Schmerzen und Diagon Alley

Schmerzen und Diagon Alley

Jetzt aber los. Ich apparierte in den Hinterhof der Kampfschule und ging schnell hinein, da ich mich noch umziehen musste. Unser Training verlief wie immer für den Sensei zufriedenstellend, wie mir sein Gesichtsausdruck vermittelte, für mich schmerzhaft, wie mir mein Körper mir mitteilte. Mann, taten mir die Rippen weh. Ich war zu langsam in der Drehung gewesen und hatte einen harten Side-kick abbekommen. Dies war ein gerader Fußstoß, der das Ziel auf einer horizontalen Bahn, im rechten Winkel, im Rumpfbereich treffen sollte, sehr schmerzhaft. Da ich mich aber in diesen Moment gedreht hatte und ich so nicht abgeblockt hatte, hatte mich der Side-kick voll in meine untere Rippe, etwas unterhalb der Brust getroffen. Ich flog mit Schwung von der Matte und landete unsanft am Boden, wobei es mir die Luft aus den Lungen drückte. Scheiße, tat das weh! Ich glaubte im ersten Moment, sie waren gebrochen oder angebrochen. Als erstes blieb mir die Luft komplett weg, als ich hektisch versuchte nach Atem zu schnappen. Puh, was für ein schrecklicher Schmerz.

Ich blinzelte, da ich vor Schmerzen fast nichts mehr sah und versuchte nun langsamer tief Luft zu holen, um mich danach behutsam auf meine Beine zu ziehen. Der Schweiß brach mir aus und ich keuchte leidend auf, aber da war nichts gebrochen, wie ich nun erkannte, nur gestaucht. Das bemerkte ich, als ich meine Hand vorsichtig an meine verletzte Seite presste. Was tat man in so einem Fall im wirklichen Kampf um Leben und Tod? Auf die Zähne beißen und in Angriffsstellung gehen, sonst wäre man tot, ging es mir schlagartig durch den Kopf und ich hatte nun mal einen sturen Schädel.

Dann mal los. Ich ignorierte den pochenden, konstanten Schmerz und trat entschlossen auf die Matte und nahm meine Ausgangsstellung ein, fühlte, wie das Adrenalin wild durch meine Venen rauschte, dem ich es verdankte, dass ich es schaffte, die protestierenden Rippen zu ignorieren und den Schmerz zu akzeptieren. Ich versuchte meine Gedanken zu fokussieren, ruhig zu atmen, denn wo der Körper schwach ist, kann der Wille Berge versetzen, das betete ich mir in einem vor. Der Sensei nickte mir wohlwollend zu. „Ich schätze Ihren Kampfgeist, Miss Granger! Ausgezeichnet, wie eine wahre Kriegerin, soll es weiter gehen? Oder wollen wir das heutige Training beenden?“, fragte er besorgt nach.

„Weiter“, stieß ich knurrend aus und schluckte den Schmerz, mit fest zusammengebissenen Zähnen, hinunter. Gesagt, getan und schon griffen wir an. Hatte ich nicht schon mal gesagt, dass ich echt blöde Ideen in meiner Sturheit hatte? Wenn nicht dann gebe ich es euch jetzt schriftlich, ich hab sie nicht alle beieinander!

Scheiße! Das waren die schlimmsten Schmerzen, die ich bisher jemals gehabt hatte und in letzter Zeit hatte ich so viele Verletzungen erhalten, wie noch nie. Hey, ich meine, ich ließ mich so gut wie täglich zu Brei verarbeiten und das blieb nicht ohne Spuren. Aber das waren die schrecklichsten Schmerzen in meinem ganzen Leben. Wo die Rippen davor nur gestaucht waren, waren sie jetzt definitiv angebrochen, da war ich mir sicher. Nicht ganz gebrochen, aber einen Knacks hatte ich nach einem weiteren Fußschlag, leider. Ich hatte es tief in meinem Inneren knirschen gehört und auch gespürt. Wie, wenn man auf einen morschen Ast trat und er durchbrach, ein widerwärtiges Geräusch, das mich kurz fast in die Ohnmacht geführt hätte.

Ein grausames Geräusch! Und der stechende Schmerz, der durch meinen Körper geschossen war, war nichts gegen den davor. Ich hatte gedacht nie mehr aufstehen zu können! Aber hatte ich es anders gewollt? Nein! Wenigstens hatte ich mich nicht kampflos geschlagen gegeben. Ich war selbst von mir beeindruckt, wie gut ich mich, trotz einer solchen Verletzung, mittlerweile wehren konnte. Ich hätte die Brust vor Stolz herausgestreckt, wenn es mir denn möglich gewesen wäre. Jetzt war ich froh, dass ich wenigstens in gebückter Haltung gerade so noch stehen konnte. Als ich dies so überlegte und mich in die Umkleide schleppen wollte, hielt mich der Sensei auf. „Miss Granger, Sie sind in Ihrem Willen beeindruckend, auch wenn ich finde, dass Sie es übertreiben, wenn ich es so sagen darf. Ich möchte Sie nicht so verletzen, wir hätten das Training beenden sollen. Wollen Sie mir nicht sagen, was Sie dazu treibt sich so zu… wie soll ich sagen… sich so zu… finden Sie nicht, dass Sie übertreiben, Miss Granger?“ Er fuhr sich dabei verzweifelt mit den Fingern durch die kurzen Haare, wenn er längere gehabt hätte, hätte er sie sich gerauft.

„Sensei, ich bin nicht paranoid. Hier geht es um Leben und Tod. Ich bilde es mir nicht ein, dass es einige Personen gibt, die es auf mich abgesehen haben und ich bin nicht bereit, ihnen leichtes Spiel zu bieten. Bitte, machen Sie sich keine Vorwürfe. Die Rippen sind nur geprellt, das ist morgen wieder weg. Wenn Sie möchten, fertigen Sie bis morgen ein Schreiben an, in dem ich Sie der Verantwortung enthebe, sollte mir im Training etwas passieren und ich eine schwere Verletzung erleide. Des Weiteren spreche ich Sie darin von jedweder Schuld frei, da ich Sie damit beauftragt hatte so vorzugehen, würden Sie sich dann besser fühlen?“, fragte ich einfühlsam und mit bewundernswert fester Stimme, wenn man bedachte, dass mich meine Rippen gerade umbrachten. Ich war gut, aber erstaunter war ich, dass ich noch so viel denken konnte, obwohl mir derweil Sternchen vor den Augen tanzten, dank des stetig pochenden Schmerzes meiner angebrochenen und nicht geprellten Rippen.

„Nun gut, Miss Granger, wenn Sie das so sehen, werde ich Ihnen das Schreiben morgen zur Unterschrift vorlegen. Ich glaube, wir sollten morgen mit dem Waffenkampf beginnen. Sie sind so weit, vorausgesetzt Sie werden bis dahin genesen sein. Da wir uns erst einmal intensiv mit der Waffe beschäftigen, mit der sie sich verteidigen wollen, wird das alles etwas Ruhiger ablaufen“ Er sah mich immer noch besorgt an, schien aber von meinem Angebot beruhigt, denn auch ihm ging es nur darum sich zu schützen und um das liebe Geld. Die Menschen waren an sich zu berechenbar. Sollte mir recht sein. Ich war erfreut und zeigte dies auch, trotz meiner Schmerzen. „Das ist wunderbar, Sensei. Ich freue mich. Ich werde morgen meine Dolche mitbringen und machen Sie sich keine Sorgen, das….“, ich deutete mit meinen Händen lässig über meinen Körper, „… das wird morgen schon so gut wie weg sein, Sie werden sehen, Sensei!“ Ich verbeugte mich mehr als steif und knapp und humpelte dann unter die Duschen.

Zum Glück hatte ich gerade die Umkleide für mich allein, um mich schnell zu heilen. Ich sprach einen Ferula, um die angebrochenen Gliedmaßen magisch zu schienen. Das Knirschen, als sich die Kochen rücksichtslos wieder in die richtige Position brachten und einrenkten, ließ mich vor Schmerz fast schreien, aber ich biss mir auf die Lippen, bis ich Blut schmeckte, atmete zitternd aus und sank, fast bewusstlos vor Schmerz, auf den Boden der Umkleidekabine. Warum tat ich mir das nochmal an? Ja, genau, der Dark Lord war wieder gekehrt. Genau, das war’s! Puh, jetzt zog ich mich auf die Bank und kümmerte mich weiter um meinen geschundenen Leib, noch einen Episkey, um auch die kleinen Verletzungen zu heilen. Ich lag immer noch mehr auf der Bank, als dass ich saß.

Ich konnte zwar fühlen, wie meine Rippen sich richteten, aber ganz heile waren sie zu meinem Leidwesen noch nicht. So humpelte ich, mit einer gequälten Grimasse, zu meinem Spind und wühlte nach einem stärkeren Heiltrank, sowie einem Stärkungstrank und schluckte gierig, die nicht so gut schmeckenden Tränke. Danach ließ ich mich erschöpft und ausgelaugt wieder auf die Bank sinken, um zu beobachten, wie die Magie der Tränke und Zauber zu wirken begann. Ich konnte spüren, wie die geschienten Rippen heilten, zwar immer noch nicht vollständig, aber genug, um den Schmerz leichter aushalten zu können und das Zittern meiner Gliedmaßen hörte auf. Somit begann ich zaghaft, mich auf das morgige Waffentraining zu freuen. Eine Stunde hatte ich noch, um zu regenerieren, bevor ich wieder im Grimmauld Place sein musste. Ich musste noch in die Diagon Alley, so war der Plan, zwar hatte ich nicht damit gerechnet so gehandikapt zu sein, aber na gut, ich würde es trotzdem wagen.

Nach meiner Behandlung, konnte ich wieder einigermaßen aufrecht gehen, trug mein weißschwarzes Kleid und verwandelte mich in einer Seitengasse wieder in Minna Cale und apparierte in die Diagon Alley. Mein erstes Ziel war Ollivanders. Ich wusste, eigentlich hätte ich noch ein Robe benötigt, aber wo hernehmen, wenn nicht stehlen? Also musste es so gehen.
Schon stand ich vor dem Ladenschild, auf dem in abblätternden, goldenen Buchstaben stolz verkündet wurde, dass hier seit dem Jahre 382 v.Ch. Zauberstäbe aus eigener Herstellung verkauft wurden. In dem staubigen Schaufenster lag auf einem roten Kissen, schon wie damals, als ich meinen Stab hier gekauft hatte, ein dunkler Zauberstab. Es hatte sich nichts verändert zu damals, als ich mit elf Jahren, dank Mr. Ollivanders Zauberstab, eine richtige Hexe geworden war. Ich trat ein und wurde durch ein helles Glockenläuten begrüßt. Der ziemlich dunkle Innenraum wirkte alt, eng und karg. Die einzige Einrichtung, des leer wirkenden Ladens, waren ein storchenbeiniger Stuhl, ein Tresen und dutzende von Regalen an den Wänden, die vom Boden bis zur Decke mit länglichen Schachteln gefüllt waren. Ich wusste, in jeder dieser Schachteln befand sich ein, auf einem bunten Stoffbett ruhender, Zauberstab. Die Atmosphäre war spannungsgeladen, da man hier sein erstes magisches Werkzeug erhielt.

„Was kann ich für Sie tun, Miss?“, tönte es mit sanfter Stimme aus dem hinteren Teil, in dem sich die Werkstatt befand.

„Mr. Ollivander, ich brauche einen Stabhalter, wie ihn Auroren haben“, rief ich offen und ehrlich.
Schon trat ein beschwingter, älterer Zauberer, mit großen, blass silbernen Augen zu mir, die einen eher starr und forschend ansahen, wobei er nicht zu blinzeln schien.

„Mhh, jajaja. Natürlich, einen Moment bitte. Ich wundere mich, denn ich kann mich an jeden Zauberstab
erinnern, den ich verkauft habe, aber Sie, Sie hab ich noch nie gesehen, wie ich glaube“, fabulierte er sanft murmelnd und tippte sich überlegend mit den Zeigefinger an die Lippe.

„Das ist richtig, ich komme nicht von hier.“ Mehr würde ich nicht sagen, denn das ging ihn gar nichts an.

„Ach so ist das, hatte also recht. Ich sage ja, ich kenne zu jedem Zauberer den Zauberstab“, und tauchte wieder hinter einem Regal hervor. „Aus was für einem Material wünschen Sie den Halter?“
„Nun, den Besten, den Sie haben… Leder, Drachenleder, keine Ahnung, was empfehlen Sie denn, Mr. Ollivander?“, legte ich dies in seine wissenden Hände.

„Die Standardausrüstung der Auroren ist ein Halter aus Echsenleder, ohne größere Ausstattungen, aber ein Unsichtbarkeitszauber liegt auf ihnen allen. Sie können ihn am Arm oder am Oberschenkel tragen, ist selbstanpassend,… aber… es gibt auch noch die Besseren… doch die Kosten entsprechend mehr. Diese sind aus leichtem Drachenleder und sie haben einen automatischen Accio integriert. Sollten Sie Ihren Zauberstab mal unbeabsichtigt fallen lassen, wird er automatisch zurückgerufen, ist eine Erfindung der Familie Ollivander, Familiengeheimnis. Der Unsichtbarkeitszauber ist Standard, genau, das wäre es!“, führte er geschäftig und verträumt zugleich aus und wirkte ganz in seinem Element.

„Dann die teure Variante. Wie viel schulde ich Ihnen?“, erwiderte ich knapp, da mich meine Rippen noch immer peinigten und ich nichts lieber wollte, als mich in mein Bett zu verkrümeln.
„Moment, hab‘s gleich“, klang es gedämpft, da der ältere Mann hinter seinem Verkaufstresen untergetaucht war und darin wühlte. „Hier haben wir das gute Stück!“ nun hielt er vorsichtig den aus dunkelgrünem Drachenleder gefertigten Zauberstabhalter in der Hand und mir entgegen.
„Ein schönes Stück“, lobte ich das erlesene Teil.

„Wohl wahr, ein Meisterstück, aber auch nicht günstig. Das macht dann 80 Galleonen!“, erklärte er gerade heraus, dann sah er mich erwartungsvoll an.

Ich zückte mal wieder meinen Blutbeutel und fischte 80 goldene Galleonen heraus. „Bitte und vielen
Dank!“, sagte ich und langte nach dem Halter, drehte Ollivander den Rücken zu und hob wenig scheu mein Kleid an. Ich legte noch vor Ort den Stabhalter um meinen Oberschenkel und siehe da, als ich fertig war, wirkte der Unsichtbarkeitszauber. Ich ließ mein Kleid sinken und blickte über meine Schulter zu Ollivander, der mich gespannt und auch ein wenig sprachlos beobachtete.

„Sitzt wie angegossen und hält was Sie versprachen, nochmals danke“, lächelte ich ihn zynisch, ob seines perplexen Blickes an und lief aus dem Laden. Ich musste noch in den Tropfenden Kessel eine Kiste Butterbier kaufen, denn das würde meine Möglichkeit sein, die Weasley-Geschwister schlafen zu schicken. Ich verkleinerte noch die Kiste, steckte sie in meine Sporttasche und apparierte. Somit würde ich es pünktlich zum Essen, um 20 Uhr, schaffen. Als ich in der der parallelen Seitengasse vom Grimmauld Place ankam, atmete ich erleichtert auf. Alles war mal wieder zu meiner vollen Zufriedenheit verlaufen, auch wenn mir augenblicklich das Atmen etwas schwerer fiel, da ich mir meiner Rippen wieder schmerzhafter bewusst wurde und ich wankte leicht, doch ich biss mir auf die Zunge und zwang mich weiterzugehen und weiterzumachen. Die Wirkung der Tränke ließ nach, aber ich wollte mir die nächste Dosis erst verabreichen, wenn ich ins Bett ging.

So steckte ich meinen nicht legalen Weißdornbirkenzauberstab in mein soeben erworbenes Halfter am Oberschenkel. Es war ein gutes Gefühl. Daran hätte ich schon eher denken sollen einen Halfter zu kaufen. Auch die Zauber, die auf diesem Halfter lagen, waren genial, eine wirklich gute Anschaffung. Und so schritt ich zügig und im Großen und Ganzen zufrieden ins Haus und gleich in die Küche.

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beta
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