Todmüde klingelte ich an der Wohnungstür meines Kollegen. Eigentlich wollte ich Feierabend machen, aber Michael hatte noch etwas mit mir zu besprechen. Ausgerechnet heute! Mein Bauch schmerzte immer noch. Das würde hoffentlich nicht zu lange dauern.

Die Tür schwang auf, wie von einem Luftzug getragen. Das Licht war dämmrig und vor mir stand Michi mit Krawatte und Anzug. Wo wollte der denn noch hin? Aber gut, dann war ich ja schnell wieder draussen. Ich stapfte in den Hausflur und wäre fast ausgerutscht. Erst da bemerkte ich den Unrat auf dem Parkett. Überall lag Müll verstreut. Ich fragte ihn, ob hier ein Einbruch stattgefunden hätte. Anstatt mir zu antworten, ergriff er meine Hand und führte mich über den Dreck zum Esszimmer. Und da sah ich das Ausmass der Katastrophe.

Das Zimmer sah aus, wie eine Kirche und war mit Kerzen überstellt. Auf dem Boden war kein Müll, sondern ein Teppich aus Rosenblättern, der von der Eingangstüre bis zum Stuhl reichte. Zu meinem Stuhl. Entsetzt hielt ich den Atem an. Nicht das auch noch! Nicht heute! Ich hatte mir einen Romantiker aufgeladen. Mir blieb diese Woche aber auch nichts erspart. Elegant führte er mich zur Blätter verzierten Sitzgelegenheit. Heimlich wischte ich die roten Rosenblätter vom Sitz, denn ich hatte keine Lust, mir meine weisse Leinenhose zu ruinieren. Wir assen seine selber gekochten Spaghetti, während ich mir vornahm, nett und freundlich zu bleiben. Irgendwie musste ich ihm ja erklären, dass ich seine gewünschte Form von Anwesenheit in meinem Leben nicht wollte. Nur sind da Romantiker sehr zart besaitet. Meinen üblichen Sarkasmus musste ich mir hier dringend sparen. Nicht, dass er noch weinte. Das kannte ich nämlich schon. Beim Dessert hatte ich es dann geschafft und ihm leise und freundlich eine Abfuhr erteilt. Dabei drückte mein Magen bereits wie verrückt. Ich musste langsam hier raus, aber dringendst. Traurig erhob er sich und begleitete mich in den Hausflur um mich zu verabschieden.

Gerade als ich mich umdrehte, um mir meine Jacke zu greifen, griff er an und knallte mich an die Wand. Beide Arme nach oben, so als wäre ich verhaftet. Heiss atmend und leicht geifernd hing sein Gesicht vor meinem. Dann flüsterte er heiser: «Du willst es doch auch.» Dann presste er seinen Unterkörper so hart gegen Meinen, dass mir die Luft wegblieb. Das war nicht nur unromantisch, sondern der Fehler schlechthin.

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Mein, bereits seit dem Mittagessen aufgeblähter Bauch, hielt den Widerstand seiner Lenden nicht aus und entliess die ganze Luft an die Wand. Der Furz floh mit einem Pfeifton die Mauer entlang und verteilte sich im ganzen Flur. Michi starrte mich mit weit aufgerissenen Augen an und vergass ganz, zu sabbern. Nur, das eigentliche Problem kam hinterher. Der Geruch erinnerte locker an einen Misthaufen. Und zwar an einen grossen.

So schnell war ich noch nie einen Mann losgeworden. Oder er mich, je nach dem. Ich stand bereits untern auf der Strasse, als ich grinsend bemerkte, wie oben die Fenster in der ganzen Wohnung aufgerissen wurden. Tja, Linseneintöpfe sind nun mal nichts für romantische Treffen. Die Methode hatte was! Und mein Magen schmerzte nicht mehr, die Blähungen waren ja weg. Ende gut, alles gut! Zumindest für mich.

Comments

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    Herrlich! :-D Schon wieder was gelernt! :-D

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    Was zum Teufel?! xD OK, erst hatte ich Mitleid mit dem Typen, aber als er sie an die Wand drückte war da nix mehr mit Mitleid. :'D Und dann der Pups...ja, so muss man mit den Männern umgehen! XD Tolle Story, echt... 5/5 (Und ich lache immer noch :'D )

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