Part 7

Rincobal


Am Ende der Ebene von Julgat schloss sich ein uralter Wald an. Ein uralter Wald der seit Menschengedenken von den meisten Lebewesen möglichst gemieden wurde. Eine ganze Woche benötigte man, um ihn zu durchqueren. Es war ein geheimnisvoller Wald und nur ganz Wenige hatten ihn je erkundet. Geheimnisvolle Wesen sollten hier leben. So wurde von einem schwarzen Hexer berichtet, der seit tausenden von Jahren hier leben und sein Unwesen treiben sollte. Rincobal. Ja, das war sein Name. Es ging das Gerücht um, er könne fliegen und sich sogar in andere Gestalten verwandeln. Andere hatten von einem Volk kleinwüchsiger Wesen berichtet, die unter der Erde wohnten und unterhalb der Baumwurzeln ihre Städte erbauten. Man nannte sie die Gnomm.

Der äussere Rand des Waldes bestand aus Mischwald. Nach etwa zwei Tagen der Reise in das Innere des Waldes wechselte er sein Gesicht. Weit auseinandergezogen standen uralte und weit über hundert Meter hohe Eichen erhaben in diesem Teil des Waldes. Ehrfurchtgebietend ragten ihre weit ausladenden Kronen in den Himmel. Danach grenzte ein Buchenwald an. Sie standen dichter als die Eichen und wenn im Sommer das Blattwerk voll ausgetrieben war, fiel kein einziger Sonnenstrahl mehr auf den Waldboden. Hier in diesem Teil des Waldes fand man keinen einzigen Vogel. Sie mieden diesen Teil des Waldes. Nach dem Buchenwald folgte ein besonderer Teil des Waldes. Sein Kernstück. Der Sternbaumwald. Wie alt die Sternbäume waren, konnte niemand sagen. Sie waren schon immer hier und schon in den Aufzeichnungen des ersten Zeitalters wurden sie erwähnt. Einmal im Jahr, so wurde erzählt, begannen die Bäume mit Einbruch der Dämmerung ihren Tanz. Sie wiegten sich alle gemeinsam im Takt hin und her, egal ob es windig war oder nicht. Sie taten dies aus eigener Kraft.

Diese Zeremonie dauerte genau bis Mitternacht an. Dann begannen sie wunderbar zu leuchten. Und plötzlich, wie auf ein vereinbartes Zeichen standen sie alle ganz still. Beim ersten Morgengrauen dann warfen sie all ihre Blätter ab. Bis auf das allerletzte Blatt. Über und über war dann der Waldboden mit den Blättern bedeckt. Blieben sie bis zum Frühjahr liegen, konnten diejenigen die ihrer Kraft kundig waren, wunderbare Heiltränke daraus brauen. Wurden sie jedoch sofort aufgesammelt, schnell getrocknet und anschliessend mit Krallkraut vermischt, wurde etwas daraus, dass grossen Schaden anrichten konnte. Doch zum Glück gab es nur sehr wenige Menschen die wussten, wie dieses Kraut zubereitet wurde. Das Oarkraut.....

Rincobal war einst der erste Mensch, der diesen Wald bewohnte. Weise und mit ruhiger und gerechter Hand lenkte er die Geschicke des Waldlandes. Aus der Verbindung eines Zaubererpaares hervorgegangen erlernte und beherrschte er bereits als junger Mann die mächtigsten Zauber und zog hier in den Wald. Die Gnomm, die bereits damals hier ansässig waren, akzeptierten ihn als gütigen und weisen Verwalter des oberen Waldlandes. Man lebte friedlich zusammen und nutze die Gaben des Waldes. Eines Tages zog eine weisse Hexe durch den Wald und kam an das Haus von Rincobal. Sie verliebten sich auf der Stelle unsterblich ineinander und wurden ein Paar. Kein Jahr später sollte Paldisia ihr Kind gebähren, doch es gab sehr grosse Komplikationen und Mutter und Kind überlebten die Geburt nicht. Keiner seiner Zauberkünste war imstande sie zu retten. Er hat es sich nie verzeihen können, dass er nicht fähig war, ihnen zu helfen. So verlor er seinen Glauben an die weisse Seite und wandte sich der schwarzen Seite zu. Rincobal begrub beide unter der mächtigen Krone der grössten Sternenbaumes. Er versäumte es keinen Tag, ihre Gräber zu besuchen.

Jedes Jahr grämte er sich mehr und wurde zu einem kalten ungnädigen Mann, der die Freude am Leben verloren hatte. Die Gnomm, die beim Bau ihrer unterirdischen Gänge immer tiefer ins Erdinnere vorgestossen waren, fanden eines Tages ein seltsames Metall. Falgorit. Es wurde nach dem Namen des Finders benannt. Falgor war der erste, der es entdeckte. Das besondere an Falgorit war, dass es vermischt mit Oarkraut eine ungeheure Sprengkraft entwickelte, wenn es mit Feuer in Berührung kam oder verbrannt wurde. Rincobal, dessen Geist inzwischen vor Gram krank geworden war, entwickelte mit seinen Zauberkräften etliche unmenschliche und gemeine Dinge, die er dem Oarkraut beimischte. Eine unseelige Zeit hatte begonnen im einst so friedlichen Waldland. Immer wieder trieb er die Gnomm an, noch tiefer zu graben, denn das Falgorit lag tief verborgen und die Mengen die gefunden wurden, waren nur sehr gering. Er setzte seine Macht ein, um die Gnomm zu noch grösserer Leistung bei der Förderung des Metalls anzutreiben und hatte kein Mitleid mit ihnen. Er wurde zu einem machthungrigen, menschenverachtenden Diktator, der von allen gefürchtet war und dem niemand wagte zu widersprechen. Ungehorsam wurde furchtbar bestraft und er duldete keinen Widerspruch.

Im Schutze des tiefen, geheimnisvollen Waldes waren die Veränderungen hier niemandem ausserhalb aufgefallen. Rincobal hatte sich vor einiger Zeit aufgemacht, um das Land rings um das Waldland zu erkunden. Seine Gestalt hatte er verändert und war als einfacher Wanderer aufgetreten. Eines Tages kam er in ein kleines Dorf. Einvernehmen und Frieden herrschten hier. Familien die glücklich miteinander lebten. Er blieb einen Tag und eine Nacht und lernte eine Familie kennen, die einen kleinen blonden Jungen hatten. Das Ehepaar liebte sich sehr und ihren Sohn umso mehr. Sie hatten alles..... alles das was er nicht mehr hatte....  

Er verliess das Dorf und zog sich in den Wald zurück. Die Eltern des Jungen waren Lichtmagier. Dies hatte er schon heraus gefunden. Er beobachtete sie wochenlang, ohne dass sie irgendetwas bemerkten. Jedesmal wenn er sie zusammen sah, vergrösserte dies seinen Schmerz über seinen grossen eigenen Verlust. Das Schicksal hatte ihm übel mitgespielt. Es war nicht gerecht! Er wollte einen Ausgleich. Und er hatte einen Plan.....

                  

Comments

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    Hey, ja hier wird es spannend. Anfangs habe ich ziemlich häufig was von Wald gelesen, was sehr irritierte. Der erste Gedanke, der mich erschlich war... Wo ist meine Brille. Um dies zu umgehen, wäre es hier ratsam, den Absatz mit der Umschreibung des Haines neu zu strukturieren, sodass deutlich weniger "Wald" so kurz hintereinander auftaucht. Nichtsdestotrotz ist das folgende wieder im Fluss. Bin gespannt, wie sich die Fäden dieses augenscheinlich Boshaften weiter verweben. Man soll ja grundsätzlich niemals vom offensichtlichen ausgehen. Da ich ab und an ähnlich vorgehe, knüpfen sich meinerseits vermutlich gänzlich andere Bilder, als bei andern:) Wow, das klingt jetzt echt schräg XD

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    Auch mir gefällt dein Geschichtsverlauf sehr gut und ich vermute bereits den spannenden und klugen Ausgang der Gesichte! Däumchen dafür

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    Aha! Stück für Stück, Zeile für Zeile, erfahren wir ein wenig mehr! Es gefällt mir sehr gut, wie du diese Geschichte aufbaust!

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    Oooh ... da kommt Licht ins Dunkel... und irgendwie verspüre ich auch Mitgefühl mit Ringobal, obgleich ich sein (vermutliches) Vorgehen nicht gutheissen kann... Mir gefällt deine Beschreibung dieses Waldes, all der wundersamen Wesen...!! Sehr fantasievoll!

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