Part 7

Mit Panik spürte ich, wie sich die Taubheit durch meinen Körper fraß und jetzt auch meinen Rücken erreichte. Ich war schon fast dankbar dafür, weil das höllische Brennen in meinem Nacken endlich vorbei wart. Aber die schmatzenden Geräusche hinter meinen Ohren und das warme Blut, das an meinem Hals herunterlief, bestätigten mir, dass das Festmahl für das Monster keinesfalls zu Ende war. Ein letztes Mal versuchte ich noch mich mit meinen Armen hochzustemmen, aber auf halbem Wege ließen sie mich im Stich und ich brach zitternd zusammen. Spitze, kleine Steine bohrten sich in meine linke Gesichtshälfte, als mein Kopf auf den kargen Untergrund knallte. Obwohl ich wusste, dass wohl sowieso niemand kommen würde um mich zu retten, wollte ich nicht kampflos aufgeben und das Einzige tun, zu dem ich noch im Stande war. Bevor meine Stimme ebenfalls versagte, brüllte ich ein letztes Mal um Hilfe. Lauter als gedacht, schallte mein Hilferuf durch die Dunkelheit. Ich war stolz darauf, dass meine Stimme nicht weggebrochen ist und meine letzten Worte sich noch einigermaßen kräftig angehört hatten, denn schon spürte ich wie die Gefühllosigkeit an meinem Hals hinaufkroch und meine Stimmbänder lahm legte. Nur das Mampfen der Kreatur war noch zu hören.
So hatte ich mir mein Ende nicht vorgestellt. Eigentlich wollte ich immer im Kreis meiner Familie sterben, noch einmal in alle Gesichter schauen und dann nach einem langen Leben zufrieden die Augen schließen, um mich auf die letzte Reise zu begeben. Ich wollte in Ruhe sterben, mit Würde und innerer Zufriedenheit. Stattdessen lag ich mit dem Gesicht im Dreck, hatte nicht die leiseste Ahnung wo ich mich befand und ach ja, über mir kauerte wohl mein Mörder, der gerade hörbar an meinem nicht gerade würdevollen Tod arbeitete.
Was ich empfand, waren nunmehr Traurigkeit und Wut. Ich wollte noch viel mehr erleben. Stumme Tränen rannen aus meinen Augen und fielen in den Staub. Ich bedauerte die Zukunft, um die man mich beraubte. Komischerweise hatte ich keine Angst vor dem, was kam. Was könnte schlimmer sein, als das, was ich gerade durchmachte? Was auch immer mich erwartete, konnte nur besser sein als ein stinkendes, kauendes Monster. Nicht einmal vor dem Sterben hatte ich Angst, ich spürte weder Schmerzen, noch sah ich, was mit mir geschah. Ich konnte es nur anhand der Geräusche vermuten. Plötzlich bemerkte ich, wie der Druck auf meinen Körper kurz nachließ. Ruckartig wurde ich auf den Rücken gedreht und registrierte währenddessen, dass ich kaum noch Gefühl im Kopf hatte. Mein Bewusstsein entglitt mir immer mehr. Benommen hörte ich Stoff reißen und wusste mit einer beunruhigenden Absolutheit, dass mein Hemd gerade zerfetzt wurde. Ich ahnze schon, was gleich passieren würde. Meine Befürchtung wurde durch ein lautes Schmatzen und das Gewicht des Monsters auf meinem Körper bestätigt. Ich wollte das nicht hören, wollte mir die Ohren zuhalten, aber meine Arme lagen empfindungslos und unnütz neben mir. Mit geschlossenen Augen betete ich, dass es schnell gehen würde. Bevor mich die Taubheit jedoch vollkommen einlullte und meinen Geist mit sich nahm, glaubte ich Geräusche herannahender Schritte zu hören. Als würde mir hier jemand zur Hilfe kommen... 
"Jetzt halluziniere ich auch noch", dachte ich, bevor mein Kopf zur Seite kippte.

Comments

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    Du machst das immer so geschickt! :D Zum Schluss, wenn man UNBEDINGT wissen muss, wie es weitergeht, hörst du auf. Dann liest man sofort weiter, wenn der nächste Teil da ist! :D

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    Sweet! Can't wait for more.

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    krank! ich liebe es!! und verdammt spannend <3

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    Die Spannung steigt und steigt! Mein Herz klopft bis zum Hals. Alle Achtung ein toller Text. Ich hoffe es geht bald weiter!

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    Wir haben schon darauf gewartet, und das Warten hat sich gelohnt. Wie immer hörst du auf, wenn's grad interessant wird. Gut gemacht! Bin schon gespannt was den armen Kerl als nächstes erwartet - hoffentlich kriegt er zwischendurch auch mal was schönes ^^

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