Part 18

„Wie soll es jetzt weitergehen?“ Eros sprach aus, was Sakura dachte. Sie lagen neben dem Feuer am Boden. Ihnen war nicht kalt, weil der Körper des jeweils anderen sie wärmte. Sakura betrachtete die großen Hände des Snift mit den Krallen daran. Seltsam. Sie empfand keine Abscheu mehr davor. Beinahe fasziniert starrte sie die Schnurrhaare im Gesicht des Katzenmannes an. Wie um sich davon zu überzeugen, dass sie echt waren, griff sie nach den spitzen Katzenohren. „He, was soll das, hör auf.“ Eros wurde das Ganze unangenehm. „Du hast einmal gesagt, deine Mutter sei ein Mensch gewesen. Erzähl mir von deinen Eltern.“, bat Sakura. „Da gibt es nicht viel zu erzählen. Meine Mutter hieß Maya Raffael. Sie lebte in einem kleinen Dorf im Nirgendwo. Eines Tages rettete mein Vater, Itodáim, sie vor einem wild gewordenen Stier. Er wurde dabei schwer verletzt. Während sie ihn gesund pflegte, verliebten sie sich ineinander. Ende der Geschichte.“ Es muss schwer für sie gewesen sein, dachte Sakura bei sich. Aber sie hütete sich, es laut auszusprechen. „Wo sind sie jetzt?“ „Unser Dorf war nicht sehr Sniftfreundlich. Sie vertrieben uns. Mein Vater nahm mich und meine Mutter mit in ein Sniftdorf. Dort leben sie heute noch. Da ich so aussehe wie mein Vater, würde ich niemals friedlich unter Menschen leben können. Das wusste er. Er brachte mir die Bräuche und Sitten beider Völker nahe. Ich wuchs als Snift auf. Aber ein Teil von mir wird immer Mensch sein.“ „Haben sie dich deshalb als Unterhändler zu uns geschickt?“ Sakura kuschelte sich an seine warme Brust. Einen Moment lang musste sich Eros zusammen nehmen. Aber er wollte nicht mit einer unbedachten Handlung alles wieder kaputt machen. Auch wenn der Wunsch sie anzufassen oder zumindest zu küssen beinahe übermächtig wurde. „Was sagst du? Oh, ja vermutlich. Ich meine, wer wäre besser geeignet für diese Aufgabe als ich.“ Er lachte unsicher. Mehr um sich selbst abzulenken, wechselte er das Thema. „Ich soll dir übrigens von Ferdinand ausrichten, dass er und Franziska auf dich warten. Er gab mir Kuchen mit von Franziska und…“ „Du hast Kuchen dabei? Von Franziska?“ Sakuras Augen leuchteten. Oh verdammt, warum bist du nur so süß. Zu spät. Seine Lippen lagen auf den ihren. Für den Bruchteil einer Sekunde hatte er sich nicht unter Kontrolle gehabt. Sofort ließ er ab von ihr. „Entschuldige.“ Betreten sah er weg von ihr. Sakura war erstarrt. Ihr Herz raste. Was war das eben. Hatte er sie geküsst? Sie war erst 19 Jahre alt. Hatte keine Ahnung von diesen Dingen. Sie wusste zwar, was sich die anderen Mädchen verstohlen hinter vorgehaltener Hand erzählten. Und das ließ ihr meist die Schamesröte ins Gesicht schießen. Für solche Dinge hatte sie sich aber nie sonderlich interessiert. Sie jagte lieber Hasen und angelte Fische, als sich von irgendwelchen Jungen jagen oder angeln zu lassen. Aber das eben. Das…“Mach das nochmal.“ Flüsterte sie. Es hatte ihr gefallen. Und es schmeckte nach mehr. Eros traute seinen Ohren nicht. Hatte er sich verhört? Und was war das für eine Reaktion? Hatte sie bisher noch nie jemand geküsst? Er tat es nochmal, spürte ihre sanften, weichen Lippen auf den seinen. Der Geschmack vom Fisch, den sie vorher gegessen hatten, lag noch darauf. Ihr entfuhr ein wohliger Seufzer. „Halt! Moment!“ Mit sanfter Gewalt, mehr gegen sich selbst, als gegen sie ankämpfend, löste er sich von ihr. Er war mit seinen 25 Lenzen bereits einige Male weiter gegangen und wusste daher, wo all das enden würde. Aber wusste sie es? War es wirklich in Ordnung? Seine Zurückweisung schien sie tief zu treffen. Sie wollte aufstehen. Weg von ihm. Es war ihr plötzlich peinlich dort zu sein. „Bitte, lauf nicht weg. Ich… Ich weiß nicht, ob ich mich noch länger zurückhalten kann. Das ist alles.“ Unbewusst hatte er sie fest am Handgelenk gepackt. Die leise Panik, die kurz in ihren Augen aufflackerte, erschreckte ihn. Aber sie war schon wieder weg. Weg aus ihren wunderschönen, rehbraunen Augen. Sie setzte sich wieder neben ihm hin. „Weißt du, Eros. Ich mag jung und unerfahren sein, aber ich weiß durchaus, dass nach dem Küssen noch was anderes kommt.“ Eros wurde bis zu den Katzenohrenspitzen hochrot. „Oh.“ Sagte er. „Und ich mach die ganze schöne Stimmung kaputt. Ich Idiot.“ Lachend und erleichtert ließ er sich zurückfallen ins weiche Gras. „Mir ist kalt.“ Er wusste, Sakura brauchte nur eine Entschuldigung. Sie legte sich wieder zu ihm. „Komm her, ich halt dich warm.“ Seine Arme umschlangen sie zärtlich.

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