Schauer

Die Straße machte eine längere Rechtskurve, und als Anja den Wald hinter sich gelassen hatte, blies der Wind in einer mildwürzigen Briese von vorne. Urplötzlich wehte er stärker, die Briese verlor ihre sanfte Ader und Wolken zogen auf. Dennoch verlangsamte sich Jasmin, doch die beklemmenden Wolken beklemmten auch ihr Gefühl von Freiheit. Mit dem Wolkenwind waren auch die Gedanken zurückgekommen. Sie huschten wie böslachende Gesichter vor ihrem geistigen Auge. Rasch versuchte sie sich abzulenken und begutachtete die Pflanzen am Wegesrand: Grüne, Rote, Blaue, Gelbe, soviel waren es. Doch die Flut der Gedanken stieg weiter an. Das Suchen nach den Blumen: Ein verzweifelter Versuch Sandsäcke zu türmen. Immer schneller trat die junge Radfahrerin in die Pedale. Vielleicht in der Hoffnung vor ihren Gedanken davon radeln zu können. Als sie daraufhin eine Kreuzung erreichte und es sich zu entscheiden galt welchen Weg sie nun einschlagen würde, stieg wieder dieses eine Bild in ihr auf.

Sollte sie es wirklich tun? Dorthin fahren?

Langsam ließ sie ihren Blick über die Landschaft wandern. Es würde wohl dazu kommen, dass sie jenen einen Ort besuchen würde. Noch was es kein schöner und auch kein trauriger Ort, es war ein Ort der sie bannte in Faszination und verbannte in Frösteln. Es waren Jahre vergangen das sie das letzte Mal dort gewesen war und noch länger das kein Schauer über ihre Schultern fuhr, wenn sie an jenen einen Ort dachte.

Nein! Sie musste auch an den Rückweg denken! Es war viel zu weit bis dorthin...

Als Jasmin sich auf den Rückweg machen wollte und schon auf die Unterstützung des Rückenwind hoffte, versagten ihre Beine. Nein eigentlich versagten sie nicht, sie verweigerten sich eher dem Befehl den Rückweg einzugehen. Ein Schauer peitschte über ihre Schulter.

Als ob...., Als ob...., Als ob da etwas wahr!

Rasch wirbelte Jasmin um ihre eigene Achse und betrachtete mit gerunzelter Stirn die Umgebung. Doch nichts was den Schauer ausgelöst haben könnte. Keine Blicke, der Wind kam aus der anderen Richtung oder irgendwas anderes.

War es etwa ein Zeichen? Ach nein das war doch alles Humbuck!

Nachdem sie noch ein paar Minuten an der Kreuzung verweilt hatte und in sich gegangen war, wagte Jasmin den Entschluss und folgte doch ihrem inneren Bild.


Comments

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    *stimmt Seegraf zu* Klasse geschrieben, ich bin schon gespannt, wie es weiter geht ;)

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    Auch hier gelingt es dir wieder gut, Jasmins innere Zerrissenheit, ihr Wehren gegen das Unvermeidliche, fast greifbar zu veranschaulichen. Sehr gut beschrieben!

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