken. Meine Blicke vielen auf einen umgefallen Baumstamm, der uns einlud. Wie selbstverständlich setzten wir uns, die Hände immer noch in einander verschränkt. Mittlerweile war es schon dunkel geworden und ich fragte mich, ob wir aus dem Wald wieder hinaus finden würden. Der Mond schien auf uns hinab und erinnerte mich an ein Märchen.

Er berührte meinen Oberschenkel und sofort ging ein Kälte Stoß durch meinen Körper. Für ein paar Sekunden sahen wir uns einfach nur in die Augen, dann aber merkte ich das meine Hände seine Kälte langsam aufnahmen und sie begannen zu zittern. Der kalte Wind hüllte uns ein und ließ mich frösteln.

Ich starrte auf meine Arme, als ich bemerkte, dass ich gar keine Jacke trug. Ein Freude erweckendes Grinsen legte sich auf seine Lippen, als er meine Sorge mitbekam. Er zog sich seinen warmen Pullover aus und gab ihn mir. Jetzt saß er in einem T-Shirt neben mir und schien sich die Grippe holen zu wollen.
"Bist du verrückt? Du erfrierst noch."
"Ist schon okay, solange dir warm ist."

Nun konnte auch ich mir kein Lächeln verkneifen. Schnell zog ich mir den Pulli über den Kopf und schon spürte ich wieder etwas Wärme. Unauffällig rutsche ich etwas näher an ihr heran und legte meinen Kopf vorsichtig auf seine Schulter. Ich betrachtete den glasklaren Sternenhimmel und entdeckte plötzlich eine Sternschnuppe.
"Da, eine Sternschnuppe.", rief ich begeistert, richtete mich auf und streckte meine dünnen Finger in den Himmel.
"Wünsch dir was Prinzessin", flüsterte er leise und strich sanft eine lockige Strähne aus meinem Gesicht. Ich spürte wie ich nervöser wurde und begann auf meiner Unterlippe herum zu kauern. Sanft strich er über meine Wangen und legte seine Blicke auf meine Lippen. Verführerisch zog er sie langsam hoch zu einem Lächeln und ließ seine strahlenden Zähne kurz aufblitzen.

Dann kam er mir immer näher und schließlich trafen sich unsere Lippen leicht. Die zarkhafte Berührung ging langsam in etwas leidenschaftliches über. Ich merkte wie unsicher ich wurde und zog kurz darauf meinen Kopf weg von ihm. Irritiert blickte er mir entgegen und begann auf seiner inneren Wagenseite herumzukauern.

Die Stille zwischen uns nagte an mir und machte mich noch nervöser. Um sie zu beenden, beugte ich mich zu ihm vor. Kurz lächelte ich, ehe wir uns erneut leidenschaftlich küssten. Bäume knarrten ihm kalten Wind, ein Uhu rief durch die stürmische Nacht und leichte Regentropfen begannen sich auf uns niederzulassen.


Comments

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    Huhu :) Wie gruseli mit den ganzen Bildern, und dann auch noch so eines von sich selber so zu sehen. Was der Junge da wohl machte? Und warum nannte er sie Prinzessin? Ob das so schlau war von ihr mitzugehen, wird sich wohl noch zeigen. Der Junge wird auf jeden Fall immer mysteriöser. Bin gespannt, wie es weiter geht :) Liebe Grüße, Fiamma^^

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