Part 12

"Ich sage doch nur, wenn du erwachsen bist, dann solltest du nicht wie Kaugummi an einer Schuhsohle an seinem Arm kleben", Badria fuchtelte bedeutsam mit den Händen, als sie durch das violett flackernde Portal trat und der Sand der Insel unter ihren Schuhen knirschte.
Cecilia lächelte geziert und hing noch immer an Sethos' Arm, als sei sie dort festgenagelt. Die Diskussion zog sich bereits seit ein paar Minuten und Phil hatte die Unterhaltung wie ein Tennismatch verfolgt.
Sie waren eine Weile durch die verkohlten Gänge geirrt und Sessy hatte sich irgendwann abgeseilt mit den Worten ihres Vaters: "Ich bin zu alt für diesen Scheiß!"
Danach war er mit Sethos, Cecilia und Badria allein gewesen. Ersterer bedachte ihn immer wieder mit anzünglichen Blicken, die bewirkten, dass sich seine Nackenhaare sträubten. Cecilia beachtete ihn kaum. Sie war zu beschäftigt ihrer erklärten besten Freundin beizubringen, dass man auch als volljährige Vampirin an ihrem Vater hängen darf, was bei der dunkelhaarigen Badria auf Unverständnis stieß.
"Du bist bloß neidisch, weil dein Daddy nicht mehr aufzufinden ist", erklärte Cecilia nun, da auch sie ihr durch das Portal trat, das sie auf die Insel bringen sollte. Dem sicheren Ort in Kathys Gehirn, wo nach Zephyrs Angaben auch Felix war. Phil seufzte erleichtert auf, als er ihnen folgte und im nächsten Moment in die gleißende Sonne blinzelte. Er entdeckte andere Leute und etwas entfernt sogar Felix. Er schien wohlauf zu sein. Endlich würde alles gut werden.
"Mein Vater ist wenigstens kein so erbärmlicher Waschlappen!", fauchte Badria und wirbelte herum, um die Blondine aus vor Wut sprühenden Augen anzufunkeln, "Er hat mir Großes vermacht. Was hat deiner dir geschenkt? Ein Gehirn war sicher nicht dabei so hohl wie dein blondes Köpfchen ist!"
Ihre Stimme hatte sich während sie sprach um eine Oktave erhöht und war schrill geworden wie der Schrei einer Banshee. Auch ihr Äußeres veränderte sich. An ihrer Stirn brachen gebogene Hörner durch, violetter Rauch stieg um sie herum auf und eine ungeheure Energie ließ die Luft um sie erzittern.
Phil wich erschrocken ein paar Schritte nach hinten, stolperte und landete im weichen Sand, von wo aus er gebannt die Szene verfolgte.
Cecilias puppenhaftes Gesicht verzog sich zu einer Fratze und die langen Eckzähne schoben sich über ihre Unterlippe, während ihre Nägel sich wie Krallen ins Fleisch von Sethos' Arm schlugen. "Er ist hier und das ist das größte Geschenk, dass ein Vater dir geben kann, Badria! Liebe!", ihre Stimme klang nur halb so bedrohlich wie die ihrer Freundin, denn sie kippte beim Sprechen um und es klang als würde ein Mensch auf Helium versuchen wütend zu klingen.
Sethos verzog gequält das Gesicht. Die Krallen Cecilas hinterließen bereits Spuren und Blut sickerte aus einer kleinen Wunde.
"Ich habe die Unterlande der Hölle in meine Gewalt gebracht und die Familie meines Vaters fürchtet mich", die Hörner auf Badrias Stirn wuchsen noch ein Stück und ihre Augen begannen zu glühen. Der Sand unter ihren Füßen färbte sich schwarz.
"BADRIA!", eine Frau mit wehendem grünen Haar hatte ihr blaues Kleid gerafft und eilte bloßen Fußes an Felix vorbei über den Sand. Dieser sah ihr erstaunt nach. Sie hinterließ keine Spuren und ein Geruch von Wald haftete an ihr.
"Badria Nidoku, dies ist der letzte Ort an dem wir alle noch Platz haben und einigermaßen friedlich miteinander verkehren. Ich werde nicht zusehen, wie du den Frieden hier ins Gegenteil verwandelst! Also steig von deinem hohen Ross oder ich sorge dafür, dass du die nächsten Wochen keine Sonne mehr siehst!" Die Drohnung wirkte wohl, denn Badrias Schultern sackten ab und sie wandte sich mit einem schuldbewussten Gesichtsausdruck um. Langsam schrumpften die Hörner und die violetten Flammen verloschen. "Aber Mum ich...", setzte sie an, doch die Grünhaarige schnitt ihr das Wort mit einer Handbewegung ab.
"Ich will nichts hören", sie bedachte ihre Tochter mit einem strengen Blick, "Geh rüber zu Furias fischen oder spiel eine Runde Ball mit Shan und Finn, wenn du dich austoben willst, aber ich möchte hier keinen dämonischen Zickenkrieg sehen. Was dich betrifft Cecilia", sie wandte ihren Blick zu eben dieser, "Sethos, ich weiß, du bist ein guter Vater, aber dein Mädchen sollte lernen ihre Fangzähne unter Kontrolle zu bringen. Für dich gilt das gleiche wie für meine Tochter. Vertragt euch! Ihr seid beste Freundinnen und wir haben hier genug Schwierigkeiten!"
"Danke Mari", seufzte Sethos auf, als seine Tochter ihre Krallen aus seinem Arm nahm, entschuldigend über die Kratzer strich und dann Badria hinterher rannte, die sich bereits auf den Weg machte zum Wasser zu kommen, um ihr Gemüt zu kühlen.
"Mari?", Phil rappelte sich auf und starrte auf die Grünhaarige in deren Haar Blumen zu sprießen schienen.
"Ja?", sie schenkte ihm ein warmes Lächeln, das jedoch kaum den Schleier der Trauer zu heben vermochte, der in ihren Augen lag, "Kann ich dir helfen? Du hast eine Verbrennung meiner Schwester am Arm."
"Was?", er blickte kurz zum Arm, dann wieder zu ihr, "Äh. Ja, stimmt. Ich brauche einen Heiler meinten sie."
"Er heißt Phil. Celles hat ihn etwas zu hart erwischt", erklärte Sethos und winkte Sherine zu, die Felix ein Glas frisch gepressten Saft reichte, den sie gerade verteilte, "Vielleicht kannst du was dagegen tun. Vater sagte, wir sollen hier bleiben."
"Ich denke, das kann ich", Mari schmunzelte, "Willkommen übrigens in der Welt der Verwirrung, Phil und Felix. Wir Elensarians leben lange und es ist nicht ungewöhnlich, dass man mehrere Generationen von uns antrifft an einem Ort. Sherine und ihre Kinder, meine Tochter..."
"Deine Enkelkinder", kicherte Finn, der sich noch immer auf einen Stock stützte.
"So weit sind wir noch nicht", Maris Miene hatte sich verfinstert und ihre Tonlage war eisig, "Ich hoffe mein Dämonenkind pflanzt sich erst in ein paar Jahrhunderten fort, wenn überhaupt. Sie ist Arbeit genug."
"Das hoffe ich auch. Es reicht, dass du deine Gene weitergegeben hast", Ladira näherte sich mit Keema am Arm und setzte diese bei Felix ab, "Hier. Sie hat sich beruhigt. Ich hoffe, die Aufräumarbeiten kommen gut voran. Ich überlege schon, ob wir einen Forschungstrupp zusammenstellen sollten."
Felix' und Phils Augen begannen zu leuchten bei der Idee, von der Insel zu kommen. So schön das Wetter hier auch war, Felix machte sich noch immer Sorgen darum, was in Kathys Gehirn passierte. Er begann, den Blick zum Meer gerichtet, in dem ein paar ihm nun bekannte Gestalten herumtollten, einen Eimer mit Sand zu füllen, um Keemas Gestiken, eine Sandburg mit ihr zu bauen, nachzukommen. Der kleine Engel lachte erfreut und schaufelte mit den Händen einen größeren Hügel.
Phil ließ sich neben Felix am Boden nieder und hielt Mari den Arm hin, die den Verband abnahm und sich die Verbrennungen genauer ansah.
"Uh. Sie hat dich echt ziemlich erwischt", wiederholte sie, was ihm bereits alle anderen gesagt hatten, nur um mit den Fingern darüber zu streichen. Ein Kribbeln legte sich auf seinen Arm und ein kühler Hauch, als die Verbrennungen zu heilen begannen.

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