Es ist ein früher grauer Morgen. Ich bin wieder unterwegs. Sitzheizung an, mir ist noch kalt.
So viel Verkehr, so viel Geschäftigkeit. Jeden Tag geht es um Geld, um Ziele, um Prämien, um Gewinn, Verlust und Zeit.
Dabei geht es eigentlich nur um dich und mich. Bis auf diese Tatsache lässt mich alles kalt außer die Umweltverschmutzung und die Selbstverständlichkeit wie wir sie betreiben nur um eigene Bedürfnisse zu befriedigen. Parallelwelten. Mehrwegverpackung neben Wegwerfflaschen. CO 2 Ausstoß verringern, Ps Leistung steigern. Alibis. Ausreden. Verkaufen.
Alle sind allein in ihren Autos. Ich bin nicht allein, bin mit meinen Gedanken bei dir. Überall bauen, überall stehen, überall lang fahren, kein Punkt bleibt unvermessen.
Cocteau Twins machen meinen Morgen besser und lösen mich für einige Minuten von all dem was sich Business nennt. Was wäre mein Leben ohne Dich, ohne Musik, ohne Flucht?
Ich kann alles sein, ich muss aber auch alles sein. Ich mache Geschäft auf Knopfdruck, bringe Leistung über Soll. Meine Souveränität ist selbstverständlich. Mir geht die Kraft nicht aus, niedriger Blutdruck lässt mich keine Angst vor einem Herzinfarkt haben. Aber ich habe Angst um Dich, weil ich dich liebe. Jeden Tag bin ich unterwegs. Jeden Tag suche ich den perfekten Platz, den unendlichen Moment, den Song. Menschen sind rastlos. Von einem Punkt zum nächsten. Nichts steht still. Ich war lange Teil dieser Umtriebigkeit. Unruhig, ungebunden, unvollkommen. Du machst, dass mich das Rauschen unserer Bäume runter bringt. Du zeigst mir was wichtig ist. Du bringst mich runter. Du bist die Essenz.
Ich fahre zu schnell, verbrauche zu viel. Autoenergie, eigene Energie.
Ich kann kaum fassen wie sehr ich dich liebe. Je weiter weg, desto stärker das Gefühl. Falsches Wort. Es muss das Vermissen sein oder das Wort was es nicht gibt: Sehnsucht. Ich bin weit weg. Schalte ab. Funktioniere, selektiere. Vorurteile sind Vorwand. Meine Vorwand. Eine Tür habe ich nicht eingebaut, war auch nicht vorgesehen. Mit jeder Nachricht, mit jedem Zeichen von dir machst du mir den Tag schön. Dir geht es nicht gut. Ich will dir helfen, du musst allein da durch. Ich bin trotzdem da. Du weißt das. Tempomat schützt vor Blitzern. Im Leben wär der auch sinnvoll.
Die Windräder drehen sich heute unermüdlich, der Himmel wird blau, die Wolken weiß. Die Autobahnen werden immer breiter, Wälder immer mehr zu Streifen. Erschreckend zu sehen, wie alles zerstört wird was von allein entstanden ist. Der Mensch braucht viel Platz. Du nicht, du verkriechst dich. In der Ursprünglichkeit liegt die Wahrhaftigkeit. Wir entdecken zusammen und sind uns wieder mal einig. Modernes Leben ist oft Gruppenzwang und Schubladen. Wir passen da nicht rein.
Frank(just)Frank liefern den Sound für die langen Strecken. Kleine moderne Autos haben schreckliche Farben, die großen, furchtbar einheitliche Formen. Keiner traut sich mehr was. Kreativität wird gekauft, wie sinnlos, wie geschmacklos. Fahren, leben, einfach nur da sein oder eventuell auch den Wunsch haben, was hinterlassen zu wollen? Klebstoff im Fußboden, Kreide in der Wandfarbe und viel Plastik. Alles deckt schnell, baut sich schnell ein und kostet fast nix. Dreckecken verschwinden in Sekundenschnelle. Die einzige Möglichkeit sich erinnern zu können wird zugeschraubt und verspachtelt oder einfach entsorgt. Nichts braucht mehr halten. Nichts soll für ewig sein. Alles viel zu schnell, zu laut und dabei eigentlich so unauffällig und leise wie es nur geht. Durch sein Leben rasen und dann über Los in die Rente flitzen. Was für ein Jammer.
Stille.
Justin Sullivan setzt ein und ich singe mit: "Changing of the Light".
Zum Glück habe ich dich, wir können wild sein, laut sein. Hoffentlich geht es dir bald besser. Ohne dich bin ich zu leise und ich merke wie mir schlecht wird vom Rhythmus der Masse.

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