Part 30

Mein Hals war plötzlich wie zugeschnürt, ich versuchte zu schlucken und scheiterte kläglich. Jeder vernünftige Mensch, würde das, was Tom mir gerade gesagt hatte, als das irre Geschwätz eines Geisteskranken abstempeln. Doch mir kam im Moment so gut wie gar nichts mehr unmöglich vor.
Was allerdings noch viel wichtiger war... plötzlich ergab alles einen Sinn. Ich hatte versucht es mir selbst zu erklären, was mir aber gründlich misslungen war. Abrupt in einer grotesken Welt zu erwachen, schonungslos von bestialischen Kreaturen zu Boden geschmettert und ohne Erbarmen tyrannisiert und misshandelt zu werden... Wie hätte ich ahnen können, dass mein Dilemma von einer derartig abwegigen anmutenden Gegebenheit verursacht wurde?
Eine kleine Ewigkeit hatte ich mir den Kopf zerbrochen, warum ich mich hier befand, wie ich überhaupt in diese missliche Situation gelangen konnte. Nun hatte ich meine Antwort bekommen, von einem Jungen, in dessen Haut ich auf unerklärliche Art und Weise für eine kurze, aber gefühlt endlose Zeit gelitten hatte. Alles war so bizarr...
Dennoch war ich auch erleichtert endlich zu wissen, woran ich war. Hoffentlich würde sich irgendein Weg finden, wie ich meine Seele wieder mit meinem Körper zusammenbringen könnte. Bei dem Gedanken daran ewig in dieser Welt verweilen zu müssen, drehte sich mir nämlich der Magen um. Moment mal... was war überhaupt mit meinem Körper in der anderen Welt?! Konnte der denn ohne Seele auskommen?!
"Heißt das nicht, ich bin schon längst tot?", rief ich bestürzt und sah zu Tom, der meine Reaktion interessiert beobachtet zu haben schien und nun ein paar Schritte auf mich zukam.
"Ohne Seele kann man doch nicht überleben, oder? Ich werde nie mehr zurück können...", stellte ich entgeistert fest und starrte blicklos auf die dunkle Masse unter mir. "Warum musste das passieren?!", schrie ich vor Wut zitternd. Ich war einfach so gestorben, ohne irgendetwas im Leben erreicht zu haben. Essen, Schlafen, Lernen, Computerspiele... Ich hatte einfach nur vor mich hingelebt, wie ein Roboter funktioniert, der es allen recht machen wollte und selbst nicht wusste, wofür er all das überhaupt tat. Mein Leben war unbedeutend und ich selbst war es auch. Ich war so dumm gewesen und jetzt hatte ich keine Chance mehr etwas daran zu ändern.
"Michael! Reiß dich zusammen!"
Die Worte hallten dumpf in meinem Kopf wieder und ließen mich meinen Blick wieder geradeaus lenken. Tom stand direkt vor mir und rüttelte mich unsanft an den Schultern, ich hatte gar nichts gemerkt...
"Hör mir doch endlich mal zu! Dein Körper ist nicht verloren!", schrie er mir ins Gesicht.
"Was, aber...", setzte ich an und sah Tom ungläubig an.
"Solange du dich selbst nicht aufgibst und die Hoffnung verlierst, gibt es einen Weg zurück in deine Welt. Du musst den Willen haben hier rauszukommen!", rief er und sah mich energisch an.
"Ich kann wirklich wieder zurück?", fragte ich mit zitternder Stimme.
"Ja doch, du darfst nur nicht so verzweifeln wie eben gerade... Das macht ihn stärker...", entgegnete Tom und sah für einen Moment selbst verzweifelt und verletzlich aus. Doch so schnell der Moment gekommen war, verschwand er auch wieder und machte einem entschlossenen Blick Platz. Ich spürte tatsächlich wieder ein Quäntchen Hoffnung zu mir zurückkehren, doch etwas machte mich stutzig.
"Wenn du IHN sagst, von wem ist dann die Rede?", fragte ich leise, obwohl ich die Antwort längst zu kennen glaubte.
Diesmal dauerte es ein wenig, bis ich eine Antwort erhielt. In den Augen des Jungen spiegelte sich unglaublicher Schmerz wieder und ich hatte das Gefühl, dass ich ihn lieber doch nicht danach hätte fragen sollen. Doch ich brauchte Gewissheit, wollte hören, wer der Grund für mein Leid war.
Tom räusperte sich, man konnte ihm ansehen, dass er nach den richtigen Worten suchte. "Mit IHN meine ich niemand geringeren als den Schöpfer dieser dunklen Dimensiom.", flüsterte er schließlich. "Er ist derjenige, der mich umgebracht hat..."

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