Richtung München

Peter fuhr noch zur Tankstelle und tankte voll. Rupert parkte seinen Audi am Rand. Er telefonierte mit seinem Chefkoch und bat ihn, heute ohne ihn die notwendigen Planungen und Vorbereitungen zu treffen, er würde bis auf weiteres nicht verfügbar sein. Franzl, der Chefkoch war eine Legende unter den Gourmets. Ruperts großer Erfolg mit dem Felsenkeller war zu einem Gutteil auch ihm zu danken. Man konnte sich hundertprozentig auf ihn verlassen. Rupert hatte nur Stammpersonal. Er legte Wert darauf, dass seine Leute gern für ihn arbeiteten und hatte ein beinahe familiäres Verhältnis zu ihnen. Es hatte sich noch nie jemand abwerben lassen, trotz guter Angebote! Peter klopfte an die Scheibe. "Ich bin soweit!" - "Dann los, Peter! Es wird alles gut! Ich habs im Urin! Sie werden dich linken wollen, aber dann werde ich drohen, aus ihrem Geheimnis eine Schlagzeile zu machen! Du kennst mich, Peter, ich kann sehr überzeugend sein. Wundere dich nicht, wenn ich plötzlich nicht mehr im Rückspiegel zu sehen bin. Ich muss noch etwas vorbereiten, aber ich weiß immer wo du bist!" Er hielt sein Handy in die Höhe. "Los jetzt, Peter und fahr vernünftig! Wir können uns nicht leisten, aufzufallen. Und ruf mich nicht an! Ich existiere nicht! Vorerst nicht! Ich trete nur in Erscheinung, wenn sie euch nicht freilassen! Machs gut!" - "Du auch!"

Peter fuhr los. Gut, dass Rupert ihn gebremst hatte. Es hatte wirklich keinen Sinn, wie ein Verrückter zu fahren und dabei noch was zu riskieren. "Du hast heute schon einen Fehler gemacht, mach jetzt ja keinen mehr, Junge! Es geht um Ricarda!" dachte er bei sich. Noch vor einer Woche war sie eine Unbekannte gewesen, heute schon, war sie der Mittelpunkt seiner gar nicht so kleinen Welt...

Ricarda hatte nach kurzer Fahrt eine Kapuze erhalten, die ihr das Erkennen der Umgebung unmöglich machte. Mühsam unterdrückte sie die immer wieder aufsteigende Panik. In einem Entführerauto zu sitzen mit einem Sack über dem Kopf hat absolut nichts Beruhigendes! Es ist so ziemlich das Bedrohlichste, was sie sich ausmalen konnte. Plötzlich war die Fahrt zu Ende. Unsanft wurde sie aus dem Auto gezerrt und in ein Gebäude gebracht! "Vorsicht Stufe!" hieß es mehrmals und schließlich setzte man sie auf einen Stuhl. Ihre Arme wurden an der Lehne des Stuhles fixiert. "Ich möchte nicht grob zu ihnen sein! Aber wenn sie sich nicht benehmen, kann ich diese Dinger auch sehr viel enger machen! Ist ihnen das klar?" Sie nickte. Jemand nahm ihr die Kapuze vom Kopf. Sie war vorne schon ganz nass gewesen von ihrem Atem. Obwohl es nicht sonderlich hell war in dem Raum, mussten sich ihre Augen erst an die neue Vorrausetzung gewöhnen. Auf einem weiteren Stuhl saß Kremer! Er war ebenfalls daran gefesselt! "Ich könnte mir vorstellen, sie beide kennen sich!" 

Peter fuhr gerade am Chiemsee vorbei. Sechs, sieben Autos hinter ihm befand sich der rote Kombi Ruperts. Der Audi hatte beachtliche Fahrleistungen vorzuweisen, wirkte aber sehr seriös. Ein Wolf im Schafspelz möchte man fast sagen. Ein Anruf kam auf Peters Freisprechanlage. "Fahren sie an der nächsten Abfahrt von der Autobahn und halten sie sich rechts!" Es klickte und die Verbindung war schon wieder beendet. "Die wissen genau wo ich bin!" Peter sah sich um. Keines der hinter ihm befindlichen Autos fuhr ab. Neben sich sah er Rupert auf der Autobahn weiterfahren. Ein ganz kurzer Blickkontakt... "Hoffentlich sehen wir uns wieder alter Freund!" dachte Peter wehmütig. Wie hatte er nur in diese Sache reinrutschen können. Hätte er seine Liebste nicht wie jeder Andere beim Ausgehen oder bei der Arbeit kennen lernen können?

Rupert wusste, was er zu tun hatte. "Die lassen dich nicht, gehn, Peter! Und auch dein Mädel nicht! Aber denen werd ich die Suppe ordentlich versalzen. Mit dem Geheimdienst Probleme zu bekommen kann einem auch nur passieren, wenn man sich DEIN bester Freund schimpfen kann! Was ich mit dir schon alles erlebt hab würde ein Buch füllen. Aber wir werden trotzdem wieder mal gewinnen!" Er musste sich selbst Mut machen. Er hatte nämlich keinen, der es sonst getan hätte... 

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