Planänderung

In meiner Höhle angekommen musste ich mich erstmal ausruhen, bevor ich mich daran machte, Verbandszeug zu finden. Vorichtig streckte ich mich so gut es eben ging auf dem Bett aus und schloss die Augen.
"Diese Nacht wird er wohl nicht mehr vergessen - dank dir", hörte ich die Stimme des Königs wenig später.
Was wollte der denn schon wieder hier? Langsam öffnete ich die Augen und sah, wie er es sich im Sessel bequem machte.
"Danke, dass du ihm gelehrt hast, was es heißt, sich mit den Falschen anzulegen, aber jetzt sollte sich jemand um deine Wunde kümmern." Mit diesen Worten erhob er sich und kam auf mich zu.
"Lass mal sehen."
"Fass mich ja nicht an", fauchte ich ihn an und setzte mich langsam im Bett auf. Ich kam nicht weit - Sitzen war definitiv keine gute Idee.
"Du hättest ihm auch so zeigen können, dass er sich nicht mit dir anlegen sollte, also warum hast du dich von ihm verletzen lassen?" Scheinbar tat er so, als hätte er mich vorhin nicht verstanden und setzte sich auf die Bettkante. Und wieder konnte ich es nur geschehen lassen. Der Teil meines Verstandes, der seinen Kuss genossen hatte, griff wieder nach der Oberhand und so ließ ich ihn gewähren.
Vorsichtig schob er mein Oberteil nach oben, um einen Blick auf die Wunde an meiner linken Seite zu werfen.
"Du hast eine Menge Blut verloren." Er erhob sich und ging zurück zum Sessel, wo er das Verbandszeug abgelegt hatte. Ich versuchte unterdessen einen Blick auf die Wunde zu werfen, ohne mich viel bewegen zu müssen. Ja, ich war Schmerzen gewohnt, aber deshalb fühlte ich sie trotzdem.
"Bleib liegen, ich kümmere mich darum", befahl der König mir, schon wieder auf meiner Bettkante sitzend und ich gehorchte ihm.
Mit geschickten Finger säuberte er die Wunde und half mir auf, um den Verband um meinen Körper zu legen.
Doch sobald ich mich aufrichtete begann sich die Höhle vor mir zu drehen. Kijan war allerdings an meiner Seite um mich zu stützen, damit ich mich aufsetzen konnte.
Kijan?? Hatte ich ihn in meinem Kopf gerade wirklich Kijan genannt? Was war nur los mit mir.
"Schon gut, den Rest bekomme ich gut selbst hin", fuhr ich ihn an und entriss ihm die Binde.
"Das Essen steht im Saal bereit." Damit verließ er mich und ich sank in mir zusammen. Das volle Ausmaß der Verletzung zeigte sich und ich frug mich unwillkürlich, wie schlimm es wäre, nicht zum Essen zu erscheinen.
Nein, kam gar nicht in Frage. Niemand würde mich dann für voll nehmen, wenn ich nach diesem Kampf nicht auftauchte.
Schnell wickelte ich mir den Rest des Verband um den Bauch und rappelte mich wieder auf.
Keinen Gedanken an mein blutgetränktes Oberteil verschwendend wusch ich mir nur schnell die Hände, bevor ich mich auf den Weg in den Saal begab. Dabei kam ich auch an Yaros Höhle vorbei, der auch noch nicht viel weiter war als ich, denn auch er trat eben erst auf den Flur.
"Hay. Was hast du heute so getrieben?" begrüßte ich ihn.
"Nicht viel. Geschlafen, im Waffenlager vorbei geschaut. Ziemlich krasse Aktion von dir", gab er mir die Antwort und setzte sich in Bewegung.
"Du warst dabei?"
"Nein, aber du glaubst gar nicht, wie gern ich mir das angesehen hätte. Sowas spricht sich anscheinend schnell herum."
"Dann weiß jetzt hoffentlich jeder, dass man mich nicht verärgern sollte", sagte ich halb scherzend.
"Oh ja."
Ich schwieg. Was sollte ich auch jetzt noch sagen? Außerdem kämpfte ich tatsächlich ein bisschen mit meinen Schmerzen. Was mich schon wieder wütend machte. Ich musste stark sein. Nicht für mich, für meine Familie.
Als wir gemeinsam den Saal betraten, wandten sich alle Gesichter zu mir. Wildes Getuschel entbrandte. Jeder hier wusste, was im Trainigsraum passiert war. Jeder hier wuste, dass man sich nicht mit mir anlegen sollte. Während Yaro sich neben mir versuchte, so klein wie möglich zu machen, richtete ich mich nur noch ein Stückchen mehr auf. Ich schritt auf den Platz zu, den ich gestern schon besetzt hatte und setzte mich. Sobald ich saß erhob sich der König.
"Seit gestern haben wir zwei neue Mitglieder in unseren Reihen. Yaro und Sav werden an eurer Seite kämpfen. Sie sind beide sehr gut ausgebildete Kämpfer und werden beide einen Teil eures Trainings übernehmen. Wir werden heute Nachmittag beginnen."
Hatte ich mich da eben verhört? Training?
"Wir werden morgen NICHT in die Hauptstadt aufbrechen. Einige Dinge haben sich geändert, deshalb werden wir uns erst frühstens in einer Woche auf den Weg machen."
Er setzte sich wieder und alle begannen zu essen.
"Seit wann hast du schon vor uns als Trainer einzusetzen?" fragte ich Kijan nach dem ersten Bissen. Kijan. Warum nannte ich ihn bei seinem Namen?
"Die Idee kam mir vorhin, nachdem du es geschafft hattest, ihnen Gehorsam beizubringen. Die anderen Trainer werden lange nicht so sehr respektiert. Sie wollen zur Truppe dazu gehören - sie sind viel zu nett. Aber du scherst dich nicht darum, ob die Leute dich mögen. Deshalb ist es jetzt deine Aufgabe geworden. Aber lass uns die Einzelheiten lieber später in Ruhe besprechen."
"Wie du willst."
Wie gestern aß ich so viel ich konnte. Der König und ich sprachen kein Wort mehr miteinander, dafür unterhielt er sich das erste Mal seit wir hier waren mit Yaro. Die beiden sprachen über Yaros Fähigkeiten und über alles, was er in der Einheit gelernt hatte. Das wiederrum gab mir die Zeit über all das nachzudenken, was in den letzten zwei Tage passiert war. Die Platzwunde an meinem Kopf war so weit wieder verheilt und ich hatte all meine Sachen wieder. Als ich mich so zurück erinnerte, fiel mir der Mann ein, der mit mir in der Höhle gefangen war und ich nahm mir vor den König bei der nächsten Gelegenheit nach ihm zu fragen.
Meine Gedanken wanderten weiter, zu dem Augenblick, an dem ich den König das erste Mal sah - wie überrascht ich von seinem Aussehen und seiner Ausstrahlung war. Und von der Verbindung, die ich sofort zwischen uns beiden gespürt hatte. Wir waren uns sehr ähnlich, dass hatte ich im ersten Augenblick gemerkt.
Und, als seine Lippen meine berührten. Als ich seine Hände auf meinem Körper spürte. Das Gefühl bereitete mir eine Gänsehaut. Und Angst.
Nicht, dass ich dieses Gefühl noch nie hatte. Nein. Ich hatte schon mehrere Partner gehabt. Die längste meiner Beziehungen dauerte zwei Jahre. Aber ich hatte es noch nie SO gefühlt. Die Beziehungen waren nie richtig tiefgründig gewesen, immer hatte ich einen Teil meiner Gefühle zurück gehalten, denn ich wusste, was Verrat war. Früh genug hatte ich gelernte, wie es sich anfühlt, was es bedeutet, verraten zu werden. Meine eigener Bruder hatte unsere Familie verraten - für Gold, eine Villa in der Hauptstadt und einen Platz im Rat. Bis heute fragte ich mich, wie man so dämlich sein kann, einem Mann, der seine eigene Familie - sein Fleisch und Blut - verrät, zu trauen. Meine Vater hatte keinen Arbeitsunfall - er wurde ermordet. Weil mein Bruder ihn verraten hatte. Bis heute weiß ich nicht genau, was mein Vater getan hatte, was so wichtig war, dass man meinem Bruder so eine hohe Belohnung gab. Zu gern wüsste ich es - auch, wenn es meinen Vater nicht mehr lebendig macht - aber mein Bruder ist der einzige in der Familie, der überhaupt davon wusste. Meine Mutter und Geschwister denken, es war ein Arbeitsunfall. Und sie denken, dass Yashar in der Einheit ist. Ich habe es erst heraus gefunden, als mein Bruder schon weg war. Eines Tages bekam ich einen Auftrag - von meinem Bruder. Es ging ihm dabei einzig darum, sich wieder in die Familie einzuschleichen. Wir stritten uns und ich schwor, ihn zu töten, sollte er sich der Familie in irgendeiner Weise nähern. Bis jetzt hatte er es noch nicht gewagt.

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