Schwarzbunte Tage2

„Ich hätte sie sehen müssen.“, meinte Miguel. Er machte sich Vorwürfe.

„Nein, du warst wie wir alle in der Feierlaune. Da achtet man auf andere Sachen.“, tröstete Livia ihn. Sie gingen Hand in Hand nach Hause. Er hatte seine Narrenkappe abgenommen und trug sie gefaltet in der Hand wie eine Aktentasche. Um den Hals baumelten einige Orden. Den beiden kam ein Trupp von schwarz gekleideten Bereitschaftspolizisten entgegen. Alle mit Kabelbindern in den Gürteln, Schlagstöcken und Zusatz Pfefferspray. Die Helme waren an den Gürteln befestig.

„Ihr solltet schleunigst nach Hause gehen.“, Meinte einer, der vorne weg ging. Er war wahrscheinlich der Gruppenführer: „In der Dunkelheit weiß man nie, auf wen man stößt.“

„Danke für den Tipp.“, meinte Miguel immer noch ein wenig gereizt, da er die Faustfeuerwaffe zu spät gesehen hatte.

„Sagen Sie, war das eigentlich eine echte Waffe oder nur ein Spielzeug?“, fragte Livia den Beamten.

„Darüber darf ich keine Auskunft geben.“, meinte der Polizist.

„Das ist schade. Und verunsichert mich. Vielleicht rennt hier ja einer mit einer echten Waffe noch rum und – Sie wissen schon. Und knallt hier auf Jecke und anständige, angetrunkene Personen, die extra das Auto und Fahrrad stehen lassen, um im Einklang mit dem Gesetz zu harmonieren.“ Meinte Livia leicht ängstlich.

„Und warum nehmen Sie kein Taxi?“, fragte der Polizist.

„Weil die alle unterwegs sind und erst voraussichtlich in einer Stunde frei sind.“, meinte Miguel.

„Aha. Wie viel haben Sie denn getrunken?“

„Ich habe zwei Gläser Cola mit Alkohol getrunken und sie einen alkoholischen Drink.“, erklärte Miguel.

„Und obwohl wir eigentlich nichts trinken.“, fügte Livia hinzu, „Und da ich erst vor kurzem den Führerschein habe, bin ich auch noch nicht so sicher und möchte mich nicht in den ersten Monaten strafbar machen.“

„Sehr vernünftig. Wo wohnen Sie denn?“

„Am Hofstraße.“

„Aha, also ich kann Ihnen anbieten, dass Sie mit zur Wache kommen und dann dort auf ein Taxi warten. Dann brauchen sie nicht in der Dunkelheit angetrunken nach Hause.“, bot der Polizist an und Miguel nahm das Angebot dankend an.

Auf dem Weg unterhielten sich Miguel und der Truppenführer über die Arbeit der Polizei und über den Einsatz. Durch Miguel’ Geschick, die Gespräche so zu lenken, wie er möchte, ohne, dass es andere mitbekommen, bekam er auch Einsichten in die bisherigen Auseinandersetzungen. Des Weiteren erfuhr er, dass es sich heute Nachmittag doch nur um eine Attrappe handelte. Auf der Wache wurden sie im Vorraum abgesetzt und der Gruppenführer rief noch mal bei der Taxizentrale an. Erstaunt kam auch Paul heraus. Miguel und Livia kannten ihn schon aus älteren Fällen und sie hatten somit einen guten Draht zu der Wache in Düsseldorf und der Polizei generell. Miguel und Livia wurden zur Küche geführt und dort durften sie sich aufwärmen. Paul kochte ihnen einen Tee und gemeinsam quatschten sie über alles Mögliche. Dies konnte jedoch nur sein, da Paul gerade seine Schicht beendet hatte. Selbiges galt auch für den Trupp der Bereitschaftspolizei, welche irgendwann auch sich an den Tisch setzten. Ohne ihre schwarze Kleidung welche über all den Protektoren war, sahen die Polizisten sehr viel netter aus. Sie lachten und hatten Spaß. Als nach einer weiteren halben Stunde immer noch kein Taxi vorgefahren war, meinte Paul:

„Soll ich euch nach Hause bringe? Denn ich glaube, das wird heute nichts mehr.“

So verabschiedeten sich die drei von dem Trupp welcher über die Karnevalstage in Düsseldorf stationiert worden ist und wurden von Paul nach Hause gebracht. Natürlich störte das Bild der schwarzgekleideten, ernstdreinblickenden Bundespolizisten das jäcke Bild, doch alle akzeptierten sie. Nur hier und da gab es vereinzelt Auseinandersetzungen, weil man nicht akzeptieren wollte, dass man sich nicht als Pirat oder Cowboy oder Polizist verkleiden durfte oder sollte.

...


 


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