Ich war noch nie wirklich der offene Typ.
Wenn ich die Chance kriege, verkrieche ich mich in der letzten Reihe, möglichst zwei Stuhlreihen außer Sichtweite.
Bei Diskussionen redet mich die Wand aus dem Raum.
Egal wie viele bei mir sind, es ist immer einer zu viel.
Im Zweifelsfall bin ich es selbst.
Ich stolpere über meine eigenen Worte, obwohl die sich keinen Millimeter bewegt haben und stottern wird obligatorisch .
Jedoch nur von acht bis eins, danach kann ich abtauchen.
Dann heben sich die krummen Schultern wieder zur normalen Größe an.  Man kann sie knacken hören -  ihr erstes Lebenszeichen seit fünf Ewigkeiten.
Die Augen hören auf zu wandern. Ihre Suche nach Halt findet vielleicht kein Ende, doch eine Ruhe sondergleichen.
Keine anderen Präsenzen schreien nach Aufmerksamkeit, die Farben wurden ausgesperrt. 
Kein Zucken von einem Lächeln mehr, niemand verlangt es dort wohin ich mich zurückziehe.
Niemand bemerkt es nicht mehr.
Oder wagt es gar, darauf zu reagieren.
Eigentlich sollte ich mich scheckig freuen, gerade ich, als Glückspilz der Nation. 
Aus irgendeiner Laune der Natur haben sich alle aufrichtig sozialen Wesen dieses Universums in meiner unmittelbaren Nähe angesiedelt.
Egal wo ich hinsehe, überall diese strahlenden Gesichter. Ermutigend, erfreut, empathisch... egal was sonst noch kommt, es will mir hundertprozentig nichts Böses.
Dabei hätte ich es verdient.
Ich helfe nie, niemals.
Davor habe ich Angst.
Vor ihnen habe ich Angst.
Kennt ihr das Gefühl in dem Moment, wenn ihr nicht nur realisiert, dass ihr wartet, sondern auch worauf?
Ich habe  gewartet.
Konstant. 
Ich tue es immer noch.
Ich erwarte den Moment, in dem sie aufgeben, so pessimistisch ich damit auch klinge. 
Jeder gibt auf, sobald die Dinge unmöglich werden. 
Es ist nunmal ungesund festzuhalten, wenn loslassen die einzige wirkliche Möglichkeit ist.
Das wäre so sinnvoll wie ziehen, wenn auf der Tür 'Drücken' steht. 
Wer sperrt sich schon selbst immer wieder aus?
Na ich, jedes Mal wenn ich mich drei Meter von meinen Mitmenschen entfernt hinstelle. 
Sie wollen mir alle helfen und rufen mich dazu.
Ob es drei Meter, dreißig Zentimeter oder 30 000 Kilometer sind, ich mache meinen Mund nicht auf.
 Auf keine Entfernung werde ich je verstanden werden.
Das lasse ich nicht zu.
"Schüchternheit ist nichts schlechtes".
Ich weiß.
Aber gut ist es deshalb bei weitem nicht.
Nicht bei mir.
Ich hoffe inständig, ihr kennt nicht das Gefühl das ich kenne.
Denn was ich stark bezweifle ist, dass das noch Schüchternheit ist.

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