Part 22

Der Knall der Explosion, die entstand als Chrunch und Eva aufeinander prallten, war gewaltig. Alles wurde in goldenes Licht getaucht, die Wolkendecke am Himmel schien förmlich davon zerrissen zu werden. Die Sonne strahlte auf das Abbild der Zerstörung, auf die Gesichter der Überlebenden. Der Wald um die Rebellenstadt war nun endgültig bis zum letzten Baum gefällt worden, die Wiese verbrannt und voller tiefer, rauchender Krater. Nur der Fluss schien noch der selbe zu sein, der Etan glänzte und floss beständig dahin. 
Chrunchs Gestalt hatte sich wieder zum Ursprung zurück verändert, das Spiegelbild seines Zwillingsbruders. Die schwarze Kette, welche er um den Hals trug, das Artefakt, rieselte ihm vom Hals, nichts als Asche war davon übrig geblieben. Eva stand noch vor ihm, aber auch sie schien sich aufzulösen, eine kleine Windböe trug den goldenen Staub, in den sich ihr Körper verwandelt hatte, zu Church und Finn.
Church staunte, der Staub regnete auf Finn hinab und schien zumindest seine äußeren Verletzungen ungeschehen zu machen, das blasse, tote Gesicht des Prinzen schien wieder Farbe anzunehmen.
"Chrunch", Sassy setzte den Verschlinger vor dem gefallenen Dämonenkönig  auf den Boden "für deine Verbrechen am Volk von Argenshire, den Verrat an der Krone von Elensar und die zahlreichen Opfer, die deinen Weg pflastern, verurteilt dich der Limbus auf ewig im Kerker der dunklen Kathedrale zu wandeln, mögest du dort die selben Qualen erleiden, welche du anderen zugefügt hast!" Vernon musste sich fast übergeben, als er sah wie der graue Katzendämon sprang, und wie eine Schlange den irren Dämonenkönig verschlang. Dieser schrie furchtbar dabei, aber der Verschlinger war erbarmungslos und gab nicht nach. Schmatzend und schlingend verleibte er sich den Dämon innerhalb von Sekunden ein.
"Vernon", ein leises flüstern von Liam hätte diesem fast einen Herzstillstand beschert. "Liam!", Vernon packte erleichtert den Arm seines Freundes und zog ihn hoch "dir geht es besser!" 
"Church", auch Finn richtete sich langsam auf und blickte sich um "was..." Church war nicht fähig ihn anzusehen, er starrte einfach auf den Etan. Ihm vielen keine Worte ein um Finn zu erklären was passiert war. "Church?", Finn sprang nun auf, unterdrückte seinen Schwindel "der Turm, Eva, was..." Seine Gedanken fokussierten sich, das letzte Bild, das er gesehen hatte, bevor ihn der eigentlich tödliche Schlag von Chrunch getroffen hatte, goldene Augen. Sein Blick verhärtete sich, er lies sich wieder in die Hocke sinken und starrte auf den Boden. 

"Denkst du er kommt je darüber hinweg?", Veron starrte auf die über Amergyn untergehende Sonne, seit Stunden waren Liam und er durch die Gärten des Friedhofs spaziert. Sie waren in den frühen Morgenstunden angekommen, Finn war einfach verschwunden und Church hatte sich an seine Fersen geheftet. Sassy hatte sich mit dem Verschlinger auf den Weg in den Limbus, die Vorhölle gemacht. Eine andere Welt von der beide noch nie gehört hatten. Nica und Catt hatten Liam und Vernon freudig erwartet, aber die Feierlaune über die mit so vielen Opfern verbundene Reise lies weiterhin auf sich warten. 
"Ein Prinz zu sein ist mit vielen Hürden verbunden, ich dachte ich weiß wie hart das sein kann", Liam blickte nachdenklich über die vielen Grabsteine "aber alles zu verlieren was man versucht hat zu beschützen, welchen Sinn kann er jetzt noch finden?" Vernon zuckte mit den Schultern, er war nie ein großer Fan des blonden Tunichtguts gewesen, aber diesen Schmerz wünschte er niemanden. "Ich denke, dass dies nicht das letzte Abenteuer von Finn aus Elensar war, wir werden noch viel von ihm zu erwarten haben, noch mehr als er dieser Welt schon gegeben hat! Im Grunde sind wir beide nur ein kleiner Teil in seiner Geschichte, das spüre ich. Die Welt braucht ihn mehr als er die Welt braucht, das ist seine Bürde, er ist wie ein Wächter, auf der Jagd nach einem nicht greifbaren Bösen!", Liam lachte auf, das erste Lachen seit ihrer Ankunft in Katzus vor Wochen "jetzt rede ich schon wie ein alter König!" Vernon musste ebenfalls lachen, es schien als wären beide auf einmal von dem Band der Traurigkeit befreit, welches sie gefangen gehalten hatte. "Wie erklärst du deinen Leuten die verschwundene Macht des weißen Tigers?", fragte Vernon und wurde augenblicklich wieder ernst. Allen war aufgefallen, dass die Male des weißen Tigers von Liams Körper verschwunden waren. An ihren Blicken hatte man gesehen, dass sie sich in Moment noch nicht trauten zu fragen wohin. 
"Jeder König zahlt irgendwann seinen Preis", die Stimme von Alric lies beide zusammenfahren, er hatte sich wohl beinahe lautlos genähert. Auf seinem in ihrer Abwesenheit noch weiter gealterten Gesicht lag ein mildes Lächeln, die Wärme des alten Löwen war beinahe greifbar, er schien unglaublich stolz zu sein. 
"Vater, ich kann erklären wofür ich die Kraft unseres Landes aufgegeben hatte", setzte Liam an, Alric aber gebot ihm mit einer Handbewegung still zu sein.
Verwirrt folgten Liam und Vernon ihm zum Grab der Königin, Liams Mutter, dort deutete Alric auf die Inschrift, die in den Stein gemeißelt worden war.

Ein Prinz mit goldenem Haar 
wird dem König des Nordens 
alle Macht nehmen
um alles zu riskieren
und die Welt zu retten.
Der König des Nordens aber
gewinnt dadurch die Stärke
um gerecht zu regieren.

"Jetzt verstehe ich es", Liam lächelte und fuhr sanft über den kalten Stein "jetzt fühle ich mich auch wie ein König, vor unserer Reise hatte ich keine Ahnung was das bedeutet! Ich kannte den Wert vieler Dinge nicht!" Alric legte ihm die Hand auf die Schulter, dann nahm er seine Krone ab und reichte sie an Liam weiter: "Ein wahrer König muss sich keiner Magie bedienen um gerecht zu herrschen, ein wahrer König muss den Wert seiner Leute kennen, dann wird er nie angezweifelt oder gar gestürzt werden! Deine Mutter wäre ausgesprochen stolz auf dich wenn sie dich so sehen könnte!" Liam betrachtete die goldene Krone lang und setzte sie sich dann entschieden auf den Kopf, sie fühlte sich nicht so schwer an wie erwartet, und seine Furcht vor der Verantwortung schien verflogen. Vernon machte einen übertriebenen Knicks und grinste verschlagen: "Und jetzt, mein König?" Liam schaute dem letzten Sonnenstrahl nach, der langsam zu verschwinden begann, die Dämmerung setzte ein.
"Vater, morgen möchte ich gleich so früh wie nur möglich einen Rat einberufen, die verschiedenen Völker unseres Landes sollen vor mir sprechen. Ich muss all ihre Ängste, Sorgen und Wünsche kennen um eine gute Basis für ein friedliches miteinander zu schaffen! Catt und Nica sollen sich noch heute auf den Weg zu ihnen machen, sodass wir uns so schnell wie möglich versammeln können! Vernon, du wirst zu Belgur, deinem Vater gehen, ich denke ihr habt auf dem Weg hier her viel zu bereden!", erklärte Liam ihnen mit bestimmtem Ton. Beide nickten fleißig und ließen ihn alleine am Grab seiner Mutter zurück, Liam wusste nicht warum, aber irgendetwas hielt ihn an diesem Ort fest. 
"Danke das du gewartet hast, ich dachte schon du kannst meiner Einladung nicht folgen, da du ja keinen Funken Magie mehr in dir trägst!", eine vertraute Stimme zauberte Liam ein breites Grinsen ins Gesicht. Auf der anderen Seite des Grabsteins lehnte Finn, wie immer, betont lässig, und zündete sich eine Zigarette an. "Ich biete dir keine an, das hat beim letzen mal ja nicht wirklich funktioniert", witzelte der Prinz von Elensar "du bist befördert worden, gratuliere!"
Liam wusste nicht was er sagen sollte, er mühte sich noch damit ab die Freude über das Erscheinen des blonden Taugenichts in Zaum zu halten. 
"Leider kann ich nicht zu eurer Hochzeit bleiben, ich habe das Gefühl, dass ich bald wieder sehr beschäftigt sein werde mit aufräumen", säuselte Finn "hat es dir eigentlich die Sprache verschlagen oder was ist passiert?" Liam schüttelte den Kopf und lachte los, die unausstehliche Art des Prinzen würde ihm mittlerweile sogar fehlen. Er atmete tief durch und antwortete dann: "Finn, mein guter Finn, es freut mich dich wohlauf zu wissen, und es bedeutet mir viel, dass du dich verabschieden kommst. Aber welche Hochzeit?" Finn riss ungläubig die Augen auf und schnippte seine Zigarette achtlos weg: "Du hast ihn nicht gefragt, nach allem was wir erlebt haben?" Liam verdrehte die Augen und grinste schief: "Wir müssen ja nicht gleich heiraten!" Finn legte den Kopf in den Nacken und atmete tief durch, dann fuhr er sich betont lässig durch sein blondes Haar: "Liam, man weiß nie wie viel Zeit einem bleibt. Denk an uns, vielleicht sehen wir uns morgen wieder, vielleicht auch niemals! Fakt ist, dass für Feigheiten keine Zeit bleiben sollte!" Liam war erstaunt über die ungewohnt ehrlichen und sanften Worte des sonst so plumpen Zeitgenossen, das brachte ihn durchaus zum grübeln. "Wohin wirst du gehen?", fragte er Finn schließlich. Dieser verschränkte die Arme hinter dem Kopf: "Auf ein Schiff schätze ich, raus aufs Meer, erst einmal alleine sein und meine Kräfte fokussieren, über vieles nachdenken, ein paar mal im Regen stehen und heimlich weinen, das Übliche!" Liam lächelte ihm zu, betrachtete seine türkisen magischen Augen ein letzes mal: "Danke Finn, viel Glück auf deinen weiteren Reisen. Und denk daran, wenn du jemals etwas brauchst wird Amergyn dir immer zur Seite stehen, wir bleiben verbunden durch ein Band aus Freundschaft!" Finn klatschte spöttisch in die Hände: "Und du hast je daran gezweifelt schwul zu sein? Schwing keine großen Reden sondern lerne aus meinen Fehlern, kleiner König! Und sag Chruch nicht das ich hier war, ich brauche keine Gesellschaft!"
Liam schlug die Hände vor dem Gesicht zusammen, Finn schaffte es wie immer ihn in den Wahnsinn zu treiben, er wollte gerade etwas erwidern, aber der Prinz von Elensar war so plötzlich verschwunden wie er gekommen war.
Er blieb noch eine Weile stehen, blickte in den Himmel, der Mond war bereits klar zu sehen, wie das Versprechen, dass er Finn gegeben hatte. Etwas sagte ihm, dass dieser Abschied nicht für immer sein würde, nur für eine sehr lange Zeit. 
Dann machte er sich auf um Vernon noch zu erwischen, er würde ihn zu seinem Vater begleiten, und mit ihm endlich über die Zukunft sprechen.

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  • Author Portrait

    Oh Finn... immer rastlos suchend und stolpernd in dumme Situationen.

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Fairy Dust

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