Part 18

Ich starrte auf seine Hand, die er mir fast ins Gesicht hielt. Kurz zögerte ich, doch dann begriff ich, dass ich womöglich keine andere Wahl hatte, was würde er von mir denken?
Er nickte dem Mädchen zu und daraufhin verschwand sie mit einem lauten Platscher. Wir waren allein und ich wollte die Gelegenheit nutzen, um mich zu erkundigen, ob das Verbinden meiner Augen wirklich notwendig war.
Doch schon als ich meinen Mund öffnen wollte, hob er panisch seine Hand und legte sie mir auf den Mund. Prompt schlug ich sie weg und starrte in sein ernstes Gesicht.
Jegliche Ansätze eines Lachens waren verschwunden, er hatte eine abwehrende Haltung eingenommen und sein Blick wirkte kalt, gar abweisend.
"Sei still!", flüsterte er verärgert und griff energisch nach meiner Hand. Wie redete er mit mir?
"Kannst du d..."
"Pst! Du bekommst noch Antworten", unterbrach er mich leise, wobei seine Blicke aufgeregt durch den kahlen Wald wanderten. Ich machte keinen Muchs mehr, denn ich hatte seinen "kleinen" Kontrollverlust im Wald keines Falls vergessen.
Ich versuchte meinen rasenden Puls und meinen schnellen Atem unter Kontrolle zu bekommen, denn er stand mir plötzlich so nah, dass ich die Sorge bekam, er könnte es hören.
Letztendlich waren es fünf lange Minuten, wie wir im Schweigen eingehüllt nebeneinander standen.

Die Stille wurde durch leises Plätschern gestört und ein Wesen kam auf uns zu geschwommen, ganz ohne einen großen Auftritt. Erneut krallten sich rote Fingernägel in den matschigen Boden und sie setzte sich mit dem Rücken gekehrt zu uns.
Den Kopf senkte sie, als wären unsere Blicke ihr peinlich. Das Mädchen warf ein paar Sachen wie Lumpen neben sich. Ich starrte diese eine Weile an und vergas den merkwürdigen Touch den sie mit sich brachte.
Ihr Rücken war samtig und die Statur dünn, die Haare ähnelten dem Wesen zuvor stark, doch ihr Verhalten ließ mich zweifeln ob es Laureen war. Sie warf mit einem Schwung ihre breite Schwanzflosse auf den Boden neben sich.
Keine Sekunde verging, als ihre Schwanzflosse sich von dem schönen Lila zu einem hell-Blau dann zu einem limonen-Grün und schließlich zu einem Hautton der gut zu ihr passte, verwandelte. Plötzlich schien ein nackter Mensch vor uns zu stehen. Es gab keinen Unterschied bis auf die Tatsache, dass sie keine Kleidung trug.
Beschämt hob sie die nass triefenden Klamotten vom Boden auf und zog sich langsam an. Ich wandte meine Blicke von ihrem entblößten Körper ab und konzentrierte mich auf die Blicke des Jungen.

Als würde er von ihrem nackten Rücken nicht weg sehen können, erschrak er sich, als sie sich zu uns drehte. Ruckartig wanderten seine Blicke weg von ihr und tief in den Wald hinein. Die nasse Kleidung tropfte und ich fragte mich ob ihr das bei diesem Wetter nicht viel zu kalt war.
Man konnte selbst unseren Atem vor Kälte erkennen, doch sie schien das kaum zu stören. Plötzlich begann sie orientierungslos in der Luft herum zu fuchteln und Funken schmiegten sich eng an ihren Körper. Sie flogen um sie herum und schienen die Nässe aufzusaugen. Einen Augenblick später waren Nässe und Funken verschwunden.

Ich merkte wie mein Mund vor Fassungslosigkeit immer weiter auf ging, doch das war nicht nur bei mir unbemerkt geblieben.
"Geht's dir gut?"
"Was?"
"Ich frage dich warum du mich so bedeppert anstarrst, sorry ich wollte nicht in triefnassen Kleidern bei höchstens einem Grad draußen stehen!" Nein es gab keine Zweifel mehr, das konnte nur Laureen sein.
Bedrohlich lief sie auf mich zu und strafte mich mit finsteren Blicken. Ich lief immer weiter nach Hinten, doch irgendwann zog mich der Junge wieder zu sich heran und ich musste in die gefährlich, sandgelben Augen starren. Eingebildet hob sie ihren Kopf und schritt lächelnd auf den Jungen zu.
Sie schwang ihre Arme um seinen Hals und flüsterte etwas in sein Ohr, worauf hin er Mühe hatte sich ein breites Grinsen zu verkneifen. Ich spürte wie ich gefährlich eifersüchtig wurde. Was dachte er sich? Ach was dachte ich mir? Hatte ich wirklich gedacht so jemand würde etwas von einem gewöhnlichen Mädchen wie mir wollen?
Langweilig und wahrscheinlich unglaublich zickig. Wer war ich überhaupt? Ich hatte das Gefühl, dieser Ort würde mich völlig verändern. Nicht nur mich auch meine Ansichten, meine Familie.
Ich war reich, ich hatte so viele Freunde, dass ich sie nicht einmal alle zählen könnte. Und... ich hatte einen Freund, also warum um alles in der Welt verspürte ich das nervige Gefühl der Eifersucht? Etwa weil er mir keine Aufmerksamkeit schenkte?

Auf einmal stand sie auch mir gegenüber und riss mich aus meinen Gedanken. Sie hielt mir einen schwarzen Verband vor's Gesicht, den auch der Junge trug. Ich schluckte, denn ich hatte Angst der Verband würde mich einengen, meine Freiheit nehmen und mich verletzbar machen.
Suspekt, denn seine Hand tat das Gleiche.

Es schien als wolle er mich nicht mehr loslassen, als würde er mich bestimmen. Doch seine Hand gab mir Sicherheit.
„Wir machen das zusammen du brauchst keine Angst haben, ich habe das schon tausend mal gemacht und ich vertraue ihnen.", versuchte er mich zu beruhigen und verstärkte den Druck an meiner Hand.
Er vertraute ihnen? Na und! Das hieß noch lange nicht das ich das auch tat. Das Wesen begann meine Augen zu verbinden. Sie machte es mit solch einer Lieblosigkeit, dass ich das Gefühl bekam sie würde mir mehrere Haar Fetzen ausreißen.

Wir standen eine Weile, bevor sie uns ein Seil gab und begann uns über die Brücke zu führen. Vorsichtig setzte ich einen Fuß vor den anderen und spürte schon nach kurzer Zeit den rutschigen Boden unter meinen Füßen. Auch wenn ich den Boden nicht sehen konnte, war ich fest davon überzeugt, wir würden über eine Glasbrücke laufen.
Unsere Schritte hallten auf dem glatten Boden und gaben mir einen Hauch von Sicherheit. So lange ich dieses Geräusch vernahm wusste, ich wir würden nicht in dem giftigen Wasser landen.
Bis auf unsere Schritte war es still um uns herum, nicht ein Vogel sang und der Sturm war längst verschwunden.

Die Schritte wurden immer schneller und das Seil straffer. Ich hatte Mühe dem Tempo gerecht zu werden, denn die Dunkelheit in der ich mich befand machte mich ängstlich.
Doch langsam gewöhnte ich mich an die Dunkelheit und konnte mich besser in ihrem Tempo bewegen. Ich versuchte mir den Weg zu merken, für den Fall ich müsste augenblicklich aus dem kleinen Häuschen flüchten, doch schon nach der Hälfte des Weges hatte ich, aufgrund der vielen Schlangenlinien, den Weg vergessen.
Ich rümpfte die Nase als mir ein fischiger Geruch in die Nase stieg. Ob das Laureen war? Ich verwarf diesen Gedanken, als sich der Boden unter meinen Füßen änderte. Das hallen unserer Schritte wandelte sich zu einem Knirschen um und wir liefen plötzlich auf Sand.
Endlich blieben wir stehen und ich atmete tief aus.

Ich war gespannt wie es wohl im Inneren der Häuser aussah und ich konnte es kaum erwarten, endlich wieder etwas sehen zu können.
Wir hielten immer noch Händchen, als sie mir den Verband abnahm und ich sah wie das letzte bisschen gelb aus ihren Haarspitzen verblasste. Sie warf mir eifersüchtige Blicke zu und schaute immer wieder abwechselnd zwischen unseren Händen und mir hin und her.
Mein Lächeln wurde breiter, als ich begriff das sie auf mich eifersüchtig war.

Dieses Lächeln schien sie unglaublich zu stören, denn so breiter mein Lächeln wurde, desto mehr gelb schoss in ihre Haare.

Ich kannte mich keines Wegs aus, was diese Wesen betraf, aber kombinieren konnte ich schon.
Beim verbinden seiner Augen hatten ihre Haare knallrot geleuchtet und jetzt waren sie gelb, sicher änderten ihre Haare die Farben, wenn sich ihre Stimmung änderte.
Blutrot für die Liebe und das Gelb für den Neid. Mit erhobenen Kinn lief sie auf ihn zu, zog grob den Verband von seinen Augen und sprang schließlich mit einem lauten Platscher ins Wasser. Ich spürte wie sich meine Anspannung noch mehr lockerte, als wir endlich alleine waren. Er verstand das sie bereits verschwunden war, löste daraufhin seine Hand aus meiner, öffnete die braune Tür des Häuschens und ließ mich als Erste eintreten.



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