Part 11

Mittlerweile war große Pause und ich saß mal wieder alleine auf einer Bank auf dem Schulhof. Um mir die Zeit irgendwie zu vertreiben nahm ich mein Handy aus der Tasche und schaute nach, ob Cindy mir noch einmal geschrieben hatte. Nichts. Schade, dass man immer dann, wenn man es gerade brauchte, keine Nachrichten bekam, das Handy allerdings vor lauter Vibration zu platzen drohte, wenn man gerade seine Ruhe haben wollte. Da ich irgendetwas tun musste, um nicht durchzudrehen, schrieb ich einfach Cindy.

Von mir zu Cindy:

Hey du! hast du schon eine Ahnung, was du heute Abend anziehen sollst, wenn du Hugo triffst? Und wollen wir uns irgendwann nochmal treffen?

Nach nur ein paar Sekunden hatte ich schon eine Antwort. Ich hatte wohl ihre wunde Stelle getroffen.

Von Cindy zu mir:

Nein!!! Hilfe!! Ich habe absolut keine Ahnung, was ich anziehen soll. Ich hatte gestern schon das perfekte Outfit an. Ich finde nichts!! Kannst du bitte bitte nach der Schule vorbeikommen und mir helfen? Ich überlebe das nicht! Hab dich lieb!

Noch ehe ich auf antworten drücken konnte, hörte ich ein Räuspern über mir. Als ich aufblickte sah ich mich Gina gegenüber, was mich dann doch ein bisschen aus der Fassung brachte. Eigentlich machte sie sich nie den Aufwand, mich aufzusuchen und mit mir zu sprechen, wenn sie nicht gerade dazu gezwungen war. Das konnte nur bedeuten, dass sie irgendeine Information über mich hatte, die sie mir nun unter die Nase reiben wollte. Sie baute sich vor mir auf wie ein Riese, der vorhatte einen Zwerg mit seinem dicken Stiefeln zu zerdrücken. Nur dass die Stiefel in ihrem Fall pinke UGG Boots waren, die für diese Jahreszeit eigentlich viel zu warm waren. Aber wer schön sein will muss leiden.

„Anna hat mir von eurer Begegnung im Schwimmbad erzählt.“ Abwartend starrte sie mich an. Da ich genau wusste, dass sie auf Wes abzielte, antwortete ich ihr ganz bewusst nicht, sondern schaute sie nur erwartungsvoll an. Als sie merkte, dass sie so keine Antwort von mir erhalten würde, setzte sie sich neben mich auf die Bank.

„Ich wusste überhaupt nicht, dass du einen Freund hast. Aber mach dir nichts draus, dass er eine Beinprothese und ein durch einen Brand entstelltes Gesicht hat. Jeder Topf findet irgendwann einmal den passenden Deckel.“ Dann lächelte sie mir noch ein letztes Mal zu und ließ mich alleine auf meiner Bank. Ich hatte erst nicht wirklich verstanden, was sie gesagt hatte, doch langsam wurde es mir klar und ich musste lachen. Ich glaube, es ist keine gute Idee, laut zu lachen, wenn man alleine auf einem Schulhof sitzt. Ich wurde zumindest von einigen Leuten ziemlich blöd angeguckt. Aber es war einfach zu witzig. Anna hatte es wohl nicht auf sich sitzen lassen können, dass sie von meinem wirklich gutaussehenden „Freund“ beleidigt und abgeblitzt gelassen worden war. Da sie die Neuigkeit aber trotzdem irgendwie Gina erzählen wollte, um sie dadurch zu beeindrucken, dass sie als erste davon erfahren hatte, hatte sie sich wohl die Geschichte mit meinem verstümmelten Freund ausgedacht. Die arme musste wohl ziemlich verzweifelt sein, wenn sie so weit geht, sich solche Lügengeschichten auszudenken, nur um selber nicht schlecht dazustehen. Da ich nun meinerseits diese Neuigkeit nicht für mich behalten konnte, nahm ich wieder mein Handy und schrieb unter erneutem Kichern eine Nachricht an Wes.

Von mir an Wes:

Wusstest du schon, dass du eine Beinprothese hast und durch einen Brandunfall ein extrem hässliches entstelltes Gesicht?? Habe ich grade von Annas bester Freundin erfahren :) 

Da ich wusste, dass er so schnell nicht antworten würde, da er normalerweise immer mindestens eine Stunde dazu brauchte, weil er sein Handy ständig überall hatte, nur nicht dabei, steckte ich mein Handy zurück in meine Tasche und machte mich auf den Weg zu meiner nächsten Stunde Unterricht. Mathe. Das hatte ich wenigstens nicht mit Gina zusammen, wobei ich glaube, dass sie mir in diesem Moment meine gute Laune auf überhaupt keine Weise mehr hätte verderben können.

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