Prolog: Die Tapfere und der Einsame

Through Lives and Deaths I love You

- Tausend Leben, tausend Tode, eine Liebe -




Prolog: Die Tapfere und der Einsame
„Für jede unserer Taten gibt es Vergeltung. Lohn und Glück für die guten Taten, Leid und Strafe für die schlechten. Es ist vielleicht nicht immer gerecht. Aber so läuft das Leben.“

 

  Bellaconealy verließ ihr Zuhause zum letzten Mal. Sie würde nicht zurückkehren. Ihre Geschwister und ihre Eltern winkten ihr aus dem Garten vor der Hütte, und sie drehte sich dreimal um und winkte zurück.

Bellaconealy trug ein neues Kleid unter einem warmen Reisemantel mit Fell am Saum. Mit Händen in hellbraunen Handschuhen, die zu ihrer Haarfarbe passten, hielt sie ihre unauffällige Reisetasche umklammert, als könnte der Wald hervortreten und sie ihr abnehmen wollen. Sie war jetzt erwachsen, und damit wurde es Zeit für sie, in der Stadt nach Arbeit zu suchen.

Zwei ihrer Brüder waren vor ihr gegangen. Die kleine Hütte auf dem Berghang, nur umgeben von endlosen Wäldern, bot zu wenig Platz für mehr als zwei Erwachsene. Außerdem gaben die Ziegen nicht genug Milch und legten die Hühner nicht genug Eier, um die Familie zu ernähren.

Bellaconealy ging nicht mit Zorn in ihrem Herzen. Ihre Eltern hatten ihr genau ein Zwölftel des Ersparten gegeben, so viel, wie jedem Kind zustand, dazu Käse und Brot, so viel sie eben entbehren konnten. Mit ihrem Schicksal hatte sich Bell schon vor vielen Jahren abgefunden, genauso ihre Geschwister.

In der Stadt wartete eine entfernte Verwandte auf die junge Frau, und diese würde ihr helfen, in der weiten Welt einen Platz für sich zu finden. Der Weg dorthin war einfach, denn Bell musste nur dem Weg folgen, und wenn dieser scharf nach Osten bog, geradeaus nach Süden gehen. Sie ging mit schwungvollen Schritt und pfiff, da ihr doch ein wenig unheimlich war, um die Sorgen zu vertreiben.

Der Weg war leicht, doch sie würde die Stadt nie erreichen.

 

Nach einer halben Tagesreise erreichte Bell die Stelle, an der der Weg scharf nach Osten bog. Die Kurve war deutlich zu sehen, sie lief sogar fast spitz nach Süden. Der Weg umrundete einen kleinen Hügel und verlief dann weiter um den Berg herum, immer und immer wieder herum, bis er dort endete, wo die alte Stadt lag, im Norden, wo selbst im Sommer Schnee die uralten Ruinen im Tal bedeckte.

Bellaconealy verließ den Weg an dieser Stelle und folgte einem unscheinbaren Trampelpfad, der sich über den Berghang nach Süden wand. Sie stellte sich vor, auf den Spuren ihrer älteren Brüder zu wandern. Aber es war vier und zwei Jahre her, dass sie hier gegangen waren, und es wahr unwahrscheinlich, dass die Spur so lange überdauert hatte.

Der Herbst hatte den Wald in festem Griff. Verfärbte Blätter schwebten auf den Waldboden. Je weiter Bellaconealy nach Süden kam, desto leerer wurde es zwischen den hohen Stämmen. Büsche und Farne verschwanden, bis sie sich in einer großen Säulenhalle unter einem Blätterdach wähnte.

Doch die Sonne ging unter und bald zog die Nacht auf. Die Herbstnächte konnten kalt werden, deshalb freute sich Bellaconealy, als sie in der aufziehenden Dunkelheit einen Feuerschein entdeckte.

Sie näherte sich dem flackernden Licht langsam. Immerhin wusste sie nicht, wer es entzündet hatte. An der Stelle beugte sich eine große Trauerweide über einen silbernen See. Auf einem umgefallenen Baumstamm am Ufer saß eine einzelne Gestalt.

Es war ein Mann, unrasiert und mit tiefen Augenringen. Er hatte sich in das Fell eines Hirsches gekleidet, darunter trug er nur alte Lumpen, deren Form und Farbe kaum mehr zu erahnen war. Offenbar war seine Kleidung oft zerrissen und dann mit zerrissenen Stofffetzen geflickt worden. Auf den Knien hatte der Fremde einen langen, dunklen Stock liegen, den er mit einem Messer bearbeitete.

Bellaconealy wollte sich gerade leise zurück ziehen, da hielt der Mann in seiner Schnitzarbeit inne und hob den Kopf. Bell erstarrte und hielt die Luft an, doch der Fremde drehte den Kopf und sah sie direkt an.

„Du brauchst dich nicht zu fürchten.“, sagte er mit einer Stimme, die zwar rau, aber überraschend freundlich war. Es schien nur, als ob er lange Zeit nicht gesprochen hatte: „Ich will dir nichts Böses.“

 

Bell trat langsam nach vorne, die Reisetasche wie einem Schutzschild vor ihre Brust gedrückt: „Wer bist du?“

„Ich bin Jeder und Keiner.“, antwortete der Mann. „Aber die meisten nennen mich den Einsamen.“

„Ich bin-“, setzte Bellaconealy an, doch der Mann schnitt ihr mit einer schnellen Handbewegung und einem warnenden Zischen das Wort ab: „Schweig. Ich darf deinen Namen nicht wissen, oder du wirst in die tiefste Hölle fallen.“

Mit offenem Mund starrte Bell ihn an, und der Mann fuhr sanfter fort: „Es tut mir leid, Kind. Aber auf mir lastet ein Fluch, und ich möchte dich vor ihm bewahren.“

„Ein Fluch?“, fühlte Bellaconealy sich verpflichtet, zu fragen, obwohl sie von solchen Dingen noch nie gehört hatte: „Was für ein Fluch?“

„Nun,“, sagte der Einsame und kratze sich am Nacken: „Ich habe vielleicht die falschen Leute verärgert.“ Dabei zeigte er jedoch ein schiefes Lächeln, dass es Bellaconealy schwer fiel, ihm noch weiter zu misstrauen. Vorsichtig machte sie noch einen Schritt auf das Feuer zu, dessen Hitze sie anlockte.

Der Einsame musterte sie: „Was macht eine junge Frau wie du allein in der Wildnis?“, fragte er. Seine schwarzen Augen musterten sie besorgt.

Bell schluckte und erzählte ihm dann, wie ärmlich sie in der kleinen Hütte hausten, und dass es für ihre Eltern keine andere Wahl gab, als die erwachsenen Kinder in die Stadt zu schicken.

„Die Stadt also.“, sagte der Einsame und legte den Stock beiseite, an dem er geschnitzt hatte: „Dann möchte ich dir ein Angebot machen, unbekanntes Kind der Wälder:“, er stand auf, bürstete ein paar Holzflocken von seiner Hose und deutete eine Verbeugung an: „Ich bin ebenfalls unterwegs in Richtung Stadt, und ich sehe es als meine Aufgabe, eine junge Frau vor den Gefahren der Wildnis zu schützen.“

Bellaconealy musste kichern, als sich der abgerissene Fremde vor ihr verneigte, und hatte fast sofort alle Bedenken abgelegt: „Das wäre sehr lieb von Euch, Einsamer.“

Sie machte einen unbeholfenen Knicks.

Der Einsame lud sie mit einer Handbewegung ein, auf dem umgestürzten Baumstamm Platz zu nehmen.

 

Der Einsame war ein guter Jäger. Er hatte einen Hasen gefangen, und diesen teilten sie sich, zusammen mit Brot und Ziegenkäse aus Bellaconealys Tasche. Danach saßen sie mit den Rücken an den Baumstamm gelehnt, blickten über den See hinweg und auf die Sterne am klaren Himmel. Während das Feuer langsam verglühte, redeten sie.

„Wohin gehst du in der Stadt?“, fragte der Einsame.

„Ich besuche eine Tante, Sin-“

„Warte!“, sagte der Einsame: „Keine Namen!“

„Oh. Entschuldige“, sagte Bellaconealy. Der Einsame winkte ab.

„Und wo wohnt diese Tante?“

Bellaconealy stockte in ihrer Erzählung: „Das weiß ich nicht so genau. Mutter meinte, ich würde sie an ihrem Mundwerk erkennen, das nie still zu stehen scheint. Ich solle nur auf dem Fischmarkt fragen.“

Der Einsame legte den Kopf schief: „Der Fischmarkt ist jetzt groß geworden. Kann es sein, dass deine Mutter lange nicht mehr in der Stadt war?“

Und Bellaconealy musste ihm zustimmen, dass das der Fall war. Jetzt bekam sie doch Angst, und auch die dunklen Baumstämme schienen größer und bedrohlicher zu werden.

Der Einsame legte ihr eine Hand auf den Arm: „Keine Sorge. Du wirst nur vermutlich ein paar Tage brauchen, bis du deine Tante findest. Weißt du, ich muss eine Botschaft überbringen, zu einem Tavernenwirt. Sicher wird er uns bei sich schlafen lassen, wenn ich ihm dafür ein wenig helfe. Dann hast du ein Bett und ein Dach über dem Kopf, bis du deine Tante findest.“

„Das ist wirklich sehr lieb von dir.“, sagte Bellaconealy und fand es ein bisschen schade, als der Einsame schnell seine Hand zurück zog, als hätte er bemerkt, was er da tue. „Aber warum hilfst du mir, Einsamer?“

Er lächelte wieder schief: „Ich muss doch einer Dame in Not helfen, das gebietet die Pflicht.“

 

Sie machten sich fertig, um zu schlafen. Der Mond stand schon hoch am Himmel, und Bellaconealy fror. Der Einsame entfachte das Feuer von Neuem, damit es ihnen Wärme und Schutz spenden konnte.

„Wie kannst du in er Wildnis überleben?“, fragte Bellaconealy.

„Ich jage, angele, pflücke Beeren, stelle Fallen. Die Wildnis gibt viel her, wenn man weiß, wie es zu nehmen ist.“, antwortete ihr neuer Beschützer.

Sie schwiegen beide und der Mann ließ das Feuer schließlich in Ruhe und begann, seine Decken auszurollen.

„Wie ist es zu deinem Fluch gekommen, Einsamer?“, fragte Bell leise.

Der Mann atmete tief durch, und die Schatten auf seinem Gesicht schienen noch länger zu werden: „Das ist eine traurige Geschichte, Kind.“

„Möchtest du sie mir erzählen?“

Der Einsame musterte Bell lange. Trotz der Schatten in seinem Gesicht war sie sicher, dass er noch sehr jung war.

„Ich habe die Hoffnungen und Ängste anderer Menschen für meine Zwecke missbraucht.“, sagte er dann: „Ich habe den Kranken erzählt, ich könne sie heilen, und den Hoffnungslosen weiß gemacht, ich könnte ihnen Liebe oder Reichtum verschaffen. Ich habe mich für einen großen Magier ausgegeben, doch der einzige, der auf wundersame Weise reich wurde, war ich.“

Der Einsame machte eine Pause und atmete tief durch: „Dann kam ein wirklicher Zauberer, um mich zu testen. Er verkleidete sich und kam zu mir. Und er verlangte, ich solle ihm meine Macht zeigen. Ich erzählte ihm, ich könnte das Leben der Menschen bestimmen, und auch alle weiteren Leben nach ihrem Tod. Ich bräuchte nur ihren Namen – und Gold natürlich – und schon könnte ich Wege bestimmen und Schicksale verknüpfen und Zauber spinnen, die auch nach hundert Leben noch wirken. Dann fragte mich der Zauberer, ob ich Kranke heilen könnte, und ich sagte ja. Er fragte mich, ob ich wahre Liebe schaffen könnte, und ich sagte ja. Er fragte, ob ich dies bereits getan und dafür Gold verlangt hätte, und auch das bejahte ich.

Da lachte der Zauberer schrecklich auf, nannte mich einen Scharlatan und sprach von all den Menschen, die ich belogen und deren Gold ich geraubt habe. Dann verhängte er diesen Fluch über mir. Wenn ich jemals den Namen eines anderen Menschen erfahre, wird dieser auf der Stelle sterben. Wenn ein anderer Mensch meinen Namen erfährt, werde ich sterben. Und wenn jemand versucht, mich zu retten, so wird er mit mir in einem ewig Kreis aus Tod, Leben und Vergessen gefangen sein.“

Der Einsame schwieg. Bellaconealy empfand nichts als Mitleid: „Das muss ja furchtbar für dich sein!“

„Ich habe es verdient.“, der Einsame sprach mit solcher Bestimmtheit, dass Bellaconealy nicht widersprechen konnte. Im Schein des Lagerfeuers legte er sich hin und drehte ihr den Rücken zu.

»Er hat ein furchtbar schweres Leben.«, dachte sie bei sich selbst: »Aber er ist sehr tapfer.«

 

Mitten in der Nacht wurde Bellaconealy von einem Geräusch geweckt. Sie schlug sofort die Augen auf und starrte in die Dunkelheit des verlöschenden Feuers.

Sie hielt den Atem an, denn sie hörte Bewegung. Etwas Großes war ganz in der Nähe. Schwere Schritte ließen den Boden erzittern, doch waren die Schritte selbst erschreckend leise.

Bell suchte in der Dunkelheit nach der Ursache für die Geräusche.

Dann sah sie ihn – einen gewaltigen Schatten, groß und pechschwarz wie die Nacht. Ein Bär!

Er drehte Bellaconealy den Kopf zu, als sie vor Angst nach Luft schnappte. Gelb leuchteten die beiden schrägen Schlitze in den schwarzen Gesicht.

Mit einem Angstschrei sprang Bellaconealy auf. Sie war geistesgegenwärtig genug, nach einem Holzscheit aus dem Feuer zu greifen. Laut schrie sie: „Einsamer!“

Der fremde Mann war sofort wach. Doch schon schlug der Bär knurrend mit einer Pfote nach Bellaconealy. Sie warf den Holzscheit aus ihrer Hand und traf den riesigen Bären ins Gesicht. Brüllend richtete sich das Biest zu seiner ganzen Größe auf. Jetzt war er doppelt so groß wie die beiden Menschen.

Brüllend vor Schmerz kam der Bär wieder herunter. Der Einsame sprang dazwischen und warf Bellaconealy zur Seite. Dann krachten die schwarzen Krallen genau dort auf den Boden, wo Bell eben noch gestanden hatte.

Der Bär hatte jedoch genug von der wehrhaften Mahlzeit und stürmte in das Gebüsch. Das Brüllen und das Knacken zerbrechender Äste verhallte schnell.

Keuchend kam Bellaconealy zu Atem und merkte, dass der Einsame neben ihr lag, einen Arm um ihre Hüfte geschlungen.

Der Einsame bemerkte das auch und löste seinen Griff schnell. Beide standen auf.

„Danke.“, keuchte Bellaconealy als Erste: „Ohne Euch wäre ich...“

„Nicht so schlimm dran, wie ich dachte.“, unterbrach der Einsame sie mit einem Grinsen: „Du hast den Bären ganz schön verschreckt.“

Bellaconealy musste lächeln und verbarg die Geste scheu hinter ihren langen Haaren.

„Ehrlich.“, sagte der Einsame: „Du warst sehr tapfer. Und da ich deinen Namen nicht erfahren darf, werde ich dich von nun an die Tapfere nennen.“

„Ihr übertreibt, Einsamer.“, sagte Bellaconealy abwehrend.

Doch der Mann schüttelte bestimmt den Kopf: „Du bist von nun an die Tapfere.“

Er warf einen Blick zum Himmel. Der Morgen graute bereits: „Wir sollten weiterziehen. Ich denke nicht, dass wir in dieser Nacht noch Schlaf finden werden.“

„Vermutlich nicht.“, stimmte Bellaconealy ihm zu und half ihm dann, die Decken einzurollen und in ihrer beiden Taschen zu verstauen: „Wie weit ist es bis zur Stadt?“

„Wir sollten sie heute Abend erreichen. Dann gehen wir zu dem Wirt, und morgen früh suchen wir deine Tante.“

„Das klingt gut, ja.“, sagte Bellaconealy. Als sie ihre Decke in ihre Tasche stopfte, half der Einsame ihr, und plötzlich berührte seine Hand die ihre. Beide zuckten zusammen, als hätten sie einen Stromstoß erhalten und sahen einander in die Augen.

Dann zogen sie eilig ihre Hände zurück.

 

Sie wanderten Seite an Seiten. Den Stock, den der Einsame am gestrigen Abend geschnitzt hatte, nutzte er nun als Wanderstab. Beim Gehen redete er viel und lachte noch mehr. Bellaconealy an seiner Seite konnte sich nicht erinnern, jemals so viel Spaß zu haben.

Der Einsame kannte viele Geschichten, von denen Bell noch nie gehört hatte. Er erzählte ihr alle Geschichten und sang ihr sogar Lieder vor. Seine Stimme war zwar rau von der langen Zeit, in der er sie nicht genutzt hatte, doch er traf beinahe jeden Ton. Bellaconealy war sehr still, so sehr staunte sie über das Talent ihrer Begleitung. Sie war sogar so still, dass der Einsame sie sehr ernst fragte, ob er sie vielleicht langweile. Natürlich war das nicht der Fall, beteuerte Bellaconealy.

Sie fühlten sich so glücklich, mit dem Sonnenschein, der durch die Blätter gesprenkelt auf den Waldboden fiel, dass sie die gedrungene Gestalt nicht bemerkten, die an einer vom Blitz gespaltenen Eiche auf sie zu warten schien.

Als der Einsame dann doch die Gestalt in dem grauen Mantel voller Flicken entdeckte, hielt er starr vor Angst inne.

„Du!“, rief der Einsame aus und die Gestalt wandte ihnen den Blick zu. Bellaconealy war einen halben Schritt hinter dem Einsamen stehen geblieben: „Wer ist das, Einsamer?“, fragte sie ängstlich.

„Das ist der Zauberer, der mich verflucht hat, Tapfere“, antwortete der Einsame leise.

Die kleine Gestalt kam auf sie zu: „Mein Freund, wie schön dich zu sehen. Komm her, Sean, alter Kumpel!“

„Nein!“, brachte der Einsame hervor, als der kleine Zauberer seinen Namen nannte. Der große Mann fiel auf die Knie und krallte eine Hand in seine Brust. Bellaconealy stürzte nach vorne und fing ihren neuen Freund auf.

„Du hast lange genug in dieser Welt gelitten. Nun wartet ein neues Leben voller Leid auf dich!“, sprach der Zauberer und warf die Kapuze zurück.

Sein Kopf war kahl und die gelben Augen waren schräg und voller Bösheit. Ein pechschwarzer Bart bedeckte den Mund des Mannes. Seinen Blick heftete er auf Bellaconealy, die den Einsamen – Sean – im Arm hielt, während dieser verzweifelt nach Atem rang.

„Tritt zurück, Mädchen. Das hier geht dich nichts an.“, befahl der Mann.

„Nein!“, warf Bell zurück: „Lasst ihn frei! Er hat genug gelitten!“

Der Zauberer lachte nur: „Kein Leid in keinem Leben kann vergelten, was er getan hat: Leid durch falsche Hoffnung zu vertiefen.“

Bellaconealy hielt Sean fest im Arm und fasste dann einen Entschluss. Sie beuge sich nah an das Ohr des Mannes, dessen Gesicht in ihren Armen blau anlief.

Dann sagte sie ihm: „Mein Name ist Bellaconealy“, so laut, dass er es auf jeden Fall hören musste.

Fast sofort zerriss ein stechender Schmerz ihre Brust und Angst schnürte ihr die Kehle so eng, dass sie nicht atmen konnte. Gleichzeitig versetzte ihr der Blick, den Sean ihr darauf zuwarf, einen noch viel tieferen Stich. Er wollte nicht, dass sie ihm folgte. Aber dies war ihre Entscheidung!

 

„Närrin!“, fluchte der Zauberer. Blut rauschte in Bells Ohren, während sie verzweifelt versuchte, Luft in ihre Lungen zu bekommen. Sean streckte eine Hand aus und umfasste ihre.

Er starb nicht zum ersten Mal. Seine Nähe beruhigte Bellaconealy ein wenig. Sie spürte Tränen auf ihren Wangen und sah, das auch Sean weinte.

Aber sie würde ihn nicht verlassen. Sie würde ihn retten.

Dann wurde es schwarz um sie, und nur der Zauberer bleib neben zwei leblosen Körpern auf dem Waldboden zurück.

„Es ist geschehen“, murmelte der schwarzgekleidete Mann und sah auf die beiden herunter: „Es will dir jemand helfen, Sean. So tretet denn ein in den Kreislauf, verknüpft eure Schicksale und leidet gemeinsam.“

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beta
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