„Und du denkst,

bevor du einschläfst:

Ich bin schon viel zu lange wach.“


Bakkushan, Der letzte Mensch der Welt


„Keine Abschiedsszenen auf Bahnsteigen.“ Berenike duckte sich unter Yanniks Arm hinweg und wich ein paar Schritte zurück. „Keine Ausnahme. Niemals. Auch nicht für dich.“

Er lachte. „Du bist so doof. Ich will mich doch gar nicht verabschieden, sondern dich einfach nur küssen. Weil mir danach ist. Genau jetzt.“

Wieder entwischte sie seinem Arm. „Ja klar, und das hat nicht zufällig was damit zu tun, dass gerade über Lautsprecher der Zug angekündigt wurde?“ Rückwärts gehend hielt sie gleichbleibenden Abstand zwischen ihnen.

„Wurde er? Ist mir gar nicht aufgefallen.“ Er grinste breit. „Nein, im Ernst, Bebi, es hat einfach nur was damit zu tun, dass ich dich nun mal gerne küsse. Unentwegt.“

Unvermittelt blieb sie stehen und verdrehte die Augen. „Unentwegt? Ernsthaft? Ich mein, kannst du nicht einfach mal so reden wie normale Menschen? Du könntest mich stattdessen doch ständig küssen oder dauernd oder …“

Er nutzte ihr Innehalten und zog sie in seine Arme. „Ständig und dauernd? Dein Wunsch sei mir Befehl.“

Ihr Protest verlor sich in seinem Kuss und sein Daumen, der sacht über ihren Nacken strich, ließ einen Schauer über ihren Rücken rieseln.

Der Zug fuhr ein und ihr Haar tanzte im Fahrtwind. „Ich muss gehen“, murmelte sie und beendete so den Kuss.

„Musst du nicht.“ Er streichelte ihren Rücken, ihren Po.

„Doch, ich muss.“ Sie schob ihn lachend von sich. „Ich muss endlich mal schlafen und wenn ich bei dir bleib, wird da nix draus.“ Sie strich ihm über die Wange. „Es ist doch nicht so, dass wir uns ewig nicht wiedersehen, wenn ich jetzt geh.“

„Sicher?“

„Eine Nacht.“ Sie öffnete die Zugtür und sprang hinein. „Ewig lang.“

„Elend lang, Bebi.“ Er hob die Hand und hauchte ihr einen Abschiedskuss zu. „Ich werde vor Sehnsucht vergehen, wirst sehen.“

„Schwachkopf.“

„Ich dich auch.“

Sie hob kurz die Hand und wandte sich rasch ab, um sich einen Platz zu suchen. Es war der letzte Zug nach Haltern und um diese Uhrzeit gab es kaum Mitreisende und demnach jede Menge freie Plätze, doch sie lief langsam daran vorbei, wollte sich erst hinsetzen, wenn der Zug anfuhr, denn sonst hätte sie aus dem Fenster schauen müssen. Sie wollte ihn nicht ansehen müssen, ohne ihn berühren zu können. Sie hasste Abschiede auf Bahnsteigen.


Der Zug rauscht durch die Nacht, das Licht im Waggoninneren zaubert Spiegelbilder auf die Fensterscheiben, die den Blick festhalten. Und so wird die Außenwelt zu etwas Unbenennbarem und die Realität lebendig in den Spiegeln.

Sie verliert sich in ihrem Gesicht, dem altvertrautem Antlitz, und die Räder des Zuges singen ihr ein Schlaflied. In das Flattern der Augenlider drängen sich Gedanken. „Nicht einschlafen, nur noch eine Station“. Sie lächelt sich zu und schließt die Augen. Nur für einen Moment …


Mit einem Ruck schrak sie hoch. „Fuck!“, entfuhr es ihr und sie sprang auf. Sie konnte nicht riskieren, umständlich aus dem Fenster nachzusehen, wo sie war, also spurtete sie los zur nächstgelegenen Waggontür. Die öffnen und auf den Bahnsteig hüpfen war eins. Sie wollte schnell weiter, ohne Plan und ohne Ziel, und war schon an dem verschlossenen Schiebetor, als ihr müdes Hirn endlich Mitteilung gab, wo eigentlich sie sich befand, und so lautes Lachen auslöste, das sich in der Dunkelheit verlor. Buer Nord. So ein Dusel.

Sie kramte nach ihrem Handy, doch der Akku schien leer zu sein, denn das Display blieb dunkel. Und während sie darauf starrte, versuchten Einzelteile eines Gedankens sich zusammenzufügen. Irgendwas mit einem Handy.

Doch sie war zu müde, die kalte Nachtluft machte sie frösteln und es beherrschte sie nur ein klarer Gedanke: Sie würde laufen müssen. Seufzend stieg sie über das niedrige Schiebetor – wieder bahnte sich ein Gedanke an – und war froh, dass sie nicht von Hassel aus laufen musste. Oder gar von Marl aus.

Sie wandte sich nach links, passierte die schlafende Spedition und erreichte gerade den Kopf der Treppe, als endlich einer der unklaren Gedanken erfolgreich war. Jäh blieb Berenike stehen und wandte sich um. Warum war der Zug noch nicht weitergefahren?

Sie tastete nach dem Treppengeländer und klammerte sich daran. Und nun, da es ein Gedanke geschafft hatte, Aufmerksamkeit zu bekommen, schob ihr Hirn die übrigen Gedanken gleich nach. Warum hatten auf der Sitzbank gleich bei der Zugtür ein Handy und eine Brille gelegen? Und warum, zum Teufel, hatte der Zug überhaupt hier angehalten?

Berenike schwankte und klammerte sich fester ans Geländer. Der alte Bahnhof war seit Jahren stillgelegt, kein Wunder, war das Tor geschlossen geblieben.

Sie atmete ein paar mal tief durch. Absurd. Es gab für alles einen Grund. Einen nachvollziehbaren. Vermutlich gab es ein Hindernis auf den Schienen zwischen hier und dem neuen Bahnhof, weshalb der Zug einfach hier Halt gemacht hatte und nun darauf wartete, bis die Strecke wieder frei war. Und sie Schnarchnase hatte die Durchsage schlichtweg verpennt. Zum Glück gab es diese Störung, denn anderenfalls wäre sie längst in Marl. Mindestens. Oder noch viel weiter.

Wieder ein Griff zum Handy, wieder starrte sie auf das dunkle Display – der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Und mitunter schrecklich vergesslich. Sie dachte an die verlassene Brille und das einsame Handy. Das gäbe daheim ein böses Erwachen.

Achselzuckend stieg Berenike die Treppe hinunter zur Dorstener Straße.


Zuhause empfing sie Dunkelheit. Und Stille.

„Murkel?“ Ihre Stimme klingt kläglich in der Leere der Wohnung.

Sie schlägt eine Hand vor den Mund und unterdrückt ein Schluchzen. Dummes, müdes Hirn, das Erinnerungen so lebendig werden lässt, dass es sich anfühlt, als sei Murkel, Grande Dame der Katzenwelt und langjährige Gefährtin soeben noch da gewesen, hätte zur Begrüßung gemaunzt und sich dann schmollend verzogen. Ein halbes Jahr. Eine Träne stiehlt sich ihre linke Wange hinunter. Zeit zu ruhen.


Zum ersten Mal seit langem brach Berenike mit ihrem Daheim-Morgenritual. Normalerweise räkelte sie sich ausgiebig bei dem Lied vor den Nachrichten, lauschte dann kissenselig den Neuigkeiten und stand allmählich bei dem nächsten Lied auf. Oder dem übernächsten. Oder … aber spätestens …

Heute jedoch sprang sie aus dem Bett, kaum dass sie die ersten Takte des Liedes vernommen hatte, und hämmerte auf die Aus-Taste. Anschließend war sie nicht nur atemlos, sondern auch extrem schlecht gelaunt. Na danke!

Sie tappte in die Küche, kramte ein Kaffeepad aus dem Schrank und in die Halterung, füllte Wasser auf und startete endlich die Maschine. Doch kaum tröpfelte der erste Kaffee in die Tasse, fiel ihr wieder ein, dass der Arzt sie nüchtern zur Blutabnahme erwartete. Toll. Wachwerden ohne Kaffee.

Seufzend schaltete sie die Maschine wieder aus und kippte den Kaffee in die Spüle. Tage, die so begannen, gehörten aus dem Kalender gestrichen. Ersatzlos. Sie widerstand der Versuchung, sich erneut ins Bett zu begeben, und ging duschen.


„Da geht auch keiner ran!“, rief die Arzthelferin und knallte den Hörer auf die Gabel. „Rufen wir jetzt die Polizei?“

Der Arzt kam aus dem Behandlungszimmer. „Ist wohl …“ Sein Blick fiel auf Berenike und er erstarrte und sah sie dümmlich an.

„Äh … guten Morgen“, ihr Lächeln geriet schief, „ich komme zur Blutab...“

Die Arzthelferin schlug die Hand vor den Mund, eilte um den Empfangstresen herum auf sie zu und ergriff ihre Hand. „Sie sind … Wie … Ich meine …“ Sie atmete tief durch. „Was ist am Wochenende passiert?“

„Passiert?“ Berenike sah in erwartungsvolle Gesichter. „Nichts. Jedenfalls nicht, dass ich wüsste. Wieso?“

Unsicher sah die Arzthelferin zum Doktor. „Weil“, sie schluckte und senkte den Blick. „Meine Scholvener Kolleginnen sind nicht zur Arbeit gekommen. Und Sie sind bislang die einzige Patientin. Normalerweise …“ Sie machte eine unbestimmte Handbewegung.

„… ist es montags um diese Zeit knallevoll“, beendete Berenike den Satz und wich zurück. Das war doch verrückt!

Arzt und Helferin sahen sie erwartungsvoll an und sie trat noch einen Schritt zurück. Das musste ein Traum sein, so etwas passierte nicht in der Realität. Wach auf!, beschwor sie sich.

„Was ist mit Ihnen? Sie sind plötzlich so bleich.“ Die Arzthelferin trat erneut näher, wieder streckte sie die Hand aus.

„Nein!“ Berenike hob ihrerseits die Hand und wich noch weiter zurück. „Ich habe keine Übung in luzidem Träumen und ich gelobe, das alles nachzuholen, sobald ich … ich bin sicher, ich wache jeden Moment auf. Jetzt gleich …“, sie stieß mit dem Rücken gegen den Türrahmen, „bestimmt, ich muss nur …“ Sie drehte sich um und entkam durch die Tür.

Nach ein paar Schritten hielt sie inne und drehte sich langsam um die eigene Achse.

Auf dem Parkplatz an der Apotheke standen vier Autos, an der Sparkasse zwei, auf der Feldhauser Straße fuhr ein Auto vorbei. Eins.

An der Schule standen zwei Frauen an dem zweiten Seiteneingang. Gerade hatten sie noch wild gestikuliert, doch nun standen sie ruhig da und starrten herüber. Ruhig. Verdammt, es war viel zu still! Keine schnatternden Mütter zwischen Schule und Parkplatz, keine krähenden Kiddies auf dem Weg zum Kindergarten. Nicht einmal Vogelgezwitscher …

Noch einmal sah sie ins Innere der Arztpraxis.

Die Arzthelferin telefonierte wieder, der Arzt stand an der Tür und sah Berenike an, mit unbewegter Miene, doch sie empfand seinen Vorwurf. Wach endlich auf!

Sie rannte los.


„Ach, du bist's. Wo warst du denn schon so früh?“ Ganz egal, was mit Scholven passiert war, ihre Mutter hatte es nicht getroffen. Berenike biss sich auf die Lippen, um weder dümmlich zu grinsen, noch laut zu jauchzen, aber ihr Herz hüpfte freudig in ihrem Brustkorb umher.

„Beim Arzt.“ Sie umarmte ihre Mutter und hielt sie einen Moment länger als üblich.

„Bist du krank?“ Ihre Mutter musterte sie eingehend.

„Nee, ach was“, Berenike winkte ab, „nur so'n Routine-Check-up. Alles gut.“

„Kaffee?“

„Unbedingt.“

Sie schloss die Tür hinter sich und folgte ihrer Mutter in die Küche.

„Setz dich, zum Rumstehen ist die Küche zu klein.“

Gehorsam setzte Berenike sich und lehnte den Kopf gegen die Wand.

Ihre Mutter setzte Wasser auf und holte Tassen aus dem Schrank. „Du hast Glück, das ich schon zu Hause bin, ich hab nämlich woanders geschlafen“, plapperte sie, während sie Pulver für löslichen Cappuccino in die Tassen füllte. „Er wohnt in Gladbeck und er war neulich auf Renates Geburtstag und – oh, du wirst ihn lieben. Ich tu's nämlich auch. Er …“

Aus der plappernden alten Dame wird ein junges Mädchen, das mit geröteten Wangen und glühenden Augen die Hand einer Frau hält. Das dunkle Haar zu zwei Zöpfen geflochten, in einem schlichten dunklen Kleid, eine Bibel in einem Spitzentaschentuch in den Händen, ein schlichtes Goldkreuz an einer dünnen Kette um den Hals. Ein weißer Schleier aus zarter Spitze umspielt ihr lächelndes Gesicht, weiße Calla in den Armen und ein weites langes Kleid. Pausbacken und Babylachen.

„Mama“, murmelt sie und schließt die Augen. „Ich hab dich …“


„… lieb!“ Abrupt richtet Berenike sich auf, starrt auf einen blubbernden Wasserkocher und versucht, ihr Hirn neu zu starten. Wo war …? „Mama?“ Sie sprang auf. „Das Wasser kocht. Ich schütt schon mal ein.“

Stille antwortete ihr und eine Eisfaust boxt in ihre Magengrube. „Mama?“ Der Wasserkocher schaltete sich aus und das Blubbern ebbte ab.

„Mama“, nurmehr ein Flüstern, „bitte …“ Sie schob sich aus der Küche, getrieben langsam, bedacht hastig, beständig Halt suchend eilte sie Schritt für Schritt. Kinderzimmer. Wohnzimmer. Schlafzimmer. Bad. Noch einmal Küche. Keine Mama. Einzig eine dünne Goldkette mit einem Kreuzanhänger lag halb in einer der Tassen.

Sie schlug die Hand vor den Mund, erinnerte sich an ein Handy und eine Brille in einem Zug und klammerte sich an den Türrahmen, weil der Untergrund unerträglich schwankte. Schließlich glitt sie zu Boden, zog ihr Handy aus der Hosentasche und wählte die Nummer, die ihre letzte Hoffnung bedeutete.


„Du kannst dir das nicht vorstellen: Überall standen leere Autos. Der Bus – mitten auf dem Überweg. Die Arztpraxis – ich bin extra noch mal hin – sperrangelweit offen und leer. Die Apotheke – leer, sogar das Aquarium“, ohne es zu wollen, sah sie kurz hinüber zu seinem Aquarium, in dem Nemo, Dorie und die ganze Neonsippe fröhlich ihre Runden drehten. „Alles leer. Und still. Überall nichts. Niemand. Sogar vom Werk her war nichts zu hören. Keine Vögel. Insekten. Tot. Leer. Kannst du dir das vorstellen? Nix. Ach was, weniger als nix.“

„Schschsch, beruhige dich doch.“ Er legte ihr einen Finger auf die Lippen. „Du bist ja total überdreht. Seit wann hast du diese Schlafprobleme? Du solltest einfach ein bisschen schlafen.“

Sie schob ihn von sich. „Hörst du mir überhaupt zu? Das alles passiert, WEIL ich schlafe. Zuerst im Zug – deshalb auch der Stopp am alten …“

„Bebi, alles gut.“ Er zog sie in seine Arme. „Schlafmangel kann Halluzinationen hervorrufen. Oder …“

„Ich habe keine verschissenen Hallus! Das alles ist wirklich passiert. Alles! Die Menschen. Meine Mama. Weißt du überhaupt, wie sich das anfühlt, wenn alle … weg sind?“ Tränen strömten über ihr Gesicht und er erschrak ob der Intensität ihrer Verzweiflung. „Alles still“, flüsterte sie. „Und so schrecklich leer.“

Er bugsierte sie zum Fenster, von wo aus man Blick auf die Bernestraße und den Essener Hauptbahnhof hatte. „Sieht das leer aus?“

„Ich hab doch auch noch gar nicht geschlafen …“ Sie rieb sich die Augen. „Schnuffel, ich bin so müde, aber ich …“

Er ließ sie mit seinem Kuss verstummen und fing ihr Zittern mit seiner Umarmung auf. Irgendwann entschlüpfte ihr ein zaghaftes Seufzen und sie schmiegte sich an ihn und erwiderte seinen Kuss.

„Bebi“, nuschelte er, „lass uns was zu essen holen. Du hast bestimmt auch noch nichts gegessen.“

„Und du schwörst, dass alles gut wird?“

„Ja, Bebi, ich schwör“, er hob drei Finger, „das ist nichts, was gutes Essen, guter Sex und eine fette Mütze voll Schlaf nicht kurieren könnten.“

„Sex?“

„Sex. Du weißt schon, das ist, wenn beide nackt sind und …“

„Spinner!“

„Ich dich auch.“


Ein Schweißtropfen rinnt in die Kuhle unter dem Adamsapfel, das Spiel seiner Rückenmuskeln unter ihren Händen, sein heißer Atem, der ihr Ohr streift, wenn er „Bebi“ stöhnt, das Zittern in ihr, das größer wird und gewaltiger und sie fortspült mit seinem Namen auf ihren Lippen …


„Yann“, murmelte sie und tastete mit der Hand über den Platz neben ihr. Leer. Sie fuhr hoch. „Yannik?“ Hastig befreite sie sich aus der Umklammerung der Decke und sprang aus dem Bett. Sie wirbelte um die eigene Achse, wo waren … Ihr Blick fiel aufs Whiteboard. Guten Morgen, Bebi, ich hole Brötchen.

„Scheiße, du Arsch!“ Sie lachte zu laut und stand unschlüssig mitten im Raum. Sie könnte den Tisch decken, Kaffee aufsetzen und sich noch mal ins Bett legen, damit … Sie runzelte die Stirn. Irgendetwas … Sie hasste es, wenn sie das Gefühl hatte, etwas zu übersehen. Noch einmal drehte sie sich um die eigene Achse, langsamer diesmal. Das Aquarium. Blubbern. Das Fenster. Dämmerung. Der Schreibtisch. Wie immer schlummerte der PC-Monitor mit der Bildschirm schonenden Version einer unablässig zerfließenden Uhr. Zeit. Das Bett. Beredtes Zeugnis leidenschaftlicher Nacht. Nacht! Sie erstarrte. Verd…

18.53 Uhr, die Zeit, die auf dem Monitor noch vor wenigen Augenblicken zerflossen war. Keine Morgendämmerung. Abend. A … quarium. Sie hockte sich davor, legte die Hand auf die Scheibe. Keine. Fische.

Ein Schrei formte sich in ihrem Inneren, der zu gewaltig war, um sich ins Freie zu kämpfen. Sie stand langsam auf, schlafen, nur schlafen arbeitete sich Richtung Fenster, nie mehr aufwachen legte die Hand auf den Griff, bis auch sie verschwand öffnete das Fenster weit sich auflöste und hieß die Stille willkommen für alle Zeiten.


„Hey, bist du aus Essen?“ Ich hab dich hier noch nie gesehen.“ Er hatte ein süßes Lächeln.

„Und du kennst echt alle Mädchen aus Essen? Wow.“ Sie nippte an ihrem Wodka Lemon.

„Nein“, entgegnete er lachend, „aber ich kenne auch keinen guten Anmachspruch und wollte dich trotzdem kennenlernen. Hat's funktioniert?“

„Vielleicht. Kommt drauf an. Ich schlaf so schlecht in letzter Zeit. Kennst du ein Mittel dagegen?“

Er beugte sich vor, strich mit seinem Daumen sacht über die Innenseite ihrer Oberschenkel und raunte „Ich heiße Yannik“ in ihr Ohr.

„Berenike“, flüsterte sie zurück.

Seine Lippen liebkosten ihren Hals und ihre Hand glitt in seinen Schoß.

„Und du bist sicher, dass du schlafen willst?“ Sein Kuss ließ keine Antwort zu.

Diese Nacht brachte keinen Schlaf …


„Ich bin schon viel zu lange wach.“

„Hä? Redest du mit mir?“ Der Typ neben ihr nimmt die Kopfhörer aus den Ohren.

„Drei Tage, fünf Stunden und elf Minuten.“ Sie reibt sich die brennenden Augen. „Sprit ist alle, Geld auch und ich …“ Sie lächelt müde, beschließt, ihn süß zu finden, vielleicht ist es leichter für ihn, wenn sie ihn süß findet, eine Locke auf seiner Stirn, süß, sie streicht sie fort, so süß, streicht ihm durchs Haar, süß süß süß, und schläft ein, während sie ihm einen Kuss auf die Lippen haucht.

Comments

  • Author Portrait

    Recht anspruchsvoll, dein Text! Er verlangt vom Leser volle Konzentration, denn man verliert leicht den Faden, wenn man sich nicht wirklich einlässt auf das Spiel der wechselnden Orte und Begebenheiten... Aber so soll es ja auch sein, dass er den Leser mit Haut und Haaren in Anspruch nimmt! Ein herzliches Willkommen auf Belletristica, Claudia!

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